Nicht alles ist planbar

Vor langer Zeit bin ich hier auf meinem Blog mal darauf eingegangen, was uns Freunde und Bekannte so gefragt hatten, als wir bekanntgaben auf ein Hausboot ziehen zu wollen. Ehrlich gesagt, hatten wir uns über die meisten Punkte erst auf Grund dieser Fragen Gedanken gemacht! Eine Fragen davon war die Frage nach medizinischer Versorgung.

Wir sind ja manchmal ein wenig naiv und machen uns beide nicht allzu viel Sorgen um unsere Zukunft. Wir sehen eigentlich, wenn wir etwas unternehmen oder verändern wollen, nicht in erster Linie die Probleme, welche auf uns zukommen (könnten), sondern die Herausforderung, das neue Lebensgefühl, das Abenteuer, was weiss ich. Irgendwie verfügen wir beide über einen soliden Vorrat an Grundvertrauen und denken einfach, dass alles immer wieder gut kommt. Wird schon. Und wenn eine Hürde auftaucht, dann schaffen wir das irgendwie. Ist ja auch noch immer gut gegangen!

Vielleicht hilft uns auch eine unserer besonderen Angewohnheit, Widrigkeiten relativ guten Mutes zu überstehen: Wenn es dann wirklich mal harzt, wir in eine unangenehme Situation geraten, mal Knall auf Fall eine Lösung bringen müssen, etwas einfach nicht so läuft wie wir uns das vorgestellt oder gewünscht hatten, trösten wir uns mit Worten wie: wer weiss, wenn diese Schleuse jetzt nicht eine Panne hätte und wir weiterfahren könnten, wer weiss was uns dann hätte passieren können. Hat ja vielleicht sein Gutes, dass wir jetzt Stunden / Tage / Wochen hier verbringen müssen! Oder, wir versuchen darüber zu lachen statt uns zu ärgern und wollen das dann mal unseren „Grosskindern“ erzählen (wir haben nicht mal Kinder), oder stellen uns vor, wie wir dann mal eingeschränkt und alt im Lehnstuhl sitzen und uns selber die absurdesten Geschichten erzählen können!

Die Dinge mit andern Augen oder mit innerer Distanz zu betrachten, bringt mich oft auf gute Lösungen eines Problems. Selber droht man nämlich ab und zu nicht mehr den Wald sondern nur noch Bäume zu sehen. Da hilft es manchmal, sich vorzustellen, was man einer Freundin / einem Freund raten würde. Das macht gleich ruhiger, entspannter und nüchterner.

Zur Zeit geht es nicht gerade immer wie gewünscht. Damals bei der Frage nach der medizinischen Versorgung habe im entsprechenden Blogbeitrag folgendes geschrieben, ich zitiere:

Frage: Was machst du, wenn eines von euch krank wird?
Eine ernste Frage. In einem banalen Fall fahren wir nicht, legen an und suchen wenn nötig einen Arzt. Ausserdem sind andere Bootsleute sehr hilfsbereit. Wir werden gaaanz selten sehr abgelegen und völlig auf uns gestellt sein. Im Ernstfall sind wir uns einig: das kann überall passieren und kurzzeitig ein grosses Problem sein. Wir rüsten uns mit Notrufnummern aus und sind bestens versichert.

Völlig klar und simpel nicht? Tja, damals hatte ich noch nicht verinnerlicht, dass wir tatsächlich kein Auto mehr haben werden und uns im französischen Gesundheitssystem überhaupt nicht auskennen. Ich dachte einfach, unsere jährlichen Check-ups machen wir in der Schweiz bei den gewohnten Ärzten und für akute Fälle findet sich dann schon eine Lösung. Ziemlich typisch für mich.

Nun befinden wir uns aus verschiedenen Gründen eben in der Situation, in der wir Ärzte und Tierärzte brauchen und es ist eben doch nicht so einfach! Und wir befinden uns nicht mal auf Fahrt oder nicht irgendwo in der Pampa, sondern im Winterplatz, in einem Städtchen und mit einer ordentlichen Hafenverwaltung. Zudem hatte ich damals bei der Beantwortung der Fragen nach medizinischer Versorgung überhaupt nicht an unsere Hunde gedacht. Nun haben wir aber wirklich ein Problem mit Janusz, dessen halbseitige Lähmungen (Ohr, Lefze und äusseres Augenlid) zwar fast wieder gut sind, der seit zwei Tagen aber grosse Gleichgewichtsstörungen hat und nun definitiv zu einem Scan muss. Es könnte ein Vestibulär Syndrom sein, ein Tumor oder sonst etwas in seinem Kopf, das diese Störungen verursacht. Die Tierklinik, welche den Scan vornehmen kann, befindet sich im Süden von Lyon, zwei Autostunden von hier; also nicht gerade vor unserer Tür.

