Canal adieu – Fluss ahoi

Mitte Juli letzten Jahres durchquerten wir den Tunnel de Balèmes und erreichten damit das Quellgebiet der Marne. Monatelang fuhren und lebten wir in der Folge entlang der Marne, und heute, heute fuhren wir nach der Schleuse von Dizy endlich AUF die Marne!

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Schönwetterfahrt nach Startproblemen

Kaum zu glauben; vor 3 Tagen waren wir noch in Joinville, mit einem frisch operierten Hund, und seither sind gefühlt Wochen vergangen. Nach der OP von der Kleinen warteten wir noch einen Tag um zu sehen, wie es ihr geht. Die Testergebnisse erhalten wir ja erst Ende dieser Woche. Wir hatten bereits abgesprochen, dass wir in Kontakt mit der Veterinär-Praxis bleiben werden. Deshalb wollten wir weiter sobald sie wieder fit ist.

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Eile mit Weile

Erst regnet es und ist kalt, dann kommt die Sonne hervor, wärmt alles auf, der Kanal dampft und die Spaziergänger kommen raus. Der aktuell angesagte Zwiebellook bewährt sich und die Regenjacke wird hastig ausgezogen. Minuten später beginnt alles wieder von vorn. Tja, dieses Frühjahr wird wohl niemand je vermissen.

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Programmwechsel und Pause

Eigentlich hatten wir uns gut vorbereitet. Alle uns bekannten Webseiten konsultiert und Wetter und Hochwasserlage gecheckt. Brav hatten wir ausgerechnet wie viele Kilometer die einzelnen Etappen betrugen, respektive wieviel Zeit wir für die Fahrt benötigten, wie manche Schleuse zu bewältigen war und wo wir für die Nacht anlegen wollten. Einige Capitaines hatten wir zum Voraus angerufen und uns über die Anlegemöglichkeiten erkundigt. Ab Mai wird dies nicht mehr nötig sein, dann ist die Saison eröffnet und alle Plätze in Vollfunktion.

Bereits am ersten Anlegeplatz, in St-Jean-de-Losne wurden wir von einem steigenden Fluss überrascht. In Seurre dann trafen wir eingeklappte Seitenpontons an, was ein Anlegen erschwerte; wir haben dann das Boot auf einer Länge von einem knappen Meter auch ganz toll zerkratzt und schliesslich hier in Verdun-sur-le-Doubs, wo wir programmgemäss gar nicht hätten anlegen wollen, mussten wir gegen die heftige Strömung aus dem Seitenfluss kämpfen. Wir hatten vorausgeahnt, dass ein weiteres runterfahren Richtung Chalon sur Saône problematisch sein würde und zogen es vor, hier in Verdun hängen zu bleiben als irgendwo anders.

So sieht es nun auch aus. Wir hängen hier fest. Das Wasser geht zwar heute langsam zurück, ein Fahren wäre ab morgen absolut möglich. Für morgen Dienstag ist jedoch heftiger Wind aus Südsüdost mit noch stärkeren Böen gemeldet, und für Mittwoch Starkregen dazu. Unsere Fahrrichtung wäre also voll gegen den Wind. Das wäre unnötiger Stress und Spritverbrauch. Ausserdem wäre das alles andere als vergnüglich.

Wir halten uns hier still bis Donnerstag Vormittag. Kein Problem, wir sind nicht in Eile und stehen auch nicht unter „Feriendruck“. Bis dann sollte sich das Wetter bessern und das Wasser wird sich noch weiter zurückgezogen haben. Verdun ist ein hübsches Städtchen mit guten Einkaufsmöglichkeiten, schöner Natur, tollen Möglichkeiten für Hundespaziergänge, netten Leuten und einen Anlegeplatz mit Strom und Wasser. Und wir haben Zeit, was will man mehr!?

Impressionen von Verdun-sur-le-Doubs

Gestern haben wir einen langen Spaziergang auf der Stadtinsel gemacht. An der grünen Südspitze befindet sich einer der schönsten Camper-Plätze den ich hier in der Gegend gesehen habe: Standplätze im Rasen unter schattenspendenden Bäumen, eingerahmt von einer Seite mit dem Seitenarm des Doubs und der Saône auf der anderen Seite; idyllisch!

Der Camper-Abstellplatzes von Verdun bevor die Saison beginnt

 

 

Bye bye Auxonne

Wir sind wirklich losgefahren! Nachdem auf dem Boot alles bereit gemacht worden war, die Leinen am richtigen Ort und fein säuberlich für Gebrauch aufgeschossen, Elektrokabel abgehängt und aufgerollt, Wasserschlauch ebenfalls, kurz noch das kleine Heckdeck gesäubert wurde, die Fahrräder fixiert, auf dem Sonnendeck die Hundeleinen festgemacht (falls sie plötzlich angeleint werden müssen), letzter Check up der Filter und Blick in den Motorenraum für allfällige Wasserlachen geworfen wurde, gab es eigentlich nichts mehr zu tun als: Leinen los!

