Vorsätze zum neuen Jahr?

Mach ich nicht. Dazu kenne ich mich zu gut. Leider hat das noch nie geklappt und so lasse ich es sein. Ich will mich nicht enttäuschen. Weiterlesen „Vorsätze zum neuen Jahr?“

Auf einmal sind sie wieder da

Klatschmohn wirkt bei mir wie ein Trigger, ein Auslöser. Der Anblick von Mohnblumen ruft umgehend die verschiedensten Kindheitserinnerungen wach!

Mohn finden wir heute ja wieder vermehrt in Feldern und an Wegrändern. Zum Glück, sind diese Wildblumen doch jahrelang, jahrzehntelang, verschwunden gewesen. Ich habe sie vermisst, diese fröhlich roten und irgendwie doch ernsten Blumen, die jedes Kornfeld zum Gemälde verwandeln. Fehlen noch die Kornblumen, die haben sich noch nicht erholt und sind leider noch viel zu selten anzutreffen. Vielleicht haben wir die Kornblumen auf immer verloren?

Damals, mit etwa 5, 6 Jahren erlebte ich mit Mohnblumen eine meiner ersten bitteren Enttäuschungen, an die ich mich lebhaft erinnern kann. Begeistert pflückte ich sie an einem heissen und staubigen Wegrand irgendwo in der Lombardei, wo wir damals wohnten. Man sagte mir, ich solle das lassen, weil sie die Heimfahrt nicht überdauern würden. Ich glaubte es nicht, aber sie hatten recht. Zuhause hatte ich bloss noch Blütenblätter und nackte Stiele. Diese Enttäuschung und mein Unvermögen, die Blumen am Leben zu erhalten, grub sich irgendwie tief ein. Sonst würde ich mich kaum daran erinnern.

Mohnblumen stehen irgendwie für diese Jahre in Italien. Unser Vater, der zwar in einer Stadt aufgewachsen war, aber viel Zeit auf dem Hof seiner Grossmutter im Zürcher Weinland verbracht hatte, verfügte über einen unerschöpflichen Fundus an Jungenstreiche und typische Beschäftigungen für Jungs. Er brachte uns drei Mädchen alles bei und hatte selber einen Riesenspass daran. Wir sogen das natürlich nur so rein, auch wenn unsere Mutter das nicht immer lustig und gescheit fand. Vier gegen eine.

Begeistert bliesen wir Konzerte auf Grashalmen, fingen allerlei Getier und beobachteten, wie sich Schmetterlinge und Frösche entwickeln, stauten Bäche und dümpelten in ausgedienten Pneus seichte Flüsse hinunter. Wir bauten im Sommer ein Floss, im Winter einen Holz-Bobsleigh. Wir rasten auf Plastiksäcken verschneite Hänge hinunter, lernten nach Steinzeitart richtig Feuer zu machen, bauten Asthütten im Wald und Iglus auf tief verschneiten Alpwiesen. Die Winterferien verbrachten wir im Bündnerland in Hütten ohne Strom und Zentralheizung und die fast 3 Ferienmonate im Sommer campten wir an den oberitalienischen Seen, derweil Papi in Mailand arbeitete und am Wochenende zu uns stiess. Hier lernte ich mit Vier schwimmen und tauchen. Unser Vater war da nicht zimperlich; er ging einfach immer weiter mit mir hinaus und spielte mit mir „Frösche“. Mami war wohl grad nicht am Strand. Wir legten Münzen auf Bahngeleise um sie plattwalzen zu lassen und waren traurig, weil wir sie nie wiederfanden. Die Züge waren seit der Jugendzeit meines Vaters wohl ein wenig schneller geworden und der Trick funktionierte nicht mehr! Ich sehe uns heute noch alle vier in den Wiesen herumkriechen und suchen.

Alles das kam heute wieder aus den Tiefen meines Gedächtnisses hoch, bloss wegen des Fotos der Mohnblumen, das Mann von seinem Morgenspaziergang mit den Hunden zurückgebrachte! Ich denke an alle diese Erlebnisse und an meinen Vater, der dies alles nicht mehr weiss. Er ist dieses Jahr 90 geworden und befindet sich in einem weit fortgeschrittenen Stadium von Alzheimer. Aber vielleicht, vielleicht erinnert er sich ab und zu doch noch an etwas Schönes und wir merken es nur nicht.

Übrigens: Mohnlumen heissen auf Französisch coquelicots (gesprochen kokelico), eines der süssesten französischen Wörter die ich kenne! Ich sehe buchstäblich die fragile Blume; ein Windhauch und die Blütenblätter segeln davon.

