Schleusen: Lust oder Frust?

„Unsere Bootsferien waren toll – wenn nur die Schleusen nicht wären! Diese Aufregung! Chaos und Stress pur.“

Solches oder ähnliches hören wir ab und zu. Dabei gehören die Schleusen doch einfach zu Kanalfahrten; ohne Schleusen keine Kanäle!

Verstehen kann ich diese Einwände aber schon und etwas Respekt vor dem Schleusen ist absolut angebracht! Ganz ehrlich, das Boot auf dem wir seit Oktober wohnen, setzte uns zu Beginn auch unter Druck. Die Ferienboote, die wir über die Jahre gemietet hatten, waren einfach zu schleusen gewesen. Mit der Escapade waren wir hingegen zu Anfang schon ein wenig gefordert. Dies hauptsächlich aus drei Gründen:

  • es ist das schwerste Boot, das wir je geführt haben und es bietet Seitenwind eine relativ grosse Fläche zum herumschubsen. Dementsprechend sind Einfahrten in Schleusen bei Seitenwind nicht ohne.
  • Es ist das erste Boot, bei dem das Heck aussen herum nicht erreichbar ist; ich muss durch das Boot hindurch oder die Leiter runter. Das hat mich zu Beginn extrem gestresst.
  • Die Escapade wurde für unsere allererste Fahrt (damals noch gemietet) mit einem nicht kompletten Satz an Leinen abgegeben. Diese musste ich dauernd hin und zurück wechseln.

Mittlerweile haben wir uns an Grösse und Gewicht der Escapade gewöhnt und auch heftiger Seitenwind bringt uns nicht mehr zur Verzweiflung. Wir haben die Leinen komplettiert und gegen hochwertigere Qualität ausgetauscht. Ausserdem haben wir eine klare Arbeitsteilung und viel mehr Übung.

Urlaubern würde ich ein folgende Empfehlungen geben:

  • Bei Übernahme des Bootes sicherstellen, dass jede Klampe eine eigene Leine hat. Zum Seiten wechseln ist es in der Schleuse zu spät. Es sollten auch mindestens 2 Bootshaken da sein.
  • Abmachen wer wofür zuständig ist und während Manövern und dem Schleusen dabei bleiben. Crew-Mitglieder die keine Aufgabe haben, bleiben aus dem Weg. Kinder und Hunde sind gesichert.
  • leichte Schuhe mit rutschfesten Sohlen anziehen (keine FlipFlops!), Sneakers in die man reinschlüpfen kann sind ideal.
  • Vor Abreise die wichtigsten Schleusenregeln verinnerlichen und sich über die verschiedenen Schleusentypen (automatisch, halbautomatisch, Stangenbedienung, manuell…) informieren. Wenn man vor der Schleuse ankommt ist es dazu zu spät!

Wichtige Schleusenregeln:

  • Die Berufsschifffahrt hat Vortritt
  • Die Signalisationen beachten und respektieren (sich vorgängig informieren!)
  • Eingefahren wird erst wenn die Tore vollständig geöffnet sind resp. wenn entgegenkommende, geschleuste Boote an einem vorbei gefahren sind
  • Langsam einfahren, und ich meine damit wirklich langsam!
  • Bei mehreren Booten: aufschliessen und für alle Platz lassen, mehrere Meter zu den Toren lassen
  • Das Boot zuerst am stromaufwärts gelegenen Ende (Bug oder Heck) am Poller anlegen, dann erst am anderen Ende
  • Wegen Gefahr des Aufhängens die Leinen weder beim hinauf- noch beim hinunterschleusen festmachen, die Klampen können jedoch als Haltehilfe dienen, Leinen stets in den Händen behalten
  • damit rechnen, dass es turbulent wird
  • Motor im Leergang belassen (Frankreich)
  • den Schleusenvorgang geniessen und mit Schleusenwärtern oder Zuschauern einen Schwatz halten

    Ich wünsche allen, die wunderschöne Kanalferien vor sich haben, gute Fahrt und allzeit eine handbreit Wasser unter dem Kiel!