Sorglos und unbekümmert

Spieglein, Spieglein an der Wand

Bei uns sind’s bloss vier an der Zahl. Einen Kitzekleinen im Bad, vorne normal, hinten vergrössernd, der zeigt mir gerade so knapp mein Gesicht. Einen Kleinen beim Aufgang ins Carré, wo sich unser Lebenszentrum mit Steuerhaus, Küche und Tisch befinden. Einen weiteren in der Nasszelle für Gäste in Form eines Bullauges. Dann schlussendlich den Grössten in der Bugkabine über den Schubladen mit unseren Kleidern.

In keinem sehe ich mich von oben bis unten. Von Nasenspitze bis zur Taille kenne ich mich noch, aber ein Gesamtbild von mir habe ich, glaub‘ ich, seit mehr als einem Jahr nicht mehr gesehen. Ich meine so richtig, nicht bloss in einem Schaufenster en passant. Meine Kleider passen alle noch, also nehme ich an, dass ich immer noch so wie meine gefühlten Dreissigern (hahaha) aussehe. Eine Illusion, ich weiss, tut aber niemandem weh und gibt meinem Schritt das jugendliche Federn! Im Ernst, zu oft in den Spiegel gucken ist ungesund! Weshalb soll ich mir es antun, jedes Mal wenn ich schallend lache, sofort denken zu müssen „Oh, weh. Jetzt sehen alle diese schrecklichen Falten!“

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J’aimerais deux poignées de rampon

„Ich möchte zwei Handvoll Feldsalat“. Feldsalat ist ein super Beispiel für diesen Beitrag! Auf dem Markt habe ich genau das der Marktfrau gesagt, worauf sie mich völlig ratlos angeschaut hat. Ich deutete auf den Nüssler*-Salat. Sie „ah, c’est de la doucette!“ das ist doucette. Süss nicht? Die Bedeutung von doux/douce ist süss oder sanft. Und schon sind wir mitten im Thema.

Sprache, finde ich, ist etwas Wunderbares, Spannendes, ja Faszinierendes. Wir lernen doch alle Sprachen in der Schule und stellen dann mehr oder weniger fest, dass wir trotz jahrelangem Lernen die Sprache kaum einsetzen können. Warum? Weil wir viel zu wenig zum Sprechen (sprechen = Sprache! aha!) kommen! Reden, reden, reden und reden müssen ist der Schlüssel zu einer Sprache. Da sind wir Deutschschweizer ja mal die Vorzeigeopfer. Wir lernen in der Schule die Schriftsprache „Hochdeutsch“ und reden sobald es irgendwie geht doch wieder Dialekt, auch in der Schule. Dütsch bliibt üs meischtens irgendwie frömd, wüll’s ke Härzspraach isch (Deutsch bleibt uns meist irgendwie fremd, weil es keine Herzsprache ist) Ich bin überzeugt davon, auch in meinen Texten sieht man nach zwei, drei Sätzen meine Herkunft an – was ja nicht unbedingt negativ sein muss.

Hier in Frankreich gehen wir keinesfalls als Franzosen durch. Wir benutzen andere Ausdrücke, andere Umgangssprache, und ich bin überzeugt, auch der Syntax ist manchmal anders. Der Tonfall, die Vokale, das Sprechtempo, alles weist auf die Herkunft hin oder auf die Gegend, wo man die Sprache erlernt hat! In unseren Fällen für beide das Waadtland, der Kanton zwischen Neuenburger- und Genfersee.

Französisch habe ich seltsamerweise als erstes aber in einem französischen Kindergarten in Mailand gelernt. Es war einfach der unserem Haus am nächsten liegende „Asilo“. Schweizerdeutsch als Muttersprache, Italienisch ab 4 und Französisch ab 5 Jahren. Meinen Eltern bin ich für dieses Geschenk unendlich dankbar! Es hat mir für mein ganzes Leben zwar nicht von Beginn an perfekte Sprachkenntnisse geschenkt, dafür war die Immersion mit 5 respektive 1 Jahr zu kurz, aber es hat mir die grundlegende Angst vor Sprachen genommen und mich ermutigt, jede sich bietende Gelegenheit zur Vertiefung oder Erlernen von weiteren Sprachen zu nutzen. Immersion ist wohl stets die allerbeste Form von Sprachenlernen, für mich persönlich eigentlich die Einzige. Rein und hui! Erst herum stottern, Verben suchen, Umschreibungen verwenden, mal für einen Lacher sorgen oder für Ratlosigkeit. Kein Problem. Es ist noch nie ein Meister vom Himmel gefallen und wir dürfen alle Fehler machen. Und, Hand aufs Herz, niemand erwartet Perfektion im Alltag!

