Schwupps und weg!

… auf Nimmerwiedersehen.

Leben auf dem Wasser ist eigentlich genau wie Leben in einem Haus. Hier gibt’s ebenfalls den Haushalt zu erledigen, man kocht, erlaubt sich ein Bierchen, geniesst den Feierabend oder die verbringt Zeit mit geliebten Hobbies.

Egal was wir tun, eines dürfen wir nicht vergessen: wir sind von Wasser umgeben.

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Bootsführerkurs: Halb so schlimm

Aber zufrieden bin ich nicht ganz mit mir. Der Praktische Teil des Kurses gestern war easy. Die Lehrerin war sehr zufrieden, ich eben weniger. Wie immer bin ich streng mit mir. Meine übliche lockere Haltung und der „laisser faire“-Modus ist in einem solchen Fall wie weggeblasen und ich werde auf einmal ehrgeizig! Schon oft erlebt. Weiterlesen „Bootsführerkurs: Halb so schlimm“

Ein Schuss vor den Bug

Auf den Kanälen und Flüssen cruisen ist ein Traum und tut Körper und Seele gut. Ein Boot zu führen ist relativ einfach und jeder kann das. Man mietet oder kauft ein Boot und fährt los. Für ein Mietboot braucht es nicht mal eine einen Führerschein; er wird vom Vermieter zur Verfügung gestellt.

Trotzdem, ein Boot ist kein Auto und vorausdenken ist nicht verboten. So manches Mal sehen wir Verhalten oder Manöver, die schlicht fahrlässig und gefährlich sind. Wir sind davon nicht gefeit. Obwohl wir Manöver absprechen, dabei Wind, Strömung und das Verhalten des Boots in Rechnung nehmen, passieren Dummheiten auch uns.

Vor ein paar Tagen hat Mann eine Slapstick-Nummer geboten, die zum Glück glimpflich ausgegangen ist. Es hätte aber zu einem veritablen Unfall führen können. Sein Pech, dass es in einer Schleuse passiert ist, wo – wie so oft – Zuschauer am Rand standen und sehen wollten, wie eine Schleuse funktioniert.

Der Zünder war mein Fehler. Weil wir das Sonnenverdeck während der Fahrt nicht unter den Brücken durchbringen haben wir einen mobilen Sonnenschirm. Meine Aufgabe ist es, den rechtzeitig zusammen zu klappen, wenn wir uns einem Höhenhindernis nähern. Und ich habe das vergessen zu tun.

Schleuseneinfahrt aus Distanz - die Querstange ist kaum sichtbar
Schleuseneinfahrt – die Querstange ist kaum sichtbar

Wenn wir in eine Schleuse einfahren hat es hier auf dem Canal du Centre meist zwar keine Brücke, aber ein Metallprofil mit einer Lichtschranke, ein Teil der Schleusenautomatik. Ich habe dieses übersehen und befand mich bereits vorne am Bug um rasch festmachen zu können und den eigentlichen Schleusenvorgang zu lancieren. Mann sah auf den letzten Drücker, dass der Schirm offen geblieben war, liess das Steuerrad los, klappte den Schirm zusammen, und kriegte den Metallbogen voll an den Hut. Mann kippte um und fiel auf den Hintern.

Schleuseneinfahrt mit Schleusenhäuschen - Vergrösserung, die Querstange ist nun sichtbar
Schleuseneinfahrt – sieht jemand die Querstange?

Mal abgesehen von der Beule am Kopf und dem Hämatom am Hintern, war das allerschlimmste, dass ich vorne am Bug das Ganze überhaupt nicht mitgekriegt habe! Mein Platz ist fast 15 Meter weiter vorne, da plätschert Wasser und das Motorengeräusch, obwohl nicht laut, wirkt wie eine akustische Barriere zwischen Bug und Heck. Mann hätte das Bewusstsein verlieren oder sogar über Bord gehen können, ich hätte das nicht sofort bemerkt weil ich ihn von vorne nicht sehe. Ich wage mir die Situation gar nicht auszumalen: einer von uns alleine an Bord, der andere im Wasser, und das Boot müsste sicher vom Schwimmer wegplatziert und gleichzeitig die Leiter runtergelassen werden, damit der über Bord gegangene wieder ins Boot steigen kann. Horrorvorstellung!

Kinder, Hunde, Schwimmer und Nichtschwimmer, können leicht über Bord gehen. In einer Schleuse ist das der absolute Supergau. Ich habe ja selber auch schon einen (banalen) Taucher gemacht, der mich völlig überrascht hat. Seither bin ich viel vorsichtiger als vorher und versuche nie unüberlegt zu handeln.

Mann hat sich dann zum Schluss über sich selbst geärgert. Er meint, er hätte den Schirm halt Schirm sein lassen und seine eigene Sicherheit voranstellen sollen. Das stimmt wohl. Für mich ist dieser kleine Unfall das Zeichen, noch viel intensiver alle Manöver, seien sie noch so unscheinbar und lapidar, durchzudenken um nie, nie, nie impulsiv reagieren zu müssen. Ein Schirm kaputt, das Boot eine Beule oder ein Kratzer mehr, egal. Mensch und Tier haben Vorrang und müssen jederzeit und überall sicher sein. Wir beten uns jetzt noch viel öfter die Vorgänge vor und stellen sicher, dass jeder weiss was genau der andere als seine Aufgabe betrachtet und was genau er tun wird und in welcher Abfolge. Wenn einer von uns einen Unfall hätte oder über Bord ginge, hätten wir ein massives Problem!

