Unsere Pupsi-Brothers

Eigentlich sind es ja Bruder und Schwester. Adoptiv-Bruder und Schwester, denn sie sind nicht einmal aus dem selben Land und schon gar nicht verwandt. Sie ist Ungarin, er ist Pole. Aber beide können bellen und furzen, letzteres manchmal ganz doll und bevorzugt spät abends, wenn wir es uns alle Vier so gemütlich eingerichtet haben; die Zweibeiner lesend und die Vierbeiner dösend und, eben, pupsend. Soll ja gesund sein, aber uahhhh! Vor allem stört es mich, wenn mein Mann dann erst mich empört anschaut.

Das Pupsen kommt meistens vom Grossen. Seit er so schlecht sieht und hört, hat er seine Nase ständig in Dingen, welche ihn eigentlich nichts angehen (meinen wir, er wäre da sicher nicht einverstanden). Viel öfter als wir es sehen kommen, verschwindet da auch ganz schnell etwas in den Tiefen des Hundegedärms. Wir kriegen auch etwas davon ab, einfach zeitverschoben. Siehe oben.

Die beiden sind ja herzallerliebst, haben jedoch auch ihren Charakter, vor allem jetzt im reiferen Alter. Das Lockenmädchen ist die Gewitztere. Sie wägt genau ab, was sie tut und wie lange wir wohl Geduld haben mit ihr. Sie kennt die Stichworte, die garantiert kommen, wenn wir genug haben von ihren Eskapaden . Das genervte Wort ‚Bitte‘ zum Beispiel. Das klingt auf Deutsch zwar nett, für unsere Hunde ist es aber ein Zeichen, dass es nun wirklich an der Zeit ist, unseren Wünschen Folge zu leisten. Die Stimmlage untermalt dies klar und deutlich. Das merkt auch Madame und gehorcht. Na also, gewusst wie.

Der Pole ist da viel einfacher gestrickt. Er freut sich immer, das tun zu können, was wir von ihm möchten, mit der Einschränkung, dass er uns dazu überhaupt sieht. Tagsüber, bei bewölktem Wetter, sieht er noch am besten, aber auch da müssen wir deutliche Zeichen geben. Sein Gehör indessen hat sich in den letzten Monaten praktisch verabschiedet.

Hier herum, am Kanal, spazieren wir oft hin und denselben Weg wieder zurück. Für Rundgänge gibt es nur wenige Möglichkeiten durchs Dorf. Janusz liebt es umzukehren! Auf dem Hinweg schnuppert er alles minuziös ab, da entgeht ihm kein Düftchen. Kaum haben wir gewendet, ist für ihn die Sache erledigt und – er weiss ja wo das Zuhause ist – zeigt uns sein entschwindendes Hinterteil. Dieser alte, taube und fast blinde Hund kann ganz schön schnell sein! Für uns gibt es bloss zwei Möglichkeiten: er kommt an die Leine, oder wir bleiben immer wieder stehen und warten, bis der alte Herr von alleine zurückkommt. Seine Grenzen liegen bei so 50 Metern. Meist haben wir daher für den Rückweg länger als den Hinweg, und Freilauf ist bloss an sicheren Orten möglich, ohne viele Spaziergänger und schon gar keine Radler. Ich glaube aber, wir haben einander gegenseitig nicht schlecht in Griff. Abgesehen vom Spaziergang ist Janusz happy mit dem simplen Tagesprogramm Aufstehen – spazieren – fressen – pennen – aufstehen – spazieren – fressen – pennen – spazieren – Leckerli – pennen. Eine Katastrophe, sollte das irgendwie durcheinander geraten. Für diese Fälle hat er ein Rezept, das früher oder später zum Erfolg beiträgt. 1. Phase: herumtigern, 2. Phase herumtigern und flennen, 3. Phase alles zusammen plus Hundeaugen und knurrende Seufzer. Na, geht doch!

Merry indessen ist es egal, wann das Fressen hingestellt wird, Hauptsache es gibt ab und zu was. Sie überspringt auch gerne mal freiwillig eine Mahlzeit. Sie frisst nicht wie ein Hund sondern ganz manierlich und in Häppchen. Fehlt nur noch, dass sie Messer, Gabel und eine Serviette verlangen würde. Generell ist sie unkompliziert und gerne überall mit dabei, und sei es bloss um den Müllsack zum nächsten Container zu bringen. Solches macht sie glücklich und stolz über die erledigte Aufgabe. Sie hat es auch gerne kuschelig, liebt ihr Kissen und ihre Decke, die sie ständig neu arrangiert um dann völlig platt und entspannt darauf zu schlafen, vorzugsweise auf dem Rücken. Wenn sie so schläft, scheint sie kein Wässerchen trüben zu können und meine Mutter würde sagen, sie sei ein Engelchen, mit einem B vorangestellt!

Wir probieren hier also die Oberhand zu behalten und wiegen uns in der Illusion, dass wir das Sagen haben. Aber nun mal ehrlich, ich bin da nicht immer so sicher!

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

2 Kommentare zu „Unsere Pupsi-Brothers“

  1. Die abendlichen „Düfte der Entspannung“ sind schon ein Phänomen für sich. Welcher Hundefreund kennt das wohl nicht?
    Es freut mich sehr, dass es auch mit Taubheit und Blindsein noch so viel Lebensfreude für Janusz gibt, und die Lebensart der Lockendame erinnert mich an die beiden Hundemädchen, die ich bisher in Obhut hatte / habe. Sie unterscheiden sich mit ihrem Bedürfnis zum täglichem Neuarragieren der Decken im Bettchen offenbar allgemein von ihren männlichen Hundekollegen, die waren in der Hinsicht immer gleich zufrieden, wenn das Bett / die Decke nur überhaupt da war und den Liegeplatz bezeichnete.

    Gefällt 1 Person

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