Endspurt

Am 9. November fährt der Kranwagen auf. Der ist bestellt und der Termin ist nicht verschiebbar! Der Spezialist, der unser Boot streicht, ist fast Tag und Nacht dran, die Escapade auf Hochglanz zu streichen. Abschleifen, Anstrich, wieder Abschleifen, Anstrich… Mehrere Schichten, ich glaube, er ist jetzt an der Vierten. Das kalte und feuchte Wetter bietet etwas erschwerte Bedingungen. Gestern haben wir versucht die Halle mit allen zur Verfügung stehenden Heisslüftern und mobilen Radiatoren zu wärmen. Die Zentralheizung des Boots können wir leider nicht laufen lassen. Die aus dem Abluftstutzen entweichenden Abgase würden die neue und noch nicht vollständig abgetrocknete Farbe beschädigen und die Gase im Hangar würden eine Arbeit darin wohl verunmöglichen. Die erreichte Wärme reichte nicht, im Hangar ist und bleibt es einfach zu feucht.

Heute Vormittag entdecken wir die kurzum organisierte Bautrocknungs-Anlage. Gut gemacht! Nun geht es wieder voran. Juhuuu! Wir können es kaum erwarten, unsere Escapade wieder im Wasser zu haben und mit Sack und Pack (und Hunden) auf sie zurückkehren zu können.

Nächtliche Heimsuchung

Trump war hier. Hier bei mir. Im Traum. Er schwebte in mehrfacher Ausführung in/auf Luftballons hier herum. So genau kann ich das nicht sagen. Er sah irgendwie etwas anders aus, so wie eine Fusion zwischen Donnie himself und Nemo (sorry, Nemo), aber doch eher wie Donald Trump. Nemo kann also nichts dafür.

Weitere Mitmachende waren: ein weisses Auto, gross, amerikanisch bullig, ein Pferd in einer Nebenrolle, meine Mutter, sie geriet irgendwie in ein Sumpfloch und musste von mir herausgezogen werden und verwandelte sich danach in ein Einhorn, und eine Freundin aus dem Tessin, die dauernd typische Grammatikfehler machte, die Italiener auf schweizerdeutsch machen (ja, wir haben auch Grammatik). Deshalb weiss ich, dass der Film, äh, der Traum auf Deutsch war. Ah, und da war auch mein Mann. Er fuhr den SUV, guckte aber ständig zurück um mit der Freundin zu reden, welche auf dem Rücksitz sass. Deshalb geriet meine Mutter ja auch in das Loch, doch, doch, genau darum! Sie war vorher jedoch nicht mit an Bord gewesen. Und zwei spielende Hunde auf einem Feld und ein Fuchs hinter der Hecke.

Alles klar soweit? Seid ihr noch mit mir?

Die Haupthandlung waren jedoch irgendwie diese Donald-Gesichter, die über mir schwebten, leicht hin und her und auf und ab mäanderten, und ständig wiederholten: „Hey, believe me, hey, believe me“. Also, immer nur einer, nicht im Chor. Eigentlich klang es eher wie „Hö! Believe me!“.

Da lag ich also, mit Schweiss auf der Stirn, im Dunkeln und in der Kälte. Wie es so ist, nach einem Albtraum, war ich noch nicht ganz ich, und fragte mich, ob ich jetzt schon wach war oder immer noch im Traum gefangen war. Das „hö! believe me!“ oder so ähnlich hörte ich nämlich immer noch!

„hö! believe me! hö, believe me! hö….!

Nach ein paar Schreckensminuten wurde ich dann ganz wach und hörte den Grossen (Hund!) schnarchen, ganz im Rhythmus von hö! believe me, hö! believe me…. Ich wusste gar nicht, dass der Donnie kennt!

Da dies die kälteste zu erwartende Nacht ist, hatten Mann und ich abgemacht, dass wir abwechselnd aufstehen und heizen. Um drei ich, um halb fünf und um sieben Uhr er. Ich hatte den Wecker gestellt für drei Uhr und Mann stand dann auf und heizte die erste Schicht. War nicht ganz wie abgemacht, aber ich fand das ganz lieb von ihm. Der Albtraum hat mich nach fünf Uhr geweckt, bis ich richtig wach war dauerte es noch einen schönen Moment. Jetzt sitze ich hier und heize schreibend; oder schreibe heizend. Bei anfänglichen 13,7°C. Mittlerweile ist schon recht warm und ich bin jetzt hellwach. Gut habe ich den Traum sofort aufgeschrieben, später bei Tag wüsste ich kaum mehr was und er wäre mir abhanden gekommen. An die schwebenden Trump-Nemo-Luftballons erinnere ich mich wahrscheinlich aber noch lange.

