Wir haben’s geschafft

Wir haben unseren eigentlichen Winterplatz verlassen und sind von Ponton D nach Ponton A, geschätzte 250 Meter, gefahren. Immerhin ein Anfang.

Vorgesehen war dieser Wechsel schon längere Zeit. Der der Hafenausfahrt am nächsten liegende Steg A hat die tollste Sicht. Im Winter ist der jedoch nicht überflutungssicher und daher liegen bloss unbewohnte Boote hier. Aber jetzt sind wir nun hier angelangt. Diese kleine Fahrt hatten wir immer wieder verschoben, zwischenzeitlich wieder etwas vergessen und dann letztes Wochenende dem Hafenmeister definitiv angesagt. Bingo: Wir hatten für dieses Miniprojekt die windigste Woche seit langem ausgesucht!

Weiterlesen „Wir haben’s geschafft“

Überraschende Wendungen

Die Meinung zu ändern ist legitim und manchmal ändert sie sich einfach, quasi ohne einen zu fragen! Wir sind selber überrascht von diesem Umschwung, sozusagen.

Jetzt quassle ich hier seit Monaten über unsere Pläne in den Norden zu fahren, mache schon fast Werbung dafür und nun …. Der Reihe nach: Weiterlesen „Überraschende Wendungen“

Josephine

Früher hatte ich ab und an noch unbändige Lust grosse Feste zu veranstalten. Dieses Virus habe ich von meiner Mutter, eindeutig! Die mit Abstand grösste Sylvester-Party Weiterlesen „Josephine“

Weihnachtsstimmung

Zu Beginn gleich das Allerwichtigste: meine herzlichsten Weihnachtsgrüsse Weiterlesen „Weihnachtsstimmung“

Hallo, bin zurück

auf meinem Blog. Wir hatten mehrtägigen Besuch auf der Escapade und da ist es schwierig, Beiträge zu schreiben und gleichzeitig für Freunde voll da zu sein.

Für die Wohnkabine, die zum Gästezimmer umfunktioniert wird wenn welche da sind, wurde kurz vor Ankunft unserer Freunde die neue Eingangstreppe geliefert. Ich bin mächtig stolz auf unsere neue Lösung. Über die ganze Breite der Schiebetüren befindet sich nun ein Korpus mit Deckelklappen, oder heisst es Klappendeckel. Egal, auf jeden Fall können wir da drin viel verstauen, das sonst irgendwie herumstehen würde. Insbesondere Schuhe und Stiefel. Davor haben wir eine Stufe, die uns erlaubt vom Heck her ein-und auszusteigen. Dieser Tritt ist in einer Holzschiene eingehängt, damit er sich nicht weg vom Korpus bewegt wenn wir draufstehen und gleichzeitig lässt er sich auf derselben Schiene auf der ganzen Breite nach rechts und links verschieben, je nachdem wo man gerade den Ausstieg möchte oder wo er Platz hat. Zudem hat der Korpus eine angenehme Sitzhöhe und bei vielen Gästen haben wie eine zusätzliche Sitzbank gleich beim Sofa. Die mobile Stufe wurde von unseren Gästen gleich als Nachttischchen eingeweiht. Sie fanden das super bequem!

Neue Lösung für den Heckeinstieg (siehe Text)
Neue Lösung für den Heckeinstieg

Nun ist es wieder still und ich glaube alle kennen das: man freut sich auf den Besuch, unternimmt und organisiert viel, hat Spass und geniesst es. Und wenn sie wieder abgereist sind realisiert man erst, wie man doch ständig unter einer gewissen Spannung war und fährt erst mal ein wenig runter! Das tue ich jetzt gerade 😉

Gestern konnten wir bei sehr schönem Wetter mit eindrücklichen Wolkenformationen doch noch eine Flussfahrt von 4-5 Stunden bieten; unsere Gäste haben sich sogar kurz in eine Siesta verabschiedet und fanden es genial bei offenen Schiebetüren bei leisem Wasserrauschen vom Heck, dem tiefen Brummen des Motors und leichten Wellenbewegungen den Mittagsschlaf zu halten. Ich bin jetzt nicht ganz sicher, welchen Teil sie schöner fanden, jenen an Deck mit einem Drink in der Hand oder den mit der Wiege-Siesta! Aber egal, schön wenn es der Besuch voll geniessen kann.

