Tropische Bedingungen

Diese Woche ist einer der Anstrengendsten je. Wir sitzen fest und schmelzen vor uns hin. Tun fast nichts ausser trinken (Wasser!) und Hunde duschen. Wir sind immer noch nicht losgefahren. Weiterlesen „Tropische Bedingungen“

Allerlei Erlebnisse und kleine Erfolge

Im Hafen von Decize liegend und bereits in Temperaturen um die 30°C schmorend schwante uns Böses. Die Wetterapp zeigte uns einen sehr heissen Sonntag an. Am Samstag legten wir ab mit dem Vorhaben, einen richtig schattigen Platz zu finden und dort das heisse Wochenende auszusitzen. So einfach war das nicht, aber an einer langen geraden Strecke im Wald fanden wir den richtigen Platz wo wir bloss ein paar Morgenstunden Sonne haben würden. Tatsächlich stieg das Thermometer dann am Sonntag auch bis auf 38° C. Janusz mochte die Hitze gar nicht, obwohl noch ein Windchen wehte. Ich kann es ihm nicht verdenken, auch wir drei andern fanden es heiss, aber wir geben das – nun, sagen wir es so – nicht derart übertrieben zum Ausdruck. Er kann das ausnehmend gut! Einen mit leidenden Hundeaugen anschauen als sei er kurz vor dem Sterben. Der Test mit etwas Fressen zeigt sofort, dass dem keineswegs so ist. Absolut beruhigend. Also werden die Hunde fleissig abgeduscht und kriegen ständig frisches, kaltes Wasser. Monsieur und Madame haben jetzt Wasser, halb vom Wassertank und halb aus dem Kühlschrank. Dazu am Nachmittag ein Hunde-Eis; mit einem Löffelchen Joghurt angereichertes gefrorenes Wasser. Das lieben sie.

Hafenvolk in Decize

Langsam hat es sich so eingependelt, dass wir 2-3 Tage fahren, und dann eine Pause einlegen. Entweder in einem Freizeithafen wo wir Strom und Wasser kriegen oder „out in the wilderness“, irgendwo an einem hübschen Plätzchen, wo es Schatten gibt und das steile Kanalufer in eine flache Wiese übergeht auf die ich vom Boot aus springen kann um einen Pflock einzuschlagen und das Boot festzumachen. Mann ist immer etwas ungeduldig, wenn ich einen Platz nach Unterwasserhindernissen und Brennnesseln am Ufer absuche bevor ich das Zeichen gebe zum anlegen. Er sieht von der Brücke aus schlecht was ich tue und deshalb höre ich dann plötzlich „hesch es de öppe“ *, zu gut deutsch und (viel) netter „Liebling, sagst du mir bitte Bescheid, wenn du soweit bist und ich das Anlegemanöver einleiten kann“. Man sieht, der berndeutsche Dialekt ist viel knapper, wenn auch etwas plump.

ländliches Frankreich

Allgemein setzt die momentane Hitze uns etwas zu. Der Hausfrieden hängt zuweilen etwas schief. Short tempered, sagen die Engländer so treffend. In der Tat, die Nerven liegen etwas blank wenn einem der Schweiss in die Augen rinnt und ein Hund zudem in Selbstmitleid zerfliesst und nicht aufhört laut zu seufzen. Aber wir schaffen das.

Seit einiger Zeit haben wir am Abend nach dem Fahren etwas Wasser im Boot bei der Kurbelwelle. Kein Problem, dachten wir, die Bride bei der Kurbelwelle kann sich durch die Vibrationen etwas lösen und deshalb etwas Wasser reintröpfeln. Leider nützte mehrmaliges Anziehen nichts und im Moment sind wir wirklich etwas ratlos. Wir sehen nichts tropfen und keine Röhre oder Leitung ist feucht. Die Bilgenpumpe geht nicht von selbst an, soviel Wasser ist es nicht. Aber trotzdem pumpen wir jeweils 20 Liter nach einer Fahrt von 4 Stunden raus. Heute hab ich mich damit vergnügt alle 15 Minuten nachzusehen. Trocken, trocken, trocken …. und plötzlich nach über 2 Stunden Fahrt war das Wasser da. Einfach so und anschliessend kommt nichts mehr hinzu trotz Weiterfahrt. Ein grosses Rätsel! Wir bleiben dran.

Eine andere Sorge bereiten uns die Batterieanzeigen. Normalerweise kommen die Batterien relativ schnell wieder auf 100%, auch wenn man wild übernachtet hat. Eine Stunde Fahrt und voilà, Batterien voll. Nun aber zeigen die Anzeigen ein sehr langsames Aufladen und das ist nicht normal. Nochmal etwas zum weiter verfolgen; möglicherweise benötigen wir hier professionelle Hilfe. Wird schon wieder.

Hat uns nicht jemand gesagt, mit einem Boot ist stets etwas. Nein, nicht jemand – alle sagen das. Ok, dann bewegen wir uns wohl im Durchschnitt (ist aber nicht besonders beruhigend!)

Dank der Probleme mit dem Aufladen der Batterien und den entsprechenden Sparmassnahmen hatten wir heute aber noch ein riesen Erfolgserlebnis: Trotz relativ heftigem Wind haben wir die Bug- und Heckstrahler (für nicht Eingeweihte: das sind die Antriebe, die erlauben, das Boot seitlich zu bewegen) nicht benutzt. Bloss mit dem Ruder, Vor-und Rückwärtsgang haben wir ganz sauber mehrere enge Brückenunterfahrten, 3 Schleusen, auf kleinen Raum wenden und das längs Anlegen hingekriegt! Ohne zu streifen und ohne Anschreien! Ausserdem mussten wir wegen der Panne eines Schleusentores wieder rückwärts aus einer Schleuse fahren und anlegen und überholten eine 39 Meter lange Péniche in einem engen Kanalstück. Dies auf „Befehl“ des Capitaine de Péniche, und da widerspricht man nicht. Die Reihenfolge stimmt jetzt nicht ganz, aber egal, wir sind ganz glücklich über diese Leistung. Klopf auf Holz!

*Wort für Wort lässt sich das kaum übersetzen, aber so ungefähr bedeutet dies: Bist du jetzt dann endlich soweit? Echt ‹leicht genervtes Schweizerdeutsch› und erst noch von jemandem der die edle französische Sprache seine Muttersprache nennt!