Einsichten und Aussichten

Unterwegs zwischen Digoin und Decize, wo der Canal du Nivernais vom Canal latéral à la Loire abzweigt. Der Nivernais ist, so sagt man, einer der schönsten und romantischsten Kanäle Frankreichs; und wir können ihn leider nicht befahren! In Frankreich gibt es meines Wissens drei Kanäle oder Teilstrecken, welche wir nicht nutzen können. Darunter eben der Nivernais. Dieser hat eine Durchfahrtshöhe von bloss 2.70 Meter und die Brücken sind oft sogar noch Bogenbrücken und somit rechts und links also noch weniger Durchfahrtshöhe haben. Wir passen da mit unseren 3.28 m in der Mitte nicht durch. Nicht schlimm. Wenn wir dann einmal die restlichen 10’000 km in Frankreich abgefahren haben und noch unbändige Lust auf gerade diese drei Strecken haben, mieten wir halt ein kleineres Boot!

Der Canal latéral à la Loire, auf dem wir seit Digoin fahren, hat bediente Schleusen. Früher völlig normal, scheint das heutzutage seltsam, sich von einer Schleusenwärterin oder -wärter bedienen zu lassen. Wenn immer möglich hilft eines von uns mit zu kurbeln. Die Schleusenhäuschen sind dementsprechend bewohnt und meistens hübsch herausgeputzt mit Blumen, zierlichen Zäunen, oder liebevoll gestalteten und bemalten Fensterläden. Viele haben noch einen Ziehbrunnen im Garten (aber sicher trotzdem schon fliessendes Wasser). Während des Schleusens bleibt – je nach dem – die Zeit für einen Schwatz. Wir müssen uns noch daran gewöhnen, dass unser Boot etwas aus dem Rahmen fällt, oft fragt man uns darüber aus.

Von Samstag auf Sonntag haben wir in Pierrefitte-sur-Loire übernachtet. Dort hat es einen kleinen, gestauten See der gar nicht auf unserer Karte verzeichnet ist. Eine wunderbare Gelegenheit, ihn mit den Hunden zu umrunden. Die Ufer sind schön bewachsen, es hat lichte Wäldchen und sogar einen Strand! Am Abend dann nervt uns ein Mietboot – etwas das wir versuchen eben gerade nicht zu tun. Ein Boot zu steuern, anzulegen oder sauber in eine Schleuse zu bringen ist nicht einfach und Auto fahren können hilft nicht wirklich (ausserdem machen auch wir Fehler oder ein Manöver gelingt uns nicht wie gewünscht). Diese Urlauber waren jedoch schlicht fahrlässig! Viel zu schnell unterwegs, ruppige Richtungswechsel, rückwärts fahren in hohem Tempo ohne je mal zurück zu schauen, ein 1-2 jähriges Kind an Bord ohne Schwimmweste oder sonstige Sicherung, viele Leute drauf, aber keiner bereitet ein Anlegen vor, ein Halbwüchsiger, der meint er müsse während der Manöver noch Mukis zeigen und demonstrieren was für ein toller Hecht er doch sei. Wir alle an der Anlegestelle waren froh, haben sie es sich schlussendlich anders überlegt und nach drei vergeblichen Versuchen festzumachen davongerauscht sind. Da haben wir das durchgeschüttelt werden gerne nochmals hingenommen. Bitte, bitte, so nicht!

Der ursprüngliche Plan

Rundfahrt 2018
unsere geplante Rundfahrt

Heute machen wir in Beaulon, in einer kleinen Haltebucht bei der Schleuse, eine Pause. Es stehen ein wenig Haushaltsdinge an, etwas Korrespondenz und E-Banking sind auch zu erledigen. Wir haben festgestellt, dass wir alle zwei, drei Tage gerne eine Pause einlegen. Wir kommen relativ langsam voran und von der Idee, die ganze Rundfahrt via Seine, Marne und den Canal de la Marne à la Saône zu fahren haben wir Abstand genommen. Wir sind einfach zu spät im Jahr gestartet und unser Reisetempo lässt die ganze Strecke nicht zu. Wir sind erst beim roten Punkt (siehe oben), gestartet auf der Höhe von Dijon, erst Richtung Süden und dann Westen. Klar haben wir immer weniger Schleusen, je flacher das Gebiet wird, und klar könnten wir einen Zacken zulegen – aber wozu? Wir finden es gemütlich so und lassen uns Zeit. Für die Hunde stimmt es auch. Wir müssen nichts erreichen und was wir in einem Jahr nicht schaffen, können wir im Darauffolgenden realisieren. Wir dürfen in den Tag hineinleben; ein Privileg das wir jeden Tag schätzen. Wir werden so oft auf unser Leben auf dem Boot angesprochen und ausgefragt. Wir spüren die Sehnsucht der Menschen, runterzuschalten und etwas einfacher zu leben fast jeden Tag. Auch wir fragen uns manchmal, weshalb wir in den letzten Jahren nicht gemerkt haben, dass es ganz gut bedeutend bescheidener geht. Wenig zu besitzen macht tatsächlich frei(er). Ich wünschte, ich hätte das früher realisiert und ich kann mir ganz gut vorstellen, dass wir schon vor Jahren als digital nomads hätten leben können oder uns hätten bemühen können, einen Job als Capitain/e, Freizeithafenverwalter, zu finden. Nun, verpasste Chancen und denen wollen wir jetzt nicht nachweinen!

