Kanal auf, action!

Seit Montag ist unser Kanal wieder offen. Es läuft wieder etwas.

Als erstes kamen die Boots-Clochards, sorry – die Lebenskünstler, von weiter oben daher. Auf dem Wasser treffen wir immer wieder Leute, die fast ohne Geld auf ihrem Kahn leben, mehr oder weniger kunstvoll. Sie sind ständig auf der Suche nach dem besten Deal, sei es ganz einfach, weil sie möglichst nichts für Wasser und Strom zahlen wollen, oder weil ihr Boot irgendein Ersatzteil benötigt. Da werden alte Batterien noch verhökert, die Neuen nach dem tiefst möglichen Preis auf Amazon bestellt, am Motor, an den Pumpen und den elektrischen Installationen wird gebastelt und geklittert, manchmal machen mir diese Boote richtig Angst!

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Eine anstrengende Zeit

Uff, die letzten Tage waren anstrengend und ich mach mir langsam echte Sorgen um die mentale Gesundheit der Menschen. Was in den USA abläuft verfolge ich seit geraumer Zeit, eigentlich seit sie diesen neuen Kultführer haben. Nun kommen noch die ver(w)irrten, leidenschaftlich die Freiheit liebenden aber tief misstrauischen und gegen alles und jedes Kämpfenden in Europa dazu (nicht nur hier, ich weiss!).

Das alles macht mich müde und ich verstehe da wohl etwas nicht ganz!

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Nicht alles ist planbar

Vor langer Zeit bin ich hier auf meinem Blog mal darauf eingegangen, was uns Freunde und Bekannte so gefragt hatten, als wir bekanntgaben auf ein Hausboot ziehen zu wollen. Ehrlich gesagt, hatten wir uns über die meisten Punkte erst auf Grund dieser Fragen Gedanken gemacht! Eine Fragen davon war die Frage nach medizinischer Versorgung.

Wir sind ja manchmal ein wenig naiv und machen Weiterlesen „Nicht alles ist planbar“

Kulturschock VII: reden mit Computern

… oder auch nicht. Langsam aber sicher zweifle ich daran, ob wir noch up to date sind oder uns mehr und mehr von der täglichen Realität Mitteleuropas entfernen. Aber vielleicht ist das hier Beschriebene auch für andere bemerkenswert und nicht überall traurige Realität. Es kann durchaus sein, dass Frankreich etwas über das Ziel hinausschiesst.

Genauer geht es hier und heute über die fehlenden Gesprächspartner am anderen Ende des Telefons. Sobald wir eine Auskunft benötigen, reden wir nur noch mit Maschinen. Wir tippen uns endlos durch Nummern, artikulieren irgendwelche Codeworte ins Mikrofon, warten gefühlte Jahre bis die doofen Musikschlangen und nous cherchons votre correspondant, veuillez patienter aufhören, holen Luft um unser Sprüchlein loszuwerden, bloss um zu merken, dass wir wiederum nur eine Computerstimme am anderen Ende haben. Ganz egal wohin wir anrufen, Krankenversicherung, Bank, Administrative Stellen, Post, you name it! Überall dasselbe und zum Haare ausreissen. Insbesondere dann, wie schon passiert, die Maschine von selbst meint, der Fall sei jetzt bereits erledigt, sich artig für den Anruf bedankt und die Verbindung trennt, bevor man überhaupt zu einem Etappenziel angelangt ist!

Ist das jetzt normal und überall so?

Wer hat diese schräge Überzeugung, dass dies noch Kundendienst oder Dienst am Bürger genannt werden könnte? Ich finde es idiotisch mit einer Maschine reden zu müssen und mir tun die Menschen aus Fleisch und Blut mit denen man schlussendlich, nachdem man denn so lange Geduld hatte, sich alle Nägel abgebissen oder seitenweise gedoodelt hat, zu tun hat. Wir sind sicher nicht die einzigen, die zu diesem Zeitpunkt so geladen sind, dass wir nur mit Mühe unsere Frage a) tatsächlich noch parat haben und b) diese auch noch freundlich formulieren können.

Hier in Frankreich erleben wir dies leider fast täglich. Sind wir in einem Ort angekommen an dessen Postamt wir etwas postlagernd haben senden lassen, können wir dieses nicht einfach anrufen um zu erfahren ob das Paket schon angekommen ist. Es ist unmöglich die direkte Telefonnummer herauszufinden. Wir müssen über irgend eine Zentrale und drücken Nummern und sagen laut und deutlich die Nummer des Départements, dann die Région, den District, Canton, die Commune, den Arrondissement…. was auch immer. Bis wir all das herausgefunden und der Maschine erklärt haben, nehmen wir locker  die Räder von Bord, pedalen auf die Post, stehen in der falschen Schlange an, dann in der zweiten Schlange, fragen persönlich nach und fahren wieder zurück zum Boot. Das Ganze sogar zweimal!

Möglicherweise macht mich das jetzt alt, aber ich sehne die Zeit zurück, als man noch nicht meinte, alles was eine Maschine erledigen kann, tatsächlich durch eine Maschine erledigen lässt und freue mich jedes Mal, mit richtigen Menschen zu tun zu haben. Ist das nicht ein natürlicher Wunsch?