Ungeduld, Enten und Schwäne

Es geht irgendwie nicht richtig vorwärts

Wenigstens nicht so, wie ich es mir wünschen würde.

Die letzten Einbauten, die während ein paar Tagen Abwesenheit vom Boot hätten erledigt werden sollen, sind in Verzug geraten. Die beiden neuen Stauraum-Treppen sind zwar drin, aber nicht fertig. Weiterlesen „Ungeduld, Enten und Schwäne“

Eine etwas andere Art von Frühlingsstimmung!

Liebe Leute, morgen geht es los. Na ja, es geht lös-chen. Wir gehen auf Testfahrt. Richtig und definitiv ablegen tun wir erst nächste Woche. Vorher werden Boot und Motor bewusst strapaziert und wie schon beschrieben, wollen wir die häufigsten Manöver durchspielen, auf dass wir ohne uns anzuschreien die zukünftigen Fahrten geniessen können ;-).

Morgen soll die Sonne den ganzen Tag scheinen, der Wind wird sich auf 5 km/h beschränken, die Helfer sind organisiert und uns allen hier kribbelt es unter den Nägeln. Wir sind nicht die Einzigen, die unter Vorfreude „leiden“. Man spürt es regelrecht vibrieren hier auf den Pontons. Wir machen alle noch schnell ab auf ein Bierchen/Glas Wein oder um zusammen zu essen, denn alle haben das Gefühl dann mal „plötzlich weg zu sein“. So ähnlich muss die Stimmung bei Zugvögeln sein!

Die Boote werden also von vorne bis hinten geschrubbt,  Taue und Leinen auseinandergedröselt und säuberlich aufgehängt oder gecoilt (geschneckelt? Spiralförmig ausgelegt),Leinen ordentlichScheiben geputzt, Sonnendächer aufgezogen, die vom Winter zerfetzten Flaggen ersetzt, Mäste aufgezogen und, und, und. Plötzlich sind Boote,auf denen wir monatelang keine Menschenseele gesehen hat, wieder bevölkert. Ankömmlinge rumpeln auf den Pontons  mit Koffern und Taschen, Eingekauftem und allerlei Notwendigem für’s Boot und für unterwegs.

Wir hatten uns die Winterzeit auch vertrieben mit in Katalogen blättern oder scrollen. Kataloge die alles anbieten was eines Bootlers Herz begehrt. Das eine oder andere Bestellte ist eingetroffen und wird nun montiert, angeschraubt und getestet. Das Armaturenbrett beim Steuer ist komplett, selbst die seit Monaten nur halbmontierte Anzeige für die Batteriekontrolle ist nun plötzlich vollständig montiert! Unsere Fahrräder kriegen noch ihr Aufhängesystem, damit sie sicher sind auf grosser Fahrt und ich werde für meine Leinen noch grosse Haken an der Reling erhalten, damit ich sie aufhängen kann. Die 20 Meter langen Dinger sind mir nämlich zu schwer um sie ordentlich aufzuschiessen (schlingen und aufhängen).Leinen aufschiessenMeist lasse ich sie mehr oder weniger ordentlich an Deck liegen und das sind berüchtigte Stolperfallen. Auf einem Segler ginge das ja nun gar gar gar nicht!

Auf morgen bin ich aber vor allem gespannt wegen der Ausfahrt aus der Anlegebucht. Wie schon beschrieben müssen wir zu Beginn praktisch ausfädeln; es ist sehr, sehr eng! Auch deshalb haben wir so lange zugewartet. Wir hatten fast jeden Tag zum Teil sehr heftigen Wind. Den können wir nämlich absolut nicht gebrauchen und Petrus hat uns für morgen fast Windstille versprochen. Hoffentlich hält das.

 

 

 

 

Lust auf neue Kleider (oder eher doch nicht?)

