Besuch der Hexe

Gestern Mittag. Hexenschuss! Volltreffer.

Ich weiss es doch; ich weiss ganz genau welche Körperhaltung ich nicht einnehmen darf. Es ist keine Bewegung, Gewichttragen oder ähnlich. Viel perfider: es ist genau die Haltung, die man einnimmt um zum Beispiel beim Tisch decken etwas gegen die Mitte des Tischs hinzustellen. So ganz leicht nach vorne gebeugt und leicht gestreckt. Peng, hat’s mich.

Das passiert mir etwa einmal im Jahr und das nervt. Die Schmerzen sind höllisch und ziehen ganz gemein ein Bein hinunter und es dauert 3 Tage bis ich mich wieder normal bewegen kann. Jedes Mal exakt dasselbe!

Heute war also nix mit Hundespaziergang. Blieb alles an Mann hängen, dem Guten. Ich hatte „service à domicile“, alles wurde mir ans Bett geliefert. Das wäre ja richtig schön wenn ich das verwöhnt werden aus vollen Zügen geniessen könnte!

Was soll’s, bis morgen Abend wird es schon bedeutend besser gehen und Hexenschuss 2018 ist abgehakt. Hoffentlich.

 

 

1. Versuch Porzellanmalen

Uhuhh, gar nicht so einfach! Ich habe mal die ersten Espresso-Tassen geschafft. Das Ergebnis ist recht verwackelt und nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Wäre vielleicht besser gewesen mit etwas weniger Bombierten anzufangen, aber die Tässchen kamen grad so frisch gewaschen und entfettet daher…. und auch die Etiketten habe ich endlich abgekriegt. Da hat’s mich grad gepackt.

Normalerweise, wenn ich so etwas selber machen will, bin ich immer mit dem Schnellzug unterwegs. Ich habe leider einfach keine Geduld beim Basteln. Ich gucke mir das Endziel an, meistens von jemandem der schon Profi-Ergebnisse schafft, so auf Pinterest und so, und dann mogle ich mich möglichst rasch durch. Ich kenne das, bin wohl schon so geboren. Mal für Mal nehme ich mir vor, überlegt an die Sache ranzugehen, alles schön vorbereiten, zuerst üben, üben, üben, und erst wenn ich ganz sicher bin über die verschiedenen Schritte, loslegen. Das heisst, eben nicht loslegen, sondern ruhig an die Sache herangehen und mit Geduld zu arbeiten. Ich lege dann aber wirklich einfach los und will schon das Ergebnis sehen, ehe ich richtig angefangen habe. Jedes Mal ärgere ich mich danach, weil ich wiederum in die selbe Falle getappt bin.

Keine Ahnung, weshalb ich das beim Basteln nicht schaffe. Beruflich hatte ich das Problem nie, auch bei längeren Projekten nicht. Ich stand schon immer eher auf dem Gaspedal, aber noch nie hat jemand eine Baustelle an einem Tag abgeschlossen, auch ich nicht! Bei hobbymässigen Beschäftigungen will mir das methodische Arbeiten einfach nicht gelingen.

In der Schulzeit habe ich viel gestrickt und genäht. Das musste auch stets ganz schnell  fertiggestellt sein, am besten noch am selben Tag. Von Aussen sahen die Kleidungsstücke ja noch ok aus, aber ja nicht umdrehen und die Verarbeitung angucken; da waren noch jede Menge Fäden, die nicht ordentlich vernäht waren! Pullis sahen von Innen eher aus wie ein Fransenteppich! Bis heute ist das nicht besser geworden. Aber jetzt wo ich das so erzähle – ich habe schon lange nicht mehr an meine Jugendwerke gedacht – sehe ich, im Vergleich zu meinen damaligen Leistungen sind die Espresso-Tassen eigentlich schon wieder super gelungen!

Hunde(v)erziehung

Unsere beiden Racker haben wir jetzt schon bald 4 Jahre. Die Kleine seit Ostern ’14 und den Grossen seit Juli ’14. Beide sind sie „Second Hand“. Dementsprechend haben beide etwas Altlasten. Es sind nicht die ersten Hunde, die wir so aufgenommen haben und mit Unarten oder Blockaden kommen wir im Allgemeinen gut zurecht.

