Achterbahn

Ich war noch nie auf einer, weshalb sollte ich auch? Das Leben ist mir Achterbahn genug!

Erst geht es schön geradeaus voran, dann steil bergauf, kurze Erholungspause und dann… freier Fall. Unten beruhigt es sich wieder um dann ganz gehörig Fahrt aufzunehmen und in Windeseile geht es um nicht vorhersehbare Kurven, rauf, runter, es rüttelt einen ordentlich durch, dann geht es wieder glatt und wie auf Schienen… Die ganze Zeit fühlt man sich von wohl bis sehr unwohl, einmal ist es ganz angenehm, dann wieder fühlt man den Magen gleich unter dem Kinn. Klamme Angst löst Glücksgefühle ab, es geht hin und her und eigentlich ist nie Ruhe. Nicht wirklich.

Weshalb soll ich da noch auf eine Bahn?

Sage einer, er glaube ans Schicksal, sie sehe einen Plan. Ich sehe nur eines: ein nettes Chaos.

Sache ist, ich finde das gar nicht schlimm. Schlimm fände ich, wenn ich das Leben nicht spüren würde, wenn alles so mehr oder weniger dahin plätschern würde, mich nichts besonders an- oder aufregen würde, ich weder Hochs noch Tiefs hätte, weder Glück noch Trauer, weder die Sonne noch den Schatten sehen würde. Dies fände ich geradezu tragisch; Ein Leben zu leben, das sorgsam auf der Mittelspur balanciert werden müsste. Ja keine Bewegung machen, ich könnte ausscheren, ein Risiko eingehen, aus dem so mühsam gehaltenen Gleichgewicht geraten! Es könnte weh tun, mir Kummer bereiten, ich könnte ein Fiasko erleben, es könnte peinlich werden und alle würden über mich den Kopf schütteln.

Nein, das ist meine Sache nicht. Wie ein Mäuschen in der Ecke bleiben mit Angst vor meinem eigenen Schatten? Nochmals Nein.

Um dem Lebenschaos zu begegnen braucht es bloss wenig. Ein bisschen Selbstvertrauen kann nicht schaden. Humor und die Fähigkeit über sich selber zu lachen vereinfacht vieles auch sehr. Dann braucht es eine gewisse Bescheidenheit, im Sinne von sich selber nicht so gar wichtig zu nehmen. Jeder ist bloss ein Teil des Ganzen, eine Ameise. Eine Prise Naivität oder Unbekümmertheit kann nicht schaden. Froh und leichten Herzens vorwärts gehen, ohne sich bei jedem einzelnen Schritt um Pro und Contra Gedanken zu machen. Selbsterkenntnis! Ja, ganz sicher ist es elementar, herauszufinden, was das eigene Leben lebenswert macht, was einem wirklich wichtig ist. So ganz ohne sich von der Gesellschaft oder Kommerz beeinflussen zu lassen. Demut: Jeden Tag versuchen so zu beschliessen, dass man in der Nacht abtreten könnte, bloss mit einem kleinen Bedauern, weil es doch gerade so schön ist.

Weshalb ich das hier so aufschreibe? Das weiss ich eigentlich gar nicht so genau. Vielleicht, weil ich realisiert habe, und ich meine damit ‚tief verstanden‘, dass mein Leben und das Leben meiner Lieben endlich ist. Es geht nicht ewig weiter, wir haben nicht unendlich Zeit, endlich das zu tun, wovon wir ein Leben lang träumen, um eine Situation aktiv zum Besseren zu verändern oder Unausgesprochenes zu sagen! Weil wir jeden Tag leben und nicht zu viel auf später verschieben sollten, weil dieses später vielleicht gar nie kommt.

So habe ich beschlossen halt eine Chaotin zu sein, eine, die in der Eisenbahn auf Knien die heruntergefallenen Münzen zusammensammelt, die auf einem offenem Platz mit einer Tüte Eingekauftem über die eigenen Füsse stolpert und der Länge nach hinschlägt, die notorisch in Ecken und Kanten läuft und selten keine blauen Flecken hat, oder die als Einzige in der Runde laut lacht. Es ist mir egal, wenn ich quer in der Landschaft stehe, mich andere schräg anschauen oder nicht alle supernett und sympathisch finden. Das Leben ist zu kurz um sich allem anzupassen und die Bestätigung von andern zu erwarten, egal wie viele Jahre man lebt. Es ist zu kurz, um in unangenehmen Situationen zu verharren und ewig auf Besserung zu hoffen, zu warten darauf, dass sich das Umfeld ändert oder man durch Andere glücklich werde.

Es ist nicht alles möglich, aber was möglich ist sollte man in Angriff nehmen. Auf in die Achterbahn, locker vom Hocker und los!

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

9 Kommentare zu „Achterbahn“

  1. Wunderbare Gedanken… passen zu meinem momentanen Sein! Bitte bleibe wie Du bist, genau so wirst Du geschätzt uns geliebt!

    Deinen Eintrag betreffend dem gebeutelten und doch so zuversichtlichen Matrose hat sehr berührt, aber vor allem Eure grossartige Einstellung und Liebe verdeutlicht!!

    Ganz liebevGrüssli von der unfreien Schweiz (Montag Zertifikat, wie schrecklich ??? In F läuft das prima …es sind halt Auswärtige)

    Köpfchen hoch

    Von meinem iPhone gesendet

    >

    Gefällt 1 Person

    1. Schön von dir zu hören, Brigitte, und danke für die Blumen. Freut mich immer, so Rückmeldungen zu erhalten. Kopf hoch, auch die CH muss ihren Weg gehen und ich hoffe für uns alle, dass dieser Alptraum zu einem Ende findet. Schönes Wochenende 🥰

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  2. Wie recht du hast. 👍 Stillstand und Abwarten, dass sich was zum Besseren ändert, sind eigentlich unverzeihlich, es sei denn, man genießt mal gerade einen Moment des Abschaltens. Ansonsten: Jetzt oder nie!
    Rummel und speziell die Fahrgeschäfte sind trotzdem nix für mich.😉 LG Anke

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