Heute Waschtag! Wäscheleine zwischen Bäumen, wie früher.
Heute Waschtag!

 

Heiss und sehr heiss

Heute ausnahmsweise einmal nicht. Deshalb finde ich auch die Energie einen Beitrag zu schreiben.

Die letzten paar Tage waren wir wieder unterwegs, bei sehr feucht-heissem und strahlend schönem Wetter. Möglichst früh gestartet hielten wir es nur so bis nach 13 Uhr aus und machten dann fest um der grössten Hitze zu entgehen. Von Génelard, wo wir fast eine Woche verbracht hatten, über Paray-le-Monial nach Digoin. Die Einfahrt von Digoin ist noch auf dem Canal du Centre, mitten in der Stadt wechselt man auf den Canal latéral à la Loire (den Loire-Seitenkanal). Einfach so; ohne einen Blick auf die Karte würde man es gar nicht bemerken.

Den Besuch von Paray-le-Monial haben wir leider links liegen lassen müssen. Wir haben da zwar übernachtet, jedoch bei über 30°C nicht gewagt die Stadt zu besichtigen. Unsere Gäste haben es getan und kamen eine Stunde später schon komplett erhitzt wieder an Bord. Auf dem Deck hatte es wenigstens einen leichten Wind und da war es zum aushalten. Schade um die hübsche Altstadt und vor allem die romanische Basilika hätten wir gerne besucht. Ein anderes Mal holen wir das nach.

Nach Paray-le-Monial sind wir die kleine Strasse, die uns seit langem anstelle des Treidelwegs begleitet hat, wieder los. Inmitten sehr grüner und üppiger Natur, bloss begleitet von Vogelgezwitscher und -Gesängen, gleiten wir weiter talwärts bis Digoin. Hier werden wir am ersten Anlegeplatz von einem Neuankömmling ziemlich unfreundlich aufgefordert, den Platz freizumachen, er habe den für sich reserviert. Wir räumen das Feld und finden hinter der nächsten Brücke einen viel, viel schöneren Platz im Halbschatten einer Baumgruppe. Gemäss Karte befinden wir uns hier schon auf dem Canal latéral à la Loire! Ein gutes Gefühl. Soll der Andere doch bleiben wo er ist.

Gleich Ausfahrts Digoin werden wir endlich die Loire zu Gesicht bekommen. Sie wird von unserem Kanal mit einer Brücke überquert. Neugierig machten wir unseren Hundespaziergang heute dahin. Wir wollten die Kanalbrücke auch von Aussen sehen, denn wenn wir drüber fahren werden, können wir das Bauwerk nur von oben bewundern; die Bogenkonstruktion würden wir also kaum zu sehen bekommen. Deshalb also die Besichtigung zu Fuss. Wunderschöne Architektur aus dem 18. Jahrhundert! Und die gleich anschliessende Schleuse Nr. 1 des Canal latéral à la Loire ist eine der schönsten und romantischst Gelegene die ich bisher gesehen habe. So haben wir einen Vorgeschmack auf morgen. Nun hoffen wir nur noch, dass der heutige, sehr starke Wind tatsächlich gemäss Wettervorhersage abflauen wird. Dann kann es weitergehen. Freue mich darauf.

 

 

Abfalltrennung à la française

Viele fragen sich oder auch uns direkt, was wir den ganzen Tag so tun. Dazu habe ich bereits versucht eine Antwort zu geben. Hier eine kleine Ergänzung mit etwas, das uns ziemlich beschäftigen kann: die Abfallentsorgung.

Wir trennen auch auf dem Boot selbstverständlich unseren Müll und geben uns auch sonst Mühe unseren globalen Fussabdruck möglichst klein zu halten. Mit der Abfalltrennung in Frankreich ist das aber so eine Sache. Jede Gemeinde trennt à sa façon, nach ihrer ganz eigenen Logik. Zu Beginn haben wir alles getrennt, ALLES. Genauso wie wir es von früher gewohnt waren. In Auxonne, unserem Winterhafen, gab es einen Abgabeplatz welcher exklusiv für die Boote war und nur mit Zahlencode zugänglich war. Es könnte ja ein Fremder etwas wegwerfen wollen! Da musste relativ deckungsgleich mit unserer schon fast angeborenen, schweizerischen Trennpolitik entsorgt werden. Wir waren uns jedoch noch nicht bewusst, dass das nicht in ganz Frankreich genau so Sitte ist. Frankreich ist zwar ein zentralistisches Land, aber sooo zentralistisch dann auch wieder nicht. Wahrscheinlich toben sich die Gemeindepolitiker in solchen Fragen wie Abfalltrennung separatistisch aus! Und so hat jeder Ort seine eigene Regelung.

