Canal adieu – Fluss ahoi

Mitte Juli letzten Jahres durchquerten wir den Tunnel de Balèmes und erreichten damit das Quellgebiet der Marne. Monatelang fuhren und lebten wir in der Folge entlang der Marne, und heute, heute fuhren wir nach der Schleuse von Dizy endlich AUF die Marne!

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Turning Point

Ich glaube, für diese Saison haben wir den Punkt erreicht wo wir umkehren. Schon vor ein paar Wochen hatten wir realisiert, dass die vorgesehene Rundfahrt nicht mehr machbar ist. Insbesondere, weil uns die Werft, die den blauen Anstrich im Herbst erneuern soll, den ganzen Oktober als Termin gegeben hat. Uns ist es wichtig, dass der Anstrich und auch das Antifouling erneuert wird und da dies unter offenem Himmel geschehen wird und bei Regen nicht gemalt werden kann, muss genug Zeit eingerechnet werden. Tja, so ganz frei von Terminen sind auch wir nicht.

Heute gegen Mittag sind wir in Briare angelangt. Als letztes Highlight dieser Strecke haben wir unmittelbar vor der Stadt die Kanalbrücke über die Loire befahren. Die Brücke ist ein Kleinod des französischen Kanalbaus und wird zur Zeit renoviert. Sie ist 662 Meter lang und wurde zum Teil von der Firma von Gustave Eiffel erbaut. 1896 wurde sie eröffnet. Leider ist zur Zeit die berühmte Brückenbeleuchtung nicht vollständig; den Kandelabern fehlen die Glaskugeln. Aber auch so sieht man die Eleganz und Schönheit dieser Metallkonstruktion und die Überfahrt der Loire ist absolut beeindruckend.

Die Loire ist hier schon ziemlich breit und fliesst unbehindert an der Stadt vorbei. Dabei lässt sie ihre berühmten Sandbänke liegen wo es ihr gerade passt. Es ist unglaublich, was für eine wilde Landschaft hier den Menschen als Naherholungsgebiet zur Verfügung steht. Goldfarbene Sandstrände von hunderten von Metern sind keine Seltenheit und meist sind sie menschenleer. An der Loire und am Kanal entlang sehen wir immer wieder gut ausgeschilderte, wunderschöne Radwege. Radfahrer und Rad-Tourenfahrer mit vollem Gepäck sehen wir oft. In Beffes haben wir sogar ein Hotel mit Campingplatz gesehen, speziell auf die Bedürfnisse von Radfahrern ausgerichtet. Es muss toll sein, hier zwei Wochen so Urlaub zu machen, wer allerdings richtige Bergstrecken sucht ist hier falsch! Also ideal für mich, flach, oft schattig und durch romantische Städtchen führend.

Wir verbringen jetzt im hübschen Briare ein paar Tage. In letzter Zeit haben wir so oft wild übernachtet, jetzt sind wir wieder branché, verkabelt, und werfen ab morgen wohl mal Staubsauger, Waschmaschine und Kärcher an um wieder alles auf Vordermann zu bringen, bevor wir den Rückweg unter den Kiel nehmen. Unser Boot hat das wirklich nötig jetzt.

Viele fragen übrigens, ob es nicht langweilig sei, Hin-und Rückfahrt über dieselbe Strecke zu fahren. Ich finde das keineswegs. Auf einer Rückfahrt entdeckt man wieder anderes, der Blickwinkel ist „verkehrt“ und die Landschaft sieht irgendwie nicht gleich aus, das Wetter ist oft nicht dasselbe und das verändert sowieso vieles. Einige tolle Aussichten konnte ich nicht fotografieren, weil ich es zu spät gesehen habe oder die Sonne ungünstig stand. Da werde ich sicher ein paar Bilder „nachholen“ können. Wir freuen uns auch, ab und zu wieder Bekanntschaften zu erneuern, die wir auf dem Hinweg gemacht haben und ganz bestimmt werden wir Halteplätze, die wir nicht so toll fanden gerne links liegen lassen um Andere, Schönere auszuprobieren.

Heute ist der Quatorze Juillet, der Nationalfeiertag der Franzosen. Seit Wochen haben wir beratschlagt wie wir das am Besten machen werden mit den Hunden. Vor allem die Kleine, Mutigere, zerfällt förmlich zu einem Häufchen Elend bei Feuerwerk und Knallerei. Früher, im Haus, schlich sie stets zusammen mit Puma, dem Draufgänger-Kater, ab in den hintersten Winkel im Keller, wo die Beiden auf derselben Decke ausharrten, bis der Schrecken vorbei war. Im wirklichen Leben, waren sie nicht gerade dicke Freunde, aber in der Not….. Nun haben wir erfahren, dass Briare das Feuerwerk schon gestern gezündet hatte und heute dasjenige des Städtchens stattfindet in dem wir gestern genächtigt haben. Offensichtlich wollen sich benachbarte Städte keine Konkurrenz machen. Haben wir ein Glück, sieht ganz nach einer Nacht ohne Böller aus!

