In die Zielgerade mit Hindernissen

Nicht einfach, die – habe nachgerechnet – 750 Fragen und Antworten in meinen Kopf zu bringen wenn der Partner stark erkältet ist. Der Liebe hustet und niest in einem fort. Er hangelt sich mit laufender Nase, Tee trinkend und Dämpfe inhalierend durch die Tage! Nachts ist von erholsamem Schlaf keine Rede, Weiterlesen „In die Zielgerade mit Hindernissen“

Weihnachts-Überraschung

Wasser im Rumpf, dschinge-linge-ling! Ist das nicht schön! Ein feuchtes Geschenk. Weiterlesen „Weihnachts-Überraschung“

Persönliche Rede zum 1.August

Ich mache mir Sorgen. Sorgen um unsere Gesellschaften. Mehr und mehr stelle ich fest, wir Menschen finden es offensichtlich viel einfacher zu hassen als zu lieben. Ich sehe, wie mancherorts über Dinge und Menschen hergezogen wird, wie oft in übelster Sprache (von Orthographie und Sachkenntnis wollen wir gar nicht reden) irgendwelche dubiosen Ansichten, sorry, herausgekotzt und verbreitet werden.

Wir haben in unserer westlichen Welt die Meinungs-und Redefreiheit und dürfen demnach alles denken und sagen. Das finde ich eine grosse Errungenschaft und absolut richtig. Nur, pervertiert sich offensichtlich dieses Recht langsam, respektive die Menschen nehmen sich dieses Recht in pervertierter Form heraus. Und das gibt mir zu denken.

Heute ist der 1. August und der schweizerische Nationalfeiertag. Diesen Tag dürfen wir sehr wohl feiern und uns freuen darüber, in einem sicheren, wohlhabenden Land zu wohnen und/oder dessen Bürger/in zu sein. Von dieser Herkunft jedoch einen Verdienst oder eine Errungenschaft abzuleiten finde ich zutiefst abwegig. Ein bisschen Demut darf schon sein. Kein Baby kann sich das Land, in dem es geboren wird, aussuchen, ebenso wenig wie man sich seine Eltern aussuchen kann. Von der Nationalität einen gewissen Stolz abzuleiten, kann ich ja noch irgendwie nachvollziehen. Aber sich besser fühlen als Andere wegen der Farbe des Passes?

Da ist der Nationalismus nicht weit und auch Rassismus winkt hier schon um die Ecke. Sobald etwas danach riecht, habe ich echt Mühe. Ich wünsche mir etwas mehr Nüchternheit, Reflektion und Weltbürgertum. Die erreichte Rechtssicherheit, der durchschnittlich hohe Wohlstand, der Zugang zu Bildung und Gesundheitsdiensten, die politische Mündigkeit und die Möglichkeit der politischen Beeinflussung in der Schweiz haben nicht die jetzigen Generationen erreicht; der Grundstein dazu wurde vor 170 Jahren gelegt und seither laufend weiterentwickelt. Wir heute profitieren davon und sollten Sorge dazu tragen und mit Verantwortungsbewusstsein und Weitsicht diese Werte auch für zukünftige Generationen gewährleisten.

Die aktuellen Diskussionen, sei es in Ratssälen oder in den verschiedenen Netzwerken, sind angeheizt, emotionsgeladen, von persönlichen Interessen und Ängsten geleitet und haben zuweilen eine Form angenommen, in der es nur noch zum verbalen Schlagabtausch kommt. Von konstruktiver Diskussion ist dies leider meilenweit entfernt! Mir persönlich missfallen diese Peinlichkeiten und ich bin überzeugt, bloss pauschalisiert zu argumentieren und einander immer lauter zu überschreien bringt uns in Gefahr. Die Gefahr hat viele Namen:  Schuldzuweisung, Sündenböcke, Abgrenzung, Egoismus, Hass, Kriegslüsternheit, Gewalt, Narzissmus, Überheblichkeit, Kaltherzigkeit und so fort. Am Ende ist es aber im Grunde stets dasselbe. Überdeckte Angst.

Angst ins Hintertreffen zu geraten, Angst von dem Neuem, vor den Anderen, vor Herausforderungen, vor Veränderungen, vor Verlusten. «Angst ist ein schlechter Berater» sagt man. Tatsächlich verleitet Angst zu heftigen Reaktionen, Überreaktionen. Das ist angesichts der heutigen Weltlage sicher der dümmste Ratgeber. Wir müssen alle unsere Ängste überwinden oder uns ihnen stellen. Wie sollten uns alle, ob Facebook-Nutzer oder Politiker, befreien von der Angst und versuchen besonnen und nüchtern zu denken und argumentieren. Mit wild in der Gegend herum fuchteln und Parolen schreien ist es nicht getan. Jeder für sich sollte mal ein wenig runterfahren, sich und seine Gedanken auch mal hinterfragen, sich in andere versetzen und überlegen, was kann ich tun, damit es mir, den Mitmenschen und der Welt allgemein ein wenig besser geht. Denn auch grosse Dinge fangen klein an.