Italienisch papavero (Betonung auf der 2; Silbe), klingt weniger luftig und leicht. Vielleicht empfinde ich deshalb die Mohnblume als ernst.

 

 

Erstens kommt es anders…

… und zweitens als man denkt.

Flexibilität ist gefragt wenn man auf einem Boot leben und reisen will! Das haben uns so viele immer wieder gesagt; Leute die es aus langjähriger Erfahrung wissen müssen. Als Anfänger haben wir ja halt manchmal noch unserer altes Tempo im Hinterkopf. Wir planen etwas oder setzen uns sonst irgendwas in den Kopf, nehmen das ins Visier und bugsieren es durch. Meistens klappt es dann ja ganz gut. Aber eben nicht auf einem Fluss! Eben gerade nicht!.

Freunde von uns waren kürzlich auf dem Rhein-Rhone-Kanal blockiert. Sie haben uns leid getan, weil sie so begeistert losgeschippert sind. Geplant für 2018: Auxonne – Berlin – Avignon. Eine lange Reise; wäre für uns wohl noch eine Nummer zu gross. Kaum losgefahren blieben sie jedoch fast einen Monat vor Mulhouse liegen, weil ein Hangrutsch den Kanal getroffen und diesen instabil gemacht hatte. Sie sind jetzt zwar wieder unterwegs, haben jedoch viel wertvolle Zeit „verloren“ und die werden sie brauchen, wenn sie tatsächlich den nächsten Winter im Midi verbringen wollen.

Wir selber befinden uns jetzt auf unserer allerersten grossen Reise und sind noch wenig vorangekommen. Letzten Freitag gestartet, haben bis heute ganze 75 Kilometer geschafft. Natürlich nehmen wir es gemütlich, und wenn viel Wind oder heftige Gewitter angesagt sind machen wir halt Pause. Das gehört zu unserer neuen Langsamkeit und ist voll ok.

Heute früh wollten wir endlich von der Saône wegkommen und bei Chalon-sur-Saône in den Canal du Centre einbiegen um langsam Richtung Paris zu fahren. Ich habe mich so darauf gefreut, schon insbesondere weil die Schleuse, die vom Fluss in den Kanal führt, die höchste meiner derzeitigen Bootler-Karriere sein wird: 10,53 Meter! Freunde haben uns davon erzählt; man fühle sich – wenn man von der Saône her einfährt – wie in der Hölle. Durch ein Guillotine-Tor geht’s da rein und dann sind rundum nur noch dunkle, triefend nasse Wände und weit, weit oben der Himmel! Klingt etwas schaurig, muss man aber  mal erlebt haben.

Wir eben immer noch nicht. Hoffnungsvoll sind wir in den Zubringerkanal eingebogen, in der Ferne ein grosses (und hässliches) Gebäude mit einem geschlossenen Tor. Mit dem Fernglas halten wir jeweils nach den Lichtsignalen Ausschau. Rot = besetzt, rot und grün = in Vorbereitung für uns, grün = Einfahrt autorisiert.

Ein paar „geliehene“ Bilder von Crissey

hoffentlich folgen bald eigene, bessere Bilder!

Da war aber überhaupt kein Lichtsignal. Nichts, nada, tot. Also anrufen. In den tollen Navigationsführern findet man alles, auch diese Art Telefonnummern. Ah, die Schleuse ist geschlossen und wird repariert, man weiss nicht wie lange das dauern wird. Ehm, handelt es sich um Stunden oder Tage? Tage oder mehr!

Das hatten wir nicht kommen sehen! Um vieles kümmern wir uns im Voraus, aber auf die Idee uns vorgängig zu informieren ob wir überhaupt in den Kanal einfahren können sind wir nicht gekommen. Zwei baffe und gerade in ein kleines Tief gestürzte Bootler wendeten ihr Boot und zuckelten abgeschlagen zurück auf die Saône und brauchten einen Moment um einen neuen Plan zu fassen 😦

Wir befinden uns jetzt im hübschen Hafen von Châlon und haben in der Zwischenzeit herausgefunden wann diese Schleuse repariert sein wird (wenn alles klappt): in einer Woche. Hélas. Neben uns liegt ein Boot mit einem deutschen Ehepaar; denen ist eine Stunde nach uns genau dasselbe passiert. Tröstet uns ein wenig.

An und für sich ist das alles ja kein Drama. Am Sonntag bekommen wir jedoch für 3 Tage Besuch aus der Schweiz und wollten diesem Paar so gern etwas Kanalleben bieten, mit gemütlich herumschippern und wild übernachten und so. Im Canal du Centre wäre das ganz toll gewesen. Das wird nun nicht gehen und wir müssen uns eine Alternative ausdenken. Ach, wir sind einfach ein wenig enttäuscht!