 

 

 

 

Ein Kanal mit Aussicht

Wie gesagt, wir kämpfen uns hier hinauf. Hangeln uns von Schleuse zu Schleuse, jedes Mal um mehrere Höhenmeter hinauf. Stets so zwischen 2,5 und 5,8 Meter pro Schleusendurchgang. Sagte ich hier einmal was von „Schleusen gehören einfach dazu„? Recht hatte ich!

Für die ersten 11 Schleusen nach Fragnes meldet man sich am Besten an. Das haben wir getan und die VNF, die „Voies Navigables de France“, genauer ein super netter Mitarbeiter von ihnen, sorgt in der Folge dafür, dass wir jede Schleuse bereits offen für uns vorfinden, in berganfahrenden Fall also geleert. Das klappt fast reibungslos; nur einmal müssen wir etwas auf Bergabfahrende warten.  Sehr bequem, dieses System.

Bis heute haben wir 15 von 61 Schleusen geschafft, dies natürlich bloss im Canal du Centre; danach kommen noch der Canal latéral à la Loire, der Canal de Briare, der Canal du Loing ….. Ich beklage mich nicht, denn nach jeder Schleuse änderte sich die Landschaft ein klein wenig und es war nie langweilig, sondern trotz gewittrigem Wetter schön und spannend! In Chagny fuhren wir ohne Vorwarnung über Bahngeleise. Auf einer wasserführenden Brücke. Nach 11 Schleusen und über 5 Stunden wurden wir schon langsam müde. Der Kanal macht nach Chagny einen grossen Bogen und führt statt nach Nordwest nunmehr nach Südwesten. Der erste Ausblick nach der grossen Biegung weckte uns wieder vollends auf: Wir haben einen Ausblick runter ins Tal! Auf einmal fuhren wir in leichter Hanglage und hatten eine tolle Sicht auf die Rebberge. Nach einer kurzen Pause, beschlossen wir doch noch etwas weiter zu fahren. In Santenay fanden wir eine schöne Anlegestelle mit Poller vor, ohne Strom und Wasser (und Internet!), aber mit Schatten und einer hübsch gepflegten Anlage. Und nette, neuseeländische Nachbarn.

Santenay! Weindorf! Wir haben von Bootsfreunden eine gute Adresse für eine Degustation erhalten. Am Abend waren wir zu müde dazu und am andern Morgen hatten sie noch nicht geöffnet. Schade, aber ein andermal können wir sicher etwas an diesem paradiesischen Platz bleiben. Wir hatten in Fragnes nämlich vergessen Wasser zu bunkern und waren auch knapp an Milch und anderen Lebensmitteln. Wir mussten also weiter. Vier Schleusen bis St-Léger-sur-Dheune. Peanuts. Wie schon in den Vortagen trafen wir wenige bis gar keine Boote. In einer Biegung kam uns jedoch plötzlich ein Hotelboot entgegen, an die 30 Meter lang und 5 Meter breit. Vor lauter Schreck habe ich vergessen ein Bild zu machen. Wir mussten 50 Meter rückwärts zu einer Stelle, wo das Kreuzen besser ging als gleich vor einer Brücke. Wir lagen still am Ufer, die Amaryllis fuhr präzise und ganz, ganz langsam an uns vorbei und trotzdem zog es unser Heck an sie heran! Niemand regte sich auf, unsere Fender federten den Schubser ab. Wir müssen uns unbedingt schlau machen, wie das Manöver genau ablaufen sollte, damit das nicht wieder passiert. Ein bisschen Herzklopfen hatte ich schon, denn ein anderes Boot zu stubsen ist ein „no go“, wir sind hier ja nicht auf dem Rummelplatz.

Zwischen den kleinen Ortschaften hier befinden wir schon sehr auf dem Land. Meist haben wir keine Verbindung zum Internet. Selbst hier in St-Léger-sur-Dheune kommt und geht die Verbindung. Ich dachte immer, das sei für uns überhaupt kein Problem. Ist es eigentlich auch nicht, aber wir ertappen uns immer wieder dabei, schnell etwas nachsehen zu wollen und… ach ja richtig, geht ja nicht ohne Netz! Wir haben aber noch richtige Bücher dabei, so aus Papier, und auch sonst können wir uns die Zeit vertreiben. Aber es ist schon beeindruckend, wie sehr wir von den Dingern wie Smartphone und Notebook abhängig sind. Auch hier, in der Natur, in der Ruhe, auf dem Wasser! Tja.