Weihnachtsstimmung

Zu Beginn gleich das Allerwichtigste: meine herzlichsten Weihnachtsgrüsse Weiterlesen „Weihnachtsstimmung“

Fest in Seurre und der American Way of Life

Heute regnet es und die Temperaturen sind von gestern 24°C auf 9°C gesunken. Wir heizen wieder, hahaha. Am Freitagabend sassen wir noch auf einer Restaurant-Terrasse bis fast 22 Uhr. Es leben die mittleren Breiten!

Anyway. Gestern haben wir nur einen kurzen Trip von knapp 2 Stunden gemacht. Schön gemütlich, haben das schöne Wetter genossen und sind relativ früh am Nachmittag hier in Seurre eingefahren. Da war ein riesiges Empfangskomitee an der Anlegestelle, sogar mit Musik. Zwei nette Schweizer haben uns beim Anlegen assistiert und konnten uns gleich aufklären, was hier so abgeht: Seurre weiht die neue Quai-Anlage mit einem Volksfest ein.

Keine Chance also auf einen ruhigen Abend, aber das ist kein Problem. Feste soll man feiern wie sie fallen! Also auf ins Getümmel wobei Getümmel doch ein wenig übertrieben scheint. Seurre ist nicht sehr gross und es waren wohl viele Leute da, ganze Familien mit Kinderwagen und Hund, aber es verteilte sich ziemlich auf die langen Stufen an einem Seitenarm der Saône entlang. Seurre hat das Glück an einem ausnehmend attraktiven Teil des Flusses zu liegen. Er macht hier einen weiten Bogen, es gibt mehrere Seitenarme, Flussinseln und überall romantische Ufer.

Einen Grossteil der Zeit verbrachten wir nicht an Land sondern an Bord auf dem Oberdeck und schauten dem Unterhaltungsprogramm zu.

In Blickrichtung der Freitreppen zum Fluss mit aquatischen Attraktionen lagen noch ein paar andere Boote; auf unserem Nachbarboot waren 5 Amerikaner in Designerkleidung und Baseball-Caps. Es liegt mir fern, fremde kulturelle Angewohnheiten zu verurteilen, aber ein Staunen ist wohl schon erlaubt.

Wir sassen so gemütlich an Bord, schauten den Darbietungen zu, tranken etwas und knabberten Oliven, da kam eine der drei Amerikanerinnen auf Deck mit einem Teller Fried Noodles und einem Glas Wein und fing an zu essen. Zwei andere waren auch da, einer schlief, eine andere guckte dem Treiben auf dem Wasser zu. Kaum war die Esserin fertig, kam einer von unten herauf mit einem Big Mac und vertilgte den in Rekordzeit….das ging so weiter. Keiner der Fünf ass oder trank gemeinsam mit anderen, jeder schaute für sich, kochte und ass alleine in Gesellschaft von Nichtessern.

Wir waren einfach baff und fragten uns, wer jetzt wohl völlig daneben ist. Wir, weil wir das nicht verstehen, oder die Amerikaner, die das alleine essen – in den Ferien und auf einer gemeinsamen Bootsfahrt – normal finden? Ich verstehe das alleine essen nicht und auch nicht, weshalb es in Frankreich gemikrowellte Nudeln oder Hamburger in weichen Brötchen sein muss. Wo es hier jede Menge frisches Brot vom Bäcker, hunderte feiner Käsesorten und leckere Fleischspezialitäten, Oliven aus der Provence undundund gibt? Ausserdem kann ich verstehen, dass es im täglichen Leben nicht immer möglich ist alle zur selben Zeit an den Tisch zu bringen, aber im Urlaub!?

Mich hat das etwas traurig gemacht. Das Geld das diese Fünf für ihre Kanalferien ausgegeben haben, würde ich jemandem gönnen, der sich dies nicht leisten kann. Der dafür umso mehr das Fahren und Entdecken und die gemeinsame verbrachte Zeit auch mit gemeinschaftlichen Kochen und zu Tisch sitzen geniessen könnte. Denn das macht es meiner Ansicht nach doch so schön für ein, zwei Wochen als Paar, als Freunde oder Familie auf Fluss und Kanälen unterwegs zu sein!

20180512_Seurre08
Lustigerer Nachbar auf der andern Bootsseite