Gugus

Der Ausdruck im Titel ist ein schweizer Mundartwort mit Doppelbedeutung: einmal macht man Gugus mit Kleinkindern um sie zu überraschen und zum lachen zu bringen, etwa indem man das Gesicht abdeckt um dann die Hände plötzlich wegzunehmen. Gugus im Sinne wo bin ich und wo bist du. Ganz passend zum allerersten Beitrag 2022, nach langen Wochen des Stillschweigens. Also: Gugus, seid ihr noch da?

Der andere Sinn des Wortes Gugus bezichnet Blödsinn, nicht Wichtiges, Blabla, oder ähnliches. Beide Bedeutungen passen exakt zu diesem Bericht!

Ich bin wieder da und …. na ja, eigentlich gibt es wenig zu berichten. Gugus halt. Im Winter machen wir stets dasselbe: für uns Beide, die Hunde und das Boot grosse und kleine Kontrollen, Unterhaltsarbeiten, Überholungen. Wir sitzen in der warmen Stube, lesen, reden, spielen Spiele, schauen Filme, machen ein bisschen Ordnung, bürsten und kämmen den Haushalt. Wir kaufen ein, kochen, essen, gehen mit den Hunden und vor allem schlafen wir viel und lange! Für uns ist es hier ungewohnt früh dunkel und der Tag bricht entsprechend spät an. Die Sonne, sodenn sie überhaupt scheint, macht einen ganz flachen Bogen. Soweit im Norden waren wir im Winter noch nie, und der Unterschied zum Gewohnten ist beträchtlich.

Vorneweg das Wichtigste: Es geht uns gut. Wir sind geimpft, geboostert und Corona bislang erfolgreich aus dem Weg gegangen. Hoffen wir das so beibehalten zu können, denn eine Infektion von uns beiden wäre so ohne enges und nachbarschaftliches Beziehungsnetz eine kleinere Katastrophe. Alle hier im Hafen halten freundliche Distanz und Masken werden eh von allen Franzosen hier herum konsequent, gut gelaunt und ohne Murren getragen.

Leider ist das Wetter in diesem Winter absolut schrecklich. Abgesehen von ab und an eingeschobenen Sonnentagen ist es seit Dezember in dieser an sich schönen Gegend grau, feucht und kalt. Wir leiden unter dem Sonnenmangel und mein Mann sagt, ich werde langsam rumplig (mürrisch, reizbar)! Das kann nur zwei Sachen bedeuten: Mangel an Vitamin D oder Hunger. Hunger ist es ganz bestimmt nicht, denn wenn es draussen garstig ist, dann ist das leibliche Wohl umso wichtiger und wir kochen und essen (nicht unbedingt viel aber) gut. Hier, wo wir auf dem Wochenmarkt einen italienischen Stand haben, der ein tolles Sortiment führt, schwelgen wir im siebten Himmel. Das eine oder andere zusätzliche Speckröllchen werden wir im kommenden Sommer, wenn vor lauter Hitze nur Leichtes auf den Tisch kommen wird, schon wieder los. Draussen Grau, auf dem Tisch bunt und vielfältig, das ist die Devise!

Wir sind ja schon fast im März. Das ist etwas voreilig, ich weiss, aber die ersten Gänseblümchen und Primeln haben wir schon entdeckt, Zaubernuss und Hasel blühel, die Forsytien treiben langsam aus und kaum ist ein schöner Tag, zirpen schon die ersten Vögel in den Büschen. Auf unserem Tisch liegen Führer und Karten, die Pläne für die Fahrsaison nehmen konkrete Formen an. Im März und in den April hinein gibt es noch ein paar wichtige Arbeiten am Boot zu erledigen. Das Wichtigste: Wir werden nun – endlich – Sonnenkollektoren auf das obere Deck montieren. Ein Projekt, das mehrfach in Angriff genommen wurde, dann wieder verworfen, umgeplant und wieder sistiert… wird im Jahr 5 unseres Bootsabenteuers in die Tat umgesetzt werden! Ich bin ja gespannt, wie das aussehen wird. Ein wenig bin ich schon traurig, dass unser grosses, leeres, weisses Deck durch diese schwarzen Platten etwas verunstaltet werden wird. Aber die zusätzliche Energiequelle wird uns in Zukunft noch unabhängiger machen und es erlauben, unbeschwert und unabhängig von anderen Stromquellen irgendwo tagelang festmachen zu können. Das ist ja das, was wir so lieben an diesem Leben: die freie Wahl zu haben, in einer trubeligen Stadt, einem kleinen Steg in einem ruhigen Dorf, oder eben in der freien Landschaft, mit keinem Schwein weit herum, anlegen zu können!

Wie ich hier das so schreibe, fängt es an zu kribbeln und am liebsten würde ich schon morgen ablegen – der Winter war mir schon lange genug. Nun braucht es das, was ich überhaupt nicht habe: Geduld.

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

3 Kommentare zu „Gugus“

  1. Vielen Dank liebe Freunde uns eine neue Fassung Ihre Lebensverfahren kennen zu lernen ! Hier in Elsass sind fast gleiche meteo Beingnungen zu erleben, aber das Wetter wird sich langsam verbessern ! Alles gutes für Sie !

    Gefällt 1 Person

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