Sonne!

Für drei Tage ist Sonne satt angesagt. Im Moment sehe ich keine einzige Wolke und auch keinen einzigen Kondensstreifen! Das grosse Blau! Wunderbar.

Der graue Deckel über uns ist im Nu vergessen und Leben kommt in die Bude.

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Bootsführerkurs: Abschluss

Lyon ist ein schöne und sowohl kulturell als auch historisch spannende Stadt. Für eine Städtereise absolut zu empfehlen. Paul Bocuses Heimatstadt hat auch eine gute Küche zu bieten, vom High End bis zu den legendären Bouchons, tatsächlich ‚Korken‘ genannt, und gutbürgerliche Küche servierend. Die Bouchons sind urig-gemütlich, meist ohne Menu-Karte isst man, was der Koch gerade frisch ergattert und zubereitet hat. Achtung: Tisch reservieren und grossen Hunger mitbringen. Von den kulinarischen Freuden abgesehen bietet Lyon auch sonst viel Schönes. Es ist von mir aus gesehen die italienischste Stadt Frankreichs!

Ich war jedoch heute da um meine Prüfung für den Bootsführerkurs abzulegen. Kein Auge für die Stadt und ihre Schönheiten! Entgegen allen Ratschlägen mieteten wir ein Auto und fuhren damit mitten in die Stadt zur Cité Administrative de l’Etat, ein Riesenapparat von verschiedenen staatlichen Verwaltungsgebäuden. Die nette Dame von Google Maps hat uns bestens geleitet. Es war eine Art Familienausflug zurück in die Zivilisation. Hund und Mensch hatten einen leichten Schock. So viel Verkehr und so viele Menschen! Ein Jahr lang haben wir in der Pampa gelebt, auf Flüssen und Kanälen, in Dörfern und kleinen Provinzstädten, und auf einmal finden wir uns in einer von Frankreich grössten Städten. Landei ist bloss der Vorname!

Ich habe mich durchgeschlagen, den richtigen Saal gefunden, und die Prüfung hinter mich gebracht! Ich habe heute einen vagen Durchblick, wie das Ganze abläuft in Frankreich, kurz:

  • Die praktische Prüfung findet anlässlich der 3-stündigen Übungen auf dem Wasser statt.
  • Die theoretische Prüfung besteht tatsächlich aus 30 Fragen, wovon 5 falsch beantwortet werden dürfen.

Die Schwierigkeit besteht darin, abgesehen davon, dass natürlich alles in Französisch stattfindet, dass die Trainingslektionen – sei es auf Papier oder am Computer – nicht gleich aussehen und nicht identisch formuliert werden. Die Prüfungsfragen sind optisch und textlich nochmal anders! Auch findet die Theorieprüfung nicht, wider Erwarten vor einem Bildschirm statt, sondern in einem riesigen Saal mit Powerpoint auf der Screen vorne und Antwort-Tool in der Hand, welches die eigenen Antworten direkt ins zentrale Programm einspeist. Die einzelnen Slides hatten nichts gemein mit den Übungsbildern anhand derer ich jetzt tagelang geübt hatte. Nach kurzen Panik beruhigte ich mich schnell und eigentlich war es am Ende gar nicht so heftig.

Ich hab’s geschafft und ab sofort muss man auf den Wasserstrassen Europas mit mir rechnen! Leider muss ich mich wohl noch bis ins Frühjahr gedulden, aber dann will ich meinen Lieben mal an den Leinen sehen und ich stehe dann oben am Ruder und meckere herum! Ok. Das hat jetzt gut getan, aber wir wollen ja Hausfrieden und deshalb fahre ich ganz lieb weiter:

Heute Abend, trotz Erkältung, heissen Köpfen und verstopfter Nase, liessen wir es uns nicht nehmen mit „Sprudel“ anzustossen. Ich will ja keine Werbung machen, kriege auch nichts dafür, aber den Crémant de Bourgogne der Veuve Ambal heute Abend habe ich besonders genossen! Da lasse ich auch einen echten Champagner stehen, sorry, liebe Champenois! Ich gebe hier und jetzt auch gerne zu, für einmal haben wir eine ganze Flasche geleert!

Und jetzt macht sich die Anspannung der letzten Tage langsam bemerkbar (und die Flasche Rebensaft auch). Ich bin überzeugt, ich schlafe wieder mal ohne Albträume von nautischen Knoten und rot umrandeten Tafeln!

Heiss und sehr heiss

Heute ausnahmsweise einmal nicht. Deshalb finde ich auch die Energie einen Beitrag zu schreiben.

Die letzten paar Tage waren wir wieder unterwegs, bei sehr feucht-heissem und strahlend schönem Wetter. Möglichst früh gestartet hielten wir es nur so bis nach 13 Uhr aus und machten dann fest um der grössten Hitze zu entgehen. Von Génelard, wo wir fast eine Woche verbracht hatten, über Paray-le-Monial nach Digoin. Die Einfahrt von Digoin ist noch auf dem Canal du Centre, mitten in der Stadt wechselt man auf den Canal latéral à la Loire (den Loire-Seitenkanal). Einfach so; ohne einen Blick auf die Karte würde man es gar nicht bemerken.

Den Besuch von Paray-le-Monial haben wir leider links liegen lassen müssen. Wir haben da zwar übernachtet, jedoch bei über 30°C nicht gewagt die Stadt zu besichtigen. Unsere Gäste haben es getan und kamen eine Stunde später schon komplett erhitzt wieder an Bord. Auf dem Deck hatte es wenigstens einen leichten Wind und da war es zum aushalten. Schade um die hübsche Altstadt und vor allem die romanische Basilika hätten wir gerne besucht. Ein anderes Mal holen wir das nach.

Nach Paray-le-Monial sind wir die kleine Strasse, die uns seit langem anstelle des Treidelwegs begleitet hat, wieder los. Inmitten sehr grüner und üppiger Natur, bloss begleitet von Vogelgezwitscher und -Gesängen, gleiten wir weiter talwärts bis Digoin. Hier werden wir am ersten Anlegeplatz von einem Neuankömmling ziemlich unfreundlich aufgefordert, den Platz freizumachen, er habe den für sich reserviert. Wir räumen das Feld und finden hinter der nächsten Brücke einen viel, viel schöneren Platz im Halbschatten einer Baumgruppe. Gemäss Karte befinden wir uns hier schon auf dem Canal latéral à la Loire! Ein gutes Gefühl. Soll der Andere doch bleiben wo er ist.

Gleich Ausfahrts Digoin werden wir endlich die Loire zu Gesicht bekommen. Sie wird von unserem Kanal mit einer Brücke überquert. Neugierig machten wir unseren Hundespaziergang heute dahin. Wir wollten die Kanalbrücke auch von Aussen sehen, denn wenn wir drüber fahren werden, können wir das Bauwerk nur von oben bewundern; die Bogenkonstruktion würden wir also kaum zu sehen bekommen. Deshalb also die Besichtigung zu Fuss. Wunderschöne Architektur aus dem 18. Jahrhundert! Und die gleich anschliessende Schleuse Nr. 1 des Canal latéral à la Loire ist eine der schönsten und romantischst Gelegene die ich bisher gesehen habe. So haben wir einen Vorgeschmack auf morgen. Nun hoffen wir nur noch, dass der heutige, sehr starke Wind tatsächlich gemäss Wettervorhersage abflauen wird. Dann kann es weitergehen. Freue mich darauf.