Da kommen wir also daher mit unseren Boot und möchten Flaschen, Aluminium, zerquetschten Dosen, Pappe (CH: Karton) und Papier, Grünzeug, Hausabfall, Plastik oder Sperrgut entsorgen. Schon ist es in unseren beengten Verhältnissen nicht einfach, das alles unterzubringen, in der Sammelstelle sagt man uns dann auch genau, was wir wieder zusammen geben und entsorgen sollen, wo wir das tun müssen und wie genau. Die verschiedenen Container sind NICHT am selben Ort abgestellt. Oft steht der Glascontainer am anderen Ende des Ortes. Manchmal wollen sie Joghurtbecher im normalen Abfall, manchmal separat. Dasselbe mit Plastikfolien und -Verpackungen. Letzteres und auch Alu und Dosen versuchen wir auf ein Minimum zu beschränken, was aber sehr schwierig ist, da alles in den Läden derart doppelt und dreifach verpackt ist, man könnte verpackungslos glatt verhungern.

Was tun wir also, wenn wir an einer Anlegestelle ankommen? Wir informieren uns nicht nur über Sehens- und Wissenswertes sondern auch über das Entsorgungssystem eines jeden Kaffs und versuchen uns in der Folge, danach zu richten. Manchmal sind die Container sehr gut versteckt, so als möchte die Gemeinde möglichst wenig Müll entsorgen müssen; andere Gemeinden hingegen sind mit der Nase vorn und haben einen perfekt eingerichteten Entsorgungsplatz, sauber und mit intakten Containern.

Bleibt bloss zu hoffen, dass unsere Mühen in einem gewissenhaftem Recycling münden,  dieses komplexe System also nicht nur reine Augenwischerei ist und die ganze Sauerei in irgend einem Erdloch verschwindet!

Europäisches Tropenwetter und so

Das derzeitige heiss-feuchte Wetter entbehrt nicht der Ironie.

Als wir, jahrelang und immer wieder, darüber diskutiert haben, wohin wir denn auswandern möchten, wenn ich dann beruflich mal so weit sein werde (sprich in Rente gehen kann) war eines eigentlich von Beginn an klar: kein tropisches Land!

Und jetzt das! Jeden Tag fast 30 Grad, eine Luftfeuchtigkeit, die den Tropen Konkurrenz macht und einen Wetter-Rhythmus wie zur Regenzeit: Vormittags und Anfangs Nachmittag noch trocken, dann aber kommt es. Dicke Wolken ziehen auf, die Hitze wird in die Räume hinein gedrückt und, wenn sich dann alles so schön aufgeladen hat, Regengüsse die kein Schirm aushält. Ich nehme das jetzt mal persönlich: wir wollen nicht mehr in die Tropen? Dann kommen halt die Tropen zu uns. Kein Entrinnen.

Vielleicht eine kurze Erklärung, weshalb wir tropische Länder von Beginn an ausgeschlossen haben: Wir haben in tropischen Gefilden gelebt und gearbeitet. Es hat uns sehr, sehr gut gefallen. Was sag ich da, wir haben es geliebt! Nur ist das so manches Jahr her. Die Welt ist längst nicht mehr dieselbe und wir befürchteten, wir würden die damaligen Zeiten suchen und nicht mehr finden. Klar entwickelt sich alles weiter, das ist auch in Ordnung so. Und es ist auch klar, dass, in unserem Fall asiatische, Länder aufholen möchten und alle Annehmlichkeiten der westlichen Welt auch haben möchten. Nur leider haben wir festgestellt, dass der Preis dafür extrem hoch ist gerade für ehemalige Schwellenländer: unkontrolliertes Bauen, Luft-und Wasserverschmutzung, Abholzung, Ausbau des Massentourismus bis zum Geht-nicht-mehr, und so fort. Ausserdem sind wir Europäer und unseren europäischen Rucksack nähmen wir überallhin mit. Sich irgendwo so zu integrieren, wie wir es von Ausländern aus anderen Kulturkreisen bei uns in Europa erwarten, wäre kaum möglich. Wir würden nie aufgehen in einer lokalen Kultur, sondern würden entweder die reichen Weissen bleiben oder ausschliesslich in Expatriates-nahem Umfeld verkehren. Und das würde nicht nur allein an uns liegen, sondern von beiden Seiten so gesehen werden. Auch wenn ich perfekt indonesisch könnte, eine Indonesierin wäre ich trotzdem noch lange nicht.

Nun denn, also Europa. So haben wir überlegt: Kleinere kulturelle Verschiedenheiten, weniger sprachliche Hürden (ich hätte aber auch noch zum Beispiel Schwedisch gelernt). Keine langen Flugreisen nötig (bin in der Luft ein Angsthase). Die medizinische Unterstützung ist optimal und uns vertraut. Die Wetterverhältnisse entsprechen uns. In den Tropen ist es fifty-fifty sehr grün oder einfach grün, in Europa haben wir vier Jahreszeiten (die wir lieben, mehr oder weniger). Freunde und Familie können uns einfacher besuchen kommen.

Nachdem Irland (Manns Veto: zu viel Wetter), Skandinavien (mein Vorbehalt: zu lange dunkel), Südeuropa (beide: im Sommer zu trocken) aus dem Rennen gefallen sind, waren wir etwas ratlos. Zum Glück kam da die Mississippi und rettete uns. Sie wollte just zum richtigen Zeitpunkt verkauft werden! Richtiger Ort zur richtigen Zeit.

Die Mississippi heisst heute Escapade und ist unser schwimmendes Heim. Sie fährt unter französischer Flagge, und deshalb sind wir jetzt mal in Frankreich (kann sich ändern) und haben hier tropisches Wetter! Die Hunde finden das im Moment halb so lustig, Merry hasst Blitz und Donner und Janusz mags nicht gerne allzu heiss. Wir beide finden es cool (respektive hot).

