La vie en Blues

0 Grad in der Früh, 6-8 Grad Höchstwert, den ganzen Tag dämmerig, unfreundlich und windig! Das ist etwas früh im Jahr, nicht?

Eigentlich habe ich keine Lust, jetzt schon winterliche Bedingungen zu haben. Der Herbst wurde uns gestohlen, er fand irgendwie nicht statt.

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Tiere an Bord

Hunde, die auf Booten leben sind sehr häufig anzutreffen, allein hier im Hafen hat es mindestens ein Dutzend Hunde auf den wenigen Booten, die rund ums Jahr bewohnt sind. Dazu kommen auch noch zwei Katzen. Sicher befindet sich noch das eine oder andere Meerschweinchen oder Kaninchen irgendwo an Bord. Vögel habe ich noch nie auf einem Schiff gesichtet, dafür auf mehreren Mobil-Homes und Camper!

Wir haben unsere zwei Hunde und wünschen uns eigentlich auch noch eine Katze dazu. Wir hatten stets Hund und Katz und eine Mieze fehlt uns noch zum totalen Glück. Eine Katze zu finden wäre natürlich ganz einfach, aber wir denken, unsere Miau wird uns ganz von alleine finden und, typisch Katze, ohne zu fragen bei uns einziehen. Wir sind schon des Öfteren von Katzen «gefunden» worden. Weiterlesen „Tiere an Bord“

Alles wird gut

Es ist immer dasselbe: wenn’s Probleme gibt, thematisiert man das, geht’s mal besser …. na ja, dann geht es eben besser und alles ist in Ordnung. Kein Thema mehr.

Genauso ist es mir gegangen. Wir befinden uns alle auf dem aufsteigenden Ast Weiterlesen „Alles wird gut“

Dichtestress

Man kann sich darüber streiten, ob unsere Entscheidung auf einem Boot zu leben, weit weg vom Leben anderer, eine Gute war. Wir merken, wie wir uns verändern und uns langsam etwas entfernen von der ….  tja, was genau? Von der Gesellschaft, der gelebten mitteleuropäischen Normalität, dem täglichen Leben von Millionen? Weg von den Herausforderungen des Zusammenlebens in einer Stadt, mit vielen verschiedenen Menschen, die alle in erster Linie für sich schauen?

Nachdem wir in den letzten Tagen kaum ein Boot und kaum einen Menschen gesehen, geschweige den gesprochen haben, nachdem wir die letzte Nacht wohl an einer offiziellen Anlegestelle verbracht haben, dies jedoch als einziges Boot, kommen wir heute hier an und – peng – alles ist voll!

Wofür brauchen Camper noch so viele Autos? Einige haben regelrechte Wagenburgen aufgestellt
Wofür brauchen Camper noch so viele Autos? Einige haben regelrechte Wagenburgen aufgestellt
Bei den Campern schon eher etwas chaotisch und überstellt, daneben sehen die Boote direkt ordentlich aufgereiht aus
Bei den Campern schon eher etwas chaotisch und überstellt, daneben sehen die Boote direkt ordentlich aufgereiht aus

Beaulon hat eine kleine Ausbuchtung im Kanal, an der haben ein knappes Dutzend Boote Platz und unter Bäumen auf der Wiese nebenan befinden sich Stellplätze für etwa 20 Mobil Homes und Camper. Wir konnten uns gerade noch so reinschieben, jetzt ist alles voll. Seit Briare haben wir nie mehr so viele Leute an einem Ort gesehen! Die Kombi von Campern und Bootlern gibt eine etwas seltsame Stimmung. Normalerweise sind Bootler ziemlich offen, man hilft anderen beim Anlegen, redet über Boote und gibt einander die letzten Infos von „Radio Canal„, tauscht gute Tipps aus und verleiht auch mal ein Verlängerungskabel oder lässt ein Boot à couple, längs an seinem Boot festmachen, weil sonst kein Platz mehr frei ist.

Bei Campern ist die Stimmung etwas anders. Schon des Öfteren haben wir beobachtet: sie helfen einander selten beim einparken, jeder versucht sich sein Revier abzustecken so gut es geht , Kontakte gibt es viel weniger, und wenn überhaupt, dann ist es oft eine Zurechtweisung, weil man vermeintlich etwas total falsch gemacht hat. Hier in Beaulon wird diese latente Missstimmung noch durch die Tatsache verstärkt, dass Wasser und Strom für Boote gratis ist, für Camper jedoch nicht! Den Grund kann ich mir nicht vorstellen, aber es ist nicht das erste Mal, dass wir sowas antreffen.

Eine etwas unangenehme Situation, die sicher auch dazu beiträgt, dass sich die Leute etwas argwöhnisch beäugen. Könnte ja sein, einer der Wohnmobile schafft es, sich bei den Steckdosen der Bootler kostenlos anzuhängen!

So sitzen wir hier in wunderbaren Natur, könnten einen fantastischen Abend und die allmähliche Abkühlung der Luft  geniessen. Stattdessen stellen wir bei uns zwei Symptome von Dichtestress fest! Wir fühlen uns nicht so recht wohl. Sollten wir etwa langsam zu dünnhäutig werden?

 

Es läuft nicht alles rund

Wir sind frustriert – vor allem Mann! Na ja, ich auch, aber weniger; bei uns läuft es stets ähnlich ab: einer von uns nervt sich total und der andere hält sich zurück. Meist bin jedoch ich diejenige, die erst mal so richtig Dampf ablassen muss. Erst danach kann ich mich konzentrieren und nach einer gesunden Lösung suchen. Mann ärgert sich eher still und dafür lange. Das ist mir fremd und manchmal etwas unheimlich. Ärger finde ich arg. Zorn, Wut und Frustration kenne ich, aber wenn jemand sich so ausgiebig ärgert irritiert mich das, es scheint mir so fruchtlos. Ärger befreit nicht und frisst einen auf. Keine Ahnung weshalb es Bücher gibt mit dem Titel „Ärgern ist gesund“ oder so ähnlich.

Nun denn: Auf gestern haben wir ein Fahrzeug organisiert um einige Dinge zu erledigen. Alles war abgemacht: die Räder bringen zum ersten Service, das Austauschmöbel – 4 Schubladen anstelle vom Geschirrspüler – abholen und 2 Lampen kaufen um die Arbeitsfläche in der Küche besser auszuleuchten. Mann war enthusiastisch und sozusagen in den Startblöcken und im Geiste schon mit einem Schraubenzieher bewaffnet. Vorgestern erfuhren wir, dass der Fahrradladen wegen Ferienabwesenheiten nicht genug Personal hat um den Service der Räder noch am selben Tag wie abgemacht zu machen. Wir hätten sie zu Anfang unserer Fahrt in der Werkstatt abgegeben und am Ende vor der Rückfahrt wieder abgeholt. Schön geplant und trotzdem war’s nix. Das verschiebt sich wohl auf Herbst.

Also direkt zum Küchengeschäft um das Möbel abzuholen. Ich freue mich auf darauf, weil es uns erlauben wird noch einiges Herumliegendes sauber zu verstauen. Klappt wunderbar, alles ist bereit und zügig verladen. Dann die Lampen, die Fernsteuerung und die Kabel, alles vorgegoogelt und an Lager. Natürlich mussten wir noch für einen Grill schauen (noch nicht entschieden – scheinen alle riesig und Platz ist Mangelware) und ich musste dringend durch alle Abteilungen mit Windlichtern, Sitzkissen und Deko. Wenn schon, denn schon. Mann die ganze Zeit schon etwas zappelig (der virtuelle Schraubenzieher in der Hand hatte es offensichtlich eilig!).

Kaum zu Hause auf dem Boot, wo wir einen lieben Nachbar mit einem Apéro zum tragen helfen korrumpieren konnten, kommt die Ernüchterung: Die Möbelfronten haben die falsche Farbe! Da nützt alles ins Licht rücken, drehen und wenden nichts. Die Fronten haben nicht unsere Farbe dunkel-blau-grau, sondern einfach grau! Zwei sehr lange Gesichter standen um das Ding herum. Ich habe dann gleich die Pausetaste gedrückt: jetzt trinken wir erst mal etwas mit unseren Nachbarn und dann sehen wir weiter.

Nach zwei sehr lustigen, englischen Stunden und dem feinen Wein war die Farbe des Küchenmöbels leider immer noch falsch. Ok. Morgen (also heute) mal alles abklären mit dem Lieferanten. Dann halt mal die Lampen, die müssen ja auch noch montiert werden. Alles ausgepackt und bereitgelegt, und ich sehe Mann erbleichen. Was ist los?

„Ich glaub’s ja nicht“ „Was?“  „Ich Idiot“  „WAS?“  „das ist alles falsch“  „WA-AAAS?“

Ich bin elektrisch nicht sehr bewandert und auf einem Boot ist das noch etwas komplexer als in einem Haus. Es ist so: Wir haben Lampen, die sind ganz normal mit 220 Volt, dazu so typische Boots-Einbauleuchten in der Decke mit Niedervolt. Die Lampen, welche wir gekauft haben, hätten an die Stelle der Niedervoltleuchten kommen sollen, sind aber Nicht-Niedervolt-Lampen! Tja, ich koche wohl noch eine Weile im Halbdunkel 😦 Das Kochen an sich ist kein Problem, aber ich sehe die Anzeigen auf dem Kochfeld in der Nacht nur mithilfe einer Taschenlampe und ich finde das jetzt langsam nicht mehr originell und lustig!

Heute früh sind wir mit einer etwas besseren Stimmung erwacht und haben die Probleme mit kühlem Kopf analysiert: neue Schubladendoppel in der richtigen Farbe sind bestellt, wir können den Korpus mit den falschen Schubladenfronten montieren und später bloss die Fronten auswechseln. Da bin ich wirklich froh, so können wir doch mal einiges wegräumen (all die Ladegeräte, zum Beispiel). Die Lösung für die Lampen ist noch nicht ganz da, aber Mann versichert mir, es sei in the process. Das ist ja schon mal ein Anfang und nicht so schlimme Aussichten. Die Taschenlampe bleibt aber erst mal griffbereit beim Kochfeld liegen.