Im September letzten Jahres habe ich das letzte mal ein Kleidungsstück gekauft! Echt! Das ist ziemlich genau ein halbes Jahr her;  ich habe dies heute zufällig in meinem Bullet Journal entdeckt und ich kann mich genau daran erinnern. Damals hatte ich mir gross in die ToDo-Liste geschrieben, dass eine neue warme, wasserdichte Winterjacke fällig ist und der Kauf erledigt werden sollte, bevor wir definitiv nach Frankreich auf’s Boot umziehen, also vor Ende September. Diese Jacke musste ich ziemlich lange suchen und habe sie schlussendlich in einem Sportgeschäft gefunden. Es ist eigentlich eine Jacke für Snowboarder (ich wusste gar nicht, dass es solche für Skifahrer und andere für Boarder gibt, man frage mich nicht nach dem Unterschied!), und sie hat mich den ganzen Winter über herrlich gewärmt und vor Schnee und Regen geschützt.

Erstaunlich, dass ich seither kein einziges Kleidungsstück gekauft habe.  Ich war zwar noch nie ein Shopping-Freak und ganz sicher nicht der Typ, der ständig den neuesten Trends folgt. Aber keine einzige Anschaffung!? Ich habe in der Schweiz auf dem Land gewohnt und da gab es bloss so einen Allerwelts-Kleiderladen, gerade gut genug für T-Shirts, aber gearbeitet habe ich in der Hauptstadt und da war die Versuchung schon da, ab und zu mal durch die Geschäfte zu ziehen. Ausserdem kann man nicht in ewig denselben Klamotten im Büro erscheinen. Kleider waren mir doch schon wichtig.

Ich habe ja schon einmal erwähnt, dass bei unserem rigorosen Downsizing im Spätsommer letzten Jahres auch ein grosser Teil des Kleiderschrankinhalts hopps ging. Wir haben schlicht und einfach keinen Platz auf dem Hausboot für eine grosse Garderobe. Jedoch nicht erwartet habe ich die Mutation zur totalen Konsumverweigerung! Wir befinden uns momentan noch in einer kleinen Stadt mit wenig verführerischen Geschäften; hier geht es eher um den täglichen Bedarf und die Auswahl ist recht bieder. Da fällt schon mal DIE grosse Versuchung weg. Webshops hingegen stehen jederzeit zur Verfügung und bin auch eine langjährig erprobte Online-Shopperin. Das ist bequem und das von mir gehasste Anprobieren in kitzekleinen, stickigen Kabinen mit mieser Beleuchtung entfällt. Aber nicht mal das habe ich in den letzten Monaten gemacht. Ein regelrecht wirtschaftsfeindliches Verhalten!

Heute ist wieder mal ein schöner Tag, die Sonne scheint und die Vögel singen. Da kommt jetzt doch ein wenig Lust auf, das Outfit einer genaueren Kontrolle zu unterziehen und vielleicht mal etwas Neues anzuschaffen. Die Wintersachen sehen etwas müde aus und sind mir verleidet. Es keimt die Lust auf mal was anderes, leichteres anzuziehen. Natürlich habe ich alles was ich brauche noch vom letzten Jahr. Aber so ein wenig frischen Wind im meine Schubladen oder an die Kleiderstangen täte mir jetzt gut und würde zum aufkeimenden Frühling passen!

Ich befinde mich also in der kuriosen Lage mir überlegen zu müssen/dürfen, was für ein Kleidungsstück mir denn fehlen könnte. Am ehesten ein leichter Pulli, für die ersten wirklich angenehmen Frühlingstage? Vielleicht in blau-weiss? Das würde sogar zum Leben auf einem Boot passen! Ich muss ja sonst zu nichts passen. Bin völlig frei, bin keinen Zwänge mehr unterworfen. Kein Büro, nur ab und an ein Restaurant, kein Kino, kein Theater, keine Konzerte. Nur Boot, Bootsleute, Stiefel, Regenschutz, nasse Hunde, Einkauf per Fahrrad, Outdoor und Indoor praktische, pflegeleichte Kleider. Ausserdem befinde ich mich bereits im Alter, in dem Frauen unsichtbar sind. Ich muss also nur noch mir selbst gefallen, eigentlich befreiend!