Die etwas anderen Festtage

Grosse Familenfeier zu Weihnachten, Skifahren zwischen den Festtagen und eine Riesenparty geschmissen an Sylvester!

Nein, natürlich nicht. In diesen Corona-Zeiten fahren wir eine Null-Risko-Strategie! In echt: Weihnachten zu zweit plus Hunde, feines Essen, ein Gläschen Crémant (oder zwei), Weihnachtsplätzchen. Voilà. Zwischen den Feiertagen regnete es jeden Tag (guuuut für die Kanäle!), wir waren brav zuhause und hatten normalen Alltag mit einigen sozialen Kontakten per Telefon oder Skype. Sylvester dann une soirée nostalgique mit der originalen Musik des grössten Neujahrsfests das wir je organisiert hatten: am 31.12.1990. Wir zwei tout seuls mit viereinhalb Stunden der Musik von damals, eins zu eins!

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Mamma mia!

Ich schaue mir da gerade ein Video auf You Tube an und urplötzlich muss ich an meine Mutter denken. Sie würde mir wohl was erzählen, wenn sie noch erleben müsste, wie ich heute manchmal italienisch koche! Aber von vorne:

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Und plötzlich sind sie wieder da: die Eltern

Da liegen die losen Fotos in einer Schachtel vor mir und ich fange an, gemeinsam mit meiner Schwester, glücklich darin herum zu kramen. Schau, da waren wir in Kroatien am campieren! Was waren das für erlebnisreiche und tolle Ferien! Und hier, da hattest du doch deinen Hautausschlag und die Zöllner wollten dich fast nicht in die Schweiz einreisen lassen. Ui, das war auf der Fähre; war ich seekrank!

Hier, da hat uns Papi einen elend steilen Hang hinauf steigen lassen, und oben war nicht mal ein Restaurant oder sonst ein Ausschank! Totale Enttäuschung. Toll, all die Facetten unserer meist abenteuerlichen Familienferien oder langen Wanderungen in den Bergen. Bilder von Menschen, Verwandte und Freunde, die wir schon fast vergessen oder jahrzehntelang lang nicht mehr gesehen haben.

Unten in der Schachtel kommen noch ältere Bilder hervor. In schwarz-weiss und gewelltem weissen Rahmen. Fotos unserer Eltern, aus der Zeit als es uns gar noch nicht gab. Aus den tiefen 50iger Jahren. Wie das Titelbild zum Beispiel, da waren die zwei 22 und 26 Jahre alt. Wir staunen.

Sie sehen so jung aus. Kein graues Haar! Beide sind früh ergraut, Mami sogar ganz schick mit natürlichen weissen Strähnen im dunkelbraunen Haar. Ich hatte das immer geliebt, hatte sie doch eine berühmte „Schwester“ mit demselben Look: Indira Gandhi.

Mami und Papi. Sie sind beide nicht mehr da; sie schon seit 28 Jahren, er seit einem guten halben Jahr. Damals, als unsere Mutter starb, hatte ich nicht wirklich wahrgenommen, wie jung sie noch war, erst 58! Ich lebe bereits länger als ihr es je vergönnt war. Seufz. Ach ist das traurig.

Jedes mal, wenn ich ein offizielles Papier sehe, auf dem meine Eltern mit Namen vermerkt sind, staune ich. Vater Kurt Hans, sehr banal, Mutter Genoveva Olga. Immer noch frage ich mich, wie die Grosseltern, einfache Arbeiter, auf solche Namen gekommen sind. Ich habe lebenslang nie eine andere Genoveva kennen gelernt. Alle nannten sie Vevi. Papi nannte sie immer beim Vornamen, nie Mami oder Mutti, wie das früher oft üblich war, kaum war die Ehefrau Mutter. Sie war eine grosse und schlanke Frau, hatte Stil, Geschmack und Präsenz. Das setzte sie auch beruflich um. Ja, wir waren Kinder mit voll berufstätigen Eltern, beide mit eigenen Geschäften. Mami war erfolgreicher als Papi. Er musste das wegstecken. Er war auch leicht kleiner als sie und blieb eigentlich stets ein großer Junge. Ein wenig unstet und immer sprühend voll von neuen Spleens. Für uns drei Kinder ein Feuerwerk an Ideen und Unternehmungen. Die Streiche und Tricks die er uns zeigte! Begeistert liess er uns Risiken eingehen, die Mami wohl das Blut in den Adern gefrieren liessen! Mehr als einmal gab es eine Standpauke, für ihn und uns drei, alle zerknirscht und mit hängenden Köpfen. Ich sehe uns noch, wie wir jeweils alle vier wie geknickte Orgelpfeifen vor ihr standen. Wenn sie wütend war, klang sie wie eine temperamentvolle Italienerin (die sie nicht war, aber wer weiss schon genaues woher die Vorfahren kamen?).

Unsere Eltern liebten sich, wir Kinder waren die Beilagen, wir gehörten einfach dazu. Ich empfand unsere Eltern immer in erster Linie als Paar. Trotz aller charakterlichen Verschiedenheiten gingen sie gemeinsam durch Dick und Dünn. Wir Kinder waren wichtig und bei allem dabei, wir wurden aber auch früh sehr selbstständig. Ich fing mit 10 oder 11 an, in der Mittagspause das Essen vorzubereiten, bis Mami so 12.15h nach Hause kam und half alles fertig zu machen. Wir hatten in ihrem Geschäft, 10 Minuten zu Fuss von zuhause entfernt, unser Zimmer, wo wir spielen und Aufgaben machen konnten, wenn wir wollten. Wir durften auch helfen und mal Kunden bedienen. Darauf waren wir extrem stolz!

Es gab Zeiten, da hatten wir an zwei verschiedenen Orten ein Geschäft und dazu noch eine Kunstgalerie. Vor allem ich war in der Galerie fest eingebunden, das war schon zum Ende meiner Schulpflicht. Während der ganzen Ausbildung dann und auch später noch ein paar Jahre hatten wir eine super Zeit mit den Künstlern, den Vernissagen, den Reisen. Mann, feierten wir tolle Feste zusammen. Wir kannten Künstler jeder Couleur, sogar Musik-Bands, welche die Maler und Bildhauer mit an die Vernissagen brachten und mit denen es oft über Jahre anhaltende Kontakte gab. Treibfeder bei allem: wie immer Vevi! Mami war die Batterie, von der alle etwas Energie zapften wenn das eigene Betriebssystem gerade etwas schwächelte! Sie hatte diesen unheimlichen Drive, lebte aus dem Vollen, organisierte auf Teufel komm raus, designte Kleider fürs Geschäft und liebte es Gäste zu haben, egal ob vier oder vierzig!* Daneben sehe ich stets Papi, strahlend und stolz auf seine Powerfrau, im Hinterkopf wahrscheinlich schon wieder eine quere Idee ausbrütend. Ein ungleiches aber inniges Paar.

Ich liebe Euch, wo auch immer ihr seid 💗

*mein Mann erzählt heute noch, dass Vevi ihn damals mit ihren Pêches flambées, flambierten Pfirsichen, total verzaubert hatte (und damit überzeugt, dass die Tochter so einer Frau nicht übel sein könne)! Sehr lustig.

Jeden Herbst

Ich weiss nicht genau, was die Ursache ist, aber stets im Herbst krame ich alte Bilder hervor. Vor allem Bilder unserer alten Gärten!

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Petite Saône, auf alten und neuen Pfaden

Savoyeux: Hier haben wir vor 20 Jahren einen Linssen gemietet und sind damit nach Norden gefahren. Die Ferien damals gehörten zu den schönsten je. Mit dabei waren zwei Hunde, welche – damals noch in den besten Jahren – uns lange Jahre begleitet haben. Alle vier hatten wir die Landschaft und den Fluss genossen und geliebt. Wir hatten einige kleine Abenteuer erlebt: Weiterlesen „Petite Saône, auf alten und neuen Pfaden“

Das Jetzt ist das Wichtigste

Gestern war gestern und das Morgen ist noch nicht da. Das was zählt ist das Heute!

Natürlich haben wir Erinnerungen, teils lustige, teils weniger lustige. Wir haben auch Wünsche und Pläne für die Zukunft und das ist gut so. Weiterlesen „Das Jetzt ist das Wichtigste“

Josephine

Früher hatte ich ab und an noch unbändige Lust grosse Feste zu veranstalten. Dieses Virus habe ich von meiner Mutter, eindeutig! Die mit Abstand grösste Sylvester-Party Weiterlesen „Josephine“

Hunde und Menschen

Die beiden Vorgänger unseren zwei lieben Vierbeiner waren beide ausgebildete Therapiehunde. Einer davon war Boris, ein Grosser Schweizer Sennenhund-Mischling. Als er etwa 3 Jahre alt war fand ich ihn in unserem Dorf herumirrend. Weiterlesen „Hunde und Menschen“

Die beste Pizza in Frankreich

Wir befinden uns seit einigen Tagen in St-Léger-sur-Dheune (nicht Frankophone müssen das nicht aussprechen können!), ein kleines Städtchen am Canal du Centre. Es hat, Irrtum vorbehalten, von Allem eines: Bahnhof, Hafen, Apotheke, Florist, Supermarkt, Coiffeur, Arzt, gutes Restaurant, Beiz (Kneipe), Kebab-Take Away und eine Pizzeria! Diese Pizzeria, ist von Aussen unbedeutend, Innen eigentlich auch. Ma le pizze, le pizze sono favolose!!! Die Pizzen aber sind eine Wucht!

Wir sind Freaks von guter italienischer Küche. Bitte kein Anbandeln mit lokalen Geschmacksnerven! Echt muss sie sein. Wie das Lokal aussieht ist mir völlig wurscht, in Italien, in der Schweiz und auch in Frankreich. Schickimicki und pseudo-romanisches Dekor? Verdächtig. Kaltes Deckenlicht, Ambiente unter null? Schon viel vertrauenswürdiger. Mamma steht am Herd? Super. Es ist laut und geschäftig? Alles bestens! Der Vorgänger am Tisch hat seine Spaghetti al sugo nicht ganz sauber gegessen? Solange die Spaghetti und die Sauce wirklich, wirklich gut ist, drücken wir eineinhalb Augen zu.

Vor vielen, vielen Jahren, in unserem ersten gemeinsamen Urlaub besuchten wir eines Abends in einen Dorf weitab von Florenz das einzige Restaurant am Platz und standen unvermittelt im Wohnzimmer der Familie mit einem ohrenbetäubend laut eingestelltem Fernseher. Wir wollten schon rechtsumkehrt machen, da kam der Bappo in Pantoffeln daher und lud uns freundlich ein, im Nachbarraum Platz zu nehmen. Ein riesiger, hell erleuchteter Saal! Und wir die ersten Gäste des Abends. Wir nahmen artig Platz und lästerten über die Plastikpflanzen überall. Bappo verschwand vor den Fernseher, dafür erschien la Mamma. „Allora„, sie faltete die Hände über der üppigen Brust zusammen, “ oggi abbiamo………“ und es folgte eine ellenlange Litanei, mit all‘ den Gerichten, Antipasti, Primi, Secondi….. alles was sie an dem Tag servieren konnten. Ich kann mich nicht mehr entsinnen, was genau wir bestellt hatten, aber dass es favoloso war und wir uns durch sämtliche Gänge gegessen hatten, daran erinnern wir uns noch heute! Und das „oggi abbiamo“ inklusive der Körpersprache blieb uns bis heute erhalten; ein Spass unter Insidern. Ah, la cucina italiana!

Oh, die Pizze von St-Léger! Ich bin abgeschweift, hab mich sozusagen von Erinnerungen in den Süden reissen lassen!

Das Lokal „Place Pizza“ in St-Léger wird von zwei Brüdern geführt, Quereinsteigern. Ihre Pizze (zu deutsch Pizzen oder Pizzas?) sind ein Hit. Nicht zu trocken, nicht zu feucht. Ein feiner, knuspriger Rand. Eine schmackhafte Tomatenbasis, darauf nicht zu viel aber auch nicht zu wenig Belag. Das Beste vom Besten für mich: sie haben auch „Pizze in bianco“ auf der Karte! Weisse Pizzen. Ich liebe weisse Pizzen. Ohne Tomatenbasis, dafür mit Ricotta oder Mascarpone, darauf pancetta, lardo, Zwiebeln, Nüsse oder andere italienische Käsearten. gerne auch Gorgonzola,  oder – nur kalt und nicht etwa mitgebacken – prosciutto crudo und rucola. Paradiesisch, buon appetito!

Die Basis einer guten Pizza ist stets der Teig. Mein Test für einen guten Pizza-Teig ist immer etwa der Durst danach. Ich hasse es, nach einem Pizza-Essen in der Nacht mit einem riesigen Durst aufzuwachen. Das muss nicht sein. Der Teig sollte nicht zu frisch, besser 2 oder 3 Tage alt sein. Dann hat sich der Teig fest verbunden, die Hefe hat richtig Zeit gehabt zu arbeiten, das Gluten ist kein Problem mehr und es gibt keinen Durst (und auch kein Bauchgrimmen). Die Pizzen von „Place Pizza“ verursachen keinen Durst. Also auch dafür:  Thumbs up!

Ein Pizzaiolo, der den Teig morgens ansetzt und am Abend verarbeitet macht seinen Job nicht richtig. Brotteig muss Weile haben. Viel, viel Weile. Im Idealfall verarbeiten unsere Bäcker für schmackhaftes Brot auch Teig, der lange Zeit hatte aufzugehen; ein richtiger, echter, stolzer Baguette-Bäcker in Frankreich bäckt Teig, der höchstens vom Vortag ist, lieber noch älter! So ergeben sich auch die Blasen und die knusprige, feine Kruste. Leider gibt es heute für die Profis Zusatzstoffe, die Brotteig in null komma nichts aufgehen lassen, das sieht dann zwar gleich aus, ist jedoch weder dasselbe noch gesund …. aber dies ist ein anderes Thema.

 

Grüsse aus St-Léger-sur-Dheune, Burgund

Anlegestelle von St-Léger-sur-Dheune. Blick von der Dorfbrücke auf den absolut stillen Kanal
Anlegestelle von St-Léger-sur-Dheune