Bootsführerkurs: Abschluss

Lyon ist ein schöne und sowohl kulturell als auch historisch spannende Stadt. Für eine Städtereise absolut zu empfehlen. Paul Bocuses Heimatstadt hat auch eine gute Küche zu bieten, vom High End bis zu den legendären Bouchons, tatsächlich ‚Korken‘ genannt, Weiterlesen „Bootsführerkurs: Abschluss“

Abschied von Tournus

Fast wunschgemäss haben wir heute früh Tournus verlassen und uns auf den Rückweg nach Auxonne gemacht. Die Wetterprognosen für heute waren noch gut, für morgen eher mies mit Wind und vor allem dazu noch starke Böen. Think positiv sagten wir uns, vielleicht ändert sich das Wetter ja noch zum Besseren.

Nun sind wir fast 50 Kilometer weiter nördlich, 6 Stunden waren wir dafür unterwegs. Allerdings mussten wir vor der ersten Schleuse fast eine Stunde warten. Ein Hotelboot war gerade in der Schleuse und der Schleusenwärter teilte uns bei unserer Anmeldung per VHF (Very High Frequency) mit, er habe noch ein Hotelboot, das von Norden komme und abgefertigt werden müsse. So dümpelten wir fast eine Stunde etwa 250 Meter vor der Schleuse herum, übten uns in Geduld und tranken Tee (eigentlich war es Kaffee).

Kinder mit bunten Kajaks gerade nach der Schleuse
Kinder mit bunten Kajaks gerade nach der Schleuse
Grüne Landschaft und herrliche Blütendüfte in der Luft
Grüne Landschaft und herrliche Blütendüfte in der Luft

Der Rest der Reise war ziemlich ereignislos, mal davon abgesehen, dass uns die Tatsache wieder unterwegs zu sein uns ungemein aufstellte! Eine ganze Strecke bin ich gefahren. Ich fahre gern und sollte auch üben. Ich möchte ja noch dieses Jahr den Ausweis machen. Es ist nur nicht so einfach einen Crashkurs von einer Woche zu finden. Vielleicht im Herbst, wenn wir wieder länger an einem Ort bleiben werden. In der Zwischenzeit übe ich halt noch fleissig, siehe Beitragsbild ganz oben 😉

Inzwischen hat sich der Wetterbericht tatsächlich geändert – zum Schlechteren! Sieht ganz danach aus, dass wir morgen hier bleiben. Der Wind und die Böen sind schon da und es regnet heftig. Wir wollen nichts erzwingen. Fahren bei den gemeldeten Bedingungen geht ja noch, aber Anlegen und Boot vertäuen bei heftigem Wind und mit tropfnassen Leinen auf glitschigen Quais oder Pontons? Non, merci.

Die Anlegestelle hier hat zwar weder Strom noch Wasser, aber beides benötigen wir zur Zeit nicht. Dafür können wir hier direkt vom Boot weg schöne Hundespaziergänge machen. Perfekt, auch bei Hundewetter geht es halt raus; alles eine Frage der richtigen Kleidung und Schuhwerk. Und es gibt hier ein Restaurant direkt an der Anlegestelle und im Dorf werden wir wohl Brot und Gemüse kaufen können. Also alles halb so schlimm.

 

 

 

Reisefieber

Jetzt wird es langsam ernst: unsere Abfahrt vom Port Royal kommt immer näher. Auch wenn das genaue Datum noch nicht steht, die Vorfreude ist gross und etwas Vorausplanung kann nicht schaden.

Für französische Flüsse und Kanäle gibt es ganz wunderbare Führer, nach Regionen aufgeteilt. Wenn ich richtig gezählt habe gibt es deren 18 solche Hefte in denen die rund 10’000 km schiffbare Wasserwege in diesem Land dokumentiert werden. Da diese Unterlagen auch jedem ausgehändigt werden, der ein Ferienboot mietet, ist jede Menge an grundsätzlichen Informationen darin enthalten. Die Verkehrsregeln werden erklärt, die Bedeutungen der Signalisationen und Ausschilderung. Es ist auch beschrieben wie man schleust, wie man festmacht usw.

