Kleine Freuden an Bord

Was hat das Leben auf dem Wasser für eine Faszination für viele Menschen? Klar, viele grossartige Dinge wie auf und im Wasser Sport treiben, herum schippern, nicht an Strassen gebunden sein, keine Kreuzungen mit Ampeln respektieren müssen, Anker werfen wo man eben will oder anlegen wo es einem gerade so gefällt. Ganz so ist es natürlich nicht. Auf den Wasserwegen und auf Seen gibt es zwar eine weitreichende Freiheit, aber ganz ohne Regeln geht es auch da nicht.

Meine kleinen, täglichen Highlights

Heute geht es hier jedoch um ganz kleine, alltägliche Dinge.  Das leise Plätschern von Wasser unter meinem Bett wenn ein Wind geht, die Wolken die es vor dem Fenster scheinbar merkwürdig hin und dann wieder zurück bläst, weil das Boot ganz unmerklich in Bewegung ist und dem Geschehen am Himmel diese Dynamik verleiht, den Widerschein des sonnenbeschienenen Wassers an der Decke über mir, das Schnattern der Enten draussen. Ich mag unsere tierischen Nachbarn; den Kormoran, der untertaucht und irgendwo unvermittelt mit einem Fisch im Schnabel wieder auftaucht, das Schwanenpaar, das zwar neugierig aber meist schlecht gelaunt ist, die Nutrias, die wir zwar selten sehen aber hören wenn sie mit einem dicken Platsch ins Wasser flüchten, das kleine, einsame Wasserhühnchen, das stets so eifrig auf Futtersuche ist. Ja sogar die Eisvögel, die alle hier schon gesehen haben, nur mir haben sie diese Ehre noch nicht gewährt.

Ich schätze die Nähe zur Natur, jeden Tag! Wir sind Wasser und Wetter ausgeliefert. Die Natur gibt den Lebenstakt. Es ist irgendwie wie eine Rückbesinnung auf ganz wesentliche Dinge und die Freude an kleinen Ereignissen. Auch wenn nicht alles immer grad erreichbar ist oder klappt wie gewünscht, ich werde reich entschädigt.

 

 

 

Essen gehen in Auxonne

Die Stadt ist nicht gerade mit Esstempeln gesegnet, aber direkt bei der Kirche befindet sich das „Hôtel du Corbeau“ mit seinem Restaurant. Da waren wir schon ein paar Mal und sind jedes Mal überrascht vom angenehmen Ambiente und der Qualität die aus der Küche kommt. Die Inneneinrichtung ist edel, modern und eher zurückhaltend. Ich mag keine bunten Restaurant-Dekorationen, die Farben habe ich lieber auf dem Teller.

Das Restaurant hat eine relativ kleine Karte, ist aber stolz darauf, dass alles frisch und mit regionalen Produkten zubereitet wird. Es gibt jeweils einen Menu-Vorschlag, und sonst steht die Karte zur Wahl. Die à la carte – Gerichte haben keine Preise; man hat einfach die Wahl zwischen einem Tellergericht, einem 2-gängigen, oder einem 3-gängigem Menu mit freier Wahl von der Karte. Finde ich echt eine geniale Idee!

Zur Vorspeise haben wir beide die „Terrine de Campagne“ vom Tages-Menu gehabt, ländlich-rustikal mit frischem Baguette, dann für mich Entenbrust, perfekt gebraten und leicht süss-säuerlich, serviert mit Kürbis-Püree, eine optimale Kombination. Für den zweiten Gast ein zartes Black Angus-Entrecôte mit selbstgemachten, gewürzten Frites und Salat. Zum Nachtisch ein Gedicht von grillierter Ananas-Timbale auf Crumble mit salzigem Caramel-Eis! Mit dem diskreten und äusserst freundlichen Service unter dem „chef de salle“ Laurent, der auch seine Weinkarte bestens kennt, haben wir uns wohl und gut beraten gefühlt. Eine Wonne, da Gast zu sein!

Trotzdem das Restaurant sich in einem sehr alten Gebäude mit hoher Decke befindet, ist es auch bei vollem Haus nicht lärmig. Etwas das ich sehr schätze. Für mich ist das „du Corbeau“ genau der Typ Restaurant den ich mag: gute französischen Küche, wo mit Fantasie aber ohne viel Brimborium frisch gekocht wird. Einfach perfekt. Und die warme Ananas habe ich jetzt noch auf der Zunge!

Heute ist Sonntag

TodayDank meinem Bullet Journal weiss ich meist ungefähr wo wir uns im Kalender befinden. Das Datum ist ja kein Problem, das steht auf dem Notebook und dem Handy auch. Den Überblick über die Wochentage nicht zu verlieren ist jedoch gar nicht so ohne. Wir leisten uns, in den Tag hinein zu leben und ein Termin beim „Coiffeur“ ist schon eine kleine Herausforderung.

Letzte Woche waren wir im Städtchen um ein paar Schnürsenkel zu besorgen. In den Supermärkten hatten wir keine für Sportschuhe gefunden und solche brauchen wir für unsere Outdoor-Stiefel. Also ab in einen Schuhladen. Es hat davon zwei, drei in der Hauptstrasse. Erstaunlicherweise hatten alle geschlossen. Konsterniert guckten wir uns um. Es war sehr ruhig und hatte kaum Leute unterwegs. Kontrollblick auf die Uhr: 14h 30. Die können unmöglich alle noch in der Mittagspause sein! Moment mal, ist heute etwa Sonntag? Wir strengten unsere Hirnzellen an. Das kann nicht sein weil gestern Sonntag war. Bist du sicher? Ehm. Vielleicht mal die Öffnungszeiten studieren. Montag geschlossen. Alles klar, in dieser Stadt ist Montag auch Sonntag.

Wir sind nicht die einzigen, die mit den Wochentagen etwas Mühe bekunden. Ab und zu kommt dieses Thema zur Diskussion mit anderen „Boatpeople“. Letzten Sommer hatten wir für eine Zeit lang in einem Freizeithafen angelegt und lagen als letztes Boot vor der Tanksäule. Da war kein Hochbetrieb, aber alle paar Tage kam ein Boot, vom kleinen „Pfupferchen“ bis zur 25 Meter-Péniche, und tankte voll. Eines Tages kam eine hübsche kleine Péniche daher getuckert und steuerte zielstrebig, an den vertäuten Booten vorbei, den freien Platz bei der Tankstelle an. Die Flagge zeigte uns, dass es sich um Neuseeländer handelte. Die Frau stand ganz vorne am Bug, wohl um die Anlegesituation zu begutachten und weiter nach hinten zum Steuermann Feed Back zu geben. Ich stand auch bei uns am Bug und sie fragte mich ob es hier Treibstoff gebe; absolut berechtigte Frage, denn mit der Anwesenheit einer Tanksäule ist noch lange keine Gewähr, dass da wirklich was rauskommt. Ich entgegnete, im Allgemeinen schon, ja, aber am Sonntag ist geschlossen. „Oh“  ruft sie nach hinten gewandt: „It’s Sunday, Honey, it’s Suuuunday!“.

Seither haben wir diese Musik in den Ohren und jedes mal, wenn wir uns im Tag irren: „It’s Sunday, Honey, it’s Suuunday!“

Kulturschock III: Essen in Frankreich

Hier in Frankreich vergessen wir oft, im Ausland zu sein, bis wir auf etwas Besonderes stossen,  eine Beobachtung machen oder uns etwas auffällt.

Nehmen wir das Thema Essen: die Franzosen nehmen sich Zeit für ihr Essen. Sogar für’s Mittagessen. Weiterlesen „Kulturschock III: Essen in Frankreich“

Hier die Antworten

Wir haben den Abschied von der Schweiz und unser neues Leben auf dem Hausboot über ein Jahr lang vorbereitet und in dieser langen Zeit war dieses neue Unternehmen natürlich immer wieder ein Thema mit Freunden und Kollegen. Dabei gab es an Reaktionen so ziemlich alles, von purer Skepsis bis heller Begeisterung. Wir sind da ja vielleicht ein wenig naiv und haben uns nicht viele Sorgen gemacht um das „wie das dann genau sein wird“ (kommt eh ja anders!). Die Vorabklärungen für die Ausreise, der Verkauf des Hauses, die Entledigung aller unserer nicht mehr benötigten Besitztümer, nahm viel mehr Zeit in Anspruch als die Planung des zukünftigen Lebens.

Die zum Teil lustigen, spontanen oder auch berechtigten Fragen oder Bemerkungen, die wir zu hören bekamen, können wir nun aus Erfahrung beantworten:

Wie machst du das mit den Kleidern? Weiterlesen „Hier die Antworten“

Der Hafen, die Boote und die Menschen

Der Hafen

Hier im Hafen von Auxonne, wo wir den Winter verbringen, sind von den 150 Boots-Plätzen die meisten belegt. Nur die Gästeplätze bei der Einfahrt sind im Winter leer. Viele Boote sind für die kalte Periode stillgelegt, andere jedoch sind bewohnt. Auf einem knappen Dutzend Booten Weiterlesen „Der Hafen, die Boote und die Menschen“

Mein Bullet Journal

Ich habe seit einigen Jahren eine Passion, die mich auch aufs Hausboot begleitet hat: ich führe ein Bullet Journal. Die meisten kennen das sicher oder haben zumindest schon davon gehört. Für die, die jetzt völlig ahnungslos sind: es ist eine Art selbstgemachte Agenda, genau auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmt und wandelbar.

