Durchatmen

Uff, die hohen Temperaturen haben übers letzte Wochenende merklich nachgelassen! Am Samstag war es noch tropisch heiss und feucht, die Nacht auf Sonntag noch viel zu warm um ordentlich durchzuschlafen und am folgenden Morgen dann die (angekündigte) Überraschung: ein frischer, kühler Tag! Was bin ich froh, denn hier im Hafen gibt’s es für uns gar keinen Schatten. Das Boot auskühlen können wir einzig über Nacht und das ist mit nächtlichen Temperaturen von um die 20°C wirklich nicht einfach. Frühmorgens hatten wir drinnen stets noch tropische Bedingungen und das ist hoffentlich jetzt vorbei.

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Liebe Wespen, bitte verschwindet

Da hat man gerade den Tisch draussen bereit gemacht und sitzt gemütlich beim Apéro oder Essen, und schon sind sie da: Wespen. Unglaublich, wie schnell die wissen, wo es etwas zu knabbern oder schlürfen gibt.

Wespen sind lästig, auch wenn man keine Angst hat, gestochen zu werden. Wir finden es nicht lustig, erst das Glas inspizieren zu müssen vor dem nächsten Schluck Weiterlesen „Liebe Wespen, bitte verschwindet“

Stopp! Denkpause

Entscheidungen zu treffen fällt uns in der Regel nicht schwer. Aber diesmal tun wir uns wirklich schwer!

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Alte Liebe…

    …rostet nicht. Nein, ich werde hier jetzt nicht die privatesten der privaten Angelegenheiten ausplaudern. Eine meiner alten Lieben ist nämlich ein langes Stück Stoff: der Sarong.

In unseren Jahren in Indonesien habe ich die lokale Angewohnheit übernommen im Sarong zu schlafen und diese beibehalten. Genauer gesagt, schlafe ich in einem kain panjang, so wird korrekterweise der Sarong für Frauen da genannt. Übersetzt: ein langes Stück Stoff. Diese Sarongs sind nicht zusammengenäht und lassen sich ähnlich eines Pareos auf viele Arten umschlingen oder -knüpfen. Wie es der Name sagt, sind sie aber lang, Länger als ein Pareo, kürzer als ein Sari. Im Gegensatz zu den meisten Pareos sind sie auch aus Naturfaser, meistens feine Baumwolle.

Säuberlich zusammengefaltet: einer meiner Sarongs - natürlich ist etwas türkis drin!
Säuberlich zusammengefaltet: einer meiner Sarongs – natürlich ist etwas türkis drin!

Ich liebe meine Sarongs und im Sommer gibt es nichts schöneres als mich nach dem Duschen bloss oberflächlich abzutrocknen und anschliessend einen Sarong unter den Achseln umzuwickeln und ab ins Bett. Das ist so schön abkühlend! Ja, meine Sarongs sind im Sommer meine Pyjamas. In heissen Nächten liege ich locker eingewickelt und bedeckt, schwitze nicht und bin vor Zuluft geschützt. Ideal.

Leider sind meine Sarong-Tage langsam zu Ende. Die Nächte sind bedeutend kühler geworden, und bald lege ich sie weg in die Sommerschublade – im Austausch mit den wärmenden Jacken für die kältere Jahreszeit. Aber noch sind sie in Gebrauch.

Vor die Tür würde ich so bekleidet nie gehen, aber im privaten Bereich finde ich es bei Hitze toll,  luftig und leicht. Einzig die Wickeltechnik habe ich irgendwie noch nicht so raus – immer noch, nach so langer Zeit. Für die Nacht trage ich ihn lose, wenn ich aufstehe genügt ein Knoten, Hauptsache ich steh nicht auf einmal nackend da! Womöglich noch auf dem oberen Boots-Deck mit neugierigem Publikum rundum!

Der Sarong gehört für mich zum Sommer wie lange Abende, draussen essen und trinken, Lachen im Dunkeln, Musik in der Ferne!

