Laisser faire

Dies ist mein vierter Entwurf und den publiziere ich nun einfach, ob er mir nun gut gefällt oder nicht!

Schon bald drei Wochen im Hausarrest  –  wir lassen es schleifen Weiterlesen „Laisser faire“

Ausgangssperre – die ersten Tage

Es ist immer noch schönes Wetter und warm. Zum Glück!

Seit Dienstag Mittag befinden wir uns in Ausgangssperre. Ich bin jetzt froh darum. Ganz klare Ansagen, keine Ausnahmen, die Regeln dürften dem Hintersten und Letzten – vielleicht nicht gerade einleuchten, aber – bekannt sein.

Seit Mittwoch früh stellen wir uns vor jedem Verlassen des Boots ein Attest aus.

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Markttag

Wir haben es geschafft auf den Markt zu gehen, spät zwar aber immerhin! Für uns, die wir beide morgens extrem langsam auf Touren kommen, eine wahre Leistung. Tournus‘ Markt ist gross und sehr lebhaft. Wir haben nur die Hälfte geschafft und mussten dann unbedingt nochmals einen stärkenden Kaffee haben; zu einer Tageszeit wo andere bereits am Apéritif waren. Aber das sind wir gewohnt, wir standen schon immer etwas quer in der Landschaft und haben offensichtlich einen Biorhythmus der nicht mehrheitsfähig ist.

Der Markt hier ist sehr hübsch und gut besucht. Wir haben frisches Gemüse, Brot und lokal produzierten Käse eingekauft. Und die Flaschenbürste, die einfach nicht in den Rucksack passen wollte! An einem Stand gab es viele Körbe mit Mini-Trockenwürstchen. Wir konnten nicht widerstehen, jetzt bräuchten wir nur noch Besuch, denn wir haben viel zu viele davon gekauft.

In den engen Gassen drängten sich Einheimische und Touristen. Wir sind ziemlich überrascht, dass diese Stadt offenbar bekannt ist und einiges an Touristen anzieht. Ich gestehe, dass – bevor wir hier unser Boot zum ersten Mal in Empfang genommen haben, damals noch zur Miete – wir noch nie etwas von Tournus gehört hatten.

Nach dem café au lait auf der Terrasse eines Bistrots an der Quai-Promenade gingen wir ganz glücklich zurück zum Boot und Mann meinte, er fühle sich ganz wie in den Ferien! Dieses Gefühl hatte ich auch; Marktstimmung, warm genug um auf einer Terrasse etwas zu trinken, die Nähe zum Wasser, die Besucher die in verschiedenen Sprachen kommunizieren, Ferienstimmung halt.

Irgendwie haben wir es noch nicht ganz gecheckt. Was sind WIR eigentlich genau? Urlauber oder Eingewanderte? Touristen? Schon, aber wir wohnen ja in diesem Land und zwar stets genau „hier“. Wir haben zwar eine feste Bleibe, sind aber unterwegs. Wir reisen von Ort zu Ort, sind jedoch stets zuhause. Ich sehe schon, auch hier stehen wir wieder einmal quer. Scheint ein Lebensmotto von uns zu sein.

Kulturschock V: Liebe Verpackungs-Designer

oder Verpackungsingenieure oder was auch immer für eine Bezeichnung korrekt ist: Ich habe Mühe mit den Verpackungen in Frankreich!

Ich glaubte damit schon in der Schweiz Probleme zu haben. Aber das war noch gar nichts! Ich rede hier nicht von irgendwelchen Gadgets, die auf Teufel komm raus und guck mich nur an verpackt sind. Ist mir klar, dass solche Sachen auch mal einfach so ausgepackt und in die Tasche gesteckt würden ohne diese Fort Knox-Verpackungen. Nein, hier geht es um Verpackungen von Lebensmitteln, also Reis, Kaffee, Salz, Schinken und so weiter. Falls es mal durch die Presse geistert, in Frankreich sei ein Mensch neben einer Packung mit Lebensmittel Hungers gestorben, KEINE Fake News! Wahrscheinlich handelt es sich dabei sogar um mich.

Ich verstehe nicht, weshalb es auf einer Müesliriegelpackung heisst „hier aufreissen“ und wenn ich das tue, habe ich zwar ein Stück Plastik in den Fingern, aber immer noch keinen Zugang zu meinem Riegel. Und, pardonnez-moi monsieur, nein, ich habe nicht immer grad einen kleinen aber gut ausgestatteten Werkzeugkoffer dabei!

Innerhalb der letzten Woche habe ich mit einer Kaffee- (wir kaufen Kaffeebohnen, ja das gibt’s noch), einer Reis-, einer Müesli, einer Salz-, Mehl und heute für den Brunch mit einer Lachsverpackung gekämpft. Gerade bei Tüten wie für Kaffee oder Reis bin ich es gewohnt, dass man die Schweissnaht mit einigem an Kraft seitlich auseinander ziehen kann; es entsteht eine Art Ausschütte und man kann bequem in eine Vorratsdose umschütten. Französische Tüten lassen sich mit viel Mühe auch so öffnen, nur einfach irgendwie dort wo das Material am schnellsten nachgibt. Reis und Kaffeebohnen all over the place! Beim Salz kann ein kleiner vorgestanzter Halbmond eingedrückt werden. Genial. Nur leider bringt man die eingedrückte Klappe nicht raus und beim Schütten blockiert dieses Stück Karton (Pappe für De) die Öffnung. Es kommt Salz aus jeder Leimlücke des Kartons, nur nicht dort wo man damit gerechnet hat. Salz all over the place! Mehl. Mehl! Schrecklich. Mehl ist in Papier verpackt, voll verklebt. So eine Verpackung zu öffnen ohne dass etwas daneben geht? Null Chance! Mehl all over the place! Schliesslich heute früh der Fisch: Artig wie ich bin, ziehe ich dort wo man mir sagt ich solle das tun. Der schmale Plastikstreifen, der abkam, brachte mich nicht zum Ziel. Lachs immer noch nicht zugänglich. Natürlich kann ich mit der Schere nachhelfen; Mit dem Ergebnis, dass die Schere und meine Hände fettig sind und die Verpackung kaputt. Immerhin habe ich mich diese Woche weder geschnitten noch aufgespiesst!

Also, liebe Verpackungskünstler der Grande Nation: denkt beim Entwerfen an all die Leute die alt und gebrechlich sind, Arthrose in den Fingern haben, nicht gut sehen, es eilig haben, oder sich einfach etwas dumm anstellen wie ich es offenbar tue. In Frankreich gibt es Bücher über die verschiedensten Themen, wie Philosophie, Briefmarken, Sprachen, Mathematik, Gemüsegärtnern, den Koran, die Astrophysik… für Voll-Laien (les nuls). Sie heissen  XY pour les nuls, ABC pour les nuls usw.  In diesen Büchern ist wirklich alles gut, einfach und in nicht-akademischer Sprache erläutert. Die Bücher sind toll für so einfach gestrickte Personen wie mich. Wie wäre es jetzt einmal mit „Verpackungen pour les nuls“ ??? Bitte, bitte!?