Meine Bullet Journals haben sich über die Jahre gewandelt. Manchmal vollgepackter Termin- und Aufgabenkalender, dann eher Tagebuch in einem knappen Stil, ein Weiterlesen „Mein Bullet Journal“

Bordküche: Gemüse-Risotto

Ihr habt es wohl gemerkt: meine Bordküche beschränkt sich (nicht immer, aber oft) auf eine einzige Energiequelle, sei es auf ein Kochfeld oder den Backofen. Auf dem Boot haben wir nicht endlos Energie, so muss taktisch vorgegangen werden! Geht absolut problemlos.

Ein Risotto ist ein einfaches Gericht, relativ schnell zubereitet und immer lecker. Dieser hier ist erst noch gesund. Die Angaben sind wiederum für 2-3 Personen (Vorspeise 3, Hauptgang 2, vor allem mit einem so guten Esser am Tisch wie bei uns!)

Zutaten und Vorgehen:

  • etwas Butter
  • eine kleine Zwiebel oder Schalotte gehackt
  • eine Tasse *Risotto-Reis, z.B. Carnaroli
  • eine Karotte, ein Lauchstengel, ein Zweig Stangensellerie, ein paar grüne Bohnen, alles kleingeschnitten
  • eine Knoblauchzehe, gehackt

Die Zwiebel in der Butter auf nicht zu hohen Temperatur andünsten. Dann erst den Reis dazugeben, weiterdünsten. Dann das Gemüse und zum Schluss noch den Knoblauch.

1/2 lt. heisse Gemüsebrühe (alternativ Hühnerbrühe)

Die Reis-Gemüsemischung mit der Hälfte davon ablöschen. Auf mittlerem Feuer köcheln, regelmässig umrühren. Flüssigkeit nachgeben, sobald es zu trocken wird. Nach ca. 15 Minuten – der Reis sollte noch gut bissfest sein

  • 1 guten Schuss Malaga oder Madeira (optional)
  • 1 dl Milch
  • eine Handvoll frisch geriebenen **Parmesan
  • gehackte Petersilie

dazugeben, gut umrühren und den Risotto auf kleinem Feuer eher ziehen lassen als kochen. Öfters umrühren. Dies, bis ein Reiskorn gerade noch so Biss hat und das Ganze sämig ist. Keinesfalls den Risotto trocken werden lassen (notfalls mit dem Rest Brühe oder Milch nachhelfen). Am Schluss mit

  • Pfeffer aus der Mühle, und evt. etwas Salz, abschmecken

Sofort servieren. Am Tisch Parmesan zum selber reiben und Pfeffer aus der Mühle anbieten.

*Es lohnt sich, eine gute Reisqualität zu kaufen. Risotto-Reis muss regelmässig garen und keinesfalls aussen matschig und innen noch hart sein.

**Frisch geriebener Parmesan oder auch Grana Padana ist nicht zu vergleichen mit den Sägespänen, die in den Supermärkten angeboten werden. Im Kühlschrank bleibt so ein gutes Stück ewig.

 

 

 

Das bisschen Haushalt an Bord

Auch auf einem Boot muss der Haushalt geschmissen werden. Die Escapade ist gut eingerichtet, hat allerdings gegenüber den meisten anderen Booten eine Besonderheit: wir kochen, backen und kühlen nicht mit Gas aus der Flasche sondern mit Strom. Dies führt dazu, dass wir, trotzdem wir die Kapazitäten erhöhen liessen, nicht in jedem Fall die verschiedensten Geräte völlig sorglos miteinander laufen lassen können. Weiterlesen „Das bisschen Haushalt an Bord“

Tiny Houses, back to the Basics

In den letzten ein , zwei Jahren habe ich mich von Tiny Houses faszinieren lassen. Auf dieses Thema kam ich rein zufällig weil ich raffinierte Lösungen suchte für den Umbau unseres Bootes. Eine der dringendsten Fragestellungen war damals die effiziente Stauraumplanung und die intelligente Aufteilung der Räume. Ich wollte unbedingt so planen, dass wir jedes unseren Arbeitsplatz haben und uns nicht auf den Füssen herumstehen. Wir brauchten Platz um uns auch mal zurückziehen zu können, viel Stauraum für die Dinge die es in einem Haushalt nun halt mal braucht, plus Raum für unsere Sachen die wir für Freizeitaktivitäten brauchten.  Schliesslich benötigten auch unsere zwei Hunde Schlafplätze, auf denen sie ihre Ruhe haben und sich doch nicht ausgeschlossen fühlen würden. Ich war auf Pinterest, googelte was das Zeug hielt und kam so irgendwie auf diese YouTube-Filme über die Tiny Houses und ihre Menschen. Weiterlesen „Tiny Houses, back to the Basics“