Also nicht ganz immer – es müsste einfach immer ein Lüftchen wehen, dann ist es toll.

Stürmischer Himmel
Stürmischer Himmel

Erstens kommt es anders…

… und zweitens als man denkt.

Flexibilität ist gefragt wenn man auf einem Boot leben und reisen will! Das haben uns so viele immer wieder gesagt; Leute die es aus langjähriger Erfahrung wissen müssen. Als Anfänger haben wir ja halt manchmal noch unserer altes Tempo im Hinterkopf. Wir planen etwas oder setzen uns sonst irgendwas in den Kopf, nehmen das ins Visier und bugsieren es durch. Meistens klappt es dann ja ganz gut. Aber eben nicht auf einem Fluss! Eben gerade nicht!.

Freunde von uns waren kürzlich auf dem Rhein-Rhone-Kanal blockiert. Sie haben uns leid getan, weil sie so begeistert losgeschippert sind. Geplant für 2018: Auxonne – Berlin – Avignon. Eine lange Reise; wäre für uns wohl noch eine Nummer zu gross. Kaum losgefahren blieben sie jedoch fast einen Monat vor Mulhouse liegen, weil ein Hangrutsch den Kanal getroffen und diesen instabil gemacht hatte. Sie sind jetzt zwar wieder unterwegs, haben jedoch viel wertvolle Zeit „verloren“ und die werden sie brauchen, wenn sie tatsächlich den nächsten Winter im Midi verbringen wollen.

Wir selber befinden uns jetzt auf unserer allerersten grossen Reise und sind noch wenig vorangekommen. Letzten Freitag gestartet, haben bis heute ganze 75 Kilometer geschafft. Natürlich nehmen wir es gemütlich, und wenn viel Wind oder heftige Gewitter angesagt sind machen wir halt Pause. Das gehört zu unserer neuen Langsamkeit und ist voll ok.

Heute früh wollten wir endlich von der Saône wegkommen und bei Chalon-sur-Saône in den Canal du Centre einbiegen um langsam Richtung Paris zu fahren. Ich habe mich so darauf gefreut, schon insbesondere weil die Schleuse, die vom Fluss in den Kanal führt, die höchste meiner derzeitigen Bootler-Karriere sein wird: 10,53 Meter! Freunde haben uns davon erzählt; man fühle sich – wenn man von der Saône her einfährt – wie in der Hölle. Durch ein Guillotine-Tor geht’s da rein und dann sind rundum nur noch dunkle, triefend nasse Wände und weit, weit oben der Himmel! Klingt etwas schaurig, muss man aber  mal erlebt haben.

Wir eben immer noch nicht. Hoffnungsvoll sind wir in den Zubringerkanal eingebogen, in der Ferne ein grosses (und hässliches) Gebäude mit einem geschlossenen Tor. Mit dem Fernglas halten wir jeweils nach den Lichtsignalen Ausschau. Rot = besetzt, rot und grün = in Vorbereitung für uns, grün = Einfahrt autorisiert.

Ein paar „geliehene“ Bilder von Crissey

hoffentlich folgen bald eigene, bessere Bilder!

Da war aber überhaupt kein Lichtsignal. Nichts, nada, tot. Also anrufen. In den tollen Navigationsführern findet man alles, auch diese Art Telefonnummern. Ah, die Schleuse ist geschlossen und wird repariert, man weiss nicht wie lange das dauern wird. Ehm, handelt es sich um Stunden oder Tage? Tage oder mehr!

Das hatten wir nicht kommen sehen! Um vieles kümmern wir uns im Voraus, aber auf die Idee uns vorgängig zu informieren ob wir überhaupt in den Kanal einfahren können sind wir nicht gekommen. Zwei baffe und gerade in ein kleines Tief gestürzte Bootler wendeten ihr Boot und zuckelten abgeschlagen zurück auf die Saône und brauchten einen Moment um einen neuen Plan zu fassen 😦

Wir befinden uns jetzt im hübschen Hafen von Châlon und haben in der Zwischenzeit herausgefunden wann diese Schleuse repariert sein wird (wenn alles klappt): in einer Woche. Hélas. Neben uns liegt ein Boot mit einem deutschen Ehepaar; denen ist eine Stunde nach uns genau dasselbe passiert. Tröstet uns ein wenig.

An und für sich ist das alles ja kein Drama. Am Sonntag bekommen wir jedoch für 3 Tage Besuch aus der Schweiz und wollten diesem Paar so gern etwas Kanalleben bieten, mit gemütlich herumschippern und wild übernachten und so. Im Canal du Centre wäre das ganz toll gewesen. Das wird nun nicht gehen und wir müssen uns eine Alternative ausdenken. Ach, wir sind einfach ein wenig enttäuscht!

 

Kulturschock VI: Alles Käse oder was?

Ich wage jetzt mal etwas Kritik

Ich liebe französischen Käse! Es soll 400 Sorten geben in diesem Land. Vielleicht sind es ja auch nur 300, aber auch 300 ist eine respektable Zahl. Jetzt, da ich in diesem Land lebe, frage ich mich wo all diese Käsesorten verkauft werden (ich rede jetzt hier nicht von Industriekäse). Bislang habe ich nur einen Bruchteil davon in den Supermärkten entdeckt, dazu noch meistens dieselben in jedem Laden. Richtige Käsegeschäfte findet man leider auch nicht in jedem Ort. Was fast komplett fehlt sind Hart – oder Halbhartkäse. Da werden zwar Holländische (die mit der roten oder orangen Wachshaut, sehr originell!) angeboten und auch Schweizer Käsesorten produits en France, aber ausser zwei, drei französische Sorten plus den Comté*, der wahrscheinlich von Immigranten aus dem Greyerz* mitgebracht wurde, ist kaum etwas zu finden. Das alles finde ich etwas enttäuschend, aber noch viel enttäuschender finde ich die Käsetheken, an denen Personal steht, gekleidet wie Käser direkt von einer Alpweide, das null Ahnung hat von den Käsesorten, die in der Vitrine angeboten werden. So délicieux das Angebot ist, ich habe etwas mehr erwartet, pardon les français, je suis un peu déçue.

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Das Weinangebot

Kommen wir zu den Weinen. Da gibt es tausende in Frankreich und ich verstehe absolut, dass in den Weinabteilungen oder auch beim Weinhändler vor allem einheimischer Wein angeboten wird. Was sage ich „vor allem“? Fast ausschliesslich einheimischer Wein! Mal zur Abwechslung ein Italiener oder Spanier gefällig? Da wird es schwierig. Lambrusco vielleicht, oder ein Allerwelts-Chianti, im Stil der Weine die wir als 17-Jährige hinter die Binde gekippt haben. Echt jetzt, hier wird Protektionismus in Reinkultur betrieben. Nicht mal die anderen EU-Weinerzeuger haben ihr bescheidenes Plätzchen und da hätte es doch einiges, das dem französischen Erzeugnis die Stange halten würde. Der französische Durchschnitts-Wein, ist, pardonnez-moi, oft in bescheidener Qualität. Da die Franzosen nichts anderes trinken, merken sie es offenbar gar nicht. Frankreich scheint aber irgendwie auch an einem Mangel an Selbstbewusstsein zu leiden. Weshalb sonst hätte es vor Jahren mit Hilfe der EU der kleinen Schweizer Gemeinde Champagne (1000 Einwohner) verbieten lassen, deren Wein unter dem Dorfnamen zu verkaufen? Man stelle sich vor: die gigantische Produktion aus der französischen Champagne fühlte sich von den paar Winzern und deren Weisswein von Champagne CH bedroht! Sogar der lokale Bäckereibetrieb, der sehr leckere und bekannte Flûtes de Champagne (eine Art Grissini) herstellt, bekam Schwierigkeiten. Incroyable, non?  Als Wiedergutmachung hätte ich jetzt gerne eine kleine, solide Auswahl an Weinen aus der ganzen Welt; vielleicht wäre das ja sogar inspirierend für die Franzosen?

Bin heute gerade nicht nett!

Ich bin mir bewusst, dass ich mich jetzt nicht gerade freundlich gegenüber unseren Gastgebern hier benehme. Es ist absolut in Ordnung wenn ein Land stolz auf seine Erzeugnisse ist und diese pflegt. Hier in Frankreich ist aber eine gewisse Blindheit gegenüber dem Rest der Welt feststellbar und das ist nicht gesund. Hier heisst es sofort

  • die französische Küche ist die Beste aller Küchen
  • die französischen Weine sind Weltspitze
  • die Franzosen sind Weltmeister in der Käseherstellung

Ich möchte das jetzt nicht aufrechnen gegen andere Nationen, aber sind wir ehrlich: Andere Mütter haben auch schöne Söhne!

Nun aber etwas sehr Erfreuliches

marchés_bourgogneBald können wir wieder auf den Wochenmärkten einkaufen. In Auxonne gibt es auch einen, aber hier haben Kleider-, Pfannen- und Krimskrams-Händler den Markt quasi übernommen. Die übliche riesige Auswahl an Gemüse, Früchte, Käse- und Fleischständen, Olivenspezialisten und und und, ist hier leider nicht vorhanden. In anderen Städten und Städtchen ist das völlig anders. Da kann man sich zu 100% für die Woche versorgen und dies erst noch bei vielen lokalen Anbietern. Darauf freue ich mich sehr. Das Schlendern von Marktstand zu Marktstand, der kleine Schwatz mit dem Händler oder sogar dem Produzenten selber, die Marktstimmung, die Menschen, Gerüche und Aromen. Mmmmhhh! Am Ende noch den café au lait mit einem croissant au chocolat oder – am späteren Vormittag – einen kleinen Ricard. Ah, das savoir-vivre, santé!Apero1

*Der französische Hartkäse Comté: Tatsächlich mussten im 19. Jahrhundert viele Freiburger, unter anderem aus dem Gruyère, aus der Schweiz auswandern.  Der Kanton Freiburg war extrem arm damals. Früher wurden viele Burschen Söldner in Frankreich, das war aber mit der französischen Revolution mehr oder weniger vorbei. Es waren also meist die jüngeren Söhne eines Hofes, die sich etwas einfallen lassen mussten. Viele wussten etwas über die Käseherstellung. Mit diesen Kenntnissen über den Jura nach Frankreich zu gehen war die nächstmögliche Lösung um der Armut zu entgehen. Und sie wurde rege genutzt.

 

Mein Herz weint!

Eigentlich wollten wir ursprünglich heute los und nun ist totaler Programmwechsel. Ich bin richtig enttäuscht – aber es ist vernünftiger. All odds are against us! Alles ist gegen uns. Ich sage mir immer, es hat keinen Zweck sich zu nerven, wenn etwas nicht klappt, vielleicht ist es sogar besser so und es muss einfach sein. Also nerve ich mich jetzt nicht, ich reg mich nicht auf, nicht, nein. Aber traurig bin ich schon etwas (und frustriert).

Die Franzosen haben Schuld. Erstens waren wir überzeugt – so lauteten unsere Informationen zumindest – zur Préfecture in Mâcon zu müssen, um uns endlich in diesem Land anzumelden. Zweitens müssen wir nach Tournus um gewisse Arbeiten fertig stellen zu lassen bevor es auf die grosse Tour geht. Drittens haben wir ab 12. März ab Seurre flussabwärts bis Lyon „chomage„, was eigentlich Arbeitslosigkeit bedeutet, aber eben auch benutzt wird um die periodische Schliessung der Schleusen zwecks Reinigung und Unterhalt zu bezeichnen. Wir sind dadurch blockiert, da wir durch drei dieser riesigen Schleusen müssten.

Also wollten wir die viertägige Fahrt nach Mâcon diese Woche noch machen. Reinzwängen, könnte man auch sagen. Diese Sache mit der Anmeldung ist zum aus der Haut fahren; kein Amt erzählt einem dasselbe. Es gibt in Frankreich unzählige offizielle Stellen und jede macht genau ihr Ding, hat aber keine Ahnung vom ganzen Prozess. Die Details erspare ich euch. Hier die kürzest mögliche und neueste Version: Schweizer brauchen sich nicht anzumelden, ok, ABER wir müssen eine Steuernummer kriegen, sonst gibt’s im Rahmen des bi-nationalen Informationsaustauschs ganz grosse Probleme. Wir befinden uns also in der abartigen Lage, Steuern bezahlen zu wollen müssen! Alles klar?

Mâcon ist nicht die richtige Stelle. Die Gemeinde, in der das Boot gemeldet ist, auch nicht! Immerhin haben wir herausgefunden, dass die Gemeinden keine eigenen Steuerstelle haben, sich um Steuern überhaupt nicht kümmern. Das macht eine separate, zentrale Steuerbehörde und dort müssen wir uns melden. Dies versuchen wir seit Tagen; der für uns Zuständige (internationaler Dingsbums) ist nie im Büro, sondern in der Pause, im Mittag, gerade sonst abwesend oder krank. Hallooo?!

Also, wir brauchen nicht nach Mâcon zu fahren, obwohl es da ganz schön wäre. Schöne Stadt, toller Hafen in parkähnlicher Umgebung, Weingebiet und, und, und. Dann also nur bis Tournus. Von Tournus erhalten wir den Bescheid, dass die Zugangspasserelle zum Schwimmsteg noch nicht repariert ist/wird. Wir könnten am Ponton anlegen, müssten aber an Land schwimmen!!! Es gibt zwar da einen kleinen hübschen Quai. Das ginge für kurze Zeit bei stabilen Wasserverhältnissen. Für die Arbeiten sollten wir aber mindestens 2 Wochen bleiben und wenn Hochwasser kommt – was man nie weiss, Wettergott ist sowas von unorganisiert  – ist ein fester Anlegeplatz gefährlich; das Boot kann mit dem Hochwasser über den festen Boden geraten und bei wieder sinkendem Wasserstand sitzen 25 Tonnen auf dem Quai auf. Zu riskant und eine Alternative gibt es nicht.

Wir sind dazu gezwungen abzuwarten und zu hoffen, dass alles sich regelt bis nach der „chomage“, also bis in 3 Wochen. Und beten und hoffen und zünden Kerzen an und sind brav, damit in der Zwischenzeit die Passerelle repariert wird.

Was wir jetzt tun können, ist vor hier aus nordwärts zu fahren, da sind die Schleusen offen. Wenn es das Wetter zulässt werden wir das sicher tun und einfach so zum Plausch ein wenig herum schippern. Motor testen, die Bordtätigkeiten wieder einüben und so. Wir haben nächste Woche für ein paar Tage einen Gast auf dem Boot und das wäre eine schöne Gelegenheit. Das wäre sogar super, und bitte bei prächtigem  Wetter ohne Wind. Das sollte doch möglich sein!

Reisefieber

Jetzt wird es langsam ernst: unsere Abfahrt vom Port Royal kommt immer näher. Auch wenn das genaue Datum noch nicht steht, die Vorfreude ist gross und etwas Vorausplanung kann nicht schaden.

Für französische Flüsse und Kanäle gibt es ganz wunderbare Führer, nach Regionen aufgeteilt. Wenn ich richtig gezählt habe gibt es deren 18 solche Hefte in denen die rund 10’000 km schiffbare Wasserwege in diesem Land dokumentiert werden. Da diese Unterlagen auch jedem ausgehändigt werden, der ein Ferienboot mietet, ist jede Menge an grundsätzlichen Informationen darin enthalten. Die Verkehrsregeln werden erklärt, die Bedeutungen der Signalisationen und Ausschilderung. Es ist auch beschrieben wie man schleust, wie man festmacht usw.

