Meine kleine Schwester

Sie ist heute Vormittag wieder nach Hause gefahren! Meine jüngste Schwester.

Normalerweise realisiere ich nicht so sehr, dass mir Familie und Freunde doch manchmal fehlen. Aber jedes Mal, nachdem Besuch da war, merke ich, wie gut es tut. Es ist es einfach schön zusammen zu sitzen und von Dingen zu reden, an die wir uns alle erinnern, über die alle Anwesenden lachen können. Es tut auch gut, sich kurz gemeinsam an Vorkommnisse zu erinnern, die einen traurig machen. An die verstorbene Mutter denken, an Niederlagen oder Fehlentscheide. Das alles können all’die Menschen, welche wir unterwegs kennen lernen und mit denen zum Teil auch neue Freundschaften entstehen, nicht ersetzen.

Meine Schwester kommt gerne aufs Boot und hat mit uns ein verlängertes Wochenende verbracht. Ich habe jede Minute genossen und viel gelacht, aber auch realisiert, dass wir uns jetzt wieder mal viel zu wenig sehen. Die letzten Jahre, nachdem meine Firma die Stabstellen national in die Stadt verlegt hatte in der mein Schwesterlein wohnt, haben wir mehr oder weniger regelmässig einmal die Woche zusammen zu Mittag gegessen. Seit jener Zeit, als wir flügge geworden waren, hatten wir uns nie mehr so häufig getroffen. Stets war entweder sie weit weg von der Familienzelle oder dann halt, noch öfter und viel länger, ich weit in fernen Ländern. Die gemeinsamen Lunchs liessen sich trotz Home Offices oder andere Büro-Abwesenheiten immer etwa organisieren und gefielen mir sehr. Eine Stunde quatschen, klönen oder auch mal ganz ernst etwas besprechen, und dann beide wieder zurück ins Büro. Der Zufall hatte es gebracht, dass wir einige Jahre mitten in der Stadt bloss ein paar Schritte voneinander entfernt arbeiteten!

Jetzt ist wieder alles anders. Als die um ein paar Jahre Ältere habe ich einen kleinen Vorsprung auf die Optionen, die das Leben so bietet und meine kleine Schwester ist noch in der Entscheidung- und Planungsphase. Ich glaube fast, sie hat denselben Virus erwischt wie wir: die Lust auf einen Neuanfang sobald die Umstände es erlauben. Nochmals alles auf den Kopf stellen, sich befreien vom Ballast, der sich angesammelt hat, etwas zu tun, das ein ganz neues Lebensgefühl gibt. Vielleicht bescheidener, aber intensiver!

Die Frage ist nur: WAS?

Es ist nicht einfach, einen vielleicht drastischen Entscheid zu treffen. Sich von seiner Stadt, seiner Wohnung zu trennen, die Freunde und Bekannten zurückzulassen, sich auf etwas völlig Neues vorzubereiten und dann auch einlassen darauf. Das sind einschneidende Momente. und nicht immer ohne ein gewisses Restrisiko. Aber was im Leben ist schon frei von Risiken?

Ich wünsche meiner kleinen Schwester auf jeden Fall, dass sie genau das findet, was zu ihr passt. Sie ist unternehmungslustig und scheut auch gewisse Risiken nicht. Sie ist mutig und anpassungsfähig, sprachgewandt und neugierig, offen und an allem interessiert.

Liebe C. – ich weiss, du wirst diesen Beitrag auch lesen – bleib dran! Ich kann dir nicht raten, was genau du tun könntest, wenn es dann mal so weit ist. Du hast noch etwas Zeit, aber dann wünsche ich dir, dass du deine Flügel ausbreiten kannst und genau das findest, was hundertprozentig zu dir passt. Etwas das dir so viele neue Erlebnisse bringt, wie du dir wünschst, dass du genau die Menschen triffst, die dich faszinieren und animieren immer weiter zu fliegen. Ich wünsche dir, dass du dich immer und immer wieder so schön laut und begeistert an schönen, langen Sonnenuntergängen freuen kannst!

Das ist mein Wunsch für meine kleine Schwester – und für alle Anderen auch!

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Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

4 Kommentare zu „Meine kleine Schwester“

  1. Liebe Suzy, was für schöne Worte, da wird mir ganz warm ums Herz! Es tat gut in unseren gemeinsamen Erinnerungen zu schwelgen.
    Immer wenn ich bei euch war, brodelt es in meinem Kopf und meine Sehnsucht nach Unbekannten, nach Neuem und aufregendem ist dann schier unerträglich!
    Ich glaube auch fest dass ich meinen Weg finden werde, hab ja (leider) noch etwas Zeit.
    Danke für deine Gedanken und deine Wünsche!

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe Suzanne
    Ich freue mich schon wie ein kleines Kind, eine neue Geschichte von euch zu lesen, wenn ich am Morgen ins Büro komme und die Benachrichtigungsmail in meinem Posteingang sehe. Deine fesselnde, lebendige Art zu schreiben, fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Beim Lesen entstehen Bilder von euch, von euren Erlebnissen und ich geniesse es, in der ersten Reihe zu sitzen. Geniesst euren neuen Lebensabschnitt! Ich freue mich aber auch, euch beim Weihnachtsessen endlich wieder einmal zu treffen!

    Gefällt 1 Person

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