Sackgasse: The point of return

Zwischen Fouchécourt und dem Wendepunkt unserer Reise wollten wir unbedingt nochmals wild übernachten und hatten unsere liebe Mühe einen Platz zu finden. Überall waren die Ufer zugewachsen, oder das Gras stand hüfthoch und so wollte ich nicht auf das Ufer springen, zudem die meisten Uferbereiche Hanglage aufwiesen. Ein Problem-Knie in der Familie reicht! Wir fanden dann doch noch etwas: bei Ormoy unter Pappeln, bloss 5 km vor dem grossen Etappenziel, und bloss halbwild, aber immerhin. Dafür blieben uns dann am nächsten Tag bloss eine Kurzstrecke bis Corre, wo wir uns ein relativ schattiges Plätzchen sichern konnten. Weiterlesen „Sackgasse: The point of return“

Endlich!

Gestern waren wir auf der Saône, das Boot testen. Genauer, um zu sehen, ob nach den vielen Arbeiten am Boot (und all den Leuten, die auf dem Boot und vor allem unten im Motorenraum zwischen all den Schläuchen, Rohren und Briden rumgekrochen sind) alles rund läuft. Wir hatten einen super schönen Tag mit wenig Wind und viel Sonne getroffen und haben es alle vier in vollen Zügen genossen! Weiterlesen „Endlich!“

Wieder etwas versöhnt

Nachdem ich mich hier etwas sehr negativ und genervt über unser Hobbit-Hüttli geäussert habe, gebe ich hier und heute zu, dass ich wieder versöhnlicher gestimmt bin. Seit gestern Mittag ist wieder knallblauer Himmel, es ist herbstlich mild und wir können uns wieder besser „verteilen“ und auch draussen sitzen.

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Elastisch bleiben, bitte!

Wir haben viele Jahre in Asien verbracht, wovon vier Jahre in Indonesien. Vieles damals beeindruckte mich tief und es gibt einige Dinge, die bis heute noch nachklingen. Eins davon ist die jam karet, die Gummi-Zeit, ein elastischer Zeitbegriff. Indonesier brauchen den Ausdruck gerne um anzugeben, dass Zeit- oder Terminangaben nicht so eng verstanden werden sollten.

Dieses erste Jahr auf dem Hausboot wurde die jam karet so richtig aktuell. Der Ausdruck hat bei uns beiden sozusagen ein Revival erlebt. Ich würde ihn eigentlich noch gerne ausdehnen und in hidup karet umbenennen, Gummi-Leben. Ja, Elastizität ist hier gefragt. Nicht alles läuft wie gewünscht, geplant, getimed. Aber das ist ok.

Unsere Anpassungsfähigkeit wurden diesen Sommer nämlich von Natur, Mensch und Technik so richtig ausgetestet. Wundersamerweise störte uns das nicht gross, trotzdem wir beide nicht gerade für Geduld und Langmut bekannt sind. Eigentlich waren wir meistens ziemlich zen und nahmen Unvorhergesehenes nur ab und zu vielleeeeicht etwas genervt zur Kenntnis. Aber nur ganz kurz. Schnell schaltete eines von uns dann auf Ohm und rückte die Dinge wieder an ihren Platz: Hey, das spielt doch keine Rolle, warten wir zu, bleiben wir halt hier, warten wir ein paar Minuten-Stunden-Tage ab, kehren wir um, reparieren wir das halt, pumpen den Schiffsbauch eben aus, essen wir  kalt, besuchen wir die Stadt ein anderes Mal, und so fort.

Vieles, das ich gerne gesehen hätte, haben wir leider nicht besuchen können. Meist war es schlicht zu heiss, für uns und die Vierbeiner. Oft war weder die Hunde an Bord lassen noch sie mitnehmen eine gute Wahl. So „verpassten“ wir einige Sehenswürdigkeiten oder mussten es bei einem Kurzbesuch belassen.

Andererseits war die gesamte Reisezeit – eigentlich sind wir noch nicht am Ende, aber wir befinden uns wiederum in sehr bekannten Gefilden und deshalb ist es nicht mehr so aufregend – also, die gesamte Zeit war schön entspannt für uns. Wir glitten gemächlich durch tolle Landschaften. Wir hatten und liessen uns dabei Zeit; ein Luxus der absolut neu war für uns. Zum Glück konnten wir uns, konnte ich mich, gut anpassen an eine Zeit ohne Job und Termine. Ich habe mir vorgängig zwar nie Sorgen gemacht, ob mir dann nicht irgendwann die Decke auf den Kopf fällen würde. Das Bewusstsein, einen grossen Schritt zu machen mit dem Wechsel von Job, Haus und Garten auf ein Leben auf einem Hausboot war hingegen schon da.

Auch nach so langer Zeit zusammen, ein derart enges Zusammenleben konnten wir nicht testen, haben Mann und ich nicht die Köpfe eingeschlagen. Auch hier ist Langmut und Geduld, also eine gewisses karet gefragt; Damit man nicht beginnt, ständig am anderen herum zu meckern (eher meine Spezialität!). Deshalb bin ich froh ist unser Boot zwar klein, aber gross genug um kleine Zonen zum Alleinsein zu ermöglichen; eine Leseecke, ein Pult um mal in Ruhe zu surfen oder zu arbeiten (ja, ab und zu gibt’s einen kleinen Job), ein Sofa oder ein Bett auf das man sich einfach mal hinfläzen kann und eine Terrasse wo eines von uns auch mal alleine einen Kaffee trinken kann.

Immerhin sind wir hier zu viert auf begrenztem Raum (ich habe es nie genau ausgerechnet, aber mehr als 50 m² haben wir als Wohnraum bestimmt nicht). Die Hunde zähle ich mit, sie nehmen schliesslich auch Raum ein und haben ihre Bedürfnisse, allerdings kaum die, endlich einmal alleine sein zu wollen :-)!

Ich glaube, den grossen Test haben wir bestanden, darüber sind wir alle glücklich! Zu behaupten, dass stets eitel Sonnenschein herrsche, wäre übertrieben, aber allermeistens haben wir’s gut zusammen. Und wenn ich hier so raus blicke, auf die anderen Boote hinaus und dahinter die grossen Bäume, darunter die Ufer mit den Spazierwegen im Grünen, auf der anderen Seite die Kaimauer und die dreibogige, alte Steinbrücke, dann macht mich das einfach nur happy! Ich froh darum, vor über zwei Jahren den Entscheid getroffen zu haben, etwas für uns ganz Ungewöhnliches zu wagen und dies dann auch durchgezogen zu haben. Leute die ähnliches gewagt haben, dazu zähle ich einige Blogbekanntschaften, werden dies bestätigen: Etwas Neues zu wagen ist nur zu empfehlen. Aber bleibt elastisch!

Glückspilze

Wir sind wahre Glückspilze. Im ironischen Sinn.

Kaum planen wir etwas, geht’s in die H…. Planen wir nichts und gehen einfach drauf los, haben wir vielleicht auch Pech, wir merken es aber nicht so, weil eh nichts geplant war. Wir geniessen einfach, was so kommt und sind happy damit.

Für den ersten Teil des Canal du Centre haben wir sowas wie einen Fahrplan erstellt. Die nächsten 7 Etappen sind schön aufgeführt: Fahrkilometer, Anzahl Schleusen, angenommener Zeitbedarf, Halteplätze oder Häfen, mit Strom und Wasser oder ohne. Für die 7 Streckenabschnitte haben wir bis Ende Monat Zeit. Easy. Auf dem Papier sieht das super aus, wir sind schon am umsetzen und so einfach wie gedacht ist das nicht.

In Digoin wollten wir zwei Tage bleiben, wurden aber nach der ersten Nacht aufgefordert, den Platz zu räumen für irgend eine historische Veranstaltung. So Ritterspiele auf dem Wasser, statt Pferde mit Kähnen. Die alternativen Anlegeplätze sagten uns nicht zu. In einen winzigen Hafen gestapelt zu werden? Nein, danke. Also direkt weiter. Etappe 2: Paray-le-Monial, interessante Cluny-Stätte, Basilika, hübsches Städtchen. Schon bei der Herfahrt hätten wir es gerne besucht. Damals war es aber so heiss, der grosse Rundgang durch das Städtchen mit Besuch der Sehenswürdigkeiten konnte nicht stattfinden. Mit unseren Hunden ist das immer so eine Sache: an Bord können wir sie bei Hitze nicht lassen und sie mitnehmen, wäre Tierquälerei. Ausserdem bin ich auch kein Held bei Hitze und würde mich am liebsten benehmen wie ein quengelndes Kind. Da bei mir die Erziehung jedoch schon abgeschlossen ist, und ich nicht mehr zu quengeln wage, verstumme ich bloss. Etwas, das Mann sofort auffällt und dann fragt er alle 5 Minuten, was ich habe! NICHTS! ( = HEISS). Tolle Stimmung.

Leider war es auch diesmal wieder sehr heiss und zudem fand gerade in einem wunderschönen Park beim Hafen (ursprünglich zu Ehren des Besuchs von Papst Johannes Paul angelegt) wieder eine Pilgerveranstaltung statt. Wir wurden Tag und Nacht besungen. Halleluja und Amen. Etwas mühsam. Also Besuch streichen und weiter. Nächstes Highlight: Le Petit Bistrot von Ludovic. Ludovic führt mit Erfolg ein originelles Lokal, ausschliesslich mit Menschen mit besonderen Problemen im Rahmen einer soziokulturellen Wiedereingliederung. Auch dieses Bistro wollten wir schon besuchen, haben es aber letztes Mal verpasst. Mein Plan sah vor, 4 Kilometer vor Palinges und dem Restaurant wild und im Schatten anzulegen, morgen bis zum Petit Bistrot weiter zu fahren, anzulegen, da etwas zu Mittag essen, und dann weiter bis Génelard, wo wir auf einen Platz mit Strom hoffen. Den (Halb-)Schattenplatz haben wir. Leider klappte aber die Tischreservation für morgen nicht: Ludovic hat ab heute Abend das erste Mal seit 4 Jahren Urlaub. Wow, so ein Timing muss uns erst mal jemand nachmachen! Hätte besser Lotto gespielt.

Ich bin mir jetzt nicht ganz sicher, ob ich den Papierbogen mit meiner Planung drauf direkt ins Altpapier geben soll, oder ob wir noch nicht aufgeben wollen. Vielleicht lassen wir es doch besser einfach drauf ankommen? Vielleicht.

François, Françoise und ihre Kinder

gerne zusammen mit Freunden und Verwandten, lieben es zu picknicken!

Mit Grill oder ohne, an Bänken und Tischen oder im Gras auf einer Decke, an einem Fluss – oder Kanalufer, vor dem Fischen, während des Fischens, nach dem Fischen, unter der Woche, am Wochenende, ganz egal: alle lieben es.

Fast an jeder Anlegestelle finden wir zwei, drei Tische mit Bänken vor. Ja, heute haben wir solche Kombi-Picknickplätze sogar bei den Pollern im Wartebereich für die Schleusen gesehen! An den Überlandstrassen, an Waldecken, im Dorfzentrum, beim Kinderspielplatz eines jeden Dörfchen finden die Picknick-Liebhaber Tische, Bänke und Abfallkörbe. Meist ganz hübsch gestaltet mit Bäumen und Büschen, damit im Schatten geschlemmt werden kann.

Für mich ist Picknicken eher eine Kindheitserinnerung und die Begeisterung für’s Freiluftessen der Franzosen findet in meinem Heimatland wohl keinen Vergleich. Die Leute in diesem Land essen gerne und lassen sich Zeit dazu. Sie kommen in Gruppen, bewaffnet mit Kühlboxen und weiss nicht was alles für Proviant. Es wird diskutiert, gelacht, in Gruppen zusammen gesessen, die Babys werden geschaukelt, Väter sondern sich mit den Söhnen oder Töchtern ab und zeigen ihnen wie man fischt, die Männer stehen auch mal ein wenig abseits, trinken ein Bier und nehmen wichtige Themen durch, Frauen chatten ohne Smartphone sondern ganz live, meistens findet sich sogar ein geeigneter Platz um ein paar Runden Pétanque oder Boule zu spielen.
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Picnic

Irgendwann ist dann auf einmal der ganze Spuk vorbei. Ohne viel Federlesens wurde zusammengeräumt, Kinder und Hunde eingesammelt und es kehrt Ruhe ein. Der Platz sieht aus, als wäre nie jemand da gewesen. Kein einziges Papierchen, keine Asche vom Grill, schon gar keine Aludose, PET-Flasche oder Plastikbeutel liegen herum! Nicht einmal der Abfallkorb ist überfüllt!

Wir schauen diesem Treiben jetzt seit Monaten zu und staunen. All die François‘ und Françoises sind so was von diszipliniert und räumen selbstverständlich und ohne viel Trara sauber zusammen und sind weg. Gerne bis zum nächsten Mal 

Rettungsaktion

Schon seit wir hier auf diesen Kanälen sind habe ich mich gefragt, wie zum Kuckuck jemand da wieder rauskommt, sollte einer in den Kanal fallen. Die Ufer sind meist ganz gerade (senkrecht), der Wasserspiegel gute 30 cm unter der Oberkante, manchmal auch viel mehr. Kilometerlang dienen Eisenprofile als Uferbefestigung, manchmal sehen wir noch die alte, historische Holzkonstruktion, ab und zu ist die Befestigung aus Beton, dieser entweder abgeschrägt oder als Kaimauer mit Unterzug.