Kleiner Einschub:

Ich wage allerdings zu bezweifeln, dass sich viele der Urlauber vorbereiten, es sieht manchmal wirklich nicht danach aus. Die Bootsverleiher instruieren die Mieter meist oberflächlich (ist ja ganz einfach, wie Autofahren) und die Urlauber, verständlich, sind meist auch sehr ungeduldig und wollen das Ding endlich in ihre Hände kriegen und los schippern. Deshalb wohl haben wir schon Boote davor bewahrt sich in einer Schleuse aufzuhängen (die Urlauber haben es festmachen wollen), unzähligen geholfen anzulegen und festzumachen (habe mir vorgenommen, mal eine Fotoserie von fantasievollen Knoten zu lancieren) und mehrere Augen zugedrückt, wenn sie in uns reingefahren sind (kein Problem, wir sind aus Stahl und stärker als diese Plastikdinger). Also, falls dies jemand lesen sollte, der Bootsferien gebucht hat: diese Führer sind wirklich gut und es ist angenehm, wenn man sie zumindest schon mal durchgelesen hat und sich etwas Basiswissen vor der Abreise aneignet. Und es ist nicht wahr, dass man die Boote ohne Ausweis fahren kann; der Ausweis wird vom Vermieter für die Zeit des Urlaubs mit dem Boot verliehen! Gut, das war jetzt so einer meiner Zeigefinger-Ausrutscher, aber das musste mal raus.

Zurück zum eigentlichen Beitrag heute

In diesen Führern ist alles Relevante für eine Bootsreise beschrieben. Die Brücken sind abgebildet. Wir können also zum Voraus wissen, wie hoch die Durchfahrt ist, an welcher Stelle durchgefahren werden muss und ob es irgendwelche Besonderheiten gibt wie eine Sandbank, Wirbel oder Seitenströmungen…). Die Schleusen haben Symbole aus denen man herauslesen kann ob bedient, welches Automatiksystem eingebaut ist oder etwa sogar selber gekurbelt werden muss. In letzterem ist es von Vorteil, wenn man schon weiss wie eine Schleuse Ûberhaupt funktioniert ;-). Die Anlegestellen und Häfen sind beschrieben und man weiss genau welche Serviceleistungen erwartet werden können, Strom, Wasser, Tanksäule, ob es einen Supermarkt hat, Restaurants etc. Im Weiteren sind alle Wasserläufe mit PK markiert (Kilometermarkierung) und zwar auf der Karte und am Ufer. Dies erlaubt es a) leicht Tagesstrecken zu planen und b) zu wissen, wo man sich befindet im Falle eines Notfalls – so man denn nicht einfach ins Blaue fährt und nie auf die Karte guckt, was ich nicht empfehlen würde. Wir haben schon Urlauber auflaufen sehen, anderen heftig  gehupt, weil die sich die Schwellen offenbar von ganz nah anschauen wollten. Ei,ei, das wird teuer!!!  Zu unsere Schande muss ich hier jetzt aber auch gestehen, dass wir mal ein Sonnendach an einer Brücke beschädigt haben. Wirbel und Seitenwind. 😦

Das Beispiel einer Seite mit Flusskarte, Markierungen von Besonderheiten, Zeichnungen der Brücken etc. Auch die PK-Punkte sind zu erkennen, von Punkt zu Punkt ist immer 1 Kilometer
Das Beispiel einer Seite mit Flusskarte, Markierungen von Besonderheiten, Zeichnungen der Brücken etc.

Also, bei uns sind nun diese Führer ausgelegt und wir reisen mit Fingern und Massstab schon mal etwas voraus. Wir haben zwar einen Tiefgang von nur einem Meter (nur bei der Heckschraube) aber wir sind hoch! Wir müssen sicher sein, dass eine ganze Kanalstrecke von uns befahren werden kann ohne dass wir streifen. Es gibt auch Kanaltunnels, für diese habe ich einen Querschnitt des Boots gezeichnet und sicherheitshalber übertrage ich die in jede Tunnelzeichnung. Keine Lust da mal stecken zu bleiben! Schlimmstenfalls können wir die Streckenwärter von VNF (Voies Navigables de France) bitten, für uns den Wasserstand vorübergehend abzusenken, cool, nicht?

Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete und macht auch Spass. Wir werden an vielen interessanten Stellen und Sehenswertem durchkommen, und nicht alles wird direkt vom Wasser aus zu sehen sein. Dafür hat es Kurzbeschriebe in diesen Führern und so kann man schon ein wenig die Halte oder Tages-Etappen planen. Natürlich fixieren wir nicht alles, das wäre ja schlimm: sind wir jetzt endlich einmal frei und unbeschwert, wollen wir uns sicher nicht erneut in ein Korsett zwingen. Aber etwas weise Voraussicht muss sein.