Jeden Herbst

Ich weiss nicht genau, was die Ursache ist, aber stets im Herbst krame ich alte Bilder hervor. Vor allem Bilder unserer alten Gärten!

Eigentlich wäre dieser Drang, in den gewesenen Gärten zu verweilen im Frühjahr logischer. Wie dem auch sei, ich überrasche mich immer wieder im Herbst dabei, durch Alben (oder im Compi in den Bildern) zu stöbern und mich der alten Leidenschaften zu erinnern.

Dabei betrachte ich mich ganz und gar nicht als eine, die einen grünen Daumen hat! Meiner Buddel- und Pflanzleidenschaft mangelte auch stets an Konsequenz und Wissen. Sie überfiel mich jeweils aus heiterem Himmel, da musste alles liegen und stehen bleiben und im Handumdrehen war ein ganzer Gartenteil umgestaltet oder ein neues Beet angelegt. Mein armer Mann wurde zum Handlanger degradiert und durfte die grossen Löcher ausheben, die Sträucher und Jungbäume schleppen und ins Loch wuchten. Manches wurde wunderschön, wuchs gut an und gedieh. Anderes blieb so wie es aus dem Gartencenter kam, im besten Fall. Try and error!

Manchmal lachen wir noch heute über unsere Misserfolge oder schrägen Ergebnisse dieser Pflanz-Anfällen.

So fanden wir beim Einzug des Hauses im Tessin im Garten einen seltsamen Stock aus dem Boden ragen. Mitten im arg vertrockneten und vernachlässigten Rasen. Im Frühjahr trieb der Stock aus und brachte zwei jämmerliche, gefiederte Blätter hevor. Er lebte! Wir pflanzten ihn um und gaben ihm nochmals eine Chance. Das Ergebnis war ein Ästchen mehr und ein halbes Dutzend derselben Blättchen im folgenden Frühjahr. Da kämpfte jemand ums Überleben; das Bäumchen wurde nochmals umgesetzt, nahe zum Haus, einen Meter vom warmen Granitplattenbelag entfernt. Nun ging es aber los und innert 3 Jahren stand da eine wunderschöne Albizie mit zauberhaften, plüschigen, rosaroten Blütenbällchen! Bis wir nach insgesamt 12 Jahren auszogen, war sie bereits ein stattlicher, schattenspendender Baum geworden! Wir liebten unsere Albizia heiss.

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Viele Jahre früher, zu Beginn der 80igern, bezogen wir in Patan, im Kathmandutal, einen Bungalow, der einen grossem, ziemlich leeren Umschwung hatte. In den vier Ecken gabs ein paar Bäume und den Gemüsegarten, einen Hühnerhof, eine kleine Plantage von Bananenstauden und in der vierten Ecke ein zusätzliches Häuschen mit nur einem Zimmer. Umgrenzt wurde das ganze durch eine ziemlich hässliche zweieinhalb Meter hohe Lehmziegelmauer. Bis da ein Garten entstehen konnte würde es etwas dauern, auch in den Subtropen. Um die Fläche und vor allem die hässliche Mauern wenigstens ein wenig und schnell zu begrünen, entschieden wir, Kürbisse anzupflanzen. Gute Idee. Die Samen keimten und in Windeseile wuchsen die Triebe in alle Himmelsrichtungen, 12 cm pro Tag. Blüten erschienen, viele davon knipsten wir ab, zogen sie durch einen Teig und frittierten sie. Lecker. Junge Kürbisse wuchsen heran, diese lassen sich kochen wie Zucchetti. Wir assen Zucchetti, gekocht, gebacken, gebraten, frittiert, bis sie uns zu den Ohren rauskamen. Die restlichen 100 Kürbisse reiften aus, jeder der vorbeiging wurde zwangsbeschenkt, die Hausangestellten nahmen welche in ihr Dorf mit, wir versuchten sie sogar auf dem lokalen Markt zu verhökern. Wir selber assen den ganzen Winter über Kürbisse, ich schmuggelte sie in fast jedes Gericht. Unnötig zu erwähnen, dass wir nie wieder Kürbisse gepflanzt haben, und selber welche erst seit ein paar Jahren wieder essen können!

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Mit den Jahren wurde die Garten-Erfahrung grösser, die Kenntnisse etwas vertieft. Im letzten Garten, den wir ebenfalls ziemlich öde aber mit altem Baumbestand übernommen hatten, tobten wir uns so richtig aus. Wir verschoben kubikmeterweise Erde und liessen Sitzplätze errichten. Kranke Bäume wurden gefällt und meine beiden Lieblingsbäume gepflanzt: ein Tulpenbaum und eine Weide. Diesen gefiel es bei uns, sie wuchsen schnell und schön heran. Ich pflanzte wie blöd und genoss, dass wir neben sonnigen Bereichen auch richtige Schattenecken hatten. Schattenliebende Pflanzen mag ich ganz besonders, sie haben einen besonderen Reiz. Farne, Funkien, Geissbart und Co. Nun schau ich mir diese Bilder an und werde fast ein wenig wehmütig! Nein, ich möchte nicht zurück, aber schön war es halt doch!

Heute haben wir nicht mal einen Rasenteppich 😉, dafür stets viel Natur rund herum. Passt.

NB. Die Bilder wurden alle an unserem aller letzten Tag bei der Schlüsselübergabe aufgenommen, Ende September ’17. Ein wenig schmerzt mich das jetzt schon!

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

6 Kommentare zu „Jeden Herbst“

  1. Zu Beginn der Kürbisgeschichte dachte ich, dass ich auch mal Kürbisse pflanzen könnte. Am Ende dachte ich dann eher: „Nee, lass mal, so viel Kürbis muss ich nicht essen…“ 🤣
    Ich mag es auch, mit dem Garten in den Herbst zu gehen. Ich freue mich auf das Wiederkommen im Frühjahr. Der erste Strauch (eine Zaubernuss) blüht schon im Januar. Dann ist der Winter gar nicht mehr ganz so dunkel 😉.

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