Terra incognita

Die Enten sind in Hochzeitsstimmung und wir gehen nirgends hin, ohne nicht mindestens einen Führer oder eine Flusskarte dabei zu haben. Mit Begeisterung rutschen wir auf den Karten herum, schlagen Infos nach und versuchen uns ein Bild zu machen von dem, was uns da erwarten könnte! Weiterlesen „Terra incognita“

Wir sind dann mal weg, n°1

Auch vom Bootsleben macht man gerne mal eine Pause! Ob es eine gute Idee ist, dies im Dezember zu tun, ist eine andere Frage, vor allem wenn es noch nördlicher in den Kurzurlaub geht! Aber was solls, eine Auszeit ist auch bei Regen und Wind eine Abwechslung, und Hundehalter sind bekanntlich wetterfest. Weiterlesen „Wir sind dann mal weg, n°1“

Sackgasse: The point of return

Zwischen Fouchécourt und dem Wendepunkt unserer Reise wollten wir unbedingt nochmals wild übernachten und hatten unsere liebe Mühe einen Platz zu finden. Überall waren die Ufer zugewachsen, oder das Gras stand hüfthoch und so wollte ich nicht auf das Ufer springen, zudem die meisten Uferbereiche Hanglage aufwiesen. Ein Problem-Knie in der Familie reicht! Wir fanden dann doch noch etwas: bei Ormoy unter Pappeln, bloss 5 km vor dem grossen Etappenziel, und bloss halbwild, aber immerhin. Dafür blieben uns dann am nächsten Tag bloss eine Kurzstrecke bis Corre, wo wir uns ein relativ schattiges Plätzchen sichern konnten. Weiterlesen „Sackgasse: The point of return“

Eingeladen

Wir waren letzten Samstag in St-Jean-de-Losne zum Abendessen eingeladen. Die allermeisten unserer Freunde hier in Frankreich wohnen selber auf Booten. So sind Treffen oft gar nicht einfach zu organisieren und manchmal sehen wir uns Monate, wenn nicht jahrelang nicht mehr! Deshalb waren wir voller Vorfreude. über ein Jahr hatten wir uns nicht getroffen. Diesmal würde es sogar türkisches Essen geben und darauf freuten wir uns ganz besonders.

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(Zusammen-)leben auf einem Hausboot

Was, ihr wollt ganzjährig auf einem engen Boot leben!? Habt ihr euch das gut überlegt? Kriegt ihr euch da nicht ständig in die Wolle? Ihr kennt ja da niemanden!

So oder ähnlich tönte es ab und zu, als wir uns daran machten unsere Pläne in die Tat umzusetzen. Tatsächlich haben wir uns dies kaum überlegt. Wir sind beide nicht so der Typ, der sich das Pro und Contra endlos überlegt und alles durchdenkt, sondern eher so «Jump and see»-Menschen. Bis jetzt ist es ja auch immer gut gegangen, also meistens.

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Alte Freundschaften

Wie haltet ihr es mit Freundschaften? Ich selber habe gerade etwas, das mir unter den Nägeln brennt, denn leider können Freundschaften auch mal zu einem Problem werden. Nämlich dann, wenn sie irgendwie einseitig werden. Dies im Sinne von lieben und sich lieben lassen. Besser ausgedrückt: Wenn die einen sich stets anstrengen müssen und die anderen „halten Hof“ und finden dies erst noch absolut normal.
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Freunde durch eine Ratte

Seltsamer Titel, nicht?

Tatsächlich haben wir vor ziemlich genau einem Jahr durch eine Ratte eine schöne Freundschaft geschlossen! Weiterlesen „Freunde durch eine Ratte“

Meine kleine Schwester

Sie ist heute Vormittag wieder nach Hause gefahren! Meine jüngste Schwester.

Normalerweise realisiere ich nicht so sehr, dass mir Familie und Freunde doch manchmal fehlen. Aber jedes Mal, nachdem Besuch da war, merke ich, wie gut es tut. Es ist es einfach schön zusammen zu sitzen und von Dingen zu reden, an die wir uns alle erinnern, über die alle Anwesenden lachen können. Weiterlesen „Meine kleine Schwester“

Europäisches Tropenwetter und so

Das derzeitige heiss-feuchte Wetter entbehrt nicht der Ironie.

Als wir, jahrelang und immer wieder, darüber diskutiert haben, wohin wir denn auswandern möchten, wenn ich dann beruflich mal so weit sein werde (sprich in Rente gehen kann) war eines eigentlich von Beginn an klar: kein tropisches Land!