Wie sagte uns der Verkäufer unseres Bootes, der uns immer noch mit Rat und Tat zur Seite steht, wenn es nötig ist: Gefährlich wird es spätestens dann, wenn man das Gefühl hat, man habe es im Griff und viel Routine. Er hatte nicht unrecht.

Untergetaucht / 100!

Vollbad heute früh. Nicht freiwillig. Auch nicht in einer Badewanne (wir haben keine). In der Saône.

Aber von Vorne: Unsere Nachbarn auf diesem Ponton wollten um 8 Uhr ablegen. Sie haben ihr Boot verkauft und wollen es, nach 16 Jahren Leben auf diesem Boot, morgen in St-Jean-de-Losne dem neuen Besitzer übergeben. Vor 5 Tagen legten sie hier an und erzählten uns, sie müssten weiter nach Mulhouse um das Boot dort zu übergeben. Da wir von Freunden wussten, dass der Canal du Rhône-au-Rhin  zur Zeit wegen eines Erdrutsches nicht durchgängig befahrbar ist, kamen wir ins Gespräch und hatten in der Folge einen sehr netten Kontakt. Also standen wir auch früh auf heute um sie zu verabschieden.

Wir standen auf dem Ponton, die beiden Flamen (Belgier aus dem flämischen Teil = Flamen?) bereits mit laufendem Motor abfahrbereit auf dem Boot. Ging nur noch um die Leinen lösen. Natürlich halfen wir dabei. Ich auch. Ich löste „meine“ Leine am Heck und wollte sie schwungvoll aufs Boot werfen – Leinen im Wasser sind eine Gefahr denn sie könnten sich in der Schiffsschraube verheddern. Die Leine landete erfolgreich auf Deck und ich im Wasser.

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100 BeiträgeDas ist mein 100ster Beitrag. Ich hoffe, das ins Wasser fallen ist kein Omen;-). Vielen Dank an meine Follower und auch an die vielen Leser und Leserinnen die ab und zu reingucken ohne Follower zu sein! Ihr seid alle sehr motivierend, danke 🙂



Ich weiss ja, dass ich mich manchmal etwas blöd anstelle, aber gerade so? Nun, nach dem Untergehen (ich habe so ein Bild von wirbelndem Wasser noch vor Augen) und ein paar Sekunden Schnappatmung, dachte ich nur: Suzy, jetzt aber ganz ruhig, ruhig, ruhig. Neben mir das riesige Boot mit blubbernden Motor, auf der andern Seite der Ponton, der viel zu hoch liegt um sich einfach raufzuziehen. Ausserdem hatte ich wegen der morgendlichen Kühle eine Faserpelzjacke an und diese war sekundenschnell sehr schwer geworden. Die Jeans, die ich trug, machten die Sache nicht besser. Erfolgreich an den Ponton geschwommen hielt mich mein Mann über Wasser, bis ich mich selber an einem der Klampen festhalten konnte. Schliesslich brachte unser neuer Bekannte sein Boot so nahe an mich ran, dass ich mich am Boot entlang zum Heck durchhangeln konnte wo sich eine Ausstiegsleiter befand. Mit den tonnenschweren Kleidern die Leiter hinaufzusteigen war auch nicht grad easypeasy.

Nun, klatschnass verabschiedete ich das flämische Pärchen um dann umgehend unter eine heisse, lange Dusche zu verschwinden. Seltsamerweise war mir nicht kalt geworden aber ich schreibe das einem kleinen Schock zu.  Die Saône ist sicher noch nicht viel über 10 Grad warm und ich gehe nie freiwillig in Wasser das unter 22°C warm ist! Die nette Flamin winkte noch wir verrückt und rief mehrmals, dass sie uns ganz sicher nie vergessen werden. Na, das glaube ich gerne. Ich auch nicht.

Ich verstehe immer noch nicht, wie ich das Gleichgewicht verlieren konnte, aber die ganze Sache ist uns eine Lehre: Wir müssen schleunigst eine Bordleiter haben, denn jemanden alleine rauszuziehen ist nicht so einfach! Gar nicht zu denken jemanden, der nicht schwimmen kann! Der Rettungsring muss in kürzester Zeit bereit sein. Ich habe schon einen gesehen, da war die aufgeschossene Leine mit Kabelbinder zusammen gebunden. Soviel zu allzeit bereit. „Mann über Bord“ kann immer und jederzeit passieren, deshalb wird das Manöver für den Bootsführerschein auch geübt, allerdings nur aus der Sicht des Bootsführers. Was der Überbordgegangene tun sollte habe ich ja jetzt geübt. Bei mir war es halt „Frau von Ponton“ was eigentlich nicht sehr spektakulär ist, ausser man ist diejenige welche.

Die im Wasser verlorenen Badelatschen sind auch wieder aufgetaucht und konnten von Mann rausgefischt werden. Kein weiterer Schaden also.