Tschü-üss

Vor einigen Wochen, mitten im ersten Teil des Lockdowns, strandete hier ein Segelboot. Der Skipper hatte nicht mitbekommen, dass das Land sich unter strenger Ausgangskontrolle befand und er somit eigentlich hätte stoppen sollen, wo auch immer er sich befand. Nur Profis sind vom Fahrverbot ausgenommen. So setzte er fröhlich seine Reise fort, bis er dann einen Kilometer von hier von einem VNF-Mann frühmorgens auf diese unangenehme Tatsache hingewiesen wurde. Ich nehme jetzt mal an, dies ausgesprochen freundlich… Eigentlich kümmert sich VNF ja nicht darum wer fahren darf oder nicht, das tut normalerweise die Gendarmerie. Aber das Segelboot, das da gemütlich vertäut bei den Silos lag, stach ihm wohl gar in die Nase!

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Sch…thema

Jetzt müsst ihr stark sein; Dies ist ein Blog rund um das Leben auf einem Hausboot, und zum Leben gehören bekanntlich nicht nur die Zuckerseiten. Eben. Let’s go.

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Wir sind dann mal weg, n°2

Wie könnte es anders sein: den zweiten Teil (1. Teil hier) unseres Urlaubs hatten wir für die Besichtigung der Wasserstrassen und Häfen von Nordostfrankreich vorgesehen. Weiterlesen „Wir sind dann mal weg, n°2“

Die Sache mit dem Wasser

Mal hat’s Zuviel, mal Zuwenig. Im Moment verfügen Flüsse und Kanäle in Frankreich über genügend Wasser. Bloss, jetzt ist November und fast niemand ist auf den Wasserwegen unterwegs und was soll man da bei Kälte, Nieselregen und Nebelschwaden?

Obwohl fast jedermann schon hinter dem Ofen an der Wärme hockt, geht die Diskussion über die Wasserlage auf Stegen, in Booten und in den verschiedenen Netzwerken weiter. Der Schock der vergangenen zwei Saisons sitzt noch in den Knochen. Weiterlesen „Die Sache mit dem Wasser“

Le Nord

Viele von euch haben vielleicht den Film «Bienvenue chez les ch’tis» (deutsch Willkommen bei den Sch’tis) . Da geht in einer der Szenen der Unglückliche, der beruflich in den Norden Frankreichs versetzt wird, zu seinem angeheirateten Onkel und fragt den aus über seine Erfahrungen im Norden (Frankreichs). Der Moment ist völlig überzeichnet, und der ganze Film scheint eine Karikatur zu sein. Aber das ist er nicht. Nicht wirklich. Na, vielleicht ein bisschen schon. Ich ihn sehr lustig, auf Französisch, in deutscher Version habe ich ihn nicht gesehen.

Auf jeden Fall ernten wir jedes Mal erstaunte bis leicht entsetzte Blicke, wenn wir sagen, wir seien in den Norden Frankreichs unterwegs. Weiterlesen „Le Nord“

Ein Plätzchen für den Winter

Larifari-Leben

Als wir noch vom Leben auf einem Hausboot träumten, dachte ich eher an ein völlig planloses in den Tag, die Woche, den Monat hinein leben. Keinen Gedanken verlor ich an die Tatsache, dass wir uns auch da werden etwas organisieren müssen. Mir schwebte die grosse Freiheit vor mit unbeschwertem und völlig sorglosem Herumschippern ins Abendrot sozusagen.
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Bootsführerkurs: Abschluss

Lyon ist ein schöne und sowohl kulturell als auch historisch spannende Stadt. Für eine Städtereise absolut zu empfehlen. Paul Bocuses Heimatstadt hat auch eine gute Küche zu bieten, vom High End bis zu den legendären Bouchons, tatsächlich ‚Korken‘ genannt, und gutbürgerliche Küche servierend. Die Bouchons sind urig-gemütlich, meist ohne Menu-Karte isst man, was der Koch gerade frisch ergattert und zubereitet hat. Achtung: Tisch reservieren und grossen Hunger mitbringen. Von den kulinarischen Freuden abgesehen bietet Lyon auch sonst viel Schönes. Es ist von mir aus gesehen die italienischste Stadt Frankreichs!

