Meine kleine Schwester

Sie ist heute Vormittag wieder nach Hause gefahren! Meine jüngste Schwester.

Normalerweise realisiere ich nicht so sehr, dass mir Familie und Freunde doch manchmal fehlen. Aber jedes Mal, nachdem Besuch da war, merke ich, wie gut es tut. Es ist es einfach schön zusammen zu sitzen und von Dingen zu reden, an die wir uns alle erinnern, über die alle Anwesenden lachen können. Weiterlesen „Meine kleine Schwester“

Ging wieder einmal nicht schnell genug

Gestern Abend beim Kochen habe ich wieder mal eine Dummheit gemacht weil ich es eilig hatte. Eilig aus keinem speziellen Grund. Habe ich hier schon erzählt, dass ich eine ungeduldige Person bin? Ich glaube schon.

Meine Ungeduld bringt mich dazu, beim Schreiben jeden 5. Buchstaben wegzulassen. Ich glaube ernsthaft, Tischecken müssen nicht umrundet werden. Überhaupt, mir im Weg stehendes brauche ich nicht zu berücksichtigen! Alles was ich machen will, kann ich in einer Stunde, einem Tag oder allerhöchstens einer Woche schaffen und so fort. Überall dort, wo andere genau und präzise arbeiten, tatsächlich glauben, dass etwas im Weg steht, begreifen, dass alles seine Zeit braucht, nehme ich meistens die Direttissima und wundere mich dann, wenn es schief geht. Mann kann über mich meist nur den Kopf schütteln. Recht hat er! Ich muss dann Texte peinlichst genau nach Fehler absuchen, habe überall blaue Flecken, muss nachbessern, wiederholen, oder habe dann einfach ein Ergebnis das eher nach Art Brut aussieht als nach einer Strickjacke oder einer neu gestrichenen Wand.

Gestern Abend, beim Kochen, ging es wieder einmal nicht schnell genug. Die Kartoffeln fürs Purée waren gar, Fleisch und Gemüse waren schon servierbereit. Entgegen aller Logik versuchte ich die Kartoffeln ohne Sieb abzuschütten, einfach indem ich einen Spalt zwischen Pfannenrand und Deckel liess, damit die Kartoffeln nicht aus der Pfanne herauspurzelten, und schüttete das Wasser ins Spülbecken ab. Den Spalt gegen mich gerichtet natürlich.

Das ging nicht gut. Ich hielt den Deckel wohl nicht fest genug und das kochend heisse Wasser schwappte über die  Spüle direkt auf meine Mitte, von Magen bis Hosenbund. Hh…hh…hh…tat das weh!!!

So schnell bin ich in meinem ganzen Leben noch nie aus den Kleidern gesprungen! Sie flogen nur so weg. Mann hat kaum verstanden was passiert ist, ich war schon unten im Bad und drückte mir ein mit kaltem Wasser getränktes Duschtuch auf Magen- und Bauchbereich. Unser Wasser kommt aus dem Tank unter der Wasserlinie, und wenn ich sage „kaltes Wasser“, dann meine ich wirklich KALT. Die ersten paar Minuten hyperventilierte ich daher und hatte Angst davor, auch noch umzukippen. 10 Minuten lang nässte ich das Tuch nach, schliesslich spürte ich meine Mitte fast nicht mehr. War halb eingefroren.

Meine schnelle Reaktion hat sich aber gelohnt. Ich habe zwar rote Flecken und es schmerzt auch, aber das Schlimmste ist abgewendet. Puh, wieder mal Schwein gehabt. Ich hoffe, ich werde jetzt dann wirklich mal vernünftig und lerne ein für alle Mal, überlegter zu handeln! Köpfchen, Suzy, Köpfchen!

Die Kälte kommt

Die nächsten Tage und vor allem Nächte wird es hier sehr kalt werden. Auch sehr kalt, müsste ich eigentlich sagen, denn es betrifft ganz Europa. Für alle, die auf Booten leben hat dies aber noch eine zusätzliche Bedeutung. Anders als in Häusern und Wohnungen machen wir uns nicht bloss Gedanken, ob wir es drinnen warm und kuschelig genug haben werden.

Heute Vormittag kam der Hafenmeister vorbei um mitzuteilen, dass am Nachmittag das Wasser abgestellt wird. Anders als am Stromnetz, sind wir in Bezug auf Wasser nicht direkt am Versorgungsnetz angeschlossen, sondern füllen regelmässig unsere Tanks und beziehen den täglichen Bedarf daraus. Ich habe dies in anderen Beiträgen schon beschrieben. Wir füllten also heute Morgen unseren Wassertank. Dies tun wir so alle 7-10 Tage. Vor Allem die Waschmaschine verbraucht einen rechten Teil des Wasservorrats. Diese wird in den nächsten Tagen demnach ganz sicher Zwangspause haben. Auch sonst ist ein überlegter Wasserverbrauch anzuraten. Man wir sich auf einem Boot sehr schnell bewusst, wieviel Wasser da eigentlich von uns verbraucht und vergeudet wird! Wasser laufen lassen während des Zähneputzens? Ewig duschen? Nada!

Unser Trinkwasser beziehen wir ebenfalls vom Versorgungsnetz; nicht aus dem Tank, wir füllen separat direkt vom Wasserhahn ab. Da ist unsere Vorratsmöglichkeit begrenzt. Bislang war Mineralwasser keine Option; ich bin nicht dafür, Wasser in der Landschaft herum zu karren solange Trinkwasser direkt Haus geliefert wird. Das Wasser hier schmeckt nicht gerade nach frischem Quellwasser, aber es ist trinkbar und unbedenklich. Wenn es lange kalt bleiben sollte, müssen wir wohl trotzdem auf Plan B zurückgreifen: Mineralwasser schleppen.

Wasser gefriert, wenn es unter 0°C ist. Bewegtes Wasser braucht ein bisschen länger. Unsere Tanks und Leitungen liegen alle im Bauch des Boots unter der Wasserlinie. Wenn es sehr kalt wird, erfahrene Boaters sagen unter -5°C, müssen wir also entweder Frostschutz beifügen oder den Schiffsbauch warm halten. Da wir hier wohnen wird geheizt. Natürlich ist es im Rumpf unten viel kühler als in den Wohnräumen, ähnlich eines Kellers. Aber wir machen uns schon Gedanken, wie wir eventuelles zu grosses Abkühlen verhindern können. Ein Rohrbruch ist das Letzte das wir riskieren wollen!

Letzte Nacht, da fiel das Thermometer schon einige Grade unter 0, haben wir die Temperatur im Motorraum gemessen. Um 6 Uhr, hatten wir oben noch knapp 16°C (da schläft man herrlich!) und unten 8°, ziemlich beruhigend also. Heute Nacht versuchen wir die Wirkung zu testen, die eine leichte Heizung erzielt, indem wir einen der Ölradiatoren runter stellen und die Nacht durch auf niedriger Stufe laufen lassen. Einfach um herauszufinden, ob das bei -10°C oder mehr auch genügen würde. Ich denke, das kann man mit diesem Test abschätzen. Hoffe ich. Hoffe ich!!

Mit der Nachricht der kommenden Frosttage ist hier auf den Pontons ein wenig Aktivität. Die, die ihr Boot alleine überwintern lassen, kommen für eine Kontrollgang. Nichts vergessen? Alles dicht? Parat für eisige Tage? Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Niemand will sein Boot sinken sehen. So sind wir alle – wir eh, es ist unser allererster Winter auf einem Boot – etwas angespannt. Drückt uns die Daumen, dass WIR nichts vergessen haben, danke!