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Hier ein paar Zeilen Info zu den kain panjangs (cain pandschang)

Eigentlich wird der kain panjang als geschlungener Rock getragen, traditionell kombiniert zu einer kebaya, einer speziell geschnittenen Bluse mit langen Ärmeln, oft aus durchbrochenem Stoff. Wie bei einem Pareo gibt es verschiedene Wickeltechniken für den Rock, traditionelle und moderne. Genauso für die Druck-oder Webtechniken. Als Drucktechnik ist Batik sehr verbreitet, auf gewissen Inseln aber auch Ikat, eine ganz besondere Webtechnik bei der der Faden für das Muster vor dem Weben eingefärbt wird. Dabei werden in mehreren Färbedurchgängen stets wieder andere Fadenabschnitte abgebunden (ikat= binden) damit diese nicht mitgefärbt werden. Eine sehr aufwändige Technik. Beim einfachen Ikat ist der Kettfaden eingefärbt, beim doppelten Ikat sogar Kette und Schuss. Es ist äusserst spannend zuzusehen, wie das Muster während des Webvorgangs entsteht. Wie man die Fäden zuvor jedoch korrekt einfärben kann, geht über mein Fassungsvermögen. Ich habe zugeschaut, es aber nie verstanden. Die Fäden sehen dann ähnlich wie die Wolle aus, bei der während des Strickens ein zufälliges Muster entsteht, bloss ist alles ganz genau berechnet. Schuss nach Schuss entstehen Männchen, Bäume, Ornamente, alles sehr genau und präzise. Das ist einfach nur WOW.

 

Allerlei Erlebnisse und kleine Erfolge

Im Hafen von Decize liegend und bereits in Temperaturen um die 30°C schmorend schwante uns Böses. Die Wetterapp zeigte uns einen sehr heissen Sonntag an. Am Samstag legten wir ab mit dem Vorhaben, einen richtig schattigen Platz zu finden und dort das heisse Wochenende auszusitzen. So einfach war das nicht, aber an einer langen geraden Strecke im Wald fanden wir den richtigen Platz wo wir bloss ein paar Morgenstunden Sonne haben würden. Tatsächlich stieg das Thermometer dann am Sonntag auch bis auf 38° C. Janusz mochte die Hitze gar nicht, obwohl noch ein Windchen wehte. Ich kann es ihm nicht verdenken, auch wir drei andern fanden es heiss, aber wir geben das – nun, sagen wir es so – nicht derart übertrieben zum Ausdruck. Er kann das ausnehmend gut! Einen mit leidenden Hundeaugen anschauen als sei er kurz vor dem Sterben. Der Test mit etwas Fressen zeigt sofort, dass dem keineswegs so ist. Absolut beruhigend. Also werden die Hunde fleissig abgeduscht und kriegen ständig frisches, kaltes Wasser. Monsieur und Madame haben jetzt Wasser, halb vom Wassertank und halb aus dem Kühlschrank. Dazu am Nachmittag ein Hunde-Eis; mit einem Löffelchen Joghurt angereichertes gefrorenes Wasser. Das lieben sie.

Hafenvolk in Decize

Langsam hat es sich so eingependelt, dass wir 2-3 Tage fahren, und dann eine Pause einlegen. Entweder in einem Freizeithafen wo wir Strom und Wasser kriegen oder „out in the wilderness“, irgendwo an einem hübschen Plätzchen, wo es Schatten gibt und das steile Kanalufer in eine flache Wiese übergeht auf die ich vom Boot aus springen kann um einen Pflock einzuschlagen und das Boot festzumachen. Mann ist immer etwas ungeduldig, wenn ich einen Platz nach Unterwasserhindernissen und Brennnesseln am Ufer absuche bevor ich das Zeichen gebe zum anlegen. Er sieht von der Brücke aus schlecht was ich tue und deshalb höre ich dann plötzlich „hesch es de öppe“ *, zu gut deutsch und (viel) netter „Liebling, sagst du mir bitte Bescheid, wenn du soweit bist und ich das Anlegemanöver einleiten kann“. Man sieht, der berndeutsche Dialekt ist viel knapper, wenn auch etwas plump.

ländliches Frankreich

Allgemein setzt die momentane Hitze uns etwas zu. Der Hausfrieden hängt zuweilen etwas schief. Short tempered, sagen die Engländer so treffend. In der Tat, die Nerven liegen etwas blank wenn einem der Schweiss in die Augen rinnt und ein Hund zudem in Selbstmitleid zerfliesst und nicht aufhört laut zu seufzen. Aber wir schaffen das.

Seit einiger Zeit haben wir am Abend nach dem Fahren etwas Wasser im Boot bei der Kurbelwelle. Kein Problem, dachten wir, die Bride bei der Kurbelwelle kann sich durch die Vibrationen etwas lösen und deshalb etwas Wasser reintröpfeln. Leider nützte mehrmaliges Anziehen nichts und im Moment sind wir wirklich etwas ratlos. Wir sehen nichts tropfen und keine Röhre oder Leitung ist feucht. Die Bilgenpumpe geht nicht von selbst an, soviel Wasser ist es nicht. Aber trotzdem pumpen wir jeweils 20 Liter nach einer Fahrt von 4 Stunden raus. Heute hab ich mich damit vergnügt alle 15 Minuten nachzusehen. Trocken, trocken, trocken …. und plötzlich nach über 2 Stunden Fahrt war das Wasser da. Einfach so und anschliessend kommt nichts mehr hinzu trotz Weiterfahrt. Ein grosses Rätsel! Wir bleiben dran.

