Endlich!

Gestern waren wir auf der Saône, das Boot testen. Genauer, um zu sehen, ob nach den vielen Arbeiten am Boot (und all den Leuten, die auf dem Boot und vor allem unten im Motorenraum zwischen all den Schläuchen, Rohren und Briden rumgekrochen sind) alles rund läuft. Wir hatten einen super schönen Tag mit wenig Wind und viel Sonne getroffen und haben es alle vier in vollen Zügen genossen! Weiterlesen „Endlich!“

Diese Woche

Bin ich froh, ist sie vorbei! Janusz hatte vor einer Woche seine Krise – wir wissen ja noch immer nicht, was es ist und ich nenne das jetzt einmal so. Er hat sich etwas erholt in den vergangenen Tagen. Die ersten Tage waren schlimm, Weiterlesen „Diese Woche“

Ein Schuss vor den Bug

Auf den Kanälen und Flüssen cruisen ist ein Traum und tut Körper und Seele gut. Ein Boot zu führen ist relativ einfach und jeder kann das. Man mietet oder kauft ein Boot und fährt los. Für ein Mietboot braucht es nicht mal eine einen Führerschein; er wird vom Vermieter zur Verfügung gestellt.

Trotzdem, ein Boot ist kein Auto und vorausdenken ist nicht verboten. So manches Mal sehen wir Verhalten oder Manöver, die schlicht fahrlässig und gefährlich sind. Wir sind davon nicht gefeit. Obwohl wir Manöver absprechen, dabei Wind, Strömung und das Verhalten des Boots in Rechnung nehmen, passieren Dummheiten auch uns.

Vor ein paar Tagen hat Mann eine Slapstick-Nummer geboten, die zum Glück glimpflich ausgegangen ist. Es hätte aber zu einem veritablen Unfall führen können. Sein Pech, dass es in einer Schleuse passiert ist, wo – wie so oft – Zuschauer am Rand standen und sehen wollten, wie eine Schleuse funktioniert.

Der Zünder war mein Fehler. Weil wir das Sonnenverdeck während der Fahrt nicht unter den Brücken durchbringen haben wir einen mobilen Sonnenschirm. Meine Aufgabe ist es, den rechtzeitig zusammen zu klappen, wenn wir uns einem Höhenhindernis nähern. Und ich habe das vergessen zu tun.

Schleuseneinfahrt aus Distanz - die Querstange ist kaum sichtbar
Schleuseneinfahrt – die Querstange ist kaum sichtbar

Wenn wir in eine Schleuse einfahren hat es hier auf dem Canal du Centre meist zwar keine Brücke, aber ein Metallprofil mit einer Lichtschranke, ein Teil der Schleusenautomatik. Ich habe dieses übersehen und befand mich bereits vorne am Bug um rasch festmachen zu können und den eigentlichen Schleusenvorgang zu lancieren. Mann sah auf den letzten Drücker, dass der Schirm offen geblieben war, liess das Steuerrad los, klappte den Schirm zusammen, und kriegte den Metallbogen voll an den Hut. Mann kippte um und fiel auf den Hintern.

Schleuseneinfahrt mit Schleusenhäuschen - Vergrösserung, die Querstange ist nun sichtbar
Schleuseneinfahrt – sieht jemand die Querstange?

Mal abgesehen von der Beule am Kopf und dem Hämatom am Hintern, war das allerschlimmste, dass ich vorne am Bug das Ganze überhaupt nicht mitgekriegt habe! Mein Platz ist fast 15 Meter weiter vorne, da plätschert Wasser und das Motorengeräusch, obwohl nicht laut, wirkt wie eine akustische Barriere zwischen Bug und Heck. Mann hätte das Bewusstsein verlieren oder sogar über Bord gehen können, ich hätte das nicht sofort bemerkt weil ich ihn von vorne nicht sehe. Ich wage mir die Situation gar nicht auszumalen: einer von uns alleine an Bord, der andere im Wasser, und das Boot müsste sicher vom Schwimmer wegplatziert und gleichzeitig die Leiter runtergelassen werden, damit der über Bord gegangene wieder ins Boot steigen kann. Horrorvorstellung!

Kinder, Hunde, Schwimmer und Nichtschwimmer, können leicht über Bord gehen. In einer Schleuse ist das der absolute Supergau. Ich habe ja selber auch schon einen (banalen) Taucher gemacht, der mich völlig überrascht hat. Seither bin ich viel vorsichtiger als vorher und versuche nie unüberlegt zu handeln.

Mann hat sich dann zum Schluss über sich selbst geärgert. Er meint, er hätte den Schirm halt Schirm sein lassen und seine eigene Sicherheit voranstellen sollen. Das stimmt wohl. Für mich ist dieser kleine Unfall das Zeichen, noch viel intensiver alle Manöver, seien sie noch so unscheinbar und lapidar, durchzudenken um nie, nie, nie impulsiv reagieren zu müssen. Ein Schirm kaputt, das Boot eine Beule oder ein Kratzer mehr, egal. Mensch und Tier haben Vorrang und müssen jederzeit und überall sicher sein. Wir beten uns jetzt noch viel öfter die Vorgänge vor und stellen sicher, dass jeder weiss was genau der andere als seine Aufgabe betrachtet und was genau er tun wird und in welcher Abfolge. Wenn einer von uns einen Unfall hätte oder über Bord ginge, hätten wir ein massives Problem!