Den Nationalfeiertag zu begehen um die eigene Swissness zu zelebrieren finde ich peinlich. Den Tag mit Freunden, Nachbarn und Gästen zu begehen, egal welcher Herkunft oder Farbe, sich freuen über den Frieden und das Erreichte, ist toll. Es darf aber nicht vergessen werden, dass wir uns alle, nationenübergreifend, vorbereiten müssen auf zukünftige Herausforderungen, die wir so gross und fundamental, in der ganzen Menschheitsgeschichte noch gar nie bewältigen mussten. Das schaffen wir nur gemeinsam und jeder muss mithelfen und sich partnerschaftlich daran beteiligen.

 

Der 1. August in der Schweiz für Nicht-Schweizer

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  • Der 1. August ist der offizielle Nationalfeiertag in der Schweiz. Gefeiert wird der Zusammenschluss der drei Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden zum „Ewigen Bund“. Am 1. August weil, Zitat Bundesbrief: Geschehen im Jahre des Herrn 1291 zu Anfang des Monats August.» 
  • Erst seit 1994 ist er ein arbeitsfreier Tag, dies wurde im 1993 per Volksabstimmung entschieden. Dieser Tag wird aber seit 1891 gefeiert (erstmals in der Stadt Bern. Feierlichkeiten von 700 Jahre Stadt Bern und 600 Jahre schweizerische Eidgenossenschaft)
  • Die Festlichkeiten sind Umzüge, Musik, Reden, (Höhen-)Feuer, Feuerwerk
  • Die Menschen kommen zusammen, feiern, grillen, essen, singen die Nationalhymne, umringen das Freudenfeuer und zünden Feuerwerk, oft werden auch von Städten und Gemeinden riesige Feuerwerke organisiert
  • Überall sind Fahnen gehisst, Lampione und Fähnchen dekorieren Balkone, Gärten und Fassaden
  • Leider machen sich in den letzten Jahren immer wieder ultra-rechte und nationalistische Gruppierungen diesen Tag zu nutze um zu randalieren und ihre schrägen Ansichten kundzutun

 

 

Unbekannter Gast heute

Für heute hatte ich eine Unbekannte zum Mittagessen eingeladen. Wir haben diese Frau vorher noch nie gesehen, nur kurz am Telefon gehört. Sie ist ein Kontakt von mir auf Facebook und dazu kam ich über eine FB-Gruppe die weltweit Frauen, die auf Booten leben, vereint. Zufällig lebt R. gar nicht so weit weg von uns auch auf einem Hausboot. Wettermässig war es in den letzten Wochen schwierig einen Termin zu finden und heute hat es geklappt und, wie gesagt, ich habe sie spontan zum Lunch eingeladen. Also so ziemlich das „unschweizerischste“ was man tun kann.

Es war absolut toll! Wir verstanden uns auf Anhieb. Zu dritt, Mann war auch dabei, haben wir stundenlang erzählt, gelacht und diskutiert. Wir haben gegessen, ein Bierchen dazu getrunken und uns bestens unterhalten. Trotz unserer verschiedenen Lebenswege, haben wir viele Ähnlichkeiten gefunden und konnten uns ein jeder in den anderen hinein versetzen. Es war sicher nicht das letzte Mal, dass wir uns getroffen haben und ihren Mann, der heute abwesend war, würde ich sehr gerne kennenlernen.

Jetzt frage ich mich

Diese Einladung war eigentlich mehr oder weniger ein Zufall, es traf sich einfach so. Obwohl ich kein Feind von impulsiven Entscheiden bin, unbekannte Menschen zu mir einzuladen ist jetzt auch für mich nicht Alltag. Jetzt frage ich mich nur eines: weshalb machen wir das nicht öfter? In unserem westlichen und vor allem im europäischen Kulturkreis ist es ja nicht üblich, Leute einfach einzuladen und zu verköstigen. Wovor haben wir eigentlich  –   ja was? Bedenken? Angst? Sind wir gestresst, weil wir nicht aufgeräumt haben, nicht extra eingekauft, kein Bier mehr haben, oder – bewahre – nicht geputzt? Gehen uns Gedanken durch den Kopf wie: ich kenne die ja gar nicht, Herr Jesses, wenn uns die Gesprächsthemen ausgehen, was dann? Und wenn die nicht gerne Fisch essen (Vegetarier sind, allergisch auf Eier….).

Ich habe etwas gelernt heute

Es hätte auch in die Hose gehen können, aber es war unheimlich bereichernd, lustig und sympathisch, schon fast seelenverwandt. Aber nehmen wir mal an, es wäre aus irgend einem Grund schief gelaufen, was wäre der Super-GAU? Wir hätten zusammen gegessen, ein wenig Small Talk gemacht, sie hätte sich wohl artig bedankt und verabschiedet. Und wir würden vielleicht nie wieder voneinander hören. Voilà tout. Keine Katastrophe also. Das reine Gegenteil ist aber eingetroffen, bingo!

Ich lade auf jeden Fall wieder Fremde ein, ich kann nur gewinnen!