Und jetzt das! Jeden Tag fast 30 Grad, eine Luftfeuchtigkeit, die den Tropen Konkurrenz macht und einen Wetter-Rhythmus wie zur Regenzeit: Vormittags und Anfangs Nachmittag noch trocken, dann aber kommt es. Dicke Wolken ziehen auf, die Hitze wird in die Räume hinein gedrückt und, wenn sich dann alles so schön aufgeladen hat, Regengüsse die kein Schirm aushält. Ich nehme das jetzt mal persönlich: wir wollen nicht mehr in die Tropen? Dann kommen halt die Tropen zu uns. Kein Entrinnen.

Vielleicht eine kurze Erklärung, weshalb wir tropische Länder von Beginn an ausgeschlossen haben: Wir haben in tropischen Gefilden gelebt und gearbeitet. Es hat uns sehr, sehr gut gefallen. Was sag ich da, wir haben es geliebt! Nur ist das so manches Jahr her. Die Welt ist längst nicht mehr dieselbe und wir befürchteten, wir würden die damaligen Zeiten suchen und nicht mehr finden. Klar entwickelt sich alles weiter, das ist auch in Ordnung so. Und es ist auch klar, dass, in unserem Fall asiatische, Länder aufholen möchten und alle Annehmlichkeiten der westlichen Welt auch haben möchten. Nur leider haben wir festgestellt, dass der Preis dafür extrem hoch ist gerade für ehemalige Schwellenländer: unkontrolliertes Bauen, Luft-und Wasserverschmutzung, Abholzung, Ausbau des Massentourismus bis zum Geht-nicht-mehr, und so fort. Ausserdem sind wir Europäer und unseren europäischen Rucksack nähmen wir überallhin mit. Sich irgendwo so zu integrieren, wie wir es von Ausländern aus anderen Kulturkreisen bei uns in Europa erwarten, wäre kaum möglich. Wir würden nie aufgehen in einer lokalen Kultur, sondern würden entweder die reichen Weissen bleiben oder ausschliesslich in Expatriates-nahem Umfeld verkehren. Und das würde nicht nur allein an uns liegen, sondern von beiden Seiten so gesehen werden. Auch wenn ich perfekt indonesisch könnte, eine Indonesierin wäre ich trotzdem noch lange nicht.

Nun denn, also Europa. So haben wir überlegt: Kleinere kulturelle Verschiedenheiten, weniger sprachliche Hürden (ich hätte aber auch noch zum Beispiel Schwedisch gelernt). Keine langen Flugreisen nötig (bin in der Luft ein Angsthase). Die medizinische Unterstützung ist optimal und uns vertraut. Die Wetterverhältnisse entsprechen uns. In den Tropen ist es fifty-fifty sehr grün oder einfach grün, in Europa haben wir vier Jahreszeiten (die wir lieben, mehr oder weniger). Freunde und Familie können uns einfacher besuchen kommen.

Nachdem Irland (Manns Veto: zu viel Wetter), Skandinavien (mein Vorbehalt: zu lange dunkel), Südeuropa (beide: im Sommer zu trocken) aus dem Rennen gefallen sind, waren wir etwas ratlos. Zum Glück kam da die Mississippi und rettete uns. Sie wollte just zum richtigen Zeitpunkt verkauft werden! Richtiger Ort zur richtigen Zeit.

Die Mississippi heisst heute Escapade und ist unser schwimmendes Heim. Sie fährt unter französischer Flagge, und deshalb sind wir jetzt mal in Frankreich (kann sich ändern) und haben hier tropisches Wetter! Die Hunde finden das im Moment halb so lustig, Merry hasst Blitz und Donner und Janusz mags nicht gerne allzu heiss. Wir beide finden es cool (respektive hot).

Also nicht ganz immer – es müsste einfach immer ein Lüftchen wehen, dann ist es toll.

Stürmischer Himmel
Stürmischer Himmel

„Was machst Du eigentlich so

den ganzen Tag“, wurde ich letzte Woche gefragt. Ich bin selten richtig sprachlos, aber da wusste ich gerade keine befriedigende Antwort und stotterte bloss etwas herum.

Inzwischen ist eine Woche vergangen und ich habe ab und zu über diese Frage nachgedacht. Sie ist ja berechtigt! Was tue ich denn den ganzen Tag lang?

Im Unterschied zu früher gibt mir kein Job den Takt und dies ist etwas, das ich extrem geniesse. Niemand sagt mir wann ich aufstehen soll um irgendwie im Büro zu erscheinen bevor die ersten schon ans Nachhause gehen denken. Auch meldet sich Mann kaum mehr Spätabends mit der Mahnung doch einmal das Licht zu löschen weil ich am folgenden Morgen kaum aus dem Bett komme. Diese Freiheit ist ein absoluter Luxus und ich geniesse dies jeden Tag. Nach weit über 40 Arbeitsjahren ist das eine Art Befreiung.

