Kuriosität im Rebberg

Ein veritabler Leuchtturm mitten in den Rebbergen? Eh, oui!

Schon als wir im Sommer den Canal de l’Aisne à la Marne talwärts fuhren, erblickten wir bald einmal nach dem Tunnel in der Ferne dieses seltsam und deplatziert wirkende Bauwerk. Im Führer hatten wir zum Glück schon darüber gelesen, sonst hätten wir womöglich unseren Augen misstraut. Aber was hat ein Leuchtturm soweit vom Meer entfernt für eine Bedeutung? Die Schifffahrt auf dem Kanal braucht sowas nicht und die Rebberge der Champagne sind hügelig und keineswegs an einem grösserem Gewässer.

Le phare de Verzenay, so ist dieser Turm bekannt, wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von einem Champagner-Winzer als Werbecoup, als erster armierter Betonbau in der Region, erbaut. 300 Kilometer von der nächsten Küste entfernt. Damals lief des Nachts, wie in einem echten Leuchtturm, noch das Signallicht. Dieses strahlte über die Rebberge und war in der doch eher flachen Gegend von weitherum bis über Reims hinaus sichtbar. In den Nebengebäuden waren ein Restaurant, ein Theater und eine beliebte Guinguette, ein typisch französisches, einfaches Einkehrlokal, untergebracht. All das zusammen bildete eine grosse Attraktion hier in dieser Gegend. Die Besucher konnten damals sogar mit der Eisenbahn anfahren, was rege benutzt wurde. Da war ziemlich was los!

Die Bomben des Ersten Weltkriegs machten dem ganzen fröhlichen Betrieb dann ein Ende. Der Turm verfiel in der Folge und wurde nach und nach von der Natur überwachsen. Die Gemeinde Verzenay kaufte den Leuchtturm in den 80igern und ergänzte ihn mit einem Winzermuseum. Ein Restaurant gibt es leider nicht mehr, in der Lobby kann man jedoch die zahlreichen Champagner von Verzenay und Umgebung probieren und kaufen. Den Turm kann man besteigen und von da oben hat man einen tollen Blick in die Weite der Landschaft mit den zahllosen Rebparzellen. So steht er wieder stolz und von weitherum sichtbar da, allerdings nunmehr ohne Lichtfeuer, und bildet zusammen mit den Rebbergen der nördöstlichen Champagne und der Windmühle von 1818, die gleich auf dem nächsten Hügel steht, die Wahrzeichen von Verzenay. Da dieser Ort die Nachbargemeinde „unseres“ Gastgeberdorfes ist, und wir diese Sehenswürdigkeiten vom Hafen aus sehen können, sind wir als temporäre Einwohner auch ein wenig stolz auf diese etwas eigenwillige Sehenswürdigkeit.

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

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