Ein Lob auf die Langsamkeit

auf das sich Einlassen und auf die Entschleunigung.

Für fleissige Leser/innen dieses Blogs ist das sicher nicht neu: wir sind langsame Reisende! Manchmal sogar extrem langsam, bis hin zum absoluten Stillstand. Gemächliche Reisende durchs Leben allgemein und auch entspannt unterwegs.

Nun stellt sich die Frage, ob es besser ist langsam unterwegs zu sein, Weiterlesen „Ein Lob auf die Langsamkeit“

Zwei grosse Vorhaben erledigt

Wir sind in unsere provisorische Bleibe umgezogen, haben alles eingerichtet und etwas personalisiert, haben es eng aber recht gemütlich. Das Hüttchen wird offiziell für 5-7 Personen vermietet. Keine Ahnung wie es 7 (!) Personen hier drin eine Woche lang aushalten würden sollte es mal regnen! Aber für uns zwei Weiterlesen „Zwei grosse Vorhaben erledigt“

Kaum angekommen…

…bereiten wir uns für einen Umzug vor!

Vor einer Woche sind wir in Pont-de-Vaux angekommen und am Montag nehmen wir das Boot aus dem Wasser. Alles ist organisiert: Der Kran bestellt und mit den Leuten von der Werft ist alles besprochen. Trotzdem wir das alles schon einmal durchgespielt haben ist es aufregend. Ein Boot auswassern macht man nicht alle Tage. Und dieses Boot ist das einzige Zuhause das wir haben!
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Meine kleine Schwester

Sie ist heute Vormittag wieder nach Hause gefahren! Meine jüngste Schwester.

Normalerweise realisiere ich nicht so sehr, dass mir Familie und Freunde doch manchmal fehlen. Aber jedes Mal, nachdem Besuch da war, merke ich, wie gut es tut. Es ist es einfach schön zusammen zu sitzen und von Dingen zu reden, an die wir uns alle erinnern, über die alle Anwesenden lachen können. Weiterlesen „Meine kleine Schwester“

Die beste Pizza in Frankreich

Wir befinden uns seit einigen Tagen in St-Léger-sur-Dheune (nicht Frankophone müssen das nicht aussprechen können!), ein kleines Städtchen am Canal du Centre. Es hat, Irrtum vorbehalten, von Allem eines: Bahnhof, Hafen, Apotheke, Florist, Supermarkt, Coiffeur, Arzt, gutes Restaurant, Beiz (Kneipe), Kebab-Take Away und eine Pizzeria! Diese Pizzeria, ist von Aussen unbedeutend, Innen eigentlich auch. Ma le pizze, le pizze sono favolose!!! Die Pizzen aber sind eine Wucht!

Wir sind Freaks von guter italienischer Küche. Bitte kein Anbandeln mit lokalen Geschmacksnerven! Echt muss sie sein. Wie das Lokal aussieht ist mir völlig wurscht, in Italien, in der Schweiz und auch in Frankreich. Schickimicki und pseudo-romanisches Dekor? Verdächtig. Kaltes Deckenlicht, Ambiente unter null? Schon viel vertrauenswürdiger. Mamma steht am Herd? Super. Es ist laut und geschäftig? Alles bestens! Der Vorgänger am Tisch hat seine Spaghetti al sugo nicht ganz sauber gegessen? Solange die Spaghetti und die Sauce wirklich, wirklich gut ist, drücken wir eineinhalb Augen zu.

Vor vielen, vielen Jahren, in unserem ersten gemeinsamen Urlaub besuchten wir eines Abends in einen Dorf weitab von Florenz das einzige Restaurant am Platz und standen unvermittelt im Wohnzimmer der Familie mit einem ohrenbetäubend laut eingestelltem Fernseher. Wir wollten schon rechtsumkehrt machen, da kam der Bappo in Pantoffeln daher und lud uns freundlich ein, im Nachbarraum Platz zu nehmen. Ein riesiger, hell erleuchteter Saal! Und wir die ersten Gäste des Abends. Wir nahmen artig Platz und lästerten über die Plastikpflanzen überall. Bappo verschwand vor den Fernseher, dafür erschien la Mamma. „Allora„, sie faltete die Hände über der üppigen Brust zusammen, “ oggi abbiamo………“ und es folgte eine ellenlange Litanei, mit all‘ den Gerichten, Antipasti, Primi, Secondi….. alles was sie an dem Tag servieren konnten. Ich kann mich nicht mehr entsinnen, was genau wir bestellt hatten, aber dass es favoloso war und wir uns durch sämtliche Gänge gegessen hatten, daran erinnern wir uns noch heute! Und das „oggi abbiamo“ inklusive der Körpersprache blieb uns bis heute erhalten; ein Spass unter Insidern. Ah, la cucina italiana!

Oh, die Pizze von St-Léger! Ich bin abgeschweift, hab mich sozusagen von Erinnerungen in den Süden reissen lassen!

