Sorglos und unbekümmert

Spieglein, Spieglein an der Wand

Bei uns sind’s bloss vier an der Zahl. Einen Kitzekleinen im Bad, vorne normal, hinten vergrössernd, der zeigt mir gerade so knapp mein Gesicht. Einen Kleinen beim Aufgang ins Carré, wo sich unser Lebenszentrum mit Steuerhaus, Küche und Tisch befinden. Einen weiteren in der Nasszelle für Gäste in Form eines Bullauges. Dann schlussendlich den Grössten in der Bugkabine über den Schubladen mit unseren Kleidern.

In keinem sehe ich mich von oben bis unten. Von Nasenspitze bis zur Taille kenne ich mich noch, aber ein Gesamtbild von mir habe ich, glaub‘ ich, seit mehr als einem Jahr nicht mehr gesehen. Ich meine so richtig, nicht bloss in einem Schaufenster en passant. Meine Kleider passen alle noch, also nehme ich an, dass ich immer noch so wie meine gefühlten Dreissigern (hahaha) aussehe. Eine Illusion, ich weiss, tut aber niemandem weh und gibt meinem Schritt das jugendliche Federn! Im Ernst, zu oft in den Spiegel gucken ist ungesund! Weshalb soll ich mir es antun, jedes Mal wenn ich schallend lache, sofort denken zu müssen „Oh, weh. Jetzt sehen alle diese schrecklichen Falten!“

Oje, wie sieht das denn aus?

Was soll ich mich um all die unerwünschten Röllchen kümmern, die körperlichen Zugeständnisse an die Erdanziehung, die zusätzlichen Fältchen im Gesicht und das eine oder andere graue Haar, das dazu gekommen ist in den letzten 14 Monaten, seit ich hier auf der Escapade wohne. Ich muss ja nicht alles wissen. Was ich nicht weiss, macht mich – nee, nicht heiss – sondern unbekümmert!

Das ist so befreiend, sich nicht ständig und überall kontrollieren zu müssen / können: Sitzt die Frisur? Mascara nicht verschmiert? Warum bloss macht diese Hose diese komische Falte,  wenn ich den Bauch nicht einziehe? Sieht man von hinten die BH-Träger? Steht mir jetzt diese Bluse oder dieses T-Shirt besser? Kann ich so überhaupt raus?!

Ich verlasse mich darauf, dass mein Mann oder sonst jemand Alarm schlägt wenn die Schminke zerläuft, ich den Pulli verkehrt herum angezogen habe (an der Supermarkt-Kasse: Madame, sie haben die Pulli-Etikette aussen!), oder wenn ich vergessen habe die Haarklammer, die meinen Pony zum Schminken oben hält, rauszunehmen. Alles schon passiert, und ich wurde freundlich und diplomatisch darauf hingewiesen, dass vielleicht nicht ganz alles so ist wie es sein sollte. Danke an all‘ die aufmerksamen und netten Menschen, die mir auf die Sprünge helfen. Peinlich ist mir das nicht, dazu lache ich zu gern!

Entspannen wir uns mal ein wenig!

Ich bin dafür, dass sich Alle einmal zwei Wochen spiegelfrei geben sollten um zu erfahren wie toll ein (fast) kontrollfreies Leben ist. Ich meine jetzt so richtig freakiges Kontrollieren! Zu Beginn ist das ungewohnt, der visuelle Check up fehlt anfangs schon. Lustig ist, dass es niemand, aber wirklich niemand bemerkt wenn wir mal nicht so topp gestylt sind wie sonst! Niemand denkt sich was dabei, wie wir heute aussehen, geschweige denn merken sich Andere feine Details! Ist es euch noch nie passiert, dass ihr einmal morgens, ohne viel nachzudenken und irgendwie zum Haus raus spaziert seid; kaum geschminkt und nachdem ihr euch einfach was übergeworfen hattet und dann kommt da jemand und sagt, man sehe so toll und strahlend aus! Ob wir was geändert hätten?

Hä? Ausgerechnet heute! Eben.

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

3 Kommentare zu „Sorglos und unbekümmert“

  1. *grins* ein schöner Beitrag. Ich mag meinen Spiegel allerdings sehr. Weil mir da meine Augen entgegenstrahlen. Weil ich dort endlich sehen kann, was jeder jeden Tag sieht. Eben mich, als strahlende, glückliche Frau.

    Natürlich, ich sehe auch nicht so hübsche Dinge, zum Beispiel wenn die Zähne zum Putzen rausgenommen werden. XD Aber, hey, auch das bin ich, wenn ich mich so zahnlos angrinse.

    Allerdings hab ich eben auch Tage, in denen binde ich mir die Haare zum Schminken hoch, und dann denke ich, „ach, geht schon mit den Haaren“ und dann bleiben sie so, TROTZ Spiegel. 😛

    Also, würde ich meine Freundin im Spiegel schon sehr vermissen, wenn wir uns zwei Wochen nicht sehen. *lacht* aber da bin ich wohl mal wieder etwas anders..trotzdem hat mir dein Beitrag Spaß gemacht zu lesen! Danke.

    Gefällt 1 Person

    1. Danke für deinen Kommentar! Das ist schön, wenn du dich so akzeptieren kannst, wie du eben bist. Schau nur weiter so fröhlich in den Spiegel. Du bist eine angenehme Ausnahme. Viele haben leider bloss etwas an sich auszusetzen und bügeln und feilen an sich herum; ich finde dies nur traurig. Deshalb auch meine Empfehlung es einfach mal sein lassen und sich zu entspannen. Aber dieser Rat gilt natürlich hauptsächlich für die notorisch Unzufriedenen! Lach!

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Keep it alive

A look at life, achieving good physical and mental health and happiness

– fadegrad

Wir treffen oft, ich schwör!

AUSWANDERERBLOG

Bilder und Texte von ennet der Grenze

Tutto paletti

Perfekt auf die entspannte Art

Taufrisch war gestern

Birgit Jaklitsch: Journalistin, Bloggerin, Autorin

CUISINE HELVETICA

Swiss food, drink & culinary travel

Meermond

Das Onlinemagazin made with ❤️ in Scandinavia

Familiendinge

Wo geht es denn zum neuen Leben?

Mitzi Irsaj

schreibend - lesend - durchs Leben stolpernd - aus Sturheit optimistisch - gerne am Abgrund taumelnd

Zeit für Rosen - Der Ü50-Blog

Erfahrungen und Themen in der Lebensmitte / Gesundheit, Zusammenleben, Inspiration, Entdeckungen für Best Ager

Törtchen - Made in Berlin

Leidenschaftlicher Backblog aus Berlin

Lydia's Welt

Rund um den Alltag einer blinden Mutter mit arabischem Hintergrund

%d Bloggern gefällt das: