Kulturschock X: am langen Arm der Ämter

Wir sind uns seit langem nicht mehr täglich bewusst, im Ausland zu leben. Aber hin und wieder wird dies uns wieder brutal in Erinnerung gerufen. Zu Beginn waren wir darauf eingestellt, auf das eine oder andere Hindernis zu treffen, in Unkenntnis der hiesigen Vorschriften mal in Schwierigkeiten zu geraten oder endlos herumfragen zu müssen. Aber jetzt, nach vollen 3 Jahren, ist das Leben in Frankreich einfach die neue Normalität.

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Die Sache mit zwingenden Terminen!

2020, ganz klar. In diesem Jahr werden unsere Identitätskarten ablaufen. Genauer im Herbst, als eigentlich jetzt dann bald. Kein Problem für uns, dann verlängern sie wir halt oder kriegen eine Neue.

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Kulturschock VII: reden mit Computern

… oder auch nicht. Langsam aber sicher zweifle ich daran, ob wir noch up to date sind oder uns mehr und mehr von der täglichen Realität Mitteleuropas entfernen. Aber vielleicht ist das hier Beschriebene auch für andere bemerkenswert und nicht überall traurige Realität. Es kann durchaus sein, dass Frankreich etwas über das Ziel hinausschiesst.

Genauer geht es hier und heute über die fehlenden Gesprächspartner am anderen Ende des Telefons. Sobald wir eine Auskunft benötigen, reden wir nur noch mit Maschinen. Wir tippen uns endlos durch Nummern, artikulieren irgendwelche Codeworte ins Mikrofon, warten gefühlte Jahre bis die doofen Musikschlangen und nous cherchons votre correspondant, veuillez patienter aufhören, holen Luft um unser Sprüchlein loszuwerden, bloss um zu merken, dass wir wiederum nur eine Computerstimme am anderen Ende haben. Ganz egal wohin wir anrufen, Krankenversicherung, Bank, Administrative Stellen, Post, you name it! Überall dasselbe und zum Haare ausreissen. Insbesondere dann, wie schon passiert, die Maschine von selbst meint, der Fall sei jetzt bereits erledigt, sich artig für den Anruf bedankt und die Verbindung trennt, bevor man überhaupt zu einem Etappenziel angelangt ist!

Ist das jetzt normal und überall so?

Wer hat diese schräge Überzeugung, dass dies noch Kundendienst oder Dienst am Bürger genannt werden könnte? Ich finde es idiotisch mit einer Maschine reden zu müssen und mir tun die Menschen aus Fleisch und Blut mit denen man schlussendlich, nachdem man denn so lange Geduld hatte, sich alle Nägel abgebissen oder seitenweise gedoodelt hat, zu tun hat. Wir sind sicher nicht die einzigen, die zu diesem Zeitpunkt so geladen sind, dass wir nur mit Mühe unsere Frage a) tatsächlich noch parat haben und b) diese auch noch freundlich formulieren können.

Hier in Frankreich erleben wir dies leider fast täglich. Sind wir in einem Ort angekommen an dessen Postamt wir etwas postlagernd haben senden lassen, können wir dieses nicht einfach anrufen um zu erfahren ob das Paket schon angekommen ist. Es ist unmöglich die direkte Telefonnummer herauszufinden. Wir müssen über irgend eine Zentrale und drücken Nummern und sagen laut und deutlich die Nummer des Départements, dann die Région, den District, Canton, die Commune, den Arrondissement…. was auch immer. Bis wir all das herausgefunden und der Maschine erklärt haben, nehmen wir locker  die Räder von Bord, pedalen auf die Post, stehen in der falschen Schlange an, dann in der zweiten Schlange, fragen persönlich nach und fahren wieder zurück zum Boot. Das Ganze sogar zweimal!

Möglicherweise macht mich das jetzt alt, aber ich sehne die Zeit zurück, als man noch nicht meinte, alles was eine Maschine erledigen kann, tatsächlich durch eine Maschine erledigen lässt und freue mich jedes Mal, mit richtigen Menschen zu tun zu haben. Ist das nicht ein natürlicher Wunsch?