Eines ist schon klar: die Ufer sind sensibel und müssen vor allem vor Wellenschlag geschützt werden, sonst erodieren die Kanalufer schnell und anlegen oder kreuzen wird gefährlich für die Boote. Das würde aber niemand hindern, an allen Kanälen Ausstiege zu montieren. Mensch und Tier wären da froh drum.

Heute nun ist es passiert: Ein Reh konnte wahrscheinlich bei der bestehenden Trockenheit keine andere Trinkmöglichkeit finden als den Kanal und fiel rein.
20180728_chevreuil01Wir haben schon von treibenden Tierkadavern gehört, selber aber noch nichts gesehen. Heute Nachmittag nun plötzlich dieses Rehböckchen, das heftig schnaufend daher geschwommen kommt. Was tun? Reinspringen? Erst Rettungsring holen und sich selber absichern? Hat jemand im Hafen ein Dinghi? Ein Seil muss her, Bootshaken… Bis wir uns einigermassen entscheiden ist das Böckchen schon weit weg. Das sind gute Schwimmer. Wir sehen nur noch wie es ständig versucht, raufzukommen, kaum findet es etwas überhängendes Grün. Keine Chance, das Wasser ist sicher 40 cm unter der Eisenkante.

Mann, wir sind gerade am Essen unter den schattenspendenden Bäumen, lässt sein Hühnerfleisch-Spiessschen in den Teller fallen und sprintet zum Fahrrad. Ich kann ihm nur noch nachrufen, er soll sich nicht selber in Gefahr bringen, und weg ist er.

Minuten später sehe ich, dass das Reh wieder zurück geschwommen kommt. Es ist bereits ziemlich erschöpft. Mittlerweile hat ein kleines Boot neben uns angelegt. Ich bin ziemlich aufgeregt und versuche zu erklären, was abläuft. In der Aufregung quatsche ich die Leute auf Englisch zu. Mann kommt auf der andern Kanalseite pedalend daher, auf derselben Seite paddelt das Reh wieder stromaufwärts. Ich kann ihm signalisieren auf welchen Höhe das arme Tier ist, sehen kann er es von oben offenbar nicht. Kaum kommt er ins Blickfeld des Rehs, strampelt dieses noch heftiger. Ich sehe die Panik in seinen Augen.

Mittlerweile hat der Mann vom kleinen Boot begriffen was abläuft, ist daran sein Klappvelo bereit zu machen und hat sich schon ein zusammen gerolltes Tau umgehängt. Mann ist wieder da und will eine gaffe, einen Bootshaken. Zusammen sausen die Beiden ab, wieder auf die andere Kanalseite. Das Reh befindet sich nun auf der Höhe einiger Fischer, die auf „meiner“ Seite ihre Köder baden. Viel Reaktion ist da nicht zu erwarten.

Die beiden Männer – zum Glück hat es hier Brücken, die nahe beieinander liegen – sind beim Reh angekommen. Nachträglich erzählt mir Mann, dass es so erschöpft war, es entschied sich nicht mehr gegen die Kanalmitte zu flüchten, sondern für die Option nahe beim (vielleicht rettenden) Ufer zu bleiben. Mit dem Bootshaken konnte er es am weiter schwimmen hindern und ermöglichen, dass man ihm das Seil umlegen konnte.

Ich sehe aus rund 200 Meter Distanz, wie es plötzlich spritzt wie wild, und die beiden das Tier rausziehen. Hurra!

Offenbar stand das Reh sofort auf, blieb einen Moment benommen stehen, sprang dann über ein kleines Bächlein und landete in einem Privatgarten. Nach ein paar Minuten, fasste es sich ein Herz und bewegte sich auf eine dichte, grosse Hecke zu, wo es verschwand.

Ich hoffe, es erholt sich gut und findet den Weg aus dem Dorf in den Wald. Wir waren jedenfalls ganz glücklich über diesen guten Ausgang.

Uff, das war wirklich aufregend. Ich begreife einfach nicht warum es nicht überall Ausstiegshilfen gibt. Weiter unten haben wir welche gesehen, aber hier gibt’s keine weit und breit und im Canal du Centre habe ich nirgends eine derartige Vorkehrung gesehen. Das wäre ja das mindeste, der Kanal zerschneidet die Wildwechsel schon genug.

Wir überlegen uns jetzt, wie wir uns vorbereiten könnten auf einen erneuten, ähnlichen Notfall. Ich würde mich absolut elend fühlen, wenn wir einfach zuschauen müssten, wie ein Tier langsam ertrinkt! Wir haben einen Kescher, aber der wäre für ein Reh zu klein. Ein Netz vielleicht?