Zwischen Marne und Oise

Wir befinden uns aktuell in einer sehr geschichtsträchtigen Gegend. Vor allem der 1. Weltkrieg hinterliess hier herum tiefe Spuren. Reims und Umgebung stand ja fast den ganzen Krieg lang im Zentrum der Aktivitäten. Wobei, Aktivitäten klingen jetzt schon fast nach Freizeit; das wird der Katastrophe, die über diese Gegend hereinbrach, nicht gerecht.

  • Vor der Abfahrt nehmen die Hunde ein letztes Bad im Flüsschen Veyle in Sillery
  • Schleuse in Reims, gleich nach grosser Brücke
  • Reims. Von der Stadt merkt man hier nicht viel
  • Extrem lärmiger Übernachtungsplatz in Reims. Eine ist genug.
  • Ausfahrt Reims, sehr industriell. Eine Ladevorrichtung für Schiffe nach der andern.
  • Liege- und Übernachtungsplatz im Grünen
  • Die Schleusen sehen hier aus fast wie Pools!
  • Blick ins Grüne. Ausgeräumte, flache Landschaft.
  • Da war einmal eine Brücke, die zwei nicht mehr existierende Dörfer verband
  • Der unwirklich grüne Aisne-Marnekanal mit seit Tagen dem ersten Gegenverkehr
  • Einfahrt in die letzte Schleuse des Aisne-Marnekanals
  • Offene Schleusentore

Auf unserer Fahrt auf dem nördlichen Teil des Aisne-Marnekanals sahen wir immer wieder Brückenköpfe, deren Brücken nie wieder aufgebaut wurden. Wozu auch. Gemäss Karte führten sie von nirgendwo nach nirgendwo. Früher standen da jedoch Dörfer, die über den Kanal hinweg verbunden waren. Viele dieser Dörfer wurden nicht wieder aufgebaut. Der Kanal selbst hat ein paar Meter tief oft eine Art buschigen Wald, dahinter öffnet sich eine ausgeräumte Landschaft. Irgendwie meint man noch die von Gräben durchzogene, verwüstete Landschaft zu sehen, die Kampfhandlungen zu hören, den Rauch zu riechen. In jedem Dorf, wie überall in Frankreich, stehen die Denkmäler für die Gefallenen, vor allem für die des Ersten Weltkriegs. Massenhaft junge Männer!

Nun ist alles so friedlich hier, still, fast einsam. Der Kanal hat die Farbe eines Naturpools, ab und zu rauscht eine Péniche oder ein Freizeitboot vorbei. Mietboote hat es hier keine. Leider. Die Gegend rund um den Naturpark der Montagne de Reims wäre ein tolles Gebiet um Kanalurlaub zu machen, jedenfalls, wenn man Wein und kleine Dörfer, aber wenig Infrastruktur, mag.

  • Der riesige Kreuzungs und Wendeplatz im Seitenkanal der Aisne
  • Wieder einmal ganz allein im Grünenn
  • Die Ufer sind etwas verwildert hier
  • Dieses Dreieck wollen wir befahren.
  • Die Schleusenpanne. Das Servicepersonal fährt in Gruppen vor!
  • Der Oise-Aisnekanal: Ganz schön wild und abgelegen hier, kaum mal ein Dorf
  • Pargny-Filain mit dem See, Dorf und Sommerfrischlern!
  • Wir an der Anlegestelle in Pargny im Abendschein
  • Es wir noch wilder und einsamer: Auf 30km nur Wald, keine Treidelpfade und nur ein Dorf mit Kai
  • Alter Marchstein am Ufer

Wir sind inzwischen weiter nördlich und hangeln uns so von Unvorhergesehenem zu Unvorhergesehenem. Planänderungen sind nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel. Was solls, dann passen wir uns halt den Gegebenheiten an und wir haben es ja nicht wirklich eilig. Am Ende des Aisne-Marnekanals gelangten wir nach der letzten Schleuse in ein grosses, leeres Becken. Rechts geht es Richtung Ardennen, links Richtung Paris. Da wir gelegentlich wieder nach Sillery zurück wollen, interessieren wir uns für das Dreieck Aisne – Canal latéral à l’Oise – Canal de l’Oise à l’Aisne (siehe Kartenausschnitt). Eigentlich wollten wir erst in dieser Reihenfolge fahren. An der ersten Abzweigung erfuhren wir jedoch, dass in Soissons die Durchfahrt zwar möglich ist, wegen Festivitäten auf der Aisne jedoch der ganze Hafen für zwei Wochen schliesst. Na bravo. Wir hatten geplant, da das Boot wieder mal an den Strom anzuschliessen, Wasser zu tanken und ein wenig Haushalt zu erledigen. Ausserdem hatten wir Wein dahin bestellt und wollten den abholen. Soissons wurde im 1. Welkrieg fast total zerstört und in einem späten Jugendstil wieder aufgebaut. Ein Besuch dürfte demnach interessant sein!

Erneuter Programmwechsel also. Trotz den schwachen Batterien und dank dem Generator sind wir einigermassen unabhängig, aber so alle drei, vier Tage möchten wir mal ein Päuschen machen und uns an elektrischen Strom anschliessen. Frische Produkte benötigen wir auch ab und zu, und wir möchten vielleicht einmal mit jemandem anderen reden als bloss immer unter uns zwei zu sein! In diesem schwach besiedelten Gebiet haben wir keinerlei Probleme uns vor einer Covid-Infektion zu schützen; wir sind so einsam, dass es schon fast einer Quarantäne gleichkommt.

An einer der Schleusen (bergwärts) hatten wir ein wenig Action. Inmitten des Öffnungsprozesses und gerade als wir einfahren wollten, blieben die Schleusentore stehen und die Ampeln sprangen auf Doppelrot. Merde. Wir machten provisorisch fest und riefen per Funk bei VNF um Hilfe. Binnen Minuten kamen 4 Fahrzeuge daher und mehrere VNF-Frauen und Männer wuselten umher. Ein Tor verlor Schmieröl und hatte sich blockiert. So die wenig erbauliche Diagnose. OK, warum auch nicht. Wir richteten uns häuslich ein, machten richtig fest, fuhren die Biminis rauf und insgeheim hoffte ich, dass das denselben Effekt haben werde, wie wenn man sicherheithalber den Schirm mitnimmt: dann regent es nämich NICHT. Es funktionierte! Nach 10 Minuten war alles „geflickt“ und wir konnten einfahren, ein VNF-Mann blieb da, nahm mir die Leinen in der fast 4 Meter tiefen Schleuse ab und legte sie um die Poller und die Schleusensteuerung übernahm er auch gerade. All das mit guter Laune und freundlichem Lächeln. Bravo und merci beaucoup.

Unvermittelt sind wir nach einer Fahrt ohne jedes Dorf in einem innerfranzösischen Feriengebiet eingetrudelt. Nach einem Tunnel, indem wir gestreift hatten und uns der sienafarbene Verputz aufs Boot herunter geklatscht ist (fröhliches Putzen!), öffnete sich plötzlich ein See vor uns. Gleich gegenüber, auf dem durch einen schmalen Damm getrennten Kanal, eine hübsche Anlegestelle, wo es Platz für uns hatte. Strom und Wasser gab es auch, nur keine Abfalltonnen, wie so oft. Die französischen Gemeinden scheinen zu glauben, wenn man keine Tonnen aufstelle, gäbe es auch keinen Abfall zu entsorgen! Immer wieder müssen wir un tour du village machen, um unseren Müll, das Glas und Papier ordentlich entsorgen zu können. Der See hat eine richtige Beach, mit Bademeister und Rutschen. Dahinter ein Campingplatz, weitere Rutschen, Tennisplatz und so weiter. Von unserem Liegeplatz aus klang es tatsächlich wie an einem Strand mit Kindergelächter und -geschrei. Störte uns nicht. Feriengefühl vom Reinsten. Erstaunlicherweise gab es da nicht mal eine Bäckerei. Ach, Frankreich ist ein Autoland! Leider wurde es auch wieder ziemlich kühl, und die Sommerfrischler verzogen sich. Geblieben sind uns die Fischer und Haubentaucher, Enten und Schwäne.

Der mehrtägige Aufenthalt in Pargny-Filain war dann aber auch das Highlight des Oise-Aisnekanals. Kurz danach tauchten wir in einen endlosen Wald ein. Weder rechts noch links gab es einen Treidelpfad. In diesem Dschungel halten und aussteigen zu wollen war aussichtslos. Die Transportschiffe, die uns entgegenkamen, fuhren angenehm langsam und das Kreuzen war deshalb kein Problem, auch wenn die überhängenden Äste uns manchmal nicht viel Platz dafür liessen. Nervig war es allemal. Über 30 km ging das so, bei der Ausfahrt in den Oise-Seitenkanal atmeten wir wohl hörbar auf! Nun schnuppern wir wieder einmal für ein paar Tage Stadtluft und holen auf dem Boot nach, was in diesen langen Tagen liegengeblieben ist. Das tut gut.

Autor: suzyintheflow

Of Swiss origin, living in France on a houseboat with husband and two dogs. Intends to travel all over the navigable waterways of Europe in the years to come. No specific plans but open to any adventure and curious about the people and the places waiting to be met!

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