Wie sagte uns der Verkäufer unseres Bootes, der uns immer noch mit Rat und Tat zur Seite steht, wenn es nötig ist: Gefährlich wird es spätestens dann, wenn man das Gefühl hat, man habe es im Griff und viel Routine. Er hatte nicht unrecht.

Endlich – wir sind im Canal du Centre

Ausklang in Chalon-sur-Saône

… und dann aber los!

Nachdem wir kurz vor dem Einbiegen in den Zubringer zur Schleuse uns durch eine Segelschule durchfädeln mussten haben wir die Saône heute verlassen. Durch die Schleuse von Crissey gleich nach Chalon kommt man in ein ausgeklügeltes Kanalsystem welches hier mit dem Canal du Centre beginnt.

Wir stehen ja stets etwas quer in der Landschaft, so auch heute. Locker heute früh noch eingekauft, auf dem Boot und im Motorenraum alles noch kurz geprüft, Hunde spazieren geführt und dann irgendwann mal Leinen los. Natürlich ohne auf die Uhr zu schauen. Um 11.50 h bogen wir in den Zubringerkanal zur Schleuse ein und ein, zwei Minuten nach Mittag lagen wir vor dem Tor. Natürlich schliesst die Schleuse über Mittag, das häten wir spüren sollen. Im Führer steht da bloss „technischer Support über Mittag eingeschränkt“. Das hätte uns eine Warnung sein sollen; ist wahrscheinlich eine Soft-Version für: Hallo, niemand da, wir essen zu Mittag!

Punkt eins rauschte dann aber das Wasser aus der Schleuse. Zum Glück hatten wir ordentlich festgemacht, es schüttelte uns ziemlich durch. Dann ging das Guillotine-Tor auf und wir sahen in den dunklen Schlund der Schleuse. Darin zwei Boote, die recht klein wirkten. Kaum waren diese draussen, sprang die Ampel auf grün und wir durften endlich einfahren.

Ich war froh um die Schwimmpoller. Nichts ist so unangenehm wie in einer Schleuse mit Turbulenzen mehrmals die Leinen von Poller zu Poller wechseln zu müssen. Ich habe den Dreh zwar jetzt raus, aber gerne mache ich das immer noch nicht. In der Schleuse von Crissey aber bewegen sich die Poller mit dem Boot nach oben, ganz toll und sehr bequem. Ausserdem ist die Schleuse trotz der Höhe von zehneinhalb Metern ganz ruhig. Weder Wirbel noch heftige Wellen.

Wir wollten heute nur bis Fragnes und nahmen es nach dem Verlassen der Schleuse entsprechend gemütlich. So gemütlich, dass ich schon fast glaubte, mein Mann sei am Ruder eingenickt. Über den Canal du Centre haben wir schon viele begeistert erzählen gehört. Unter anderem auch, dass der Erbauer dieses Kanals nicht gerne schnurgerade Kanäle erbaute, sondern diese in weiten Kurven durch die Landschaft legte. In Wikipedia las ich, dass die allerersten Pläne für diesen Kanal Leonardo da Vinci  im 15. Jahrhundert gezeichnet hatte! Genialer Mann. Richtig los mit den Bauarbeiten ging es aber erst 1784 als die Kohleminen in Monceau-les-Mines leistungsfähigere Transportmöglichkeiten brauchten.

Uns erwarten nun 61 Schleusen und den Kanalscheitel bei Montchanin; bis dahin geht es bergauf, ab da wieder bergab Richtung Loire. Morgen werden wir durch den südlichen Zipfel der Côte de Beaune fahren, kann durchaus sein, dass wir da etwas feinen lokalen Wein degustieren…. In dieser Etappe werden wir schon die erste Schleusengruppe haben. Wir sind sehr gespannt wie es weiter geht, denn bereits die ersten Kilometer heute begeisterten uns völlig – trotz mittelprächtigem Wetter, bei 28°C und hoher Luftfeuchtigkeit. Es ist traumhaft schön hier: Der bloss etwa 10 – 12 Meter breite Kanal wand sich in sanften Kurven vor uns, wir sahen in Gärten hinein und an Häuser mit alten Mauern und Dächer, zwischen den Bäumen hindurch blickten wir auf bereits sommerliche Felder und Wiesen und ab und zu versperrten uns dichtes Gebüsch und Bäume völlig die Sicht und wir genossen die etwas frischere Luft. Die blühenden Bäume dufteten und die Vögel zwitscherten. Einfach Wunderschön.

Die Anlegestelle in Fragnes

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– fadegrad

Wir treffen oft, ich schwör!

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