 

Mein Herz weint!

Eigentlich wollten wir ursprünglich heute los und nun ist totaler Programmwechsel. Ich bin richtig enttäuscht – aber es ist vernünftiger. All odds are against us! Alles ist gegen uns. Ich sage mir immer, es hat keinen Zweck sich zu nerven, wenn etwas nicht klappt, vielleicht ist es sogar besser so und es muss einfach sein. Also nerve ich mich jetzt nicht, ich reg mich nicht auf, nicht, nein. Aber traurig bin ich schon etwas (und frustriert).

Die Franzosen haben Schuld. Erstens waren wir überzeugt – so lauteten unsere Informationen zumindest – zur Préfecture in Mâcon zu müssen, um uns endlich in diesem Land anzumelden. Zweitens müssen wir nach Tournus um gewisse Arbeiten fertig stellen zu lassen bevor es auf die grosse Tour geht. Drittens haben wir ab 12. März ab Seurre flussabwärts bis Lyon „chomage„, was eigentlich Arbeitslosigkeit bedeutet, aber eben auch benutzt wird um die periodische Schliessung der Schleusen zwecks Reinigung und Unterhalt zu bezeichnen. Wir sind dadurch blockiert, da wir durch drei dieser riesigen Schleusen müssten.

Also wollten wir die viertägige Fahrt nach Mâcon diese Woche noch machen. Reinzwängen, könnte man auch sagen. Diese Sache mit der Anmeldung ist zum aus der Haut fahren; kein Amt erzählt einem dasselbe. Es gibt in Frankreich unzählige offizielle Stellen und jede macht genau ihr Ding, hat aber keine Ahnung vom ganzen Prozess. Die Details erspare ich euch. Hier die kürzest mögliche und neueste Version: Schweizer brauchen sich nicht anzumelden, ok, ABER wir müssen eine Steuernummer kriegen, sonst gibt’s im Rahmen des bi-nationalen Informationsaustauschs ganz grosse Probleme. Wir befinden uns also in der abartigen Lage, Steuern bezahlen zu wollen müssen! Alles klar?

Mâcon ist nicht die richtige Stelle. Die Gemeinde, in der das Boot gemeldet ist, auch nicht! Immerhin haben wir herausgefunden, dass die Gemeinden keine eigenen Steuerstelle haben, sich um Steuern überhaupt nicht kümmern. Das macht eine separate, zentrale Steuerbehörde und dort müssen wir uns melden. Dies versuchen wir seit Tagen; der für uns Zuständige (internationaler Dingsbums) ist nie im Büro, sondern in der Pause, im Mittag, gerade sonst abwesend oder krank. Hallooo?!

Also, wir brauchen nicht nach Mâcon zu fahren, obwohl es da ganz schön wäre. Schöne Stadt, toller Hafen in parkähnlicher Umgebung, Weingebiet und, und, und. Dann also nur bis Tournus. Von Tournus erhalten wir den Bescheid, dass die Zugangspasserelle zum Schwimmsteg noch nicht repariert ist/wird. Wir könnten am Ponton anlegen, müssten aber an Land schwimmen!!! Es gibt zwar da einen kleinen hübschen Quai. Das ginge für kurze Zeit bei stabilen Wasserverhältnissen. Für die Arbeiten sollten wir aber mindestens 2 Wochen bleiben und wenn Hochwasser kommt – was man nie weiss, Wettergott ist sowas von unorganisiert  – ist ein fester Anlegeplatz gefährlich; das Boot kann mit dem Hochwasser über den festen Boden geraten und bei wieder sinkendem Wasserstand sitzen 25 Tonnen auf dem Quai auf. Zu riskant und eine Alternative gibt es nicht.

Wir sind dazu gezwungen abzuwarten und zu hoffen, dass alles sich regelt bis nach der „chomage“, also bis in 3 Wochen. Und beten und hoffen und zünden Kerzen an und sind brav, damit in der Zwischenzeit die Passerelle repariert wird.

Was wir jetzt tun können, ist vor hier aus nordwärts zu fahren, da sind die Schleusen offen. Wenn es das Wetter zulässt werden wir das sicher tun und einfach so zum Plausch ein wenig herum schippern. Motor testen, die Bordtätigkeiten wieder einüben und so. Wir haben nächste Woche für ein paar Tage einen Gast auf dem Boot und das wäre eine schöne Gelegenheit. Das wäre sogar super, und bitte bei prächtigem  Wetter ohne Wind. Das sollte doch möglich sein!

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– fadegrad

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