Eingeladen

Wir waren letzten Samstag in St-Jean-de-Losne zum Abendessen eingeladen. Die allermeisten unserer Freunde hier in Frankreich wohnen selber auf Booten. So sind Treffen oft gar nicht einfach zu organisieren und manchmal sehen wir uns Monate, wenn nicht jahrelang nicht mehr! Deshalb waren wir voller Vorfreude. über ein Jahr hatten wir uns nicht getroffen. Diesmal würde es sogar türkisches Essen geben und darauf freuten wir uns ganz besonders.

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Pyjama-Sonntag

Was haben wir das als Kinder geliebt: Pyjama-Sonntag. Sich nicht anziehen müssen, den ganzen Tag herum fläzen, nichts tun müssen, nicht mal einen Sonntags-Spaziergang (langweilig). Womöglich sogar, die Ultra-Version des Pyjama-Sonntags, nicht einmal die Zähne putzen! Heute würde man vielleicht schon angezeigt wegen Kindsvernachlässigung. Mütter und Väter, sagt mir das. Ich habe keine Ahnung da kinderlos.

Auf jeden Fall kam für uns damals ein Pyjama-Sonntag gleich nach Geburtstag oder Weihnacht in der Bedeutung. Es gab an einem solchen Tag einfach keine Regeln. Wir mussten nicht am Tisch essen, wir mussten nicht einmal zusammen essen, sondern wo und wann wir wollten. Wir legten Riesen-Puzzles auf dem Esstisch aus, bauten im Wohnzimmer Burgen, Höhlen oder was auch immer auf, je nachdem welche Bücher oder Filme gerade unsere Favoriten waren. Oder, in späteren Jahren, lagen auf dem Bett und lasen den ganzen lieben langen Tag ein spannendes Buch, das wegzulegen, und sei es auch nur für eine oder zwei Stunden ganz unmöglich war. Es war so richtig dekadent und machte riesigen Spass.

Heute, mieses Wetter, Graupelschauer, mittelgrauer Himmel, schien genau der richtige Tag, einen Pyjama-Sonntag einzuschalten. Ich habe gerade ein neues Buch zu lesen begonnen, das mich von der ersten Seite an gefangengenommen hatte. Allerdings ging es etwas zivilisierter zu bei uns heute und wir hatten immerhin gemeinsame Mahlzeiten. Auch das mit dem Pyjama wollte nicht so richtig klappen; die Hunde mussten raus, Pyjama hin, Sonntag her. Aber der Rest des Programms fand genauso statt wie in der Kindheit: auf dem Bett liegend lesen, lesen, lesen. Ab und zu frischen Kaffeen holen, und sofort zurück, wieder hingefläzt, Seite um Seite verschlungen. Ich habe sogar wieder einmal ein richtiges physisches Buch und kein eBuch. Ach tut das gut! Das völlige Abtauchen in eine Geschichte, das sich verlieren darin, Stunde um Stunde. Eigentlich viel schöner als ein Film, denn der ist nach spätestens zwei Stunden zu Ende. Ein Buch nicht, vor Allem nicht die Bücher welche ich gerne wähle. Viele Seiten sind ein wichtiges Kriterium! Das sagt zwar nichts über die Qualität eines Buches aus, aber ich gebe das offen zu; ein Buch unter – sagen wir 250 Seiten – hat keine Chance bei mir, es müssen so richtig dicke, endlose Bücher sein.

So, und jetzt muss ich leider hier Schluss machen; das Buch ist noch nicht zu Ende gelesen.

PS. Ich lese „The Tea Rose“ von Jennifer Donnelly. Immerhin 557 Seiten 😉

PS.PS. und doch, ich habe die Zähne geputzt.

Heute ist Sonntag

TodayDank meinem Bullet Journal weiss ich meist ungefähr wo wir uns im Kalender befinden. Das Datum ist ja kein Problem, das steht auf dem Notebook und dem Handy auch. Den Überblick über die Wochentage nicht zu verlieren ist jedoch gar nicht so ohne. Wir leisten uns, in den Tag hinein zu leben und ein Termin beim „Coiffeur“ ist schon eine kleine Herausforderung.

Letzte Woche waren wir im Städtchen um ein paar Schnürsenkel zu besorgen. In den Supermärkten hatten wir keine für Sportschuhe gefunden und solche brauchen wir für unsere Outdoor-Stiefel. Also ab in einen Schuhladen. Es hat davon zwei, drei in der Hauptstrasse. Erstaunlicherweise hatten alle geschlossen. Konsterniert guckten wir uns um. Es war sehr ruhig und hatte kaum Leute unterwegs. Kontrollblick auf die Uhr: 14h 30. Die können unmöglich alle noch in der Mittagspause sein! Moment mal, ist heute etwa Sonntag? Wir strengten unsere Hirnzellen an. Das kann nicht sein weil gestern Sonntag war. Bist du sicher? Ehm. Vielleicht mal die Öffnungszeiten studieren. Montag geschlossen. Alles klar, in dieser Stadt ist Montag auch Sonntag.

Wir sind nicht die einzigen, die mit den Wochentagen etwas Mühe bekunden. Ab und zu kommt dieses Thema zur Diskussion mit anderen „Boatpeople“. Letzten Sommer hatten wir für eine Zeit lang in einem Freizeithafen angelegt und lagen als letztes Boot vor der Tanksäule. Da war kein Hochbetrieb, aber alle paar Tage kam ein Boot, vom kleinen „Pfupferchen“ bis zur 25 Meter-Péniche, und tankte voll. Eines Tages kam eine hübsche kleine Péniche daher getuckert und steuerte zielstrebig, an den vertäuten Booten vorbei, den freien Platz bei der Tankstelle an. Die Flagge zeigte uns, dass es sich um Neuseeländer handelte. Die Frau stand ganz vorne am Bug, wohl um die Anlegesituation zu begutachten und weiter nach hinten zum Steuermann Feed Back zu geben. Ich stand auch bei uns am Bug und sie fragte mich ob es hier Treibstoff gebe; absolut berechtigte Frage, denn mit der Anwesenheit einer Tanksäule ist noch lange keine Gewähr, dass da wirklich was rauskommt. Ich entgegnete, im Allgemeinen schon, ja, aber am Sonntag ist geschlossen. „Oh“  ruft sie nach hinten gewandt: „It’s Sunday, Honey, it’s Suuuunday!“.

Seither haben wir diese Musik in den Ohren und jedes mal, wenn wir uns im Tag irren: „It’s Sunday, Honey, it’s Suuunday!“