Überschwemmungs-Männer-Humor

Ehrlich, dieses Sauwetter hängt uns Boatpeople langsam zum Hals heraus. Wir haben Dauerregen, das tolle Wetter von Vorgestern ist leider schon Geschichte. Tja, was macht man da so, wenn kaum ein Hund raus will?

Man kommt auf schräge Ideen!

Wir haben eine geschlossene Facebook-Gruppe vom Hafen hier. Da tauschen wir uns Bilder vom Hafen aus oder machen Termine aus für die nächste Apéritif-Party. Auch Abwesende informieren sich gern via dieser Gruppe. Nichts Aufregendes also, sondern locker vom Hocker. Und jetzt gibt’s eben vor allem für die Männer absolut nichts zu tun. Am Boot herum basteln? Vergiss es. Radfahren, spazieren gehen, in der Stadt flanieren, die umliegenden historischen Städte besichtigen, die Frühlingskistchen bepflanzen? Oder, Horror, mit den Frauen shoppen gehen? Forget it, stay inside!

Begonnen hat es ganz banal mit der Frage eines Bootsbesitzers (der den Winter in Spanien an der Sonne verbringen muss), wie es wohl seinem Boot gehe. Wir habe ja wieder Hochwasser, somit ist die Frage berechtigt. Aus lauter Langeweile, ‚tschuldigung, ich meine: wegen der vielen zur Verfügung stehenden Zeit, haben einige angefangen ein FB – Geplänkel zu führen. Der Arme hat keine einzige vernünftige Auskunft erhalten. Jeder wollte sich überbieten mit fantasiereichen Infos über die Lea Crest. Die Behauptungen wurden sogar mit Hilfe von Photoshop „bewiesen“. Der Arme in Spanien nahm es, nach dem ersten Schreck, mit Humor; er ist Engländer, die können fast über alles lachen.

Unnötig zu erwähnen, dass alle Beteiligte Männer sind, nicht? Keine weiteren Kommentare.

Lea Crest

 

Was war das? (Angsthase meets Skeptiker)

Hast du das auch gehört? Diese oder so ähnliche Fragen stellen wir uns fast jeden Tag. Ich fürchte, wir sind  ziemlich phobisch in Bezug auf Geräusche und Töne, die ein Boot so von sich gibt. Leser/innen die in einem alten Holzhaus wohnen verstehen mich vielleicht noch am ehesten. Da knackt und ächzt es manchmal auch. Mit einem Unterschied: ihr Haus kann nicht untergehen, unseres hingegen schon. Da wird man schon skeptisch bei jedem aussergewöhnlichen Summen, Knarren oder noch schlimmer: Plätschern!

Ich gebe es zu: Ich bin ein Angsthase. Und ich hasse Geräusche die ich nicht genau zuordnen kann. Sicher hilft da mein „Freund“ Tinnitus, der mich begleitet seit ich achtzehn war, nicht gerade. Ich muss einfach sofort wissen, woher ein Geräusch kommt und ob es nicht etwa Tinnitus ist, der sich wieder etwas Neues ausgedacht hat.

Nun ist es selten das Boot allein, das Töne von sich gibt. Es sind die ganzen Installationen, die lediglich durch eine Holzwand, respektive Holzboden vom Wohnbereich abgetrennt sind. Man hört die Pumpen, den Heizkessel, die Lüftung. Gerade bei den Pumpen gibt es „gute“ Pumpen, welche uns das Frischwasser bringen und das Brauchwasser wieder abführen. Dann solche die man lieber gar nie arbeiten hören möchte: die Bilgenpumpen, die nur dafür da sind, eindringendes Wasser wieder nach draussen zu befördern. Alles was elektrisch ist oder eine Feuerquelle sein könnte, wird ebenfalls scharf beobachtet. Wenn wir heizen hören wir leise den Brenner. Sollte je etwas ähnlich brummen ohne dass wir heizen, wären wir ganz, ganz schnell auf hundert!

Die ganze Bordelektrik ist mir ein Rätsel. Davon verstehe ich nichts. Wohl deshalb hasse ich jede Art von Summen, Surren oder ähnlich, geschweige davon wenn irgend eine Sicherung umklappt. Das ist ja ein Zeichen, dass es irgendwo ein Problem gibt, nicht!?

Sämtliche Stellen, an denen der Schiffsbauch durchbohrt werden musste, lösen Argwohn in mir aus. Ich hoffe einfach, dass überall da wo etwas raus muss (Abgase, Überlauf-Wasser) nichts reinkommen kann. Diese Ausgänge liegen nämlich unverständlicherweise nicht weit über der Wasserlinie sondern gerade knapp darüber, wenn nicht gar drunter. Voll unter dem Wasser montiert und mit Steuerungskabel versehen sind Schraube, Ruder und die Bug- und Heckstrahlruder (siehe grosses Bild oben: Bugstrahlruder). Auch da hat es Löcher! Ach, was bin ich froh, haben wir die Bilgenpumpen!

Es kommt auch ab und zu vor, dass es ganz ordentliche und fühlbare Rumms und Bumms gibt. Mal kann eine Böe uns heftig ins Nachbarboot schubsen. Das finde ich noch lustig, puffern uns doch die Fender gut gegen Schläge. Das ist dann eher so wie auf dem Rummelplatz. Anderes Geschrumms am oder unter dem Rumpf sind schon weniger zu erklären. Im Hafen ist das Wasser ohne nennenswerte Strömung, also kommen in uns treibende Baumstämme nicht in Frage. Vielleicht Welse? Seit ich mal gesehen habe was die Fischer hier so an Land ziehen, könnte ich mir schon vorstellen, dass es Welse sind. Die sind ja riesig und sehen dazu irgendwie gemein aus mit ihrem grossen Maul! Puh, da würde ich höchstens bei ganz, ganz klarem Wasser schwimmen gehen, in der Hoffnung, die Welse ziehen tatsächlich trübes Wasser vor!

 

 

 

Kleine Freuden an Bord

Was hat das Leben auf dem Wasser für eine Faszination für viele Menschen? Klar, viele grossartige Dinge wie auf und im Wasser Sport treiben, herum schippern, nicht an Strassen gebunden sein, keine Kreuzungen mit Ampeln respektieren müssen, Anker werfen wo man eben will oder anlegen wo es einem gerade so gefällt. Ganz so ist es natürlich nicht. Auf den Wasserwegen und auf Seen gibt es zwar eine weitreichende Freiheit, aber ganz ohne Regeln geht es auch da nicht.

Meine kleinen, täglichen Highlights

Heute geht es hier jedoch um ganz kleine, alltägliche Dinge.  Das leise Plätschern von Wasser unter meinem Bett wenn ein Wind geht, die Wolken die es vor dem Fenster scheinbar merkwürdig hin und dann wieder zurück bläst, weil das Boot ganz unmerklich in Bewegung ist und dem Geschehen am Himmel diese Dynamik verleiht, den Widerschein des sonnenbeschienenen Wassers an der Decke über mir, das Schnattern der Enten draussen. Ich mag unsere tierischen Nachbarn; den Kormoran, der untertaucht und irgendwo unvermittelt mit einem Fisch im Schnabel wieder auftaucht, das Schwanenpaar, das zwar neugierig aber meist schlecht gelaunt ist, die Nutrias, die wir zwar selten sehen aber hören wenn sie mit einem dicken Platsch ins Wasser flüchten, das kleine, einsame Wasserhühnchen, das stets so eifrig auf Futtersuche ist. Ja sogar die Eisvögel, die alle hier schon gesehen haben, nur mir haben sie diese Ehre noch nicht gewährt.

Ich schätze die Nähe zur Natur, jeden Tag! Wir sind Wasser und Wetter ausgeliefert. Die Natur gibt den Lebenstakt. Es ist irgendwie wie eine Rückbesinnung auf ganz wesentliche Dinge und die Freude an kleinen Ereignissen. Auch wenn nicht alles immer grad erreichbar ist oder klappt wie gewünscht, ich werde reich entschädigt.

 

 

 

Essen gehen in Auxonne

Die Stadt ist nicht gerade mit Esstempeln gesegnet, aber direkt bei der Kirche befindet sich das „Hôtel du Corbeau“ mit seinem Restaurant. Da waren wir schon ein paar Mal und sind jedes Mal überrascht vom angenehmen Ambiente und der Qualität die aus der Küche kommt. Die Inneneinrichtung ist edel, modern und eher zurückhaltend. Ich mag keine bunten Restaurant-Dekorationen, die Farben habe ich lieber auf dem Teller.

Das Restaurant hat eine relativ kleine Karte, ist aber stolz darauf, dass alles frisch und mit regionalen Produkten zubereitet wird. Es gibt jeweils einen Menu-Vorschlag, und sonst steht die Karte zur Wahl. Die à la carte – Gerichte haben keine Preise; man hat einfach die Wahl zwischen einem Tellergericht, einem 2-gängigen, oder einem 3-gängigem Menu mit freier Wahl von der Karte. Finde ich echt eine geniale Idee!

Zur Vorspeise haben wir beide die „Terrine de Campagne“ vom Tages-Menu gehabt, ländlich-rustikal mit frischem Baguette, dann für mich Entenbrust, perfekt gebraten und leicht süss-säuerlich, serviert mit Kürbis-Püree, eine optimale Kombination. Für den zweiten Gast ein zartes Black Angus-Entrecôte mit selbstgemachten, gewürzten Frites und Salat. Zum Nachtisch ein Gedicht von grillierter Ananas-Timbale auf Crumble mit salzigem Caramel-Eis! Mit dem diskreten und äusserst freundlichen Service unter dem „chef de salle“ Laurent, der auch seine Weinkarte bestens kennt, haben wir uns wohl und gut beraten gefühlt. Eine Wonne, da Gast zu sein!

Trotzdem das Restaurant sich in einem sehr alten Gebäude mit hoher Decke befindet, ist es auch bei vollem Haus nicht lärmig. Etwas das ich sehr schätze. Für mich ist das „du Corbeau“ genau der Typ Restaurant den ich mag: gute französischen Küche, wo mit Fantasie aber ohne viel Brimborium frisch gekocht wird. Einfach perfekt. Und die warme Ananas habe ich jetzt noch auf der Zunge!

Heute ist Sonntag

TodayDank meinem Bullet Journal weiss ich meist ungefähr wo wir uns im Kalender befinden. Das Datum ist ja kein Problem, das steht auf dem Notebook und dem Handy auch. Den Überblick über die Wochentage nicht zu verlieren ist jedoch gar nicht so ohne. Wir leisten uns, in den Tag hinein zu leben und ein Termin beim „Coiffeur“ ist schon eine kleine Herausforderung.

Letzte Woche waren wir im Städtchen um ein paar Schnürsenkel zu besorgen. In den Supermärkten hatten wir keine für Sportschuhe gefunden und solche brauchen wir für unsere Outdoor-Stiefel. Also ab in einen Schuhladen. Es hat davon zwei, drei in der Hauptstrasse. Erstaunlicherweise hatten alle geschlossen. Konsterniert guckten wir uns um. Es war sehr ruhig und hatte kaum Leute unterwegs. Kontrollblick auf die Uhr: 14h 30. Die können unmöglich alle noch in der Mittagspause sein! Moment mal, ist heute etwa Sonntag? Wir strengten unsere Hirnzellen an. Das kann nicht sein weil gestern Sonntag war. Bist du sicher? Ehm. Vielleicht mal die Öffnungszeiten studieren. Montag geschlossen. Alles klar, in dieser Stadt ist Montag auch Sonntag.

Wir sind nicht die einzigen, die mit den Wochentagen etwas Mühe bekunden. Ab und zu kommt dieses Thema zur Diskussion mit anderen „Boatpeople“. Letzten Sommer hatten wir für eine Zeit lang in einem Freizeithafen angelegt und lagen als letztes Boot vor der Tanksäule. Da war kein Hochbetrieb, aber alle paar Tage kam ein Boot, vom kleinen „Pfupferchen“ bis zur 25 Meter-Péniche, und tankte voll. Eines Tages kam eine hübsche kleine Péniche daher getuckert und steuerte zielstrebig, an den vertäuten Booten vorbei, den freien Platz bei der Tankstelle an. Die Flagge zeigte uns, dass es sich um Neuseeländer handelte. Die Frau stand ganz vorne am Bug, wohl um die Anlegesituation zu begutachten und weiter nach hinten zum Steuermann Feed Back zu geben. Ich stand auch bei uns am Bug und sie fragte mich ob es hier Treibstoff gebe; absolut berechtigte Frage, denn mit der Anwesenheit einer Tanksäule ist noch lange keine Gewähr, dass da wirklich was rauskommt. Ich entgegnete, im Allgemeinen schon, ja, aber am Sonntag ist geschlossen. „Oh“  ruft sie nach hinten gewandt: „It’s Sunday, Honey, it’s Suuuunday!“.

Seither haben wir diese Musik in den Ohren und jedes mal, wenn wir uns im Tag irren: „It’s Sunday, Honey, it’s Suuunday!“

Kulturschock III: Essen in Frankreich

Hier in Frankreich vergessen wir oft, im Ausland zu sein, bis wir auf etwas Besonderes stossen,  eine Beobachtung machen oder uns etwas auffällt.

Nehmen wir das Thema Essen: die Franzosen nehmen sich Zeit für ihr Essen. Sogar für’s Mittagessen. Weiterlesen „Kulturschock III: Essen in Frankreich“

Hier die Antworten

Wir haben den Abschied von der Schweiz und unser neues Leben auf dem Hausboot über ein Jahr lang vorbereitet und in dieser langen Zeit war dieses neue Unternehmen natürlich immer wieder ein Thema mit Freunden und Kollegen. Dabei gab es an Reaktionen so ziemlich alles, von purer Skepsis bis heller Begeisterung. Wir sind da ja vielleicht ein wenig naiv und haben uns nicht viele Sorgen gemacht um das „wie das dann genau sein wird“ (kommt eh ja anders!). Die Vorabklärungen für die Ausreise, der Verkauf des Hauses, die Entledigung aller unserer nicht mehr benötigten Besitztümer, nahm viel mehr Zeit in Anspruch als die Planung des zukünftigen Lebens.

Die zum Teil lustigen, spontanen oder auch berechtigten Fragen oder Bemerkungen, die wir zu hören bekamen, können wir nun aus Erfahrung beantworten:

Wie machst du das mit den Kleidern? Weiterlesen „Hier die Antworten“