Es ist übrigens nicht selten, dass Mitfahrende in den ersten Tagen auf dem Wasser extrem herunterfahren und hie und da ein Nickerchen machen, auch wenn sie in der Nacht zuvor schon wohlig (durch)geschlafen haben. Wir sollten uns vielleicht spezialisieren auf Schlafkuren. Oft sagen uns Freunde nach 2, 3 Tagen sie hätten das Gefühl schon wochenlang in den Ferien zu sein und seien soooo entspannt wie schon lange nicht mehr. Wie entspannt sollten denn wir beide erst sein?

 

 

Erstens kommt es anders…

… und zweitens als man denkt.

Flexibilität ist gefragt wenn man auf einem Boot leben und reisen will! Das haben uns so viele immer wieder gesagt; Leute die es aus langjähriger Erfahrung wissen müssen. Als Anfänger haben wir ja halt manchmal noch unserer altes Tempo im Hinterkopf. Wir planen etwas oder setzen uns sonst irgendwas in den Kopf, nehmen das ins Visier und bugsieren es durch. Meistens klappt es dann ja ganz gut. Aber eben nicht auf einem Fluss! Eben gerade nicht!.

Freunde von uns waren kürzlich auf dem Rhein-Rhone-Kanal blockiert. Sie haben uns leid getan, weil sie so begeistert losgeschippert sind. Geplant für 2018: Auxonne – Berlin – Avignon. Eine lange Reise; wäre für uns wohl noch eine Nummer zu gross. Kaum losgefahren blieben sie jedoch fast einen Monat vor Mulhouse liegen, weil ein Hangrutsch den Kanal getroffen und diesen instabil gemacht hatte. Sie sind jetzt zwar wieder unterwegs, haben jedoch viel wertvolle Zeit „verloren“ und die werden sie brauchen, wenn sie tatsächlich den nächsten Winter im Midi verbringen wollen.

Wir selber befinden uns jetzt auf unserer allerersten grossen Reise und sind noch wenig vorangekommen. Letzten Freitag gestartet, haben bis heute ganze 75 Kilometer geschafft. Natürlich nehmen wir es gemütlich, und wenn viel Wind oder heftige Gewitter angesagt sind machen wir halt Pause. Das gehört zu unserer neuen Langsamkeit und ist voll ok.

Heute früh wollten wir endlich von der Saône wegkommen und bei Chalon-sur-Saône in den Canal du Centre einbiegen um langsam Richtung Paris zu fahren. Ich habe mich so darauf gefreut, schon insbesondere weil die Schleuse, die vom Fluss in den Kanal führt, die höchste meiner derzeitigen Bootler-Karriere sein wird: 10,53 Meter! Freunde haben uns davon erzählt; man fühle sich – wenn man von der Saône her einfährt – wie in der Hölle. Durch ein Guillotine-Tor geht’s da rein und dann sind rundum nur noch dunkle, triefend nasse Wände und weit, weit oben der Himmel! Klingt etwas schaurig, muss man aber  mal erlebt haben.

Wir eben immer noch nicht. Hoffnungsvoll sind wir in den Zubringerkanal eingebogen, in der Ferne ein grosses (und hässliches) Gebäude mit einem geschlossenen Tor. Mit dem Fernglas halten wir jeweils nach den Lichtsignalen Ausschau. Rot = besetzt, rot und grün = in Vorbereitung für uns, grün = Einfahrt autorisiert.

Ein paar „geliehene“ Bilder von Crissey

hoffentlich folgen bald eigene, bessere Bilder!

Da war aber überhaupt kein Lichtsignal. Nichts, nada, tot. Also anrufen. In den tollen Navigationsführern findet man alles, auch diese Art Telefonnummern. Ah, die Schleuse ist geschlossen und wird repariert, man weiss nicht wie lange das dauern wird. Ehm, handelt es sich um Stunden oder Tage? Tage oder mehr!