Ich kann gut verstehen, wenn jemand in dieser Situation auch mal den Tritt verliert und etwas orientierungslos wird und kann mir durchaus vorstellen, dass sich eine gewisse Leere breitmachen könnte. Wir haben zum Glück unsere beiden Vierbeiner und die müssen regelmässig raus und gefüttert werden. Ich glaube, die Hunde geben uns heute den nötigen Rahmen zum Ganzen. Wenn wir nicht das Leben gewählt hätten, das wir jetzt führen, würde ich vielleicht noch einen kleinen Job haben, Volontärarbeit verrichten oder mir sonst eine Aufgabe suchen, welche mir eine kleine Struktur geben würde. Ich denke, jeder benötigt jemanden oder etwas, das auf einen wartet, einen braucht oder sich auf einen verlässt. Das muss ja nicht für jeden Tag sein!

Neben den Bedürfnissen der Hunde kommen auch bei uns die täglichen Aufgaben wie kochen, putzen, waschen; was halt so anfällt und mehr oder weniger Spass macht. Am Boot gibt/gäbe es eigentlich ständig etwas Kleines zu tun, aber das alles füllt den Tag noch nicht. Obwohl, wenn wir dann wieder einmal aussen herum das ganze Boot, alle Decks, Gangways, Treppen und Relings inklusive Fenster und Aussenhaut auf Hochglanz gebracht haben, ist das höchst befriedigend. Keine Ahnung wo der ganze Dreck immer herkommt, aber das könnten wir ohne weiteres einmal die Woche tun, ohne dass es übertrieben wäre! Zur Zeit ist das Boot ständig gelb vor lauter Blütenstaub.

Aber zurück zum Thema: Langeweile kannte ich schon als Kind nicht. Diesbezüglich bin ich ein Glückspilz. Ich wurstle stets etwas herum und wenn nicht, fläze ich mich auch mal gerne hin und lese ein Buch. Ausserdem kann ich auch ganz gut einmal einfach nichts tun, indem ich vielleicht mit einem Kaffee auf dem Deck oben sitze und in die Landschaft rausschaue und etwa ein besonderes Licht oder eine spezielle Stimmung geniesse, mal zu zweit aber auch gerne ganz allein. Ab und zu habe ich einen kreativen Schub; ich bin da wirklich nicht sehr beständig. Ich wäre gern jemand der schon sein Leben lang malt, oder musiziert, oder alle Kleider selber näht und strickt, oder aus Ikea-Kleinmöbel etwas völlig anderes schafft… Leider muss ich stets auf eine Fee warten, die mich mit ihrem Stab berührt. Dann habe ich eine Idee und setze die wie im Fieber um. Meist gelingt mir wirklich etwas Besonderes, aber leider, leider ist dann die Luft draussen und ich muss wieder warten, bis es mich anspringt. Nicht sehr befriedigend.

Seit wir auf dem Boot wohnen, haben wir jede Menge spontane Kontakte. An einer Anlegestelle oder in einem Hafen kommen wir einfach und unkompliziert mit Andern ins Reden, sei es durch Hilfe beim Festmachen, durch Fragen wo die nächste Bäckerei zu finden ist, wie oder wo man den Hafenmeister findet…. Da ergibt sich schon mal ein längerer Schwatz auf dem Ponton, oder führt zu einem Apéro oder Essen. Zudem habe ich am Bug eine kleine Flagge, die signalisiert, dass ich Mitglied der „Women on Barges“ bin, eine Gruppe mehrerer Tausend Frauen auf der ganzen Welt, die sich über alle möglichen Themen rund ums Leben auf einem Boot äussert, alles sehr kommunikative und offene Frauen. Die Flagge schafft schnellen und einfachen Kontakt, der oft auch über die geografischen Distanzen weiterbesteht. Mit Kontakten pflegen bin ich eigentlich jeden Tag beschäftigt.

Ich schätze die vielen neuen Gewohnheiten und Möglichkeiten unseres jetzigen Lebens sehr. Es ist nie eintönig und abgesehen von „häuslichen Pflichten“ nicht repetitiv. Ich fühle mich dadurch belebt und Langeweile ist wohl weder bei uns noch bei den Menschen, denen wir jeden Tag begegnen ein Thema. Aber eine richtige Antwort auf die Frage, was ich den ganzen Tag so mache, habe ich eigentlich jetzt immer noch nicht. Ist das schlimm?