Kürzlich haben wir nun aber feststellen müssen, dass ein paar kleine Verhaltens-Probleme entstanden sind. Das schleicht sich jeweils so ein ohne wirklich wahrgenommen zu werden. Bis man – also in diesem Fall WIR – eine Situation realisiert, hat sich meist schon etwas festgesetzt. Konkret: Die Kleine benimmt sich sehr unhöflich gegenüber anderen Hunden sobald sie an der Leine ist. Sie kläfft und knurrt und spielt den ganz grossen, gefährlichen Hund. Und da zwei Hunde schon eine kleine Meute sind, lässt sich der Grosse manchmal anstecken. Zudem hat sie jetzt auch angefangen, im Freigang entgegenkommende Spaziergänger anzuknurren.

Die Reaktionen der Passanten auf die Knurrerei der Kleinen sind sehr locker. Stil „ach, die hat doch nur ein wenig Angst“, lachen darüber, wünschen einen schönen Spaziergang und ziehen von dannen. Auch Hundebesitzer sind sehr entspannt und weder übertrieben beschützend noch schnell persönlich beleidigt, wenn sich Hunde mal daneben benehmen. Generell ist die „Hunde“-Stimmung hier viel, viel lockerer, verglichen mit dem, was wir gewohnt sind.

Nun, dieses Knurren und das Theater das die Kleine bei Hundebegegnungen macht, gehen nun aber gar nicht. So viel ist klar. Unsere erste Reaktion war – wohl sehr menschlich und instinktiv – der Versuch die Situationen, in denen das vorkommt, zu vermeiden. Also: Begegnungen ausweichen, sie fester an der Leine halten, sogar schimpfen mit ihr … und so weiter. Wir haben damit das Problem offensichtlich nicht ent- sondern verschärft.

Wir sollten es doch wirklich besser wissen, ist ja nicht das erste Mal, dass einer unserer Hunde sich etwas angewöhnt, das Probleme schafft. Eine vertiefte Analyse tut not. Nicht beim Hund, bei uns! Wie verhalten WIR uns? Und was sind unsere Signale auf die Hunde?

Es kann durchaus sein, dass mit der ganzen Lebensumstellung – dem Umzug aufs Boot, ein anderer Alltag – sich etwas Wesentliches für unsere Hunde geändert hat und wir auf unsere Vierbeiner „befremdlich“ wirken und wir vielleicht gar Verhalten an den Tag legen, das früher anders war. Sicher ist, heute treffen wir auf unseren Spaziergängen viel öfter Menschen und Hunde an als früher. Da wo wir vorher gewohnt haben, trafen wir auf unseren Spaziergängen oft stundenlang überhaupt keine Menschenseele an. Nun, da wir ein paar Monate hier verbringen, liegen wir direkt am Naherholungsgebiet der Stadt. Kann es denn sein, dass uns Hundehalter das etwas stresst und damit auch die Kleine unter Druck kommt?

Das bleibt zu testen, nicht wahr? Eingesehen und nun umsetzen! Wir kontrollieren uns und nehmen Druck weg vom Hund. Ein Versuch ist es wert.

Seit Tagen briefen wir uns nun gegenseitig bevor wir rausgehen mit den Hunden und sind so „zen“ unterwegs wie immer möglich. Für die Hunde nehmen wir vorübergehend fast mikroskopisch kleine Käsehäppchen mit. Das lieben sie. Sobald sich eine kritische Situation anbahnt beschäftigen wir uns alle mit den Häppchen und loben sie, wenn sie sich ruhig verhalten und sich um nichts anderes kümmern. Anfangs konnte sich die Kleine kaum vom Reiz lösen und sich auf das Futter konzentrieren; der Grosse war – als Genusshund – sofort begeistert. Jetzt nach ein paar Tagen, kommt schon langsam die erwünschte Verknüpfung: fremde Hunde (= Käse) = toll, Spaziergänger (= Käse) = super. Die Hoffnung besteht also, dass die Spannung abnehmen wird, Begegnungen einen angenehmen Nebeneffekt haben werden  und sich somit die Situationen überhaupt entspannen können. Für uns alle Vier. Mal sehen wie es weiter geht. Parallel dazu haben wir uns vorgenommen wieder vermehrt mit den Hunden zu arbeiten (Mobility, Spuren- und Suchspiele, etc.). Das haben wir in letzter Zeit vernachlässigt und es kann gut möglich sein, dass sie einfach mental auch unterbeschäftigt waren. Dem soll nun abgeholfen werden. In ein paar Wochen sollten wir eine wesentliche Besserung sehen. Bleibt dann nur noch das Absetzen der Naturaliengaben. Aber da mache ich mir keine Sorgen, Lob, Spiel und etwas Knuddeln werden es auch tun.

 

 

14. Februar

Genau. Heute ist der Vierzehnte. Februar. Unser Hochzeitstag. H o c h z e i t s t a g !

Es ist NICHT Valentinstag für uns. Hätten wir damals realisiert was dieser Tag für ein -sorry – debiler und kommerzialisierter Hype werden wird, hätten wir bestimmt einen der vielen (364) anderen Möglichkeiten im Jahr ausgewählt und nicht den 14.02.!

Zu Anfang ging es ja noch, wir mussten uns einfach daran gewöhnen, unbedingt frühzeitig einen Tisch zu reservieren, wollten wir schön ausgehen zum Essen. Da wir das lange Zeit einfach nicht kapieren wollten, klapperten wir regelmässig und vergeblich am 14. 02. unsere Lieblingsrestaurants ab und verbrachten am Ende lustige Abende in Bahnhofrestaurants (für Schweizer: Bahnhofbuffets) oder sogar Autobahnraststätten. Wenn man etwas feiern will, geht das überall, ist Einstellungssache.

Mit den Jahren wurden wir schlauer und buchten unseren Tisch frühzeitig. Das war auch nicht das Gelbe vom Ei; inzwischen war nämlich das Handy-Zeitalter angebrochen und wir mussten mit ansehen wie Pärchen sich an mit Herzchen geschmückten Tischen anschwiegen, das Handy in der Hand, ganz glücklich wenn endlich was Neues auf Facebook und Co. gepostet wurde und es so wieder etwas zu tun gab. Heiliger Bimbam! Haben sich junge Paare nichts zu sagen? Die merken kaum was sie essen! Wieso gehen die zusammen aus, wenn sie sich nicht miteinander abgeben wollen? Muss ein Date am Valentinstag einfach sein, egal mit wem?

Nachdem wir uns jahrelang immer wieder geärgert hatten, beschlossen wir ab sofort unseren Hochzeits-plus-ein-Tag zu feiern. Wir gewinnen nur: können auch mal ohne Reservation essen gehen, werden von deutlich weniger gestresstem Personal bedient,  müssen uns nicht in zuckersüss geschmückten Restaurants mit extra für den Anlass zusammengestellten und überteuerten Menus herumschlagen, und wir umgehen die gehäufte Anwesenheit von peinlichen Paaren, die weder am Partner noch am Essen interessiert sind.

Wir gehen also erst morgen aus. Heute bleiben wir zu Haus(boot) und geniessen den Abend hier zu zweit. Wir kochen, essen, räumen gemeinsam auf und der Gesprächsstoff wird uns dabei garantiert nicht ausgehen (die Handys gehen währenddessen auf Tauchstation).

Allen, denen dieser Tag aber wichtig ist: Happy Valentine!

 

 

Here Comes the Sun, te dededääh!

Endlich etwas Sonnenschein! Morgen soll es, bevor es wieder umschlägt, sogar wolkenlos sein. Vor lauter Freude haben wir erst heute Abend gecheckt, dass wir das vielleicht für die Nachwelt festhalten sollten. Am späteren Nachmittag waren wir dann noch auf der Mole mit den Hunden, der Fluss war glatt wie ein See, und die Sonne ging dramatisch hinter den paar Wolken unter. Das hat ziemlich viele Menschen rausgelockt und die Uferpromenade war voll wie sonst nur an einem schönen Sonntag Nachmittag. Wir lechzen alle nach ein wenig Sonnenschein, auch die Leute von hier. Gespannt auf morgen!

 

Pyjama-Sonntag

Was haben wir das als Kinder geliebt: Pyjama-Sonntag. Sich nicht anziehen müssen, den ganzen Tag herum fläzen, nichts tun müssen, nicht mal einen Sonntags-Spaziergang (langweilig). Womöglich sogar, die Ultra-Version des Pyjama-Sonntags, nicht einmal die Zähne putzen! Heute würde man vielleicht schon angezeigt wegen Kindsvernachlässigung. Mütter und Väter, sagt mir das. Ich habe keine Ahnung da kinderlos.

Auf jeden Fall kam für uns damals ein Pyjama-Sonntag gleich nach Geburtstag oder Weihnacht in der Bedeutung. Es gab an einem solchen Tag einfach keine Regeln. Wir mussten nicht am Tisch essen, wir mussten nicht einmal zusammen essen, sondern wo und wann wir wollten. Wir legten Riesen-Puzzles auf dem Esstisch aus, bauten im Wohnzimmer Burgen, Höhlen oder was auch immer auf, je nachdem welche Bücher oder Filme gerade unsere Favoriten waren. Oder, in späteren Jahren, lagen auf dem Bett und lasen den ganzen lieben langen Tag ein spannendes Buch, das wegzulegen, und sei es auch nur für eine oder zwei Stunden ganz unmöglich war. Es war so richtig dekadent und machte riesigen Spass.

