Sackgasse: The point of return

Zwischen Fouchécourt und dem Wendepunkt unserer Reise wollten wir unbedingt nochmals wild übernachten und hatten unsere liebe Mühe einen Platz zu finden. Überall waren die Ufer zugewachsen, oder das Gras stand hüfthoch und so wollte ich nicht auf das Ufer springen, zudem die meisten Uferbereiche Hanglage aufwiesen. Ein Problem-Knie in der Familie reicht! Wir fanden dann doch noch etwas: bei Ormoy unter Pappeln, bloss 5 km vor dem grossen Etappenziel, und bloss halbwild, aber immerhin. Dafür blieben uns dann am nächsten Tag bloss eine Kurzstrecke bis Corre, wo wir uns ein relativ schattiges Plätzchen sichern konnten. Weiterlesen „Sackgasse: The point of return“

Ein seltsamer Tag

Manchmal hat man tagelang nichts zu tun und dann auf einmal kommt alles zusammen. Wobei ich einschränken muss, wenn ich von bei uns ALLES rede, ist das für andere immer noch banal. Trotzdem, da wir nicht motorisiert sind, braucht alles seine Zeit und so ist ein Tag schnell rum und abends haben wir das Gefühl enorm viel geleistet zu haben.

In den vergangenen Tagen fiel uns auf, dass der grosse Hund sich am Hinterteil etwas gar viel leckt und kratzt. Wir wissen, dass er – sorry, jetzt wird es ein wenig unappetitlich – hinten empfindlich ist. Keine Ahnung, was er alles erlebt hat bevor wir ihn adoptierten, zu Beginn liess er sich hinten kaum anfassen. Wir haben dann schnell gemerkt, dass er es hasst, wenn seine Analdrüsen etwas voll sind. Wir lassen sie regelmässig tierärztlich entleeren, sobald er so komisch herumhockt oder sich zu verrenken beginnt und versucht dran zu kommen. Zudem hinkt die Kleine manchmal für einen Moment, wenn sie vom Liegeplatz aufsteht. Also Zeit, für Beide einen Tierarzt zu suchen.

Heute hatten wir den Termin. Die Kleintierklinik ist weit draussen auf dem Land an einer Überlandkreuzung. Na, bravo. Google Maps gibt uns eine Strecke entlang einer Départementale, einer Strasse mit interregionalem Verkehr, an. Trotz suchen, finden wir keine Alternative. Die Hunde laufen brav mit und lassen sich durch den Verkehr nicht stören. Die vielen riesigen Sattelschlepper stören uns aber schon und machen auch Angst, wenn sie so an einem vorbeidonnern. Wir finden die Tierklinik und werden toll bedient. Janusz ist schnell sein überschüssiges Drüsensekret los, er hat kaum etwas gemerkt obwohl das Ausdrücken ganz schön schmerzvoll sein kann. Merry wird dann gründlich durchbewegt und gecheckt und tatsächlich; sie hat ein Wabbelknie links und eine leichte Hüftarthrose rechts. Die Tierärztin findet, das könne ohne weiteres von einem Unfalltrauma herrühren. Auch bei ihr wissen wir jedoch nicht, was sie alles erlebt hat, bevor wir sie aufnahmen und können keine weiteren Informationen geben. Sie kriegt jetzt eine Phyto-Kur, um einer Verschlimmerung der Arthrose vorzubeugen. Das Knie muss beobachtet werden, da steht dann vielleicht einmal eine Operation an.

Auf dem gleichen Weg zurück zum Boot gehen wir an einem Restaurant vorbei, das erst geschlossen scheint. Es ist Mittagszeit, wir haben Hunger und Durst und es ist heiss geworden. Die nette Besitzerin ist da und schlägt uns vor uns zu bekochen. Es ist nicht ganz klar, ob sie überhaupt offen hat oder nicht. Das Interieur des Restaurants ist sehr speziell. Wir staunen. Ein gekonntes Sammelsurium von Kunst und Kitsch. Kaum etwas passt zum andern und doch ergibt sich eine Einheit. Alles ist bunt und gemustert. Ins Auge fallen viele Trompe l’oeil – Werke. Einige bemerken wir erst auf den zweiten oder dritten Blick, so gekonnt sind sie. Die verdreckte Regenrinne in der Ecke, der Schirm, der vergessen herumsteht, eine alte Tür mit abgeblättertem Anstrich, die gehäkelten Vorhänge, die Front eines alten Billett-Schalters inklusive „komme gleich zurück-Zettels“, ein noch in Folie eingepacktes Gemälde, alles bloss täuschend echt gemalt! Bei einigen Objekten müssen wir ganz nach dran um sicher zu sein; doch, doch, nicht echt, sondern gemalt. Wow!

Dieselbe Visitenkarte auf unserem Tisch liegend
Dieselbe Visitenkarte auf unserem Tisch liegend
Interieur des Restaurant F Commerce, Génelard
Interieur des Restaurant F Commerce, Génelard
Interieur des Restaurant F Commerce, Génelard
Interieur des Restaurant F Commerce, Génelard
Trompe l'oeil von J-P. Chaillou: Holzfach mit Zeitungen, Zeitschriften und Ansichtskarten
Alles Trompe l’oeil, der Holzhalter, die Zeitungen, die Kunstkarten, die Notiz

Irgendwann während des Essens – die Wirtin, ebenso farbenfroh und schräg wie ihr Lokal,  hat ein feines Essen mit Rindsfilet, Bratkartoffel und Salat mit herrlich frischem Brot gezaubert – kommen drei Leute aus einem angrenzenden Zimmer: der Künstler höchstpersönlich und eine Interviewerin mit Kameramann einer Fernsehkette aus Paris. Das Interview findet ganz unzeremoniell in diesem fantastisch-surreal inszenierten Raum statt. Kurz verschwinden die Drei ins Atelier des Künstlers – offenbar gleich um die Ecke – und tauchen dann wieder auf. Wir kommen uns etwas vor wie im falschen Film. Sehr real aber schnarchen zwei Hunde zu unseren Füssen. Offensichtlich fühlen sie sich extrem wohl an diesem Ort, sie liegen beide flach mitten im Raum und kümmern sich um rein gar nichts mehr. Wir sind auch langsam geschafft von diesem Overkill an Deko und machen uns auf den Rest des Heimwegs. Denn eigentlich haben wir noch viel zu tun. Morgen kommen Gäste aufs Boot und vorher kommt noch einer, der uns ein elektrisches Problem lösen muss. Damit es morgen nicht zu viel wird sollten wir auch noch für die nächsten paar Tage einkaufen und eine letzte Runde mit dem Staubsauger würde auch nicht schaden.

Trotz diesem Pflichtenheft lassen wir uns eine Siesta nicht nehmen, das kleine Kombi-Abenteuer Schnellstrassenwanderung zur Tierklinik und Restaurant der dritten Art hat uns müde gemacht.

Essen gehen in Auxonne

Die Stadt ist nicht gerade mit Esstempeln gesegnet, aber direkt bei der Kirche befindet sich das „Hôtel du Corbeau“ mit seinem Restaurant. Da waren wir schon ein paar Mal und sind jedes Mal überrascht vom angenehmen Ambiente und der Qualität die aus der Küche kommt. Die Inneneinrichtung ist edel, modern und eher zurückhaltend. Ich mag keine bunten Restaurant-Dekorationen, die Farben habe ich lieber auf dem Teller.

Das Restaurant hat eine relativ kleine Karte, ist aber stolz darauf, dass alles frisch und mit regionalen Produkten zubereitet wird. Es gibt jeweils einen Menu-Vorschlag, und sonst steht die Karte zur Wahl. Die à la carte – Gerichte haben keine Preise; man hat einfach die Wahl zwischen einem Tellergericht, einem 2-gängigen, oder einem 3-gängigem Menu mit freier Wahl von der Karte. Finde ich echt eine geniale Idee!

Zur Vorspeise haben wir beide die „Terrine de Campagne“ vom Tages-Menu gehabt, ländlich-rustikal mit frischem Baguette, dann für mich Entenbrust, perfekt gebraten und leicht süss-säuerlich, serviert mit Kürbis-Püree, eine optimale Kombination. Für den zweiten Gast ein zartes Black Angus-Entrecôte mit selbstgemachten, gewürzten Frites und Salat. Zum Nachtisch ein Gedicht von grillierter Ananas-Timbale auf Crumble mit salzigem Caramel-Eis! Mit dem diskreten und äusserst freundlichen Service unter dem „chef de salle“ Laurent, der auch seine Weinkarte bestens kennt, haben wir uns wohl und gut beraten gefühlt. Eine Wonne, da Gast zu sein!

Trotzdem das Restaurant sich in einem sehr alten Gebäude mit hoher Decke befindet, ist es auch bei vollem Haus nicht lärmig. Etwas das ich sehr schätze. Für mich ist das „du Corbeau“ genau der Typ Restaurant den ich mag: gute französischen Küche, wo mit Fantasie aber ohne viel Brimborium frisch gekocht wird. Einfach perfekt. Und die warme Ananas habe ich jetzt noch auf der Zunge!