Das Lokal „Place Pizza“ in St-Léger wird von zwei Brüdern geführt, Quereinsteigern. Ihre Pizze (zu deutsch Pizzen oder Pizzas?) sind ein Hit. Nicht zu trocken, nicht zu feucht. Ein feiner, knuspriger Rand. Eine schmackhafte Tomatenbasis, darauf nicht zu viel aber auch nicht zu wenig Belag. Das Beste vom Besten für mich: sie haben auch „Pizze in bianco“ auf der Karte! Weisse Pizzen. Ich liebe weisse Pizzen. Ohne Tomatenbasis, dafür mit Ricotta oder Mascarpone, darauf pancetta, lardo, Zwiebeln, Nüsse oder andere italienische Käsearten. gerne auch Gorgonzola,  oder – nur kalt und nicht etwa mitgebacken – prosciutto crudo und rucola. Paradiesisch, buon appetito!

Die Basis einer guten Pizza ist stets der Teig. Mein Test für einen guten Pizza-Teig ist immer etwa der Durst danach. Ich hasse es, nach einem Pizza-Essen in der Nacht mit einem riesigen Durst aufzuwachen. Das muss nicht sein. Der Teig sollte nicht zu frisch, besser 2 oder 3 Tage alt sein. Dann hat sich der Teig fest verbunden, die Hefe hat richtig Zeit gehabt zu arbeiten, das Gluten ist kein Problem mehr und es gibt keinen Durst (und auch kein Bauchgrimmen). Die Pizzen von „Place Pizza“ verursachen keinen Durst. Also auch dafür:  Thumbs up!

Ein Pizzaiolo, der den Teig morgens ansetzt und am Abend verarbeitet macht seinen Job nicht richtig. Brotteig muss Weile haben. Viel, viel Weile. Im Idealfall verarbeiten unsere Bäcker für schmackhaftes Brot auch Teig, der lange Zeit hatte aufzugehen; ein richtiger, echter, stolzer Baguette-Bäcker in Frankreich bäckt Teig, der höchstens vom Vortag ist, lieber noch älter! So ergeben sich auch die Blasen und die knusprige, feine Kruste. Leider gibt es heute für die Profis Zusatzstoffe, die Brotteig in null komma nichts aufgehen lassen, das sieht dann zwar gleich aus, ist jedoch weder dasselbe noch gesund …. aber dies ist ein anderes Thema.

 

Grüsse aus St-Léger-sur-Dheune, Burgund

Anlegestelle von St-Léger-sur-Dheune. Blick von der Dorfbrücke auf den absolut stillen Kanal
Anlegestelle von St-Léger-sur-Dheune

 

 

Plangis*

Sonntag Nachmittag in einer Stadt. Einer Stadt mit langem Quai, fast wie am Mittelmeer oder an einem See. Wir sind auf dem Boot und hören die flanierenden Menschen auf dem Quai reden, lachen. Hören spielende Kinder, zwitschernde Vögel, ab und zu einen Hund bellen. Es ist nicht mehr so schönes Wetter wie die vergangenen zwei Tage, die Temperaturen sind aber warm geblieben und so stehen unsere Türen offen. Wenn ich nicht hinausblicke und somit nicht sehe, dass die Platanen am Quai noch kein einziges Zeichen von Grün tragen, klingt es wie im Sommer. Ich höre die Tauben, die einen Platz gerade auf unser Höhe unterhalb der Quaimauer zu ihrem Badeplatz auserkoren haben. Es plantscht und gurrt. Wäre nicht ab und zu ein Auto das durchfährt, es könnte idyllisch sein.

Etwas später werden wir uns ebenfalls unter die Flanierenden mischen, im Moment bin ich einfach noch zu faul dazu. Die Hunde wechseln in der Zwischenzeit mehrmals ihre Liegeplätze. Drinnen hören sie die „Action“ draussen und haben Angst etwas zu verpassen, und draussen ist es ihnen offensichtlich etwas zu warm in ihrem noch vorhandenen Winterpelz. Nächste Woche lassen wir sie etwas scheren, dann werden sie sich wohler fühlen. Unter unserer Wollmaus wird ein kleiner Hund hervorkommen und der Grosse wird dann vorübergehend wie ein Jagdhund aussehen.

Noch haben die Cafés und die Restaurants ihre Terrassen auf der Promenade nicht eröffnet. Falls die milden Temperaturen anhalten, ändert sich das sicher bald. Gestern Abend wären die potentiellen Gäste schon hier gewesen. Menschen tummelten sich bis spätabends auf dem Quai und eine Bar/Pizzeria hatte ein Karaoke-Abend veranstaltet und wir hörten die Musik und die mehr oder weniger begabten Sänger und Sängerinnen bis spätabends sich bei offenen Türen vergnügen.

Ich freue mich darauf, dass diese Zeit der lauen Nächte bald anbricht. Also, ICH bin bereit, worauf warten wir denn noch?

„Plangis“ ist ein schweizerdeutscher Ausdruck für das Sehnen nach Etwas. Das Verb heisst „plangen“