Durchatmen

Uff, die hohen Temperaturen haben übers letzte Wochenende merklich nachgelassen! Am Samstag war es noch tropisch heiss und feucht, die Nacht auf Sonntag noch viel zu warm um ordentlich durchzuschlafen und am folgenden Morgen dann die (angekündigte) Überraschung: ein frischer, kühler Tag! Was bin ich froh, denn hier im Hafen gibt’s es für uns gar keinen Schatten. Das Boot auskühlen können wir einzig über Nacht und das ist mit nächtlichen Temperaturen von um die 20°C wirklich nicht einfach. Frühmorgens hatten wir drinnen stets noch tropische Bedingungen und das ist hoffentlich jetzt vorbei.

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Sind wir denn Murmeltiere?

Am liebsten würde ich wirklich in den Winterschlaf sinken. Zur Zeit brauchen wir beide enorm viel Schlaf und ich ganz besonders. Die vielen Tage mit gleichförmig bedecktem Himmel machen mir zu schaffen. Dazu kamen in den letzten Tagen noch die tiefen Temperaturen.

Im Boot haben wir es von wohlig warm bis zu ziemlich frisch. Weiterlesen „Sind wir denn Murmeltiere?“

Regen und Sturm

Dachte ich mir es schon: Wenn es kommt, dann kommt es richtig!

Letzte Nacht hatten wir etwas Regen. Wahrscheinlich gerade genug um alles zu benetzen. Heute früh wollten wir gerade frühstücken, da rauschte es auf einmal und aus dem Nichts hatten wir Sturmböen! Da wir unter Bäumen lagen und gestern schon einige riesige Äste und einen Baum im aus unserem Weg schieben mussten, wollten wir nicht riskieren so ein Ding aufs Dach zu kriegen. Also noch schnell raus um das Boot 20 Meter kanalabwärts von den grossen Bäumen weg in Sicherheit ziehen. Keine Chance! Blätter und kleine Holzstücke flogen uns nur so um die Ohren. Der Wind war so stark, er hätte uns die Leinen samt Boot buchstäblich weggerissen. Bange schauten wir zu wie tausende von wirbelnden Blättern und haufenweise kleine und grössere Äste runterkamen. Die Bäume ums Boot herum bogen sich beträchtlich im Wind und schliesslich krachte einer etwa 20 Meter von uns weg in den Kanal. Inzwischen peitschte und prasselte der Regen nur so auf uns runter. Wir konnten nichts tun, nur zuschauen und hoffen, dass die piquets, die Pflöcke, welche wir zum Anlegen eingeschlagen hatten, halten würden. Und, dass kein Baum auf uns fällt!

Der ganze Spuk dauerte vielleicht 20-30 Minuten, vielleicht nicht einmal das. Aber es kam mir vor wie Stunden. Unser Boot wurde über und über mit Blättern und Ästen eingedeckt, aber nichts Schlimmes ist passiert. Glück gehabt. Und wir haben wiederum etwas gelernt: vor dem Festmachen unter Bäumen erst den Wetterbericht konsultieren!

Die von uns informierte Feuerwehr leitete die Meldung umgehend an VNF (Voies Navigables de France) weiter. Bereits ein paar Minuten später kamen drei bestens ausgerüstete VNF-Männer vorbei und entfernten den Baum, der 2/3 der Kanalbreite blockiert hatte. Sie machten das eindeutig nicht zum ersten Mal. Das ging ruck-zuck.

Das Ablegen verzögerte sich dennoch nochmals. Weiter oben, vor der nächsten Schleuse lag eine grosse Eiche im Wasser. «Unser» Baum sei peanuts, meinten die VNF-Menschen. Die grosse Eiche hingegen – das dauere ein wenig länger, sprachens, packten ihre Sachen und zogen von dannen. Ich muss sagen, mir hätte „unser“ Baum gereicht, wenn er aufs Boot gefallen wäre, ich brauch’ nicht unbedingt eine Eiche um einen besonderen Kick zu haben!

Sobald der Wind etwas nachgab, platzierten wir das Boot um, räumten die Sauerei auf dem Boot etwas weg und warteten auf die Freigabe des Kanals für die Navigation. Das Thermometer war auf 18°C gesunken und ich fror ganz gerne einmal ein wenig.

Die nachmittägliche Fahrt war ein Kampf gegen den Wind und ein Slalom um Äste und Baumteile herum. Wir genossen es trotzdem. Es blieb relativ kühl und die Sonne blitzte nur ab und zu zwischen den Wolken hervor. Eine angenehme Abwechslung nach den vielen heissen Wochen. Unsere Hunde waren selig und lagen ausgestreckt auf dem Deck und liessen sich vom Wind zerzausen.

In der Nacht soll der Wind zunehmend deutlich schwächer werden. Da wir überall Dreck und Blätter haben, beschlossen wir morgen eine Generalüberholung des Boots zu machen. Wasserschlauch, Schrubber, Besen und Staubsauger raus, it’s time to clean up the mess!

 

Heute ist es zum schreiben

eigentlich viel zu heiss. Offenbar kann ich es nicht lassen, bin aber froh darum, dass ihr mich nicht seht. Gleich nachher geht es nochmals unter die Dusche, im Moment sehe ich aber noch aus wie ein nasser Lappen (fühle mich auch so).

Es ist fast 22 Uhr, immer noch über 30°C, dies an einem Kanalufer, das seit 13.30 Uhr keinen Sonnenstrahl mehr abgekriegt hat.

Wir erwarten morgen und vor allem am Dienstag wiederum fast 40°C. Nun müssen wir unsere Fahrt wirklich gut planen, einfach so dahin dümpeln geht nicht mehr. Wir brauchen alle zwei, drei Tage Stromanschluss und eine Epicerie. Ausserdem möchten wir möglichst am Schatten anlegen. Das ist jedoch die Quadratur des Kreises.

Meist starten wir sehr früh, einfach wenn ich dann auch endlich auf der Brücke stehe. Die Schleusen öffnen um 9 Uhr. Bei diesen Temperaturen wollen wir gegen Mittag „ankommen“. Ich habe mit Hilfe unseres Führers die Etappen zusammengestellt, stets ein Tag mit Strom, ein Tag gerne ohne. So einfach ist es nicht; in diesem Kanalabschnitt gibt es nicht so viele Anlegestellen mit vollem Service und meist sind diese gut besetzt. Ausserdem fahren hier einige Hotelboote und Ausflugsboote, und die blockieren manchmal schon die Hälfte des Quais. Die Profis haben Vortritt, immer und überall, wir Freizeitkapitäne kriegen die Brosamen.

Heute Nacht aber liegen wir wunderbar an einem Waldrand. Die Äste der Bäume hängen bis über den Kanal hinaus und die Stimmung hier ist sehr lauschig. Draussen scheint es mit den rund 30°C schon schön kühl, drinnen haben wir immer noch einige Grade drüber. Inzwischen nützt uns auch die gute Isolation des Boots nichts mehr, es ist einfach überall zu warm. Der Kühlschrank läuft auch schon auf der höchsten Stufe und schafft gerade knapp 10°C.

Die Hunde sind süss und haben verstanden, dass es jetzt einfach heiss ist. Wir duschen sie viele Male pro Tag ab. Dann sind sie eine Stunde lang wie wiederbelebt, spurten herum und strahlen um die Wette. Sobald sie wieder getrocknet sind, fallen sie zusammen wie ein Käse-Soufflé und dösen im Schatten bis wir sie wiederum abduschen können.

Noch zwei Tage, dann sollen die Temperaturen fallen und vielleicht kriegen wir dann auch mal ein paar Tropfen Regen. Das wäre doch schön.