Ich war jedoch heute da um meine Prüfung für den Bootsführerkurs abzulegen. Kein Auge für die Stadt und ihre Schönheiten! Entgegen allen Ratschlägen mieteten wir ein Auto und fuhren damit mitten in die Stadt zur Cité Administrative de l’Etat, ein Riesenapparat von verschiedenen staatlichen Verwaltungsgebäuden. Die nette Dame von Google Maps hat uns bestens geleitet. Es war eine Art Familienausflug zurück in die Zivilisation. Hund und Mensch hatten einen leichten Schock. So viel Verkehr und so viele Menschen! Ein Jahr lang haben wir in der Pampa gelebt, auf Flüssen und Kanälen, in Dörfern und kleinen Provinzstädten, und auf einmal finden wir uns in einer von Frankreich grössten Städten. Landei ist bloss der Vorname!

Ich habe mich durchgeschlagen, den richtigen Saal gefunden, und die Prüfung hinter mich gebracht! Ich habe heute einen vagen Durchblick, wie das Ganze abläuft in Frankreich, kurz:

  • Die praktische Prüfung findet anlässlich der 3-stündigen Übungen auf dem Wasser statt.
  • Die theoretische Prüfung besteht tatsächlich aus 30 Fragen, wovon 5 falsch beantwortet werden dürfen.

Die Schwierigkeit besteht darin, abgesehen davon, dass natürlich alles in Französisch stattfindet, dass die Trainingslektionen – sei es auf Papier oder am Computer – nicht gleich aussehen und nicht identisch formuliert werden. Die Prüfungsfragen sind optisch und textlich nochmal anders! Auch findet die Theorieprüfung nicht, wider Erwarten vor einem Bildschirm statt, sondern in einem riesigen Saal mit Powerpoint auf der Screen vorne und Antwort-Tool in der Hand, welches die eigenen Antworten direkt ins zentrale Programm einspeist. Die einzelnen Slides hatten nichts gemein mit den Übungsbildern anhand derer ich jetzt tagelang geübt hatte. Nach kurzen Panik beruhigte ich mich schnell und eigentlich war es am Ende gar nicht so heftig.

Ich hab’s geschafft und ab sofort muss man auf den Wasserstrassen Europas mit mir rechnen! Leider muss ich mich wohl noch bis ins Frühjahr gedulden, aber dann will ich meinen Lieben mal an den Leinen sehen und ich stehe dann oben am Ruder und meckere herum! Ok. Das hat jetzt gut getan, aber wir wollen ja Hausfrieden und deshalb fahre ich ganz lieb weiter:

Heute Abend, trotz Erkältung, heissen Köpfen und verstopfter Nase, liessen wir es uns nicht nehmen mit „Sprudel“ anzustossen. Ich will ja keine Werbung machen, kriege auch nichts dafür, aber den Crémant de Bourgogne der Veuve Ambal heute Abend habe ich besonders genossen! Da lasse ich auch einen echten Champagner stehen, sorry, liebe Champenois! Ich gebe hier und jetzt auch gerne zu, für einmal haben wir eine ganze Flasche geleert!

Und jetzt macht sich die Anspannung der letzten Tage langsam bemerkbar (und die Flasche Rebensaft auch). Ich bin überzeugt, ich schlafe wieder mal ohne Albträume von nautischen Knoten und rot umrandeten Tafeln!

Reisefieber

Jetzt wird es langsam ernst: unsere Abfahrt vom Port Royal kommt immer näher. Auch wenn das genaue Datum noch nicht steht, die Vorfreude ist gross und etwas Vorausplanung kann nicht schaden.

Für französische Flüsse und Kanäle gibt es ganz wunderbare Führer, nach Regionen aufgeteilt. Wenn ich richtig gezählt habe gibt es deren 18 solche Hefte in denen die rund 10’000 km schiffbare Wasserwege in diesem Land dokumentiert werden. Da diese Unterlagen auch jedem ausgehändigt werden, der ein Ferienboot mietet, ist jede Menge an grundsätzlichen Informationen darin enthalten. Die Verkehrsregeln werden erklärt, die Bedeutungen der Signalisationen und Ausschilderung. Es ist auch beschrieben wie man schleust, wie man festmacht usw.