Heute, mieses Wetter, Graupelschauer, mittelgrauer Himmel, schien genau der richtige Tag, einen Pyjama-Sonntag einzuschalten. Ich habe gerade ein neues Buch zu lesen begonnen, das mich von der ersten Seite an gefangengenommen hatte. Allerdings ging es etwas zivilisierter zu bei uns heute und wir hatten immerhin gemeinsame Mahlzeiten. Auch das mit dem Pyjama wollte nicht so richtig klappen; die Hunde mussten raus, Pyjama hin, Sonntag her. Aber der Rest des Programms fand genauso statt wie in der Kindheit: auf dem Bett liegend lesen, lesen, lesen. Ab und zu frischen Kaffeen holen, und sofort zurück, wieder hingefläzt, Seite um Seite verschlungen. Ich habe sogar wieder einmal ein richtiges physisches Buch und kein eBuch. Ach tut das gut! Das völlige Abtauchen in eine Geschichte, das sich verlieren darin, Stunde um Stunde. Eigentlich viel schöner als ein Film, denn der ist nach spätestens zwei Stunden zu Ende. Ein Buch nicht, vor Allem nicht die Bücher welche ich gerne wähle. Viele Seiten sind ein wichtiges Kriterium! Das sagt zwar nichts über die Qualität eines Buches aus, aber ich gebe das offen zu; ein Buch unter – sagen wir 250 Seiten – hat keine Chance bei mir, es müssen so richtig dicke, endlose Bücher sein.

So, und jetzt muss ich leider hier Schluss machen; das Buch ist noch nicht zu Ende gelesen.

PS. Ich lese „The Tea Rose“ von Jennifer Donnelly. Immerhin 557 Seiten 😉

PS.PS. und doch, ich habe die Zähne geputzt.

Tagträume

Ich habe heute solches Reisefieber, es ist kaum auszuhalten. Immer noch ist es in Frankreich einfach grau bedeckt und kalt. Wir haben unser neues Leben bei denkbar schlechten Bedingungen angefangen: in einem Winter der übleren Sorte. So sitze ich halt da, einen wärmenden Tee in der Hand, und ertränke meinen Frust. Und tagträume.

Es ist kaum mehr vorstellbar, wie heiss es letzten Sommer war und wie schön sonnig. Ok, nicht immer sonnig, aber wenigstens nicht so unwirtlich wie jetzt. Wir hatten das Boot an einem festen Anlegeplatz, es wurde die Woche über von Handwerkern umgebaut. Aber am Freitag Abend, manchmal sogar schon am Donnerstag, kamen wir daher und verbrachten das lange Wochenende cruisend auf der Saône und auf der Seille. Oft hatten wir Gäste dabei. Wir zogen los. Ganz gemütlich und tuckerten wir bei 8-10 km/h flussauf-kanalrunter. Am Ufer die grasenden weissen Charolais-Rinder auf riesigen hecken-und baumbestandenen Weiden, manchmal auch bis zum Bauch im Wasser oder wiederkäuend auf einer kleinen Flussinsel. Pferde mit fröhlichen Fohlen weideten in Eintracht mit Schwarzhalsgänsen. Risikofreudige Schwäne paddelten im aller letzten Moment noch schnell vor dem Boot durch um dann frech zurück zu äugen und uns anzufauchen. Die Zeit verrann unendlich langsam, es war warm und sonnig, wir sassen auf dem Sonnendeck, tranken etwas Kühles und genossen es einfach nur. Auf so einer Fahrt kommt die nervöseste Person innert Kürze runter auf Normal.

Abends wurde in einem kleinen Hafen oder auch nur an irgendeiner Anlegestelle festgemacht, in der Küche etwas Einfaches aber Leckeres gekocht und an Deck genossen. Nach der Tageshitze tat die leichte Abendbrise gut und die Sonnenuntergänge waren endlos farbig. Beim Licht einiger Windlichter wurde geschwatzt und gelacht, bis dann spätabends das Boot für abgekühlt genug befunden wurde um einschlafen zu können. Ach, war das herrlich!

Wäre dies ein normaler Winter mit zwar auch etwas kaltem oder schlechten Wetter, aber auch mit immer wieder einigen sonnigen Tagen, hätte ich heute sicher keinen Boots-Koller. Leider gibt es zur Zeit keine Wahl und wir müssen da einfach durch, aber am Liebsten versänke ich jetzt einfach eine Zeitlang in Winterschlaf!