Bootsführerkurs: Theorie

O-la-la! Also ich weiss nicht, langsam beschleicht mich ein komisches Gefühl! Weiterlesen „Bootsführerkurs: Theorie“

Die Kälte kommt

Die nächsten Tage und vor allem Nächte wird es hier sehr kalt werden. Auch sehr kalt, müsste ich eigentlich sagen, denn es betrifft ganz Europa. Für alle, die auf Booten leben hat dies aber noch eine zusätzliche Bedeutung. Anders als in Häusern und Wohnungen machen wir uns nicht bloss Gedanken, ob wir es drinnen warm und kuschelig genug haben werden.

Heute Vormittag kam der Hafenmeister vorbei um mitzuteilen, dass am Nachmittag das Wasser abgestellt wird. Anders als am Stromnetz, sind wir in Bezug auf Wasser nicht direkt am Versorgungsnetz angeschlossen, sondern füllen regelmässig unsere Tanks und beziehen den täglichen Bedarf daraus. Ich habe dies in anderen Beiträgen schon beschrieben. Wir füllten also heute Morgen unseren Wassertank. Dies tun wir so alle 7-10 Tage. Vor Allem die Waschmaschine verbraucht einen rechten Teil des Wasservorrats. Diese wird in den nächsten Tagen demnach ganz sicher Zwangspause haben. Auch sonst ist ein überlegter Wasserverbrauch anzuraten. Man wir sich auf einem Boot sehr schnell bewusst, wieviel Wasser da eigentlich von uns verbraucht und vergeudet wird! Wasser laufen lassen während des Zähneputzens? Ewig duschen? Nada!

Unser Trinkwasser beziehen wir ebenfalls vom Versorgungsnetz; nicht aus dem Tank, wir füllen separat direkt vom Wasserhahn ab. Da ist unsere Vorratsmöglichkeit begrenzt. Bislang war Mineralwasser keine Option; ich bin nicht dafür, Wasser in der Landschaft herum zu karren solange Trinkwasser direkt Haus geliefert wird. Das Wasser hier schmeckt nicht gerade nach frischem Quellwasser, aber es ist trinkbar und unbedenklich. Wenn es lange kalt bleiben sollte, müssen wir wohl trotzdem auf Plan B zurückgreifen: Mineralwasser schleppen.

Wasser gefriert, wenn es unter 0°C ist. Bewegtes Wasser braucht ein bisschen länger. Unsere Tanks und Leitungen liegen alle im Bauch des Boots unter der Wasserlinie. Wenn es sehr kalt wird, erfahrene Boaters sagen unter -5°C, müssen wir also entweder Frostschutz beifügen oder den Schiffsbauch warm halten. Da wir hier wohnen wird geheizt. Natürlich ist es im Rumpf unten viel kühler als in den Wohnräumen, ähnlich eines Kellers. Aber wir machen uns schon Gedanken, wie wir eventuelles zu grosses Abkühlen verhindern können. Ein Rohrbruch ist das Letzte das wir riskieren wollen!

Letzte Nacht, da fiel das Thermometer schon einige Grade unter 0, haben wir die Temperatur im Motorraum gemessen. Um 6 Uhr, hatten wir oben noch knapp 16°C (da schläft man herrlich!) und unten 8°, ziemlich beruhigend also. Heute Nacht versuchen wir die Wirkung zu testen, die eine leichte Heizung erzielt, indem wir einen der Ölradiatoren runter stellen und die Nacht durch auf niedriger Stufe laufen lassen. Einfach um herauszufinden, ob das bei -10°C oder mehr auch genügen würde. Ich denke, das kann man mit diesem Test abschätzen. Hoffe ich. Hoffe ich!!

Mit der Nachricht der kommenden Frosttage ist hier auf den Pontons ein wenig Aktivität. Die, die ihr Boot alleine überwintern lassen, kommen für eine Kontrollgang. Nichts vergessen? Alles dicht? Parat für eisige Tage? Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Niemand will sein Boot sinken sehen. So sind wir alle – wir eh, es ist unser allererster Winter auf einem Boot – etwas angespannt. Drückt uns die Daumen, dass WIR nichts vergessen haben, danke!