Eine andere Sorge bereiten uns die Batterieanzeigen. Normalerweise kommen die Batterien relativ schnell wieder auf 100%, auch wenn man wild übernachtet hat. Eine Stunde Fahrt und voilà, Batterien voll. Nun aber zeigen die Anzeigen ein sehr langsames Aufladen und das ist nicht normal. Nochmal etwas zum weiter verfolgen; möglicherweise benötigen wir hier professionelle Hilfe. Wird schon wieder.

Hat uns nicht jemand gesagt, mit einem Boot ist stets etwas. Nein, nicht jemand – alle sagen das. Ok, dann bewegen wir uns wohl im Durchschnitt (ist aber nicht besonders beruhigend!)

Dank der Probleme mit dem Aufladen der Batterien und den entsprechenden Sparmassnahmen hatten wir heute aber noch ein riesen Erfolgserlebnis: Trotz relativ heftigem Wind haben wir die Bug- und Heckstrahler (für nicht Eingeweihte: das sind die Antriebe, die erlauben, das Boot seitlich zu bewegen) nicht benutzt. Bloss mit dem Ruder, Vor-und Rückwärtsgang haben wir ganz sauber mehrere enge Brückenunterfahrten, 3 Schleusen, auf kleinen Raum wenden und das längs Anlegen hingekriegt! Ohne zu streifen und ohne Anschreien! Ausserdem mussten wir wegen der Panne eines Schleusentores wieder rückwärts aus einer Schleuse fahren und anlegen und überholten eine 39 Meter lange Péniche in einem engen Kanalstück. Dies auf „Befehl“ des Capitaine de Péniche, und da widerspricht man nicht. Die Reihenfolge stimmt jetzt nicht ganz, aber egal, wir sind ganz glücklich über diese Leistung. Klopf auf Holz!

*Wort für Wort lässt sich das kaum übersetzen, aber so ungefähr bedeutet dies: Bist du jetzt dann endlich soweit? Echt ‹leicht genervtes Schweizerdeutsch› und erst noch von jemandem der die edle französische Sprache seine Muttersprache nennt!

Auf einmal sind sie wieder da

Klatschmohn wirkt bei mir wie ein Trigger, ein Auslöser. Der Anblick von Mohnblumen ruft umgehend die verschiedensten Kindheitserinnerungen wach!

Mohn finden wir heute ja wieder vermehrt in Feldern und an Wegrändern. Zum Glück, sind diese Wildblumen doch jahrelang, jahrzehntelang, verschwunden gewesen. Ich habe sie vermisst, diese fröhlich roten und irgendwie doch ernsten Blumen, die jedes Kornfeld zum Gemälde verwandeln. Fehlen noch die Kornblumen, die haben sich noch nicht erholt und sind leider noch viel zu selten anzutreffen. Vielleicht haben wir die Kornblumen auf immer verloren?

Damals, mit etwa 5, 6 Jahren erlebte ich mit Mohnblumen eine meiner ersten bitteren Enttäuschungen, an die ich mich lebhaft erinnern kann. Begeistert pflückte ich sie an einem heissen und staubigen Wegrand irgendwo in der Lombardei, wo wir damals wohnten. Man sagte mir, ich solle das lassen, weil sie die Heimfahrt nicht überdauern würden. Ich glaubte es nicht, aber sie hatten recht. Zuhause hatte ich bloss noch Blütenblätter und nackte Stiele. Diese Enttäuschung und mein Unvermögen, die Blumen am Leben zu erhalten, grub sich irgendwie tief ein. Sonst würde ich mich kaum daran erinnern.

Mohnblumen stehen irgendwie für diese Jahre in Italien. Unser Vater, der zwar in einer Stadt aufgewachsen war, aber viel Zeit auf dem Hof seiner Grossmutter im Zürcher Weinland verbracht hatte, verfügte über einen unerschöpflichen Fundus an Jungenstreiche und typische Beschäftigungen für Jungs. Er brachte uns drei Mädchen alles bei und hatte selber einen Riesenspass daran. Wir sogen das natürlich nur so rein, auch wenn unsere Mutter das nicht immer lustig und gescheit fand. Vier gegen eine.

