Kulturschock VIII: Gesundheitswesen

Nicht dass ich bereits den Durchblick habe, aber eine Ahnung des französischen Gesundheitswesens habe ich mittlerweile schon.

Absolut vital ist die Carte vitale und um die muss man kämpfen. Mann hat sie schon, ich noch nicht. Aus einem einfachen Grund: Beim Antrag Anfang Jahr dachten wir mit den 2 Anträgen von uns inklusiv allen erforderlichen Dokumenten sei’s geritzt. Weit gefehlt! Weiterlesen „Kulturschock VIII: Gesundheitswesen“

Kulturschock IV: C’est compliqué!

Seit Ende 2017 wohnen wir offiziell nicht mehr in der Schweiz und geben uns wirklich alle Mühe, uns hier in Frankreich erfolgreich niederzulassen. Theoretisch absolut kein Problem. Bis man zum praktischen Teil kommt.

Mit dem Praktischen schlagen wir uns nun seit Anfang Jahr herum. Offiziell ist die démarche, das Vorgehen, ganz klar. Aber das Ganze ist irgendwie verbandelt mit der sécurité sociale und mit der carte vitale (Sozialwesen und Gesundheitskarte). Bevor wir überhaupt mit dem Prozess in Frankreich beginnen konnten, mussten wir in der Schweiz unsere internationale Krankenversicherung organisieren. Wir haben diese Lösung gewählt weil wir mit dem Hausboot in ganz Europa unterwegs sein werden. Das war easy und schnell erledigt.

Ohne gesundheitliche Absicherung, keine Niederlassung. Kein Problem. Seit Anfang Januar ist das entsprechende Papier für die französischen Behörden bereit. Dazu jede Menge persönliche Papiere im Original (Bescheinigungen dass und wo wir geboren sind, gewohnt haben, Gehalt bezogen, Steuern bezahlt, Gas und Wasserrechnungen beglichen haben, zum Frisör gingen und bitte nicht vergessen, die Schuhgrössen anzugeben).

Es ist uns ja klar, dass Frankreich keine zukünftigen Sozialhilfebezüger reinlassen will. Kein Problem. Die Papiere sind seit Mitte Januar beim Gesundheitsamt, persönliches Erscheinen war Pflicht. Merke: wir haben ein Boot aber kein Auto. Die Meldestelle befindet sich 2 Bahnstunden von hier! Dass wir theoretisch bereits in und über Frankreich hinaus versichert sind, ist nicht relevant. Es braucht die carte vitale! Kein Problem. Die Krankenversicherung in der Schweiz möchte einfach innert nützlicher Frist eine Bestätigung haben von der erfolgreichen Anmeldung im französischen Gesundheits-System.

Nachdem die verantwortliche Stelle in Frankreich den Antrag und alle Papiere für genügend befunden und 100 mal abgestempelt hat, hatten wir uns vorgenommen, regelmässig nachzufragen, wie es unserer künftigen carte vitale denn so gehe. Gestern war dieser erste Erinnerungstag. Nachdem wir endlos mit Computern geredet und Ziffern gewählt haben, die unserem Anliegen wahrscheinlich am ehesten nahekamen, zweimal im falschen Département (mais non, vous vous êtes trompé du département, c’est Paris ici hahahhaha), gelandet sind – blöde Computer – gelangten wir doch mal an die richtige menschliche Stimme, dies nur um zu hören, dass das Vorgehen für Zuzügler in Rente gaaaanz anders sei und keine Ahnung wo sich jetzt unsere Papiere befinden würden! Ich dachte, Mann fällt in Ohnmacht (er ist französischer Muttersprache, deshalb kommt ihm die Ehre zu, den aktiven Teil zu spielen, der Arme).

Heftige Aufregung bei uns also und Riesenfrust. Weitere Abklärungen waren nicht mehr möglich; über die telefonische Endlosschlaufe >idiotische Melodie – „Sie werden sofort bedient sobald….“ – idiotische Melodie< kamen wir nicht hinaus. Heute haben wir die Internationale Krankenversicherung in Genf angerufen, um zu melden, es gehe noch lange bis die gewünschte Bestätigung bei ihnen eintreffen würde und wir zudem eine neue Version des Vorgehens erklärt erhalten hätten. Die Dame in der Schweiz hat buchstäblich Tränen gelacht und gemeint, das wüssten sie schon; Es dauere immer zwischen 6 und 9 Monaten bis die carte vitale ausgestellt würde und wir sollen die Sache einfach laufen lassen, alles sei korrekt. Wir könnten uns auch ohne carte vitale in Mâcon anmelden und die Niederlassung finalisieren, wenn wir dann endlich im Besitz dieser Karte seien. Sie versicherte uns, es sei alles noch im grünen Bereich.

Wieso wissen die Schweizer besser Bescheid als die Franzosen selbst? Wem glauben wir jetzt? Bei keinem einzigen Amt in Frankreich kriegt man Menschen ans Telefon. Stets reden wir mit Maschinen, und es muss uns ganz genau klar sein, was wir wollen. Sonst sind die gedrückten Ziffern falsch und man landet bei der falschen Person. Diese ist zwar stets sehr nett, aber ihr Handlungsbereich ist limitiert und deshalb verbindet sie uns weiter. RICHTIG geraten: wieder mit der Maschine von Punkt 1! Wir haben schon Tage so verbracht. Ich glaube wir lassen das jetzt wirklich einfach laufen und uns überraschen.

Wir erholen uns jetzt kurz und versuchen dann mit der Machine von Mâcon einen Termin für die Niederlassung abzumachen. Wahrscheinlich geht das nicht, und wir müssen einfach ohne Termin mal antraben und warten, bis jemand für uns frei wird. Im März fahren wir runter nach Mâcon, mit dem Boot. Sind ja nur 5 Tage Fahrt!

Wie machen das bloss Leute die arbeiten?