Gemächliche Ausfahrt aus dem Hafen und überraschendes Hupkonzert unserer neuen Freunde mit vielen winkenden Armen auf den Decks. Wir waren so überrascht davon, ich vergass total ein Erinnerungsbild zu machen (obwohl man wahrscheinlich eh nichts davon auf dem Bild sehen würde). Ich war richtig gerührt.

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Warten auf Öffnung der Schleusentore

Die uns vorgenommene Strecke ist nicht lang, nur 17 Kilometer und eine einzige Schleuse. Erst ging es vorbei am Städtchen, dann durch die beiden Portes de garde (die Flutportale) in die Dérivation (Kanal der den natürlichen Flusslauf mit Schwellen abkürzt) und schliesslich in die Schleuse von Auxonne.

Damit lagen die Attraktionen den heutigen Fahrt bereits hinter uns. Nach der Schleuse schlängelt sich der Fluss sachte durch die Landschaft und wird langsam breiter. Das Land rechts und links ist vollends flach. Ich meinte, in den Bäumen und Sträuchern hie und da den ersten grünen Schimmer zu sehen, aber vielleicht war das nur eine optische Täuschung, gespeist von der Sehnsucht nach Grün und vom Überdruss der kahlen Natur.20180329_cruise6

Die Hunde haben ganz unterschiedlich auf das Wiederaufnehmen des Fahrens reagiert. Unterschiedlich und sehr charaktertypisch: Die Kleine fiel umgehend in ihre alten Gewohnheiten, derselbe Schlafplatz an Deck, dieselbe Stelle als Ausguck, alles wie gehabt. Der ideale Schiffshund. Der Grosse ist immer schnell aufgeregt, tigerte anfangs herum und suchte einen Liegeplatz. Wir fuhren oben mit dem Aussensteuer. Ich musste immer wieder etwa runter und er hasst es, wenn nicht alle am selben Ort sind, trippelte jedes mal mit. Er war dabei beim Kaffee zu holen, beim Feldstecher zu suchen, rauf und runter, rauf und runter, und stets in Eile. Der geht wahrscheinlich mal über Bord! Langsam machen kennt er nicht 😦

Bald kam unser Etappenziel in Sicht. Bei Ankommen sind wir immer etwa unter Druck: Wo ist ein Platz zum anlegen, gibt’s ein besondere Manöver, sind andere Boote unterwegs. Der Quai war mit Ausnahme des Ausflugsboots unbelegt. Wir hielten Ausschau nach der nächsten Servicesäule für Wasser und Strom und die Anlegeringe und legten am optimalen Platz an.

Heute Abend gingen wir aus zum Essen und hatten noch eine böse Überraschung als wir zum Boote zurückkamen: Die Saône ist inzwischen gestiegen und da wir an einem festen Quai liegen, haben wir plötzlich nur noch knapp 10 cm von Wasserlinie bis Oberkante Steinplatten. Wir sind erstaunt, weil dies überhaupt nicht gemeldet wurde. Diese Zone war heute mit grün bezeichnet, also gefahrlos! Das ist jetzt überhaupt nicht gut und es sieht nach einer unruhigen Nacht aus. Als erstes haben wir ein paar der Fender flach zwischen Boot und der übriggebliebenen Kante des Quais gehängt und ein paar lange Latten senkrecht als Distanzhalter montiert. Diese reichen bis ca. 30 cm unter Wasser. Wir hoffen nun, dass das reicht um zu verhindern, dass das Boot auf den Quai gerät!

 

 

Reisefieber

Jetzt wird es langsam ernst: unsere Abfahrt vom Port Royal kommt immer näher. Auch wenn das genaue Datum noch nicht steht, die Vorfreude ist gross und etwas Vorausplanung kann nicht schaden.

Für französische Flüsse und Kanäle gibt es ganz wunderbare Führer, nach Regionen aufgeteilt. Wenn ich richtig gezählt habe gibt es deren 18 solche Hefte in denen die rund 10’000 km schiffbare Wasserwege in diesem Land dokumentiert werden. Da diese Unterlagen auch jedem ausgehändigt werden, der ein Ferienboot mietet, ist jede Menge an grundsätzlichen Informationen darin enthalten. Die Verkehrsregeln werden erklärt, die Bedeutungen der Signalisationen und Ausschilderung. Es ist auch beschrieben wie man schleust, wie man festmacht usw.

