Merry, not always merry

Die Frage ist: trauern Hunde auch?

Unsere Merry (was ja eigentlich fröhlich, lustig, heiter bedeutet) war durch den Tod, also für sie wohl dem plötzlichen Wegbleiben, von Janusz irritiert und verunsichert. Sie war kleinlaut und anhänglich, erwartete sichtlich jederzeit ihren Bruder zurück.

Obwohl Janusz durch sein extrovertiertes Wesen viel mehr Raum eingenommen hatte als sie, ja, ihr manchmal buchstäblich vor der Sonne stand, fehlte er ihr eindeutig. Erst durch unsere Abreise von Saverne Richtung Strassburg ebbte ihre innere Anspannung ab und sie erholte sich zunehmend.

Nach rund einer Woche, bei unserer Wiederkehr in diesen Hafen , freute sie sich ungemein; sie wurde ganz ungeduldig und aufgeregt. Wir dachten erst, sie freue sich auf einen ihr bekannten Anlegeort. Mitnichten. Kurz nachdem wir angelegt hatten und sie ihre erste Pipirunde hinter sich hatte, fiel sie sichtlich in sich zusammen. Hatte sie etwa erwartet, dass Janusz nun wieder an Bord kommen würde?

Wir blieben nicht lange in Saverne. Gäste kamen an Bord und wir legten ab, und auf der gemeinsamen Fahrt gewann Merry rasch ihre gewohnte innere Balance zurück.

Trotzdem ist nicht alles wie früher. Sie ist am liebsten an Bord, auf Spaziergängen will sie nicht weit laufen, sondern versucht ständig umzukehren. Wenn sie zurück an Bord kommt, freut sie sich ungemein und begrüsst den/die an Bord gebliebenen freudig. Sie ist verschmust, äusserst folgsam, ja fast schon beängstigend brav! Dabei frisst sie gut und sonnt sich in der ungeteilten Aufmerksamkeit. Kleine Angewohnheiten und Verhalten, die sie vor der Ankunft von Janusz hatte, kommen wieder zum Vorschein; nach 8 Jahren!

Es ist schwierig zu sagen, sie hätte getrauert. Die „Chemie“ in unserer Familie ist verändert, das ist gewiss, aber Ursache und Wirkung sind gerade bei Hundeseelen nicht immer einfach zu unterscheiden. Vielfach spiegeln Hunde die Stimmung ihrer Menschen, und Merry kriegt von uns sicher auch viel mehr Beachtung, ist sie doch neu Einzelhund. Das Leben mit einem alten Hund mit gesundheitlichen Einschränkungen ist nicht einfach, war für uns jedoch selbstverständlich. Janusz fehlt uns enorm, wir reden viel von ihm und manchmal übermannt es uns noch und wir müssen erst ein paar mal leer schlucken. Es ist das erste Mal seit zig Jahren, dass wir nur einen Hund haben (und den kleinsten je), und erst jetzt realisieren wir was ein Zweithund, neben viel Liebe und Freude, bedeutet. So viel Ehrlichkeit muss und darf sein: es ist mehr Aufwand, mehr Planung und -sorry, liebster Janusz- mehr Wollmäuse überall. Wir finden es jetzt auch schön, Dinge zu dritt zu unternehmen. Merry ist relativ klein und sie hat überall leicht Platz, sei es im Restaurant, im Taxi, in der Eisenbahn, überall. Wir sind nun auf der Suche nach einem cleveren, klappbaren Hundeanhänger*, damit wir sie in Zukunft bequem auch mit den Rädern mitnehmen können.

Wir alle drei werden uns nach und nach vom Riesenschreck und der Trauer um unseren ‚Grossen‘ erholen. Die Erinnerungen an viele lustige und tolle Erlebnisse mit diesem, nicht zuletzt durch seine Taubheit und fast-Blindheit, sehr speziellen Hund werden in uns lebendig bleiben.

Merry hatte ihre Fröhlichkeit etwas eingebüsst, aber nun kommt das kecke Mädchen in ihr langsam wieder zum Vorschein. Tendenziell: every day a bit more merry und dies tut auch uns Menschen total gut.

* Falls jemand einen Tipp hat, bitte melden!

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

3 Kommentare zu „Merry, not always merry“

  1. Konnte sie sich von ihm verabschieden? 🤔 Auf jeden Fall bemerkt sie eine Veränderung und merkt natürlich, dass jemand fehlt.
    Es wird noch etwas länger dauern, bis ihr über ihn reden könnt, ohne das Gefühl zu haben, dass die Tränen kommen wollen.

    Gefällt 1 Person

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