Kleiner Einschub:

Ich wage allerdings zu bezweifeln, dass sich viele der Urlauber vorbereiten, es sieht manchmal wirklich nicht danach aus. Die Bootsverleiher instruieren die Mieter meist oberflächlich (ist ja ganz einfach, wie Autofahren) und die Urlauber, verständlich, sind meist auch sehr ungeduldig und wollen das Ding endlich in ihre Hände kriegen und los schippern. Deshalb wohl haben wir schon Boote davor bewahrt sich in einer Schleuse aufzuhängen (die Urlauber haben es festmachen wollen), unzähligen geholfen anzulegen und festzumachen (habe mir vorgenommen, mal eine Fotoserie von fantasievollen Knoten zu lancieren) und mehrere Augen zugedrückt, wenn sie in uns reingefahren sind (kein Problem, wir sind aus Stahl und stärker als diese Plastikdinger). Also, falls dies jemand lesen sollte, der Bootsferien gebucht hat: diese Führer sind wirklich gut und es ist angenehm, wenn man sie zumindest schon mal durchgelesen hat und sich etwas Basiswissen vor der Abreise aneignet. Und es ist nicht wahr, dass man die Boote ohne Ausweis fahren kann; der Ausweis wird vom Vermieter für die Zeit des Urlaubs mit dem Boot verliehen! Gut, das war jetzt so einer meiner Zeigefinger-Ausrutscher, aber das musste mal raus.

Zurück zum eigentlichen Beitrag heute

In diesen Führern ist alles Relevante für eine Bootsreise beschrieben. Die Brücken sind abgebildet. Wir können also zum Voraus wissen, wie hoch die Durchfahrt ist, an welcher Stelle durchgefahren werden muss und ob es irgendwelche Besonderheiten gibt wie eine Sandbank, Wirbel oder Seitenströmungen…). Die Schleusen haben Symbole aus denen man herauslesen kann ob bedient, welches Automatiksystem eingebaut ist oder etwa sogar selber gekurbelt werden muss. In letzterem ist es von Vorteil, wenn man schon weiss wie eine Schleuse Ûberhaupt funktioniert ;-). Die Anlegestellen und Häfen sind beschrieben und man weiss genau welche Serviceleistungen erwartet werden können, Strom, Wasser, Tanksäule, ob es einen Supermarkt hat, Restaurants etc. Im Weiteren sind alle Wasserläufe mit PK markiert (Kilometermarkierung) und zwar auf der Karte und am Ufer. Dies erlaubt es a) leicht Tagesstrecken zu planen und b) zu wissen, wo man sich befindet im Falle eines Notfalls – so man denn nicht einfach ins Blaue fährt und nie auf die Karte guckt, was ich nicht empfehlen würde. Wir haben schon Urlauber auflaufen sehen, anderen heftig  gehupt, weil die sich die Schwellen offenbar von ganz nah anschauen wollten. Ei,ei, das wird teuer!!!  Zu unsere Schande muss ich hier jetzt aber auch gestehen, dass wir mal ein Sonnendach an einer Brücke beschädigt haben. Wirbel und Seitenwind. 😦

Das Beispiel einer Seite mit Flusskarte, Markierungen von Besonderheiten, Zeichnungen der Brücken etc. Auch die PK-Punkte sind zu erkennen, von Punkt zu Punkt ist immer 1 Kilometer
Das Beispiel einer Seite mit Flusskarte, Markierungen von Besonderheiten, Zeichnungen der Brücken etc.

Also, bei uns sind nun diese Führer ausgelegt und wir reisen mit Fingern und Massstab schon mal etwas voraus. Wir haben zwar einen Tiefgang von nur einem Meter (nur bei der Heckschraube) aber wir sind hoch! Wir müssen sicher sein, dass eine ganze Kanalstrecke von uns befahren werden kann ohne dass wir streifen. Es gibt auch Kanaltunnels, für diese habe ich einen Querschnitt des Boots gezeichnet und sicherheitshalber übertrage ich die in jede Tunnelzeichnung. Keine Lust da mal stecken zu bleiben! Schlimmstenfalls können wir die Streckenwärter von VNF (Voies Navigables de France) bitten, für uns den Wasserstand vorübergehend abzusenken, cool, nicht?

Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete und macht auch Spass. Wir werden an vielen interessanten Stellen und Sehenswertem durchkommen, und nicht alles wird direkt vom Wasser aus zu sehen sein. Dafür hat es Kurzbeschriebe in diesen Führern und so kann man schon ein wenig die Halte oder Tages-Etappen planen. Natürlich fixieren wir nicht alles, das wäre ja schlimm: sind wir jetzt endlich einmal frei und unbeschwert, wollen wir uns sicher nicht erneut in ein Korsett zwingen. Aber etwas weise Voraussicht muss sein.

Kulturschock IV: C’est compliqué!

Seit Ende 2017 wohnen wir offiziell nicht mehr in der Schweiz und geben uns wirklich alle Mühe, uns hier in Frankreich erfolgreich niederzulassen. Theoretisch absolut kein Problem. Bis man zum praktischen Teil kommt.