Kleiner Einschub:

Ich wage allerdings zu bezweifeln, dass sich viele der Urlauber vorbereiten, es sieht manchmal wirklich nicht danach aus. Die Bootsverleiher instruieren die Mieter meist oberflächlich (ist ja ganz einfach, wie Autofahren) und die Urlauber, verständlich, sind meist auch sehr ungeduldig und wollen das Ding endlich in ihre Hände kriegen und los schippern. Deshalb wohl haben wir schon Boote davor bewahrt sich in einer Schleuse aufzuhängen (die Urlauber haben es festmachen wollen), unzähligen geholfen anzulegen und festzumachen (habe mir vorgenommen, mal eine Fotoserie von fantasievollen Knoten zu lancieren) und mehrere Augen zugedrückt, wenn sie in uns reingefahren sind (kein Problem, wir sind aus Stahl und stärker als diese Plastikdinger). Also, falls dies jemand lesen sollte, der Bootsferien gebucht hat: diese Führer sind wirklich gut und es ist angenehm, wenn man sie zumindest schon mal durchgelesen hat und sich etwas Basiswissen vor der Abreise aneignet. Und es ist nicht wahr, dass man die Boote ohne Ausweis fahren kann; der Ausweis wird vom Vermieter für die Zeit des Urlaubs mit dem Boot verliehen! Gut, das war jetzt so einer meiner Zeigefinger-Ausrutscher, aber das musste mal raus.

Zurück zum eigentlichen Beitrag heute

In diesen Führern ist alles Relevante für eine Bootsreise beschrieben. Die Brücken sind abgebildet. Wir können also zum Voraus wissen, wie hoch die Durchfahrt ist, an welcher Stelle durchgefahren werden muss und ob es irgendwelche Besonderheiten gibt wie eine Sandbank, Wirbel oder Seitenströmungen…). Die Schleusen haben Symbole aus denen man herauslesen kann ob bedient, welches Automatiksystem eingebaut ist oder etwa sogar selber gekurbelt werden muss. In letzterem ist es von Vorteil, wenn man schon weiss wie eine Schleuse Ûberhaupt funktioniert ;-). Die Anlegestellen und Häfen sind beschrieben und man weiss genau welche Serviceleistungen erwartet werden können, Strom, Wasser, Tanksäule, ob es einen Supermarkt hat, Restaurants etc. Im Weiteren sind alle Wasserläufe mit PK markiert (Kilometermarkierung) und zwar auf der Karte und am Ufer. Dies erlaubt es a) leicht Tagesstrecken zu planen und b) zu wissen, wo man sich befindet im Falle eines Notfalls – so man denn nicht einfach ins Blaue fährt und nie auf die Karte guckt, was ich nicht empfehlen würde. Wir haben schon Urlauber auflaufen sehen, anderen heftig  gehupt, weil die sich die Schwellen offenbar von ganz nah anschauen wollten. Ei,ei, das wird teuer!!!  Zu unsere Schande muss ich hier jetzt aber auch gestehen, dass wir mal ein Sonnendach an einer Brücke beschädigt haben. Wirbel und Seitenwind. 😦

Das Beispiel einer Seite mit Flusskarte, Markierungen von Besonderheiten, Zeichnungen der Brücken etc. Auch die PK-Punkte sind zu erkennen, von Punkt zu Punkt ist immer 1 Kilometer
Das Beispiel einer Seite mit Flusskarte, Markierungen von Besonderheiten, Zeichnungen der Brücken etc.

Also, bei uns sind nun diese Führer ausgelegt und wir reisen mit Fingern und Massstab schon mal etwas voraus. Wir haben zwar einen Tiefgang von nur einem Meter (nur bei der Heckschraube) aber wir sind hoch! Wir müssen sicher sein, dass eine ganze Kanalstrecke von uns befahren werden kann ohne dass wir streifen. Es gibt auch Kanaltunnels, für diese habe ich einen Querschnitt des Boots gezeichnet und sicherheitshalber übertrage ich die in jede Tunnelzeichnung. Keine Lust da mal stecken zu bleiben! Schlimmstenfalls können wir die Streckenwärter von VNF (Voies Navigables de France) bitten, für uns den Wasserstand vorübergehend abzusenken, cool, nicht?

Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete und macht auch Spass. Wir werden an vielen interessanten Stellen und Sehenswertem durchkommen, und nicht alles wird direkt vom Wasser aus zu sehen sein. Dafür hat es Kurzbeschriebe in diesen Führern und so kann man schon ein wenig die Halte oder Tages-Etappen planen. Natürlich fixieren wir nicht alles, das wäre ja schlimm: sind wir jetzt endlich einmal frei und unbeschwert, wollen wir uns sicher nicht erneut in ein Korsett zwingen. Aber etwas weise Voraussicht muss sein.