Das hatten wir nicht kommen sehen! Um vieles kümmern wir uns im Voraus, aber auf die Idee uns vorgängig zu informieren ob wir überhaupt in den Kanal einfahren können sind wir nicht gekommen. Zwei baffe und gerade in ein kleines Tief gestürzte Bootler wendeten ihr Boot und zuckelten abgeschlagen zurück auf die Saône und brauchten einen Moment um einen neuen Plan zu fassen 😦

Wir befinden uns jetzt im hübschen Hafen von Châlon und haben in der Zwischenzeit herausgefunden wann diese Schleuse repariert sein wird (wenn alles klappt): in einer Woche. Hélas. Neben uns liegt ein Boot mit einem deutschen Ehepaar; denen ist eine Stunde nach uns genau dasselbe passiert. Tröstet uns ein wenig.

An und für sich ist das alles ja kein Drama. Am Sonntag bekommen wir jedoch für 3 Tage Besuch aus der Schweiz und wollten diesem Paar so gern etwas Kanalleben bieten, mit gemütlich herumschippern und wild übernachten und so. Im Canal du Centre wäre das ganz toll gewesen. Das wird nun nicht gehen und wir müssen uns eine Alternative ausdenken. Ach, wir sind einfach ein wenig enttäuscht!

 

Unbekannter Gast heute

Für heute hatte ich eine Unbekannte zum Mittagessen eingeladen. Wir haben diese Frau vorher noch nie gesehen, nur kurz am Telefon gehört. Sie ist ein Kontakt von mir auf Facebook und dazu kam ich über eine FB-Gruppe die weltweit Frauen, die auf Booten leben, vereint. Zufällig lebt R. gar nicht so weit weg von uns auch auf einem Hausboot. Wettermässig war es in den letzten Wochen schwierig einen Termin zu finden und heute hat es geklappt und, wie gesagt, ich habe sie spontan zum Lunch eingeladen. Also so ziemlich das „unschweizerischste“ was man tun kann.

Es war absolut toll! Wir verstanden uns auf Anhieb. Zu dritt, Mann war auch dabei, haben wir stundenlang erzählt, gelacht und diskutiert. Wir haben gegessen, ein Bierchen dazu getrunken und uns bestens unterhalten. Trotz unserer verschiedenen Lebenswege, haben wir viele Ähnlichkeiten gefunden und konnten uns ein jeder in den anderen hinein versetzen. Es war sicher nicht das letzte Mal, dass wir uns getroffen haben und ihren Mann, der heute abwesend war, würde ich sehr gerne kennenlernen.

Jetzt frage ich mich

Diese Einladung war eigentlich mehr oder weniger ein Zufall, es traf sich einfach so. Obwohl ich kein Feind von impulsiven Entscheiden bin, unbekannte Menschen zu mir einzuladen ist jetzt auch für mich nicht Alltag. Jetzt frage ich mich nur eines: weshalb machen wir das nicht öfter? In unserem westlichen und vor allem im europäischen Kulturkreis ist es ja nicht üblich, Leute einfach einzuladen und zu verköstigen. Wovor haben wir eigentlich  –   ja was? Bedenken? Angst? Sind wir gestresst, weil wir nicht aufgeräumt haben, nicht extra eingekauft, kein Bier mehr haben, oder – bewahre – nicht geputzt? Gehen uns Gedanken durch den Kopf wie: ich kenne die ja gar nicht, Herr Jesses, wenn uns die Gesprächsthemen ausgehen, was dann? Und wenn die nicht gerne Fisch essen (Vegetarier sind, allergisch auf Eier….).

Ich habe etwas gelernt heute

Es hätte auch in die Hose gehen können, aber es war unheimlich bereichernd, lustig und sympathisch, schon fast seelenverwandt. Aber nehmen wir mal an, es wäre aus irgend einem Grund schief gelaufen, was wäre der Super-GAU? Wir hätten zusammen gegessen, ein wenig Small Talk gemacht, sie hätte sich wohl artig bedankt und verabschiedet. Und wir würden vielleicht nie wieder voneinander hören. Voilà tout. Keine Katastrophe also. Das reine Gegenteil ist aber eingetroffen, bingo!

Ich lade auf jeden Fall wieder Fremde ein, ich kann nur gewinnen!