Risotto-Offenbarung unterwegs

Heute hatten wir einen Risotto zu Abend, diesmal mit getrockneten Tomaten aromatisiert. Risotto ist bei uns sozusagen ein Longseller. Er kann immer wieder variiert werden und braucht nie gleich zu sein. Meine Mutter machte tolle Risotti, von ihr habe ich gelernt zu kochen. Aber, ein paar der ultimativen Tricks habe ich aus einer Radiosendung. Und an diese habe ich heute Abend wieder denken müssen.Ich war bei einem Lieferanten gewesen und auf dem Nachhauseweg. Durchs Emmental. Genau DAS Emmental wo der Emmentaler Käse her kommt. Eine kurvige Strasse und eine Strecke die nie enden wollte. Wundervolle Landschaft links und rechts, viele buckelige, kleine und steile Hügel, mit Bäumen oder kleinen Wäldern gekrönt. Ich kam nur langsam vorwärts. Zum Glück lief im Radio eine Sendung, die mich unterhielt. Ein alter Mann aus dem Tessin erzählte aus seiner Jugend. Wie die Nonna des Sonntags alle Mitglieder der grossen, mehrere Generationen umfassenden Familie in die Morgenmesse scheuchte, damit sie Zeit und Ruhe hatte, den Pranzo, das Mittagessen zuzubereiten. Bis Mittags hatten alle Hausverbot.

Nach all den Erzählungen aus einem für damals typischen, von Geldnot gezeichneten Familienleben in irgend einem der steilen Tälern des Tessins kam der alte Mann kurz vor Ramsei, einem Ort der durch seine Apfelsaftproduktion in der Schweiz jedem Kind bekannt ist, auf den Risotto der Nonna zu sprechen. Den Reis musste die Familie damals zukaufen. Er wurde, wie heute noch, in der Ebene südlich des Lago Maggiore in Italien angebaut und die Familie konnte sich den Kauf nur leisten wenn es finanziell gerade gut ging. Ein rares Festessen also.

Der alte Mann erging sich in jedem Detail, wie genau Risotto in der Küche der Nonna zubereitet wurde. Ich kann mich genau daran erinnern; denn ab diesem Tag machte ich es als Grundrezept oft ebenso und den alten Mann und seine Nonna habe ich nie mehr vergessen. Nicht nur wegen dem Rezept, aber davon später.

Die Nonna schwitzte die kleingeschnittenen Zwiebeln in Butter an und zwar liess sie diese ein wenig karamellisieren; die Butter durfte leicht braun werden und erst dann gab sie den Reis zu. Das Karamellisieren war neu für mich und ich schmeckte das Aroma schon im Auto auf der Zunge! Der Reis wurde, nachdem er etwas mit den Zwiebeln dünsten durfte, mit einer schönen Portion Wein abgelöscht. Sobald der Wein aufgesogen war, kam in kleinen Portionen heisse Brühe dazu. Immer wieder und unter fast stetigem Umrühren. Damals wohl noch auf dem Holzfeuer. Damit kann ich natürlich nicht gleichziehen. Bevor der Risotto langsam gar wurde, gab sie dem Ganzen einen tüchtigen Schuss Milch hinzu. Auch das war mir neu. Die Milch macht tatsächlich das Ganze so richtig sämig und sie verkocht etwas, was dem Risotto eine spezielle abgerundete Geschmacksnote gibt. Zuletzt liess sie den im Innern noch leicht knackigen Reis noch ein paar Minuten auf kleinstem Feuer ruhen, damit er so richtig langsam durchziehen konnte und die Reiskörner wegen zu viel Hitze aussen nicht matschig wurden. Auf den Tisch kam er dann in relativ suppiger Konsistenz und in tiefen Tellern; die überschüssige Flüssigkeit sei dann zu Tisch mit einer schönen Portion frisch geriebenen Käse aufgesogen und gebunden worden. Mmmhhh!

Ich schwelgte immer noch in Gedanken im Tessin, in der russgeschwärzten Küche der Nonna und inzwischen war ich raus aus dem Emmental und es ging zügiger voran. Ich musste noch bis fast an den Genfersee runter nach Hause. Dort machte ich mir ein paar Notizen, welche ich immer noch habe, und kochte bei nächster Gelegenheit einen Risotto, genau wie beschrieben. Ein Gedicht!

Ein paar Wochen später flatterte dann eine Busse ins Haus. Vor Ramsei sei ich geblitzt worden, weil ich doch ziemlich rassig ins Dorf eingefahren sei. Da hatte der Beschrieb des Kochvorgang gerade begonnen. Offensichtlich war es so spannend und ich war so absorbiert, ich kann mich nur noch an die kurze gerade Strecke vor dem Dorf erinnern, danach ist nur noch Risotto. Ich war wohl gerade zu Beginn dieses Kochdeliriums in die Radarfalle und abgelichtet worden.

Die Busse habe ich dann schon fast gerne bezahlt.

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

8 Kommentare zu „Risotto-Offenbarung unterwegs“

  1. Liebe Suzy, danke für die schöne und inspirierende Risotto Geschichte! Ich sitze im Büro und ich merke, wie sich gleich nach dem Lesen ein kleiner Hunger breit macht in meinem Bauch. Ich weiss, was wir heute zu Mittag essen…

    Danke für die schönen Geschichten, ich erwarte sie immer voller Vorfreude! Liebe Grüsse aus dem zurzeit häufig grauen Zürich an dich und natürlich auch an Mann 🙂

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  2. Ich esse sehr gerne Risotto, habe es selber noch nie gekocht, weil man da halt dabei bleiben sollte und ich oft neben dem Kochen her noch zig andere Sachen mach.
    Nach deiner Beschreibung möchte ich es doch mal probieren. Muss ich bei der Auswahl des Risottoreises irgendwas beachten oder sind die Unterschiede da nicht so groß?
    Ansonsten herzlichen Dank für über 200 unterhaltsame, humorvolle, nachdenkliche oder \ und informative Texte!

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    1. Ich nehme am liebsten Reis der Sorte Carnaroli aber das ist, glaub ich nicht so wichtig. Er sollte aus Norditalien kommen und keinesfalls irgendwie „vorbehandelt“ sein (parboiled o.ä.) Einen guten Risotto unter 20 Minuten kochen zu wollen geht nicht. Die Reiskörner brauchen einfach Zeit, noch etwas Biss zu behalten und doch schon gar zu sein. Falls du gerne Weisswein (trockenen selbstverständlich) hast, kannst du als Tüpfelchen auf dem i noch im Teller im Risotto ein klein

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  3. Hallihallo ihr Lieben
    Ich werde das mit dem Risotte sehr gerne ausprobieren. Mit Safran schmeckte dein Risotto hervorragend! Mmmmhhh… bekomm grad Hunger, auch wenn ich gerade frühstückte und nun im Zug zur Arbeit fahre!

    Deine Beiträge sind super 😊

    Herzlichst,
    wir drei

    Gefällt 1 Person

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