Wir haben jetzt innerhalb einer Woche in verschiedenen Städten Termine für unsere Check-ups (ich brauche eh einen Beweis meiner Fahrtüchtigkeit für die Bootsprüfung), meinen Augenarzttermin wegen der Glaskörperablösung, Tierarzt für beide Hunde und den Termin in der Spezial-Tierklinik für den Scan. Bei Beantwortung der obigen Frage hatte ich eher nicht an eine solche Konzentration gedacht. Huch, jetzt sind wir aber schon ein wenig unter gefordert!

Den armen Hund müssen wir im Boot und draussen intensiv begleiten, da er sich ständig überschätzt und meint alles allein und wie immer machen zu können, dabei schlägt er schon hin, wenn er nur die Ohren schütteln will, geschweige den mehrere Stufen rauf oder runter steigen soll. Auf dem Steg müssen wir darauf achten, dass er uns nicht ins Wasser fällt und wir ihn plötzlich aus dem kalten Wasser fischen müssen. Um sein Geschäftchen zu verrichten, geht er bevorzugt an Böschungen, was im Moment gar nicht angezeigt ist. Unterhalb dieser Böschungen ist hier meist Wasser; es ist überhaupt überall Wasser! Der Arme ist dabei so fröhlich wie immer, aber herumhüpfen geht nicht und manchmal ist es so schlimm, dass er nicht einmal seinen Napf auf Anhieb findet.

Aber trotzdem, wir gehen eines ums andere an, mieten Fahrzeuge oder nehmen auch mal das Angebot unserer Nachbarn hier an, ihr Auto zu benutzen, mal gehe ich, mal Mann, wir gehen jetzt auch separat raus mit den Hunden; für Merry zum austoben, Janusz bloss zur Versäuberung. Er braucht viel Ruhe (ein absolutes Fremdwort für ihn!) Alle anderen Wunschtermine wurden hinausgeschoben, erst muss mal wieder etwas Routine einkehren. Es ist noch kein Weltuntergang und wir packen das.

 

Heute Abend am Hafen: Friede pur

 

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

7 Kommentare zu „Nicht alles ist planbar“

  1. Ich denke, ihr habt nicht nur Grundvertrauen, sondern ihr musstet aufgrund eurer Umzüge schon öfter Situationen erleben, die man nicht hat, wenn man daheim hinterm Ofen hockt. Und ihr habt die Erfahrung gemacht, dass man mit allen Herausforderungen irgendwie klar kommt und sich vieles von selber löst.
    Die ganzen anstehenden Termine sind schon eine Nummer für sich, aber auch das werdet ihr stemmen.
    Die gesundheitlichen Probleme von Janusz sind ja echt heftig, hoffentlich finden die Spezialisten heraus, was er hat und man kann ihm helfen.

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    1. Danke für die Anteilnahme. Du hast wohl schon recht, wir werden das auch stemmen, an Übung fehlt es tatsächlich nicht. Das Übelste war wohl mal Tollwutgefahr in Kathmandu und das nächste Gegenmittel in Bangkok! Das hier ist Peanuts dagegen! 😂

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  2. Über diese Erlebnisse musst du unbedingt auch mal schreiben!
    Ich hab übrigens ziemlich lange darüber nachgegrübelt, ob man säuerlich riecht, wenn man Milchprodukte isst und welche Nahrungsmittel man sonst noch so erschnuppern könnte.

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  3. Wunderschöne Fotos.
    Ich finde es bewundernswert wie relativ gelassen ihr an die Sache ran geht. Ich hätte vermutlich schon einen halben Nervenzusammenbruch vom organisieren. Daumen sind gedrückt dass alles gut klappt und es janusz hoffentlich bald besser geht!

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