Begeistert bliesen wir Konzerte auf Grashalmen, fingen allerlei Getier und beobachteten, wie sich Schmetterlinge und Frösche entwickeln, stauten Bäche und dümpelten in ausgedienten Pneus seichte Flüsse hinunter. Wir bauten im Sommer ein Floss, im Winter einen Holz-Bobsleigh. Wir rasten auf Plastiksäcken verschneite Hänge hinunter, lernten nach Steinzeitart richtig Feuer zu machen, bauten Asthütten im Wald und Iglus auf tief verschneiten Alpwiesen. Die Winterferien verbrachten wir im Bündnerland in Hütten ohne Strom und Zentralheizung und die fast 3 Ferienmonate im Sommer campten wir an den oberitalienischen Seen, derweil Papi in Mailand arbeitete und am Wochenende zu uns stiess. Hier lernte ich mit Vier schwimmen und tauchen. Unser Vater war da nicht zimperlich; er ging einfach immer weiter mit mir hinaus und spielte mit mir „Frösche“. Mami war wohl grad nicht am Strand. Wir legten Münzen auf Bahngeleise um sie plattwalzen zu lassen und waren traurig, weil wir sie nie wiederfanden. Die Züge waren seit der Jugendzeit meines Vaters wohl ein wenig schneller geworden und der Trick funktionierte nicht mehr! Ich sehe uns heute noch alle vier in den Wiesen herumkriechen und suchen.

Alles das kam heute wieder aus den Tiefen meines Gedächtnisses hoch, bloss wegen des Fotos der Mohnblumen, das Mann von seinem Morgenspaziergang mit den Hunden zurückgebrachte! Ich denke an alle diese Erlebnisse und an meinen Vater, der dies alles nicht mehr weiss. Er ist dieses Jahr 90 geworden und befindet sich in einem weit fortgeschrittenen Stadium von Alzheimer. Aber vielleicht, vielleicht erinnert er sich ab und zu doch noch an etwas Schönes und wir merken es nur nicht.

Übrigens: Mohnlumen heissen auf Französisch coquelicots (gesprochen kokelico), eines der süssesten französischen Wörter die ich kenne! Ich sehe buchstäblich die fragile Blume; ein Windhauch und die Blütenblätter segeln davon.

Italienisch papavero (Betonung auf der 2; Silbe), klingt weniger luftig und leicht. Vielleicht empfinde ich deshalb die Mohnblume als ernst.

 

 

Plangis*

Sonntag Nachmittag in einer Stadt. Einer Stadt mit langem Quai, fast wie am Mittelmeer oder an einem See. Wir sind auf dem Boot und hören die flanierenden Menschen auf dem Quai reden, lachen. Hören spielende Kinder, zwitschernde Vögel, ab und zu einen Hund bellen. Es ist nicht mehr so schönes Wetter wie die vergangenen zwei Tage, die Temperaturen sind aber warm geblieben und so stehen unsere Türen offen. Wenn ich nicht hinausblicke und somit nicht sehe, dass die Platanen am Quai noch kein einziges Zeichen von Grün tragen, klingt es wie im Sommer. Ich höre die Tauben, die einen Platz gerade auf unser Höhe unterhalb der Quaimauer zu ihrem Badeplatz auserkoren haben. Es plantscht und gurrt. Wäre nicht ab und zu ein Auto das durchfährt, es könnte idyllisch sein.

Etwas später werden wir uns ebenfalls unter die Flanierenden mischen, im Moment bin ich einfach noch zu faul dazu. Die Hunde wechseln in der Zwischenzeit mehrmals ihre Liegeplätze. Drinnen hören sie die „Action“ draussen und haben Angst etwas zu verpassen, und draussen ist es ihnen offensichtlich etwas zu warm in ihrem noch vorhandenen Winterpelz. Nächste Woche lassen wir sie etwas scheren, dann werden sie sich wohler fühlen. Unter unserer Wollmaus wird ein kleiner Hund hervorkommen und der Grosse wird dann vorübergehend wie ein Jagdhund aussehen.

Noch haben die Cafés und die Restaurants ihre Terrassen auf der Promenade nicht eröffnet. Falls die milden Temperaturen anhalten, ändert sich das sicher bald. Gestern Abend wären die potentiellen Gäste schon hier gewesen. Menschen tummelten sich bis spätabends auf dem Quai und eine Bar/Pizzeria hatte ein Karaoke-Abend veranstaltet und wir hörten die Musik und die mehr oder weniger begabten Sänger und Sängerinnen bis spätabends sich bei offenen Türen vergnügen.

Ich freue mich darauf, dass diese Zeit der lauen Nächte bald anbricht. Also, ICH bin bereit, worauf warten wir denn noch?

„Plangis“ ist ein schweizerdeutscher Ausdruck für das Sehnen nach Etwas. Das Verb heisst „plangen“