*Feldsalat, Nüssler, Nüssli, Rapunzel, Mausohrsalat, Sonnenwirbel, Vogerlsalat …. kaum eine Salatsorte hat so viele deutsche Bezeichnungen!

Französisch: rampon, doucette, mâche, boursette, raiponce, oreille-de-lièvre

Italenisch: lattughella, valerianella, valeriana, songino/soncino, im Tessin: formentino

English: mache, corn salad, lamb’s lettuce, nut lettuce

 

Unbekannter Gast heute

Für heute hatte ich eine Unbekannte zum Mittagessen eingeladen. Wir haben diese Frau vorher noch nie gesehen, nur kurz am Telefon gehört. Sie ist ein Kontakt von mir auf Facebook und dazu kam ich über eine FB-Gruppe die weltweit Frauen, die auf Booten leben, vereint. Zufällig lebt R. gar nicht so weit weg von uns auch auf einem Hausboot. Wettermässig war es in den letzten Wochen schwierig einen Termin zu finden und heute hat es geklappt und, wie gesagt, ich habe sie spontan zum Lunch eingeladen. Also so ziemlich das „unschweizerischste“ was man tun kann.

Es war absolut toll! Wir verstanden uns auf Anhieb. Zu dritt, Mann war auch dabei, haben wir stundenlang erzählt, gelacht und diskutiert. Wir haben gegessen, ein Bierchen dazu getrunken und uns bestens unterhalten. Trotz unserer verschiedenen Lebenswege, haben wir viele Ähnlichkeiten gefunden und konnten uns ein jeder in den anderen hinein versetzen. Es war sicher nicht das letzte Mal, dass wir uns getroffen haben und ihren Mann, der heute abwesend war, würde ich sehr gerne kennenlernen.

Jetzt frage ich mich

Diese Einladung war eigentlich mehr oder weniger ein Zufall, es traf sich einfach so. Obwohl ich kein Feind von impulsiven Entscheiden bin, unbekannte Menschen zu mir einzuladen ist jetzt auch für mich nicht Alltag. Jetzt frage ich mich nur eines: weshalb machen wir das nicht öfter? In unserem westlichen und vor allem im europäischen Kulturkreis ist es ja nicht üblich, Leute einfach einzuladen und zu verköstigen. Wovor haben wir eigentlich  –   ja was? Bedenken? Angst? Sind wir gestresst, weil wir nicht aufgeräumt haben, nicht extra eingekauft, kein Bier mehr haben, oder – bewahre – nicht geputzt? Gehen uns Gedanken durch den Kopf wie: ich kenne die ja gar nicht, Herr Jesses, wenn uns die Gesprächsthemen ausgehen, was dann? Und wenn die nicht gerne Fisch essen (Vegetarier sind, allergisch auf Eier….).

Ich habe etwas gelernt heute

Es hätte auch in die Hose gehen können, aber es war unheimlich bereichernd, lustig und sympathisch, schon fast seelenverwandt. Aber nehmen wir mal an, es wäre aus irgend einem Grund schief gelaufen, was wäre der Super-GAU? Wir hätten zusammen gegessen, ein wenig Small Talk gemacht, sie hätte sich wohl artig bedankt und verabschiedet. Und wir würden vielleicht nie wieder voneinander hören. Voilà tout. Keine Katastrophe also. Das reine Gegenteil ist aber eingetroffen, bingo!

Ich lade auf jeden Fall wieder Fremde ein, ich kann nur gewinnen!

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– fadegrad

Wir treffen oft, ich schwör!

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