27!

Ardennenkanal! Wunderschöner, gewundener Kanal mit viel, viel Natur, wenigen Ortschaften und noch weniger Anlegeplätzen.

Wir hatten schon viel gehört von diesem Kanal, der 1833 eingeweiht wurde. Zeitweise gibt er den Eindruck, als habe sich nicht viel verändert seit jener Zeit. Ursprünglich sollte er den Transitverkehr von Belgien ins Herzland von Frankreich beschleunigen. Ein Nachkomme von Generationen von Schleusenwärtern erzählte uns, dass in seiner Kindheit manchmal 40 Lastkähne pro Tag durch seine Schleuse kamen. Das muss in den 50-60igern des 20. Jh. gewesen sein. Hatte er übertrieben und sollte es auch bloss die Hälfte sein, wäre dies immer noch viel mehr Verkehr als wir je gesehen hatten. Heute fahren nur wenige Lastkähne von Berry-au-Bac bis kurz vor Rethel, wo sie beladen kehrt machen. Der oberere Teil dieses Kanals ist dem Privatverkehr überlassen.

Wir befinden uns aktuell im bief de partage, der Scheitelhaltung. Hinter uns liegt eine Schleusentreppe von 27 Schleusen, bewältigt in 2 Tagen (19 am 2. Tag!). Da wir Besuch an Bord hatten, der uns fast den ganzen Weg zu Fuss begleitete, in den Schleusen Leinen entgegennahm und die Schleuse steuerte, war das eigentlich zwar eine zeitraubende, aber ganz angenehme Angelegenheit. Die „Treppe“ folgt einem kleinen Fluss und windet sich durch die hügelige, sehr grüne Landschaft. Die ganze Schleusenstrecke beansprucht knapp 10 km, es gibt also kaum Verschnaufpausen zwischendrin. In Neuville-Day, nach der 9. Schleuse nach Attigny, fanden wir eine tolle Anlegestelle mit Pollern und Pikniktisch. Zum Glück hatte uns der VNF-Mann davor gewarnt, auf der dorfabgewandten Seite zu weit mit den Hunden bergwärts zu spazieren. Der Waldrand sei von Prozessionsspinnern befallen, und deren Raupen seien jetzt unterwegs. Die Haare dieser Raupen sind hochgiftig und können einen Hund, sollte er schon nur daran schnuppern, töten. Auch für uns ist eine Berührung von höchst unangenehm bis gefährlich. Wir kennen diese Gefahr vom Tessin her und umgingen die besagte Zone grossräumig!

Als etwas Besonderes gilt die Schleuse Nr. 21. Sie ist brandneu. Vor drei Jahren war sie durch Dauerregen und Unterspülung komplett zestört worden. Sie brach ein und riss das Steuerhaus mit. Nachdem der Staat zwei Jahre lang überlegt hatte, ob sie nun wiederaufgebaut oder der Kanal stillgelegt werden sollte, wurde sie für 2 Millionen Euro komplett saniert und ab 2021 konnte der Ardennenkanal wieder ganz durchfahren werden. Bei jedem Unglück dieser Art gibt es dieselben, leidigen Diskussionen, und wir sind immer wieder erstaunt, wie leichtfertig der Französische Staat einen so wichtigen Teil seiner Geschichte bereit wäre aufzugeben. Die Kanäle Frankreichs sind ein historisches Monument, genauso wie die Notre Dame und andere grosse Bauwerke. Sie und die den Kanälen entlang führenden Radwege haben eine wirschaftliche Bedeutung, die sich noch ausbauen liesse und wären damit wichtig für die ruralen Gegenden, aber so richtig ist man sich dessen – leider – nicht bewusst. Wir sind überzeugt, das Kanalsystem wäre es Wert mit einer Auszeichnung als Unesco-Weltkulturerbe beehrt zu werden. Ein Bewusssein dafür ist aber in Frankreich nicht wirklich auszumachen. Über Lippenbekenntnisse kommen die Franzosen bedauerlicherweise nicht hinaus.

Hier, in Le Chesne, können wir uns das erste Mal seit wir von Sillery losgefahren sind, an den Strom anhängen. Über 11 Tage dauerte der ultimative Test für die Leistungsfähigkeit der neuen Batterien und der Sonnekollektoren. Über die Hälfte dieser Zeit waren wir zu viert an Bord und wir hatten jederzeit genug Strom, um zu kochen und sogar um Brot zu backen, auch wenn wir einen Tag Pause einlegten. Wir können jetzt unsere Angewohnheit, zu jedem möglichen und unmöglichen Zeitpunkt auf die Kontrolltafeln zu schielen, definitiv ablegen. Gut so. Erleichterung pur.

Von hier an wird es also wieder bergab gehen. Nicht lange, denn bald fahren wir in die Meuse (Maas) ein und diese fliesst aus Frankreich hinab nach Belgien. Wir planen jedoch eine Stippvisite flussabwärts in der nächsten, grösseren Stadt, Charleville-Mézière, dann wenden wir und fahren südwärts in Richtung der Lorraine (Lothringen) hinauf. Eine weitere Gegend, die wir vom Boot aus überhaupt nicht und sonst nur oberflächlich kennen. Es bleibt spannend.

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Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

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