Gesundheit!

Gesundheit ist stets ein Thema, ob ein fester Wohnsitz oder als Nomade, die Gesundheit ist unser oberstes Gut. Normalerweise hat man ein festes Gefüge an Hausarzt und Spezialisten zur Verfügung, die man aufsuchen kann, wann immer es Zeit oder nötig ist. Als Nomade ist dies jedoch eine spezielle Herausforderung, über die wir uns, trotz dem schon etwas beladenen Gesundheitsrucksack, vor dem Umzug auf ein Hausboot nicht besonders viele Gedanken gemacht haben, ganz in unserem Stil “ das wird dann schon gehen“.

Tatsächlich geht es ganz gut, wobei dieses Durchwursteln vielleicht nicht jedermanns Sache wäre. Es braucht eine gewisse Flexibilität. Wir haben uns angewöhnt im Winter jeweils mit den nötigen Kontrollen und Behandlungen unsere Gesundheit zu erledigen. Das ist nötig, den ben oui, auch wir sind in ein gewisses Alter gekommen, in dem man möchte, dass mal genauer hingeschaut wird und Vorsicht ist ja bekanntlich die Mutter der Porzellankiste. Denn was wir ganz bestimmt nicht wollen, ist auf grosser Fahrt auf einmal einen medizinischen Notfall zu haben. Dies gilt für uns, wie auch die beiden Vierbeiner (und genau genommen, für das Boot ebenfalls!) Notfälle und Pannen, nein wirklich, lieber nicht. Aber sie geschehen halt doch, wie gerade jetzt, wo wir einen Termin brauchten, um einen Zahnfleischinfekt behandeln zu lassen. Da sind wir auf sehr flexible Zahnärzte angewiesen, und einen haben wir auch soeben gefunden!

Da wir fast jede kalte Jahreszeit jeweils an einem anderen Hafen verbringen, müssen wir jedes Jahr neue medizinische Beziehungen aufbauen. Das braucht viel Energie. Manchmal, wie in Sillery im vergangenen Winter, haben wir das Glück, eine Hausärztin und das Lokal der Gemeindepflege mit einer kurzzeitigen Permanence** am Vormittag, gleich vor der Haustüre zu haben. Für nötige Laborproben konnten wir da einfach mit dem entsprechenden Rezept hingehen. In 10 Minuten war alles erledigt. So einen leichten Zugang zu medizinischer Versorgung war bisher jedoch eher die Ausnahme. Meist waren die Wege etwas länger.

Für Dépistages*, Zahnarzt und Spezialisten gibt es am Rande Reims eine angenehme Ballung von Universitätsspital, Polykliniken, Praxen, Radiologiezentren und spezialisierte Privatkliniken, die alles bieten, was man so benötigen könnte. Für uns war das ein Glücksfall und sehr, sehr angenehm. Diese Ballung an medizinischer Versorgung liegt leicht ausserhalb der Stadt, ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar und hat sogar einen TGV Bahnhof; was will man mehr?

Beide haben wir einen kleinen Kalender an regelmässigen Kontrollen und jeden Herbst frage ich mich, wie und wo wir das alles erledigen können. Ehrlich gesagt tendiere ich dann auch dazu, das alles ein wenig vor mir herzuschieben, bis dann plötzlich das Jahresende am Horizont auftaucht und mir klar wird, dass ich wohl ein bisschen Dampf geben sollte, wenn alle Termine noch unter Dach und Fach kommen sollen. Jedes Jahr dasselbe und jedes Mal schwöre ich mir, es im nächsten Winter besser machen zu wollten. Tja, man kann nicht aus seiner Haut.

Damals, als wir Familie und Freunden von unseren Auswanderplänen erzählt haben, kam auch immer wieder die Gesundheitsfrage auf. Wir wussten damals noch nicht genau, wie die Krankenversicherung organisiert werden sollte, schlugen die Bedenken etwas leichtfertig in den Wind. Rückblickend kann ich sagen, dass wir wieder einmal Glück hatten und trotz lausiger Vorbereitung den Weg zur französischen Securité sociale, zu der auch die Gesundheitsversorgung gehört, relativ gut gefunden haben, auch wenn der Prozess dahin manchmal einen langen Atem bedingte.

Heute funktioniert es für uns einwandfrei und für Schweizer, die die obligatorische Krankenversicherung selbst organisieren und bezahlen müssen, ist das französische System, wenn es denn mal aufgegleist ist, eine riesige Erleichterung. Hin zu Arzt oder Apotheke, Carte vitale und mutuel abgeben und (mehr oder weniger) that’s it. Um den gesamten Schritt ins französische Gesundheitswesen zu machen, brauchte es allerdings etwas Mut zum Schnitt; die Leine zur Zusatzversicherung in der Schweiz haben wir gekappt, wir sind auch da bei einer Französischen, die – das können wir nun bestätigen – mindestens genauso leistungsfähig ist wie gewohnt und dazu viel günstiger. Aber, und das ist endgültig, zurück in eine schweizerische Zusatzversicherung können wir schon rein altersmässig nicht mehr. Keine wird uns mehr aufnehmen. Wir sind also gesundheitsrelevant in Frankreich gestrandet. Damit können wir jedoch gut leben – wir fühlen uns wohl hier, sind medizinisch gut aufgehoben und haben nicht vor, zurückzuwandern, und sonst …. haben wir immer noch die leistungsfähige Grundversicherung. Auch hier bleiben wir uns treu und nehmen ein gewisses Risiko in Kauf, denn ein Leben ohne jedes Risiko ist langweilig, oder etwa nicht?

*Dépistages: Früherkennung, staatlich organisierte und bezahlte Kontrollen für verschiedene Krebsarten

** Permanence: spontaner Termin ohne Voranmeldung

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Keep it alive

A look at life, achieving good physical and mental health and happiness

– fadegrad

Wir treffen oft, ich schwör!

AUSWANDERERBLOG

Bilder und Texte von ennet der Grenze

Tutto paletti

Perfekt auf die entspannte Art

Taufrisch war gestern

Birgit Jaklitsch: Journalistin, Bloggerin, Autorin

CUISINE HELVETICA

Swiss food, drink & culinary travel

Consommons sainement

Adoptez un quotidien plus écologique à votre façon, à votre rythme et sans pression !

Meermond

Das Onlinemagazin made with ❤️ in Scandinavia

Familiendinge

Wo geht es denn zum neuen Leben?

Mitzi Irsaj

schreibend - lesend - durchs Leben stolpernd - aus Sturheit optimistisch - gerne am Abgrund taumelnd

Zeit für Rosen - Der Ü50-Blog

Erfahrungen und Themen in der Lebensmitte / Gesundheit, Zusammenleben, Inspiration, Entdeckungen für Best Ager

Törtchen - Made in Berlin

Leidenschaftlicher Backblog aus Berlin

Lydia's Welt

Rund um den Alltag einer blinden Mutter mit arabischem Hintergrund

%d Bloggern gefällt das: