Viele Highlights auf kleiner Strecke

Eine der am dichtesten – meiner bisherigen Erfahrung nach – mit Highlights bestückten Strecke auf dem Canal de la Marne-au-Rhin Est ( Rhein-Marnekanal Ost) befindet sich im Raum Réchicourt – Arzviller.

Die Schleuse von Réchicourt habe ich im letzten Beitrag beschrieben. Nach unserem Abstecher in den Canal des Houillères de la Sarre (Sarre-Kohlekanal), kehrten wir zurück auf die laaaange Ypsilon-förmige Scheitelhaltung dieser beiden Kanäle (Titelbild: die Kanalkreuzung mit den zwei der vielen Teichen der Gegend im Hintergrund). Über Kilometer und Kilometer ohne jede Schleuse zu fahren ist sehr, sehr selten auf einem Kanal und war für uns ein reines und erholsames Vergnügen. Einen ganzen Tag schipperten wir gemächlich erst gegen Süden von Houillon aus vom Sarrekanal in den Rhein-Marnekanal und dann Richtung Osten bis Niderviller, lange 22 km! Natürlich hatte es Brücken, also ganz ohne Hindernis ging es nicht. Unser Bimini wurde laufend hoch und runtergeklappt.

Jemand hatte uns von einer mehrere hundert Meter langen engen Stelle in einer 180° Kurve vorgewarnt. Tatsächlich ist die Strecke nicht weiter geregelt, bloss hupen soll man. Was einen jedoch kaum retten wird, wenn da eine Péniche entgegenkommt. On serà mal, man befände sich in einer schlechten Position, und müsste wohl rückwärts wieder rausfahren und dem prioritären Berufsverkehr Platz machen. Wir hatten Glück und waren alleine auf weiter Flur.

Wenn da einer kommt! „Hup nochmal“

Gleich nach dem Hafen von Niderviller geht es in einen kurzen Tunnel (475 m), dann nach einigen 100 Meter draussen gleich ins nächste Loch, diesmal für etwas länger (2306m). Das allererste Mal überhaupt fuhren wir im Konvoi von mehreren Booten hintereinander ein. Mittlerweile hatten wir rausgefunden, wie die Escapade am besten durch einen Tunnel zu führen sei: mit den Z-Fender am Tunnelsteg „ansaugen“, daran gleiten und nicht mehr „loslassen“. Sofern die Leitplanke aus sauberem, glatten Material besteht, fahren wir so wie auf Schienen und völlig stressfrei durch den Tunnel. Der Zustand der beiden Tunnels war optimal, hurra! In der offenen Mittelstrecke warteten wir alle auf ein Hotelboot, das den zweiten Tunnel in der Gegenrichtung befuhr; es kam sehr, sehr langsam und vorsichtig daher. Während der fast einstündigen Wartezeit, zum Glück im kühlen Waldschatten, hatte ein vorbeifahrender Lokomotivführer seine helle Freude an uns und tutete aus vollen Rohren. Wir winkten und tuteten zurück. Man kann sich ja auch an kleinsten Dingen erfreuen!

Kaum aus dem zweiten Tunnel raus, wartete schon die Hauptattraktion auf uns, und diemal etwas wirklich Spezielles: der Lift von Arzviller. Auf den freuen wir uns schon seit Jahren, und wir hatten sogar das Vergnügen, ihn gleich mit meiner Schwester als Gast an Bord zu entdecken! Die vielen Touristen allerdings überraschten mich. Der Lift ersetzt seit den 60igern eine steile Kanalstrecke mit 17 Schleusen und bewältigt 44.5 Meter. Die ganze Anlage kann man besuchen, was wir eigentlich sehr gerne gemacht hätten, jedoch nicht unbedingt bei Temperaturen von 34°. Einmal unten, suchten wir uns schleunigst einen Schattenplatz um abzukühlen (nach einer kurzen Ehrenrunde im grossen Becken unterhalb des Lifts um einen verlorenen Fender aufzusammeln) und die Nacht zu verbringen. Wir verbleiben noch einige Zeit in dieser Gegend und Le plan incliné de Arzviller läuft uns nicht davon. Im Herbst wird es uns ein Vergnügen sein, im kühlen, bewaldeten Tal der Schleusen eine kleine Wanderung zu machen.

Die Fahrt auf dem Plan incliné de Arzviller, dem Schiffshebewerk von Arzviller, war echt beeindruckend. Wir werden dieses in den nächsten Wochen wohl noch ein paar Mal mit Besuch befahren. Mit meiner Schwester hatten wir auch eine zusätzliche Leichtmatrosin an Bord, die bereits im zarten Alter von 9 Monaten ihre Arbeit sehr ernst nahm. Sie wollte überall mit dabei sein!

Mehr Infos zum Schiffshebewerk sind hier zu finden:

https://de.wikipedia.org/wiki/Schiffshebewerk_Saint-Louis/Arzviller

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

2 Kommentare zu „Viele Highlights auf kleiner Strecke“

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