Kleiner Einschub:

Ich wage allerdings zu bezweifeln, dass sich viele der Urlauber vorbereiten, es sieht manchmal wirklich nicht danach aus. Die Bootsverleiher instruieren die Mieter meist oberflächlich (ist ja ganz einfach, wie Autofahren) und die Urlauber, verständlich, sind meist auch sehr ungeduldig und wollen das Ding endlich in ihre Hände kriegen und los schippern. Deshalb wohl haben wir schon Boote davor bewahrt sich in einer Schleuse aufzuhängen (die Urlauber haben es festmachen wollen), unzähligen geholfen anzulegen und festzumachen (habe mir vorgenommen, mal eine Fotoserie von fantasievollen Knoten zu lancieren) und mehrere Augen zugedrückt, wenn sie in uns reingefahren sind (kein Problem, wir sind aus Stahl und stärker als diese Plastikdinger). Also, falls dies jemand lesen sollte, der Bootsferien gebucht hat: diese Führer sind wirklich gut und es ist angenehm, wenn man sie zumindest schon mal durchgelesen hat und sich etwas Basiswissen vor der Abreise aneignet. Und es ist nicht wahr, dass man die Boote ohne Ausweis fahren kann; der Ausweis wird vom Vermieter für die Zeit des Urlaubs mit dem Boot verliehen! Gut, das war jetzt so einer meiner Zeigefinger-Ausrutscher, aber das musste mal raus.

Zurück zum eigentlichen Beitrag heute

In diesen Führern ist alles Relevante für eine Bootsreise beschrieben. Die Brücken sind abgebildet. Wir können also zum Voraus wissen, wie hoch die Durchfahrt ist, an welcher Stelle durchgefahren werden muss und ob es irgendwelche Besonderheiten gibt wie eine Sandbank, Wirbel oder Seitenströmungen…). Die Schleusen haben Symbole aus denen man herauslesen kann ob bedient, welches Automatiksystem eingebaut ist oder etwa sogar selber gekurbelt werden muss. In letzterem ist es von Vorteil, wenn man schon weiss wie eine Schleuse Ûberhaupt funktioniert ;-). Die Anlegestellen und Häfen sind beschrieben und man weiss genau welche Serviceleistungen erwartet werden können, Strom, Wasser, Tanksäule, ob es einen Supermarkt hat, Restaurants etc. Im Weiteren sind alle Wasserläufe mit PK markiert (Kilometermarkierung) und zwar auf der Karte und am Ufer. Dies erlaubt es a) leicht Tagesstrecken zu planen und b) zu wissen, wo man sich befindet im Falle eines Notfalls – so man denn nicht einfach ins Blaue fährt und nie auf die Karte guckt, was ich nicht empfehlen würde. Wir haben schon Urlauber auflaufen sehen, anderen heftig  gehupt, weil die sich die Schwellen offenbar von ganz nah anschauen wollten. Ei,ei, das wird teuer!!!  Zu unsere Schande muss ich hier jetzt aber auch gestehen, dass wir mal ein Sonnendach an einer Brücke beschädigt haben. Wirbel und Seitenwind. 😦

Das Beispiel einer Seite mit Flusskarte, Markierungen von Besonderheiten, Zeichnungen der Brücken etc. Auch die PK-Punkte sind zu erkennen, von Punkt zu Punkt ist immer 1 Kilometer
Das Beispiel einer Seite mit Flusskarte, Markierungen von Besonderheiten, Zeichnungen der Brücken etc.

Also, bei uns sind nun diese Führer ausgelegt und wir reisen mit Fingern und Massstab schon mal etwas voraus. Wir haben zwar einen Tiefgang von nur einem Meter (nur bei der Heckschraube) aber wir sind hoch! Wir müssen sicher sein, dass eine ganze Kanalstrecke von uns befahren werden kann ohne dass wir streifen. Es gibt auch Kanaltunnels, für diese habe ich einen Querschnitt des Boots gezeichnet und sicherheitshalber übertrage ich die in jede Tunnelzeichnung. Keine Lust da mal stecken zu bleiben! Schlimmstenfalls können wir die Streckenwärter von VNF (Voies Navigables de France) bitten, für uns den Wasserstand vorübergehend abzusenken, cool, nicht?

Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete und macht auch Spass. Wir werden an vielen interessanten Stellen und Sehenswertem durchkommen, und nicht alles wird direkt vom Wasser aus zu sehen sein. Dafür hat es Kurzbeschriebe in diesen Führern und so kann man schon ein wenig die Halte oder Tages-Etappen planen. Natürlich fixieren wir nicht alles, das wäre ja schlimm: sind wir jetzt endlich einmal frei und unbeschwert, wollen wir uns sicher nicht erneut in ein Korsett zwingen. Aber etwas weise Voraussicht muss sein.