Mit dem Praktischen schlagen wir uns nun seit Anfang Jahr herum. Offiziell ist die démarche, das Vorgehen, ganz klar. Aber das Ganze ist irgendwie verbandelt mit der sécurité sociale und mit der carte vitale (Sozialwesen und Gesundheitskarte). Bevor wir überhaupt mit dem Prozess in Frankreich beginnen konnten, mussten wir in der Schweiz unsere internationale Krankenversicherung organisieren. Wir haben diese Lösung gewählt weil wir mit dem Hausboot in ganz Europa unterwegs sein werden. Das war easy und schnell erledigt.

Ohne gesundheitliche Absicherung, keine Niederlassung. Kein Problem. Seit Anfang Januar ist das entsprechende Papier für die französischen Behörden bereit. Dazu jede Menge persönliche Papiere im Original (Bescheinigungen dass und wo wir geboren sind, gewohnt haben, Gehalt bezogen, Steuern bezahlt, Gas und Wasserrechnungen beglichen haben, zum Frisör gingen und bitte nicht vergessen, die Schuhgrössen anzugeben).

Es ist uns ja klar, dass Frankreich keine zukünftigen Sozialhilfebezüger reinlassen will. Kein Problem. Die Papiere sind seit Mitte Januar beim Gesundheitsamt, persönliches Erscheinen war Pflicht. Merke: wir haben ein Boot aber kein Auto. Die Meldestelle befindet sich 2 Bahnstunden von hier! Dass wir theoretisch bereits in und über Frankreich hinaus versichert sind, ist nicht relevant. Es braucht die carte vitale! Kein Problem. Die Krankenversicherung in der Schweiz möchte einfach innert nützlicher Frist eine Bestätigung haben von der erfolgreichen Anmeldung im französischen Gesundheits-System.

Nachdem die verantwortliche Stelle in Frankreich den Antrag und alle Papiere für genügend befunden und 100 mal abgestempelt hat, hatten wir uns vorgenommen, regelmässig nachzufragen, wie es unserer künftigen carte vitale denn so gehe. Gestern war dieser erste Erinnerungstag. Nachdem wir endlos mit Computern geredet und Ziffern gewählt haben, die unserem Anliegen wahrscheinlich am ehesten nahekamen, zweimal im falschen Département (mais non, vous vous êtes trompé du département, c’est Paris ici hahahhaha), gelandet sind – blöde Computer – gelangten wir doch mal an die richtige menschliche Stimme, dies nur um zu hören, dass das Vorgehen für Zuzügler in Rente gaaaanz anders sei und keine Ahnung wo sich jetzt unsere Papiere befinden würden! Ich dachte, Mann fällt in Ohnmacht (er ist französischer Muttersprache, deshalb kommt ihm die Ehre zu, den aktiven Teil zu spielen, der Arme).

Heftige Aufregung bei uns also und Riesenfrust. Weitere Abklärungen waren nicht mehr möglich; über die telefonische Endlosschlaufe >idiotische Melodie – „Sie werden sofort bedient sobald….“ – idiotische Melodie< kamen wir nicht hinaus. Heute haben wir die Internationale Krankenversicherung in Genf angerufen, um zu melden, es gehe noch lange bis die gewünschte Bestätigung bei ihnen eintreffen würde und wir zudem eine neue Version des Vorgehens erklärt erhalten hätten. Die Dame in der Schweiz hat buchstäblich Tränen gelacht und gemeint, das wüssten sie schon; Es dauere immer zwischen 6 und 9 Monaten bis die carte vitale ausgestellt würde und wir sollen die Sache einfach laufen lassen, alles sei korrekt. Wir könnten uns auch ohne carte vitale in Mâcon anmelden und die Niederlassung finalisieren, wenn wir dann endlich im Besitz dieser Karte seien. Sie versicherte uns, es sei alles noch im grünen Bereich.

Wieso wissen die Schweizer besser Bescheid als die Franzosen selbst? Wem glauben wir jetzt? Bei keinem einzigen Amt in Frankreich kriegt man Menschen ans Telefon. Stets reden wir mit Maschinen, und es muss uns ganz genau klar sein, was wir wollen. Sonst sind die gedrückten Ziffern falsch und man landet bei der falschen Person. Diese ist zwar stets sehr nett, aber ihr Handlungsbereich ist limitiert und deshalb verbindet sie uns weiter. RICHTIG geraten: wieder mit der Maschine von Punkt 1! Wir haben schon Tage so verbracht. Ich glaube wir lassen das jetzt wirklich einfach laufen und uns überraschen.

Wir erholen uns jetzt kurz und versuchen dann mit der Machine von Mâcon einen Termin für die Niederlassung abzumachen. Wahrscheinlich geht das nicht, und wir müssen einfach ohne Termin mal antraben und warten, bis jemand für uns frei wird. Im März fahren wir runter nach Mâcon, mit dem Boot. Sind ja nur 5 Tage Fahrt!

Wie machen das bloss Leute die arbeiten?

Kulturschock III: Essen in Frankreich

Hier in Frankreich vergessen wir oft, im Ausland zu sein, bis wir auf etwas Besonderes stossen,  eine Beobachtung machen oder uns etwas auffällt.

Nehmen wir das Thema Essen: die Franzosen nehmen sich Zeit für ihr Essen. Sogar für’s Mittagessen. Weiterlesen „Kulturschock III: Essen in Frankreich“

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