Mittlerweile ist etwas auf Vorrat geheizt, 23°C, und ich gehe wieder ins Bett. Die nächste Schicht ist dann mit Kaffee Nr. 1 verbunden. Ans Bett geliefert. Schön. Schlaft jetzt weiter und sorry, dass ich euch so früh gestört habe.

Die Kälte kommt

Die nächsten Tage und vor allem Nächte wird es hier sehr kalt werden. Auch sehr kalt, müsste ich eigentlich sagen, denn es betrifft ganz Europa. Für alle, die auf Booten leben hat dies aber noch eine zusätzliche Bedeutung. Anders als in Häusern und Wohnungen machen wir uns nicht bloss Gedanken, ob wir es drinnen warm und kuschelig genug haben werden.

Heute Vormittag kam der Hafenmeister vorbei um mitzuteilen, dass am Nachmittag das Wasser abgestellt wird. Anders als am Stromnetz, sind wir in Bezug auf Wasser nicht direkt am Versorgungsnetz angeschlossen, sondern füllen regelmässig unsere Tanks und beziehen den täglichen Bedarf daraus. Ich habe dies in anderen Beiträgen schon beschrieben. Wir füllten also heute Morgen unseren Wassertank. Dies tun wir so alle 7-10 Tage. Vor Allem die Waschmaschine verbraucht einen rechten Teil des Wasservorrats. Diese wird in den nächsten Tagen demnach ganz sicher Zwangspause haben. Auch sonst ist ein überlegter Wasserverbrauch anzuraten. Man wir sich auf einem Boot sehr schnell bewusst, wieviel Wasser da eigentlich von uns verbraucht und vergeudet wird! Wasser laufen lassen während des Zähneputzens? Ewig duschen? Nada!

Unser Trinkwasser beziehen wir ebenfalls vom Versorgungsnetz; nicht aus dem Tank, wir füllen separat direkt vom Wasserhahn ab. Da ist unsere Vorratsmöglichkeit begrenzt. Bislang war Mineralwasser keine Option; ich bin nicht dafür, Wasser in der Landschaft herum zu karren solange Trinkwasser direkt Haus geliefert wird. Das Wasser hier schmeckt nicht gerade nach frischem Quellwasser, aber es ist trinkbar und unbedenklich. Wenn es lange kalt bleiben sollte, müssen wir wohl trotzdem auf Plan B zurückgreifen: Mineralwasser schleppen.

Wasser gefriert, wenn es unter 0°C ist. Bewegtes Wasser braucht ein bisschen länger. Unsere Tanks und Leitungen liegen alle im Bauch des Boots unter der Wasserlinie. Wenn es sehr kalt wird, erfahrene Boaters sagen unter -5°C, müssen wir also entweder Frostschutz beifügen oder den Schiffsbauch warm halten. Da wir hier wohnen wird geheizt. Natürlich ist es im Rumpf unten viel kühler als in den Wohnräumen, ähnlich eines Kellers. Aber wir machen uns schon Gedanken, wie wir eventuelles zu grosses Abkühlen verhindern können. Ein Rohrbruch ist das Letzte das wir riskieren wollen!

Letzte Nacht, da fiel das Thermometer schon einige Grade unter 0, haben wir die Temperatur im Motorraum gemessen. Um 6 Uhr, hatten wir oben noch knapp 16°C (da schläft man herrlich!) und unten 8°, ziemlich beruhigend also. Heute Nacht versuchen wir die Wirkung zu testen, die eine leichte Heizung erzielt, indem wir einen der Ölradiatoren runter stellen und die Nacht durch auf niedriger Stufe laufen lassen. Einfach um herauszufinden, ob das bei -10°C oder mehr auch genügen würde. Ich denke, das kann man mit diesem Test abschätzen. Hoffe ich. Hoffe ich!!

Mit der Nachricht der kommenden Frosttage ist hier auf den Pontons ein wenig Aktivität. Die, die ihr Boot alleine überwintern lassen, kommen für eine Kontrollgang. Nichts vergessen? Alles dicht? Parat für eisige Tage? Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Niemand will sein Boot sinken sehen. So sind wir alle – wir eh, es ist unser allererster Winter auf einem Boot – etwas angespannt. Drückt uns die Daumen, dass WIR nichts vergessen haben, danke!

 

 

Warm und gemütlich

Viele unserer Freunde haben sich Sorgen gemacht, ob wir im Winter auf unserem Hausboot denn auch warm genug haben werden. Ich bin auf diese Frage schon einmal ganz kurz eingegangen, nehme das Thema hier aber nochmals auf.

Es ist natürlich schon anders auf einem Boot als in einem Haus, selbst wenn wir eine Zentralheizung mit ganz normalen Radiatoren haben. Die Wände sind dünner, wir haben grosse Fenster und von unten herauf ist kaum isoliert. Trotzdem haben wir doch 6 oder 7 cm Isolationswolle und auch Isolationsverglasung. Die Doppelverglasung bewirkt, dass unsere Fenster weder anlaufen noch schwitzen, ein netter Effekt gegen Feuchtigkeit. Die Heizung lassen wir aber nur laufen, wenn wir a) nicht abwesend sind und b) nicht schlafen. Einen Brenner im Motorenraum völlig sich selber überlassen, wäre fahrlässig. Genauso wenig wird die Waschmaschine laufen gelassen, wenn wir nicht da sind. „Boatpeople“ fürchten Wasser und Feuer wie der Teufel das Weihwasser! Um in der Nacht nicht zu frieren haben wir 2 kleine elektrische Ölradiatoren, die genügen um mal ohne mit den Zähnen zu klappern aufstehen zu können (ihr wisst schon weshalb und, nein, nicht um an den Kühlschrank zu gehen!). Nur damit ihr es wisst, ich klappere mit den Zähnen ab 16°Grad und drunter….ich übertreibe gerne mal.

Tagsüber lassen wir es meist so auf 19°C runter gehen, dann werfen wir die Heizung an. Nach einer halben oder einer dreiviertel Stunde sind wir bei 22-23°C. Schalter umlegen, Wärme geniessen. Je nach Wetter und Temperaturen sind wir nach einigen Stunden wieder bei 19°C. Schalter wieder auf ON und dasselbe in grün! Das ist etwas speziell, aber man gewöhnt sich schnell daran; wir haben es in aller Regel schön warm und cozy.

Zur Zeit haben wir hier in der Nacht bis -5°C. Da kann es schon frieren. Am Anfang, nach unserem Umzug aufs Wasser, hatte ich richtiggehend Angst vor Minustemperaturen, da ich meinte, wenn es draussen so kalt ist, frieren uns gleich die Rohre ein, diese platzen und tschüss Boot. Mittlerweile habe ich verstanden, dass das Wasser auch bei richtiger  Kälte in der Tiefe 4°C behält und um ein Boot herum ein Rand eisfrei bleibt. Wir sind hier ja nicht in der Antarktis. Letztes Jahr war es während Wochen hier so kalt, dass unsere Freunde hier im Hafen bei Sonnenschein auf dem gefrorenen Wasser Tische und Stühle aufstellten und warm eingepackt ihren Aperitif draussen geniessen konnten. Sie schwärmen heute noch davon. Von solchen Bedingungen, ich meine den Sonnenschein – das Eis lässt mich kalt ;-), können wir diesen Winter nur träumen, hélas.

Etwas erstaunt mich aber sehr hier an Bord. Ich habe keine Ahnung weshalb ich hier am Morgen fröhlich bei 18°C spärlich bekleidet im Bad meine Toilette machen kann, wo ich doch früher in unserem Haus bei 22°C schon Zeter Mordio geschrien habe, als wäre ich kurz vor dem Erfrieren. Im Haus erschienen 20 – 22°C. gerade so das Minimum und dieselben Temperaturen erzeugen hier auf dem Boot ein Skihütten-Feeling, als sässen wir vor einem prasselnden Feuer. Kann mir das jemand mal erklären?

 

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