Tschü-üss

Vor einigen Wochen, mitten im ersten Teil des Lockdowns, strandete hier ein Segelboot. Der Skipper hatte nicht mitbekommen, dass das Land sich unter strenger Ausgangskontrolle befand und er somit eigentlich hätte stoppen sollen, wo auch immer er sich befand. Nur Profis sind vom Fahrverbot ausgenommen. So setzte er fröhlich seine Reise fort, bis er dann einen Kilometer von hier von einem VNF-Mann frühmorgens auf diese unangenehme Tatsache hingewiesen wurde. Ich nehme jetzt mal an, dies ausgesprochen freundlich… Eigentlich kümmert sich VNF ja nicht darum wer fahren darf oder nicht, das tut normalerweise die Gendarmerie. Aber das Segelboot, das da gemütlich vertäut bei den Silos lag, stach ihm wohl gar in die Nase!

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Wieder unterwegs nach Wetterpech

Nach 10 Tagen wieder „zu Hause“ in Auxonne, sind wir nun definitiv „dann mal weg“ und unterwegs. Heute früh waren noch schnell mit dem Fahrrad die Vorräte aufzustocken, ein paar Kontrollen im Mototraum zu erledigen und schon ging es los. Winke-Winke und Tuuut-tuut für die zurückbleibenden neuen Freunde und Bekannten. Auxonne werden wir erst im Spätherbst wiedersehen.

Dann…. die Ruhe geniessen: die laut singenden Vögel, das Rauschen des Wassers, das wunderschöne Geräusch einer Fahne die im Wind flattert und, das etwas weniger romantische, Blubbern des Motors. Ach, tut das gut. Wir sind, sobald auf Fahrt, ganz schnell zen. Runtergefahren, ruhig, geniessend.

Noch vor 24 Stunden waren wir bedeutend weniger entspannt! Am Abend von Mittwoch auf Donnerstag, wir sassen gerade auf dem Flying Deck mit Freunden zusammen, hatten wir einen tollen Platzregen. Nicht wirklich überraschend, die Wettervorhersage hatte uns gewarnt. Wir genossen dieses Spektakel, auch wenn es anschliessend bedeutend kühler war, blieben wir sitzen und im Trockenen unter unserem neuen Sonnendach und schauten zu. Dann waren die zu erwartenden Regenfälle mit diesem Riesen-Platsch für uns abgehakt.

Am frühen Donnerstagmorgen ging es dann leider erneut los – wir lagen natürlich in Bett und schliefen. Das Prasseln auf’s Dach nahm ich im Halbschlaf irgendwie schon wahr, aber erst ein massiver Bumps weckte mich vollends. Der Regen ging sintflutartig auf uns nieder. Lange. Tropisch. Wie aus einer voll aufgedrehten Brause. Ich wagte mich raus um zu kontrollieren, ob mit unserem nigelnagelneuen Sonnendeck alles in Ordnung war. In Sekunden war ich klitschnass und schnell wieder drinnen. Ein Blick hatte genügt um festzustellen, das NICHTS in Ordnung war.

Nix wie runter in die Schlafkabine, Mann schütteln, Regenzeug anziehen und gemeinsam wieder rauf um ein tropfnasses, tonnenschweres und beschädigtes Faltdach zusammenzuschieben. Ach, was soll ich sagen. Wir waren sprachlos und traurig. Trotzdem versuchten wir noch etwas zu schlafen. In der Früh um 2 Uhr 30 kann man ja eh nichts tun.

Am Morgen dann Besichtigung des Schadens. Ich hätte weinen können! Eine Lötstelle war gebrochen, eine Stange verbogen und neben einem Reissverschluss war der Stoff auf einer Länge von 40 cm gerissen. Ausser dem Riss haben wir es provisorisch flicken können, die beiden gebrochenen Rohrteile – zum Glück an einem vertikalen Rohr – haben wir provisorisch verbunden durch einen aus einem Besenstiel gefertigten und reingeschlagenen Holzzapfen. Hält. Die gebogene waagerechte Stange wird durch eine Holzlatte unterstützt; funktioniert und sieht „toll“ aus. Vintage! Für den Riss benötigen wir die Hilfe des Fertigers des Verdecks. Wohl in Form eines klebbaren Flickens.

Nun, wir werden das verschmerzen. Wichtig ist dass wir das Sonnendach noch überhaupt benutzen können. Eine neue Massanfertigung würde uns wieder Wochen kosten und wir wollen jetzt endlich fahren, unterwegs sein, uns treiben lassen!!!

Heute früh haben wir damit, frohgemut trotz allem, begonnen. Sogar mit Blumenkistchen auf dem Deck. Diese haben die Sintflut erstaunlich gut und heil überstanden. Die Pflanzen sind ja ausgiebig gewässert worden (!) und werden nun sicher zügig wachsen und gedeihen.

 

 

Mein Herz weint!

Eigentlich wollten wir ursprünglich heute los und nun ist totaler Programmwechsel. Ich bin richtig enttäuscht – aber es ist vernünftiger. All odds are against us! Alles ist gegen uns. Ich sage mir immer, es hat keinen Zweck sich zu nerven, wenn etwas nicht klappt, vielleicht ist es sogar besser so und es muss einfach sein. Also nerve ich mich jetzt nicht, ich reg mich nicht auf, nicht, nein. Aber traurig bin ich schon etwas (und frustriert).

Die Franzosen haben Schuld. Erstens waren wir überzeugt – so lauteten unsere Informationen zumindest – zur Préfecture in Mâcon zu müssen, um uns endlich in diesem Land anzumelden. Zweitens müssen wir nach Tournus um gewisse Arbeiten fertig stellen zu lassen bevor es auf die grosse Tour geht. Drittens haben wir ab 12. März ab Seurre flussabwärts bis Lyon „chomage„, was eigentlich Arbeitslosigkeit bedeutet, aber eben auch benutzt wird um die periodische Schliessung der Schleusen zwecks Reinigung und Unterhalt zu bezeichnen. Wir sind dadurch blockiert, da wir durch drei dieser riesigen Schleusen müssten.

Also wollten wir die viertägige Fahrt nach Mâcon diese Woche noch machen. Reinzwängen, könnte man auch sagen. Diese Sache mit der Anmeldung ist zum aus der Haut fahren; kein Amt erzählt einem dasselbe. Es gibt in Frankreich unzählige offizielle Stellen und jede macht genau ihr Ding, hat aber keine Ahnung vom ganzen Prozess. Die Details erspare ich euch. Hier die kürzest mögliche und neueste Version: Schweizer brauchen sich nicht anzumelden, ok, ABER wir müssen eine Steuernummer kriegen, sonst gibt’s im Rahmen des bi-nationalen Informationsaustauschs ganz grosse Probleme. Wir befinden uns also in der abartigen Lage, Steuern bezahlen zu wollen müssen! Alles klar?

Mâcon ist nicht die richtige Stelle. Die Gemeinde, in der das Boot gemeldet ist, auch nicht! Immerhin haben wir herausgefunden, dass die Gemeinden keine eigenen Steuerstelle haben, sich um Steuern überhaupt nicht kümmern. Das macht eine separate, zentrale Steuerbehörde und dort müssen wir uns melden. Dies versuchen wir seit Tagen; der für uns Zuständige (internationaler Dingsbums) ist nie im Büro, sondern in der Pause, im Mittag, gerade sonst abwesend oder krank. Hallooo?!

Also, wir brauchen nicht nach Mâcon zu fahren, obwohl es da ganz schön wäre. Schöne Stadt, toller Hafen in parkähnlicher Umgebung, Weingebiet und, und, und. Dann also nur bis Tournus. Von Tournus erhalten wir den Bescheid, dass die Zugangspasserelle zum Schwimmsteg noch nicht repariert ist/wird. Wir könnten am Ponton anlegen, müssten aber an Land schwimmen!!! Es gibt zwar da einen kleinen hübschen Quai. Das ginge für kurze Zeit bei stabilen Wasserverhältnissen. Für die Arbeiten sollten wir aber mindestens 2 Wochen bleiben und wenn Hochwasser kommt – was man nie weiss, Wettergott ist sowas von unorganisiert  – ist ein fester Anlegeplatz gefährlich; das Boot kann mit dem Hochwasser über den festen Boden geraten und bei wieder sinkendem Wasserstand sitzen 25 Tonnen auf dem Quai auf. Zu riskant und eine Alternative gibt es nicht.

Wir sind dazu gezwungen abzuwarten und zu hoffen, dass alles sich regelt bis nach der „chomage“, also bis in 3 Wochen. Und beten und hoffen und zünden Kerzen an und sind brav, damit in der Zwischenzeit die Passerelle repariert wird.

Was wir jetzt tun können, ist vor hier aus nordwärts zu fahren, da sind die Schleusen offen. Wenn es das Wetter zulässt werden wir das sicher tun und einfach so zum Plausch ein wenig herum schippern. Motor testen, die Bordtätigkeiten wieder einüben und so. Wir haben nächste Woche für ein paar Tage einen Gast auf dem Boot und das wäre eine schöne Gelegenheit. Das wäre sogar super, und bitte bei prächtigem  